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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 37. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 37.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 286 — in tan neuen Gotte-Hause beglückwünschte, sprach er die sichere Erwartung au», tafe in tan neuen Tempel die Lehren de» alten Testament», der wahre Glaub« an den Ewigen, Einig.Einzigen, ächte Gottr-surcht. tief empfundener Patrioti»mu», die Hingebenste Treue zu unserem geliebten Herrscherhaus« gepflegt werden mögen. Rabbiner Dr. ftrontt gab dem Herrn Regierung-Präsidenten die Versicherung, solange ihm Gott die Kraft dazu gebe, stet» in diesem Sinne in seiner Gemeinde zu wirken. Dann öffnete er da» Pottal. Die Linziehenta, empfing ftterlicher Lhorgesang mit Orgelbegleitung. Rach verschiedenen Feitgesängen, bieder au»Gemeintanitaliedern bestehende gutgeschulte Lhor abwechselnd mit Eantor Rothschild in trefflicher Weise vortrug, nachdem die Thorarollen in einmaligem Umzug durch die Synagoge gttragen und in die heil. Lade gebracht worden waren, bestieg Dr. Kroner die Kanrel. Er legte der Festprrdigt den Ber« au« Jesaja« öS. 7 zu Grunde, der, auch über dem Hauptpottal der Synagoge prangt: 3-V7N?37> mp" ,T?Bn HO 'N"3 '2 und sprach über die Bedeutung de» Gottrsbause« al» '3 .ttmtSfi n-3 neun ‘2 .rnen: Die Synagoge sei ei» Hau« der Forschung nach der Wahrheit, nach dem »elbstbewußtm, ewigen, unerschaffrnen Wesen, dessen Ettenntniß durch unsere Forschung in un» gefördert werden solle. Die durch die Forschung gewonnene Äotte-rrkmntniß führe un« zum Gebet, da« nicht au» egoistischen Motiven entspringen dürfe, sondern zu einem Zwiegespräch mit Gott sich gestalten müsse. Die Richtung unserer Forschung und unsere» Gebete«, die Richtung der Lehren in unseren» Gotte»hause bezeichne de» Prophttr» Zusatz D-ÖSH 7>37>. Mit einem inbrünstigen Danke«grbtte, in welchem er wiederholt unsere» theuere» Vaterlande« und unsere« allgeliebten, ehrwürdigen Kaiser« gedachte, schloß Dr. Kronrr seine inhaltlich um« formell vorzügliche Rede. Lhorgesang schloß die synaaogale Frier. — Abend« fand im »Rhnnischen Hof" ein Bankett mit nachfolgendem Balle statt, an dem ca. 200 Personen theinahmm. Bon den dott gehaltrnen zahlreichen Reden sind hervorzuheben: Dr. Kroner'« Toast auf <3e. Majestät den Kaiser, Dr. Wahl'« Trinkspruch auf die Stadt Erfun und deren Behörden und die begeisternden Wotte de« Dr. Goldschmidt au» Leipzig. Mit dem 8. Septbr. begann der regelmäßige Gotte«dirnst »n der neuen Synagoge Sanz nach der in der alten Synagoge geübten Weise. Die irbttordnung ist nicht um rin Jota gekürzt worden und der übliche Gemara-Borttag nach dem Minchahgotte«dimst am Sonnabend fand wie seither statt. — Al» besonder« bemerke»»« wetth ist zu erwähnen, daß die hies. zur Einweibung mehrfach geladene evangelisch« wie katholische Geistlichkeit — unter theilweise nicht nbauliche» Anzeichen — durch ihre Ab- Ät glänzte. Dir auf den Wunsch der Gemrinderollmim . Kroner in kürzester Zeit verfaßte gediegene Festschrift : „Geschichte der Juden in Erfurt, eine Skizzewird wohl im „Litteraturblattausführlicher besprochen werden. B. E. JtM btt Hproreinz Jftftn. (Or.-Eorr.) E« ist recht erfreulich, den Wetteifer unsner Glaubrn«brüta in der Verfolgung hunianer Zwecke zu erblicken, und bedarf e« nicht der Erwähnung, um wie Biele» die matettrllen Opfer jährlich sich steigern, welche zur Erreichung gedachter Ziel« aufgewendtt werden. Dieselben sind sehr bedeutend und characteristren hinlänglich da« edle Streben unserer Brüder. Wenn ich nun mit Nachstehendem dennoch vor die Oefftntlichkeit ttttr, und nach dieser Richtung hi» die Aufmerksamkeit gelenkt sehen möchte, so ist dieser Gedanke einem tiefgefühlttn Bedürfnisse entsprungen und wenn geeigntte Kräfte sich fänden, tan Gedanken durch Einleitung der Angelegenheit in die richtigen Bahnen näher zu trtten, so würoe einem tiefempfundene» Bedürfnisse abgeholfcn werden. Biele Provinzen, in denen da« numerische Berhältniß der Glaubep«brüder e« al« zweckmäßig erscheinen läßt, für arme Waisenkinder besondere Anstalten zu errichten, sind meisten» dem Erforderniß durch Errichtung von Waisenhäusern nachgekommen und haoen diesen armm Schäflein, den Stiefkindern de» Schicksal«,-ein Heim gegründet. ih«,I Vater und Mutter wiederaegeben. Rur «ine Provinz, mg Er di« in numerischer Beziehung stärkste, ist diesem lft. erniß in fast gar keiner Weise nachgekommen, denn da» isenhau« in Posen, da« vielleicht einigen zwanw Kindern Raum bitten dürfte, genügt durchau« nicht tat ft* Forderungen. Die Zahl der armen jüdischen Waisrnk«,^ in der P r o v i n z Posen ist btträchtlich und thätt e« dringng noch, geeigntte Maßregeln zu ergreift», viele Menschen tx, Verwahrlosung zu schützen, vor dem Elnide zu rttten. Jaj, au« jeta Stadt der Provinz dürften Fälle aufzuweisrn thi, wie traurig e» mit den armen Waisenkindern steht. wie s,! der Privatwohlthätigkeit anheimfallm, die aber nnen gedeih, lichen erziehlichen Einfluß in fast gar keiner Weise ausübc Bi» zum vittzehnten Lebensjahre werden diese armen Kinder unter Entbehrungen jeglicher Art, oft ohne genügende Sleidüng, ohne gedeihliche» Unterricht „ausgehalten", um da» in die Lchrr zur Erlernung ttne» Handwerk» gegeben z, werden. Endlich also entledigt man sich ihrer — und de, Zufalle sind Thür und Thor geöffntt. Wie viele begabt hoffnungsvolle Menschen gehen, ivttl Niemand sich ihrer angenommen, in der Schule de» Leben« unter, wie oft häne man da al» Vater der Waisen eine heilige Pflicht erfüllt, können! Dtt größte Theil der Gemeinden in der Provinz dürste von der Nothwendigkeit ttne« gemeinsame» Vorgehen» in dieser Frage ütarzeugt sein und würde auch, da« habe ich vielfach au«sprechen höre», der Ausführung ttne» cnisprechenden Plane« durch Bewilligung von einmaligen, auch stehenden Beiträgen, ihre Sympathie bezeugen, doch schein« die Frage noch nicht öffentlich besprochen zu sein, um ge. nügrnden Anklang zu finden und Kräfte zu veranlaffe», die Angelegenheit in die .s^uid zu nehmen. Wenn einerseit» die Gemeinden in der Provinz Pose» sich zur Zahlung von Beiträgen zu gedachtem Ziveckr gern entschlossen, so dürste» auch unsere Landsleute iveit und breit un« sehr gerne hülsreiche Hand biete». Unsere „Posener" in ta Hauptstadt, die durch besondere Vereine ihre engere Zusammengehörigkeit!.ern bestätigen und btthätigen. sie »verde» gewiß bereit >ein. ür unsere Sach« einzutrttcn, ivenn sie sich von der Roihwendigkeit, derselben näher zu trtten. überzeugt habe», «ie gehören, wie ich wohl weiß, zu großen Thrilen den Fechivereinen für dir Waisenhäuser in Lahr und Magdebulg a> und würden wir sicherlich nicht nur bei ihnen, sonder» auch btt vielen unserer Glauben-genoffen auf Unterstützung rechne» können. E» iväre wünschenSwttth, ivenn die Angelegenheit weiter öffentlich besprochen würde und al»dann zu Bildung eine« Lomitr'«. welchem dir Vorarbeiten anheimfirlen. gf* schritten werden könnte. Möge da« herannahend« Nrujahr-stfl die guten Vorsätze unserer Glauben-aenoffen für die armen „Jüdischen Waisenkinder" ta Provinz Posen zur Reift bringen. I. Lewin-Labischin, erster Lehrer und Präparanden-Bildner. R—m. Krter, 1. September. (Or.-Eorr^ Im Jahn 1762 erstattete die churfürstliche Regierung de« ErzbiSthum« Trier cn dortigen Juden, sich ein öffentliche» GotteShau« zu bau«. Die Gemeinde war damal« noch (Irin .und die beschränken Räume de» Bethause« genügten anfana« vollkommen. In Laufe ta Zeit jedoch wuchs die Zahl ta Gläubigen in ungeahnter Weift, die Kleinheit de« Saale«, die Dürftigkeit ta «»«stattung konnten beim Gebtte nur drückend uut hemmend auf die Gemüther wirken. Den Bemühungen un» dem enttgievollen Eingreifen de« Obettabbiner« Joseph Kahn s. A. ist e« zu verdanken, daß nach langem Widerstreben die jüdische Gemeinde sich dazu entschloß, ein neuck Gebäude zu ernchten, da« würdiger den jüdischen Ramm vertrat Am »UM '3 "V 5619 (1869) zog die Bundeslade au» dtt altm in die neue Synagoge rin. Borgestem nun. all am selbm Sabbath. feierte die jüdische Gemeinde dm 25. Gedenktag de« wichtigen Tage« durch ttnm erhebmdm Gottt«- bimst. Da« festlich mit Blumen und Guirlandm geschmückte Hau«, da« schon durch sein schöne« Innere an sich den

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