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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 38. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 38.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Leidenschaften des Blute« sich wendet. Da« ist blkulklSwert", um mit dem Dichter Scheffel zu reden. Lind un» die Schattenseiten de« Judenthum» ebenso ptniß al« dir Schattenseiten de« christlichen deutschen Volke« (in (Yehrimniß, so kann doch nicht« in un« tödten den ginnt«» auch an da« Gute im Judenthum und an den mdlichen Sieg über all' die bösen Mächte, die im Menschen, in der Brust de« Ehristen wie de« Juden, schlummern. Dir Pariciwuth hüben und drüben soll un« nicht beirren. Wo Parteien reden, muß da« Borurtheil grwühnlich da« ge. nchtc Urtheil ersetzen. Hier konsttuirt man sich künstlich einen christlichen Germanen zurecht und schmückt ihn au» mit allen Gättrrgaben de« äußern und inner« Menschen. wLdrend man von dem Juden ein wahre« Zerrbild macht. Und auf der andern Seite will man den. weisen Nathan mit seinem edlen Herzen in jedem J«raelitrn sehen, während man au« dem gläubigen Christen einen mordlustigen Patriarchen macht. Diese edle Tendenzmalerri mag nun so gut oder so schlecht gemeint sein, wie sie will, auf Wahrheit aber kann da» vom Freunde wir vom Feinde entworfene Bild indeß keinen Anspruch machen. Hingegen führt e« zum blinden Hatz und zur eitlen Selbstvrrblendungl Wa« un« Allen Roth thut, ist Selbsterkenntniß und Demüthigung vor den, neigen Gott!" . . . Loweit da« .Bromb. Tageblatt". Wer. der diesn, Artikel mit der ihm gebührende» Aufmerksamkeit liest, fühlt sich nicht wohlthurnd angeweht von dem echtreligiösen, wahrhaft humanen Geiste, der auch unsere Rosch - haschana > Gebete durchzieht? „O daß wir Alle einen Bund bildeten, um nach Gotte« heiligem Willen in Bruder- und Vaterlandsliebe nebeneinander zu leben!" — Da« ist unser Neujahrswunsch für da« religiöse Jahr 6648. Geschäftsbericht de»?«rst«»de» der israelitische» KuNusdeamt«» Mittetdeutschkand» auf der 6. cha»fere»z a« 2». u. L«. Auui 1884 zu Kalke «. K. Beim Rückblick auf die VrreinSthätigkeit im Jahre 181,3/84 ist zunächst dankend der Gemeinde Erfurt zu gedenke», welch« die vorjährige Versammlung in freundlicher und herzlicher Weise bei sich ausnahm. Da die Versammlung unmittelbar der vom Jahre 1882, die auch in Erfurt stattfand, folgte, so ist e« ein besonder« erfreuliche« Factum gewesen, dag trotz der unmittelbaren Aufeinanderfolge sowohl die Aufnahme in den einzelnen Familien, al« auch die Abendunterhaltung, die herzliche Gastlichkeit und stundenlang andauernde Anwesenheit der Vorstandsmitglieder, da« ernste Interesse an den Zielen der Versammlung bekundeten. E« wird sich gewiß ein jeder der Theilnehmer der vorigen Lonfrrenz noch lange Zeit mit- Freuden der vom biblischen Geiste durchwehten Abendunterhaltung erinnern. Ein Zweite« ist e«, da« un« mit Freuden an dir letzte Eonferenz zurückzudrnkm veranlaßt, da» ist der erste Beittag su einem Fond« für die seit mehttrrn Jahren geplante Untertützungskasse. Diese Haffe ist ein Werk, an dessen Weitndildung und Förderung der größtt Segen nicht nur in materieller Beziehung, sondern in ideeller für die Verein«- genossen sich anschließen wird; denn daran gemeinsam zu ^beiten, daß Thaken wahrer Lieb« in zarter und tröstender Form unter un« selbst von nun au so reichlich al« möglich grübt werden, ist nicht nur ein Vorbild, sondern auch ein Zeichen unserer Auffassung von den Lehren de« Judenthum», dessen Geist au« einem Herzen strömte, da« von der Liebe M Menschheit erfüllt war. und dessen Glanzpunkt seit Jahr» lausenden, besonder» aber seit dem Beginne der Diaspora, in der praktischen Ausübung dieser Liebe besteht. Außerdem wird diese Haffe, wenn sie von un« allseitig mit Liebe gefördert wird, der festestt Litt für un« selbst werde», der alle Trennungen und Verstimmungen, welche Meinungsverschiedenheiten vicklricht nach sich ziehen könnten, immer wieder au«- gleicht. Die Thätigkeit für diese Lasse ist leider im vergangenen Jahre nicht die erwünschte gewesen. Wir wollen hoffen, daß die die»jährige Versammlung den Eifer für dieselbe schärfen ivird. Rach den Beschlüssen der vorjährige» Versammlung ist die heutige Tagesordnung festgestellt und wir freuen un« daß zum zweiten Male die Praxi« de« Unterrichten» anschaulich in unserem Kreise un« vorgeführt wird. Hoffentlich wird ein solche« anschauliche« Bild und die Besprechung derselben den großen Vorzug diese» Förderung-mittel« un» erweisen. — Die Eorrespondenz. welche der Vorsitzende mit dem Ausschuß de« Gemeindebunde» geführt hat, ist wohl mst Veranlassung zu der Tagesordnung de« Gemeindetage« geworden. welcher die Berufung einer Delegittenversammlung für pädagogische Zwecke beschlossen hat und wird Ihnen heute noch eine die«bezügliche Aufforderung de« Gemeinde» bunt>au«schusie« mitgetheilt werden. Die übrigen Punkte, welche die Eorrespondenz mit demselben berührte, sind leider deshalb nicht zu rinem weiteren AuSlrag gediehen, weil die Krankheit de« Äeheimrath Herrn Dr. Kristrller die« verhinderte. Hoffentlich wird durch die bald eintretende Genesung de« geehrten Herrn Geheimrath rin Fortgang in den Verhandlungen wieder möglich werden. Zur Abhaltung der diesjährigen Eonferenz leitete der Vorsitzende die Vorverhandlungen persönlich in Halle ein und hattt die Freude, an unserem verehrten BereinSgcnosse» Herrn Rabbiner Dr. Fröhlich, sowie an den verehrlichen Gemeindebehörden, und insbesondere dem Herrn Blumen» thal, warme Vertreter unserer Eonferenz zu finden, so daß e« möglich geworden ist, die diesjährige Eonferenz hier ab> zuhalle». Ein hocherfreuliches Ereigniß gab dem Vorstände des - Verein« Veranlassung, denselben einem unserer Mitglieder gegenüber zu vertreten. Der Hm Pros. Dr. Heidenheim, Rabbiner zu Sondershausen, lvar von Gott der Gnade gewürdigt. sein 70. Lebensjahr und sein 50 jährige« Jubiläum in seinem cultuellen Amte zu erleben. Der Vorstand hielt r« für seine Pflicht, bei einer so seltenen Freude, zumal der Jubilar 50 Jahre an einem Orte gewirkt und da« öffentliche Vertrauen in seinem Bezirk bi« in die höchsten Kreise seines engeren HeimathSlandeS genießt, die volle Thcilnahme de« Vereine« ersten« durch eine Adresse und zivciten« durch die persönlich« Anwesenheit de« Vorsitzenden und seine« Stellvertreter« zu bekunden. Die Adresse lautete folgendermaßen; .Hochgeehrtester Herr Professor! Lieber Herr ilollegel Durch die Güte Gotte« ist Ihnen heute da« Glück zu Dheil getvorden, 70 Jahr« Ihre« Leben» und üv Jahre Ihre« beruflichen Wirten» erfüllt ui sehen. Die große Freud«, die der «llgütige Ihnen, Ihrer Familie, Ihrer Gemeinde und Ihrem Berustkreise in Staat und Stadt bereitet hat, erhebt auch un», die Mitglieder de» Verein» ittacl. ilultu«beamlen Mitteldeutschland«. Im -kamen de« Verein» beglückwünsche ich Sie im Austrag« de« Borstande« uno erfülle die angenehme und-un» Alle ehrende Pflicht, Ihnen zu bekennen, daß Ihr Wirken in Ihrem amtlichen Beruf»kreise von edlen Gesinnungen getragen, unrrmündliche« ikiser gestärkt, Bildung und Gesittung, Redlichkeit und Frieden, Menschenliebe und Go»e«sunht gefördert hat. Die ehrend« Au«zetchnung, welche Ihrem bürgerlichen Wirten von höchster Stelle zu Theil geworden ist, da» hervorragende Wirten trefflicher Schüler, die in Ihnen einen «eisen Lehrer und Führer hatten, sind die glaubwürdigen Zeugen Ihrer segen»rrichen lhkitigkeit und ein; Ehre für Ihr« Familie, Ihre Gemeind« und für un«. Möge «» der Allgüiig« Ihnen und un» vergönnen, Sie in geistiger Frische und körveriicher Rüstigkeit zum Segen Ihrer Gemeinde, Ihrer Schüler und unsere« Verein» noch recht lange in unserem Sachsenland« wirten zu sehe» und möge er die Ehre Ihre» Rav-en» in Ihrem Familienkreise zur Förderung de« Judenthum« erhalten. Genehmigen Sie diese aufrichtigen Wünsch« unsere» Verein« und dessen Vorstande«. Erfurt, lb. Juni 1881. Der Vorsitzende de» verein» i»raelit. Eultu»bea«ten Mitteldeutschland«: gez. Dr. tkroner."

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