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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 37. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 37.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 287 — ^fraglichen Gemüthe den höchsten Gknufe bereitet, empfing tot Eintretmdm. die bald durch den Gesang de« Chore« und to« Vorsänger* in die gehobenste Stimmung versetzt wurden. Den Glanzpunkt de« Feste« aber bildete die Rede Sr. Ehnvürden de« Oberrabdiner Dr. Zuckermandel. der die Betonung der Feier tief ergreifend schilderte. Au-gehend von tot Betrachtung, daß die Gemeinde sich seit mehr denn 100 Jahren in stetem Wachsthum und Gedeihen befinde, daß tro$ der Abtrennung einer Zahl von Gemeindemitgliedern zu einer neuen religiöse» Genofienschaft die Treugeburbrnm allein doch die weiten Räume der neuen Synagoge fast bi» auf den lehren Platz füllten. bahnte er sich die Brücke zum I*jtc Jesam« 40,8 zur Ausführung de« Gegensahe« zwischen dem steten Werden und vergehen der organischen Gebilde (wischen dem Wechsel der Systeme in der Wissenschaft, der lasichten in der Kunst, und der Stabilität de« Gotte«worte«. der Unvergänglichkrit der Thorah. Dem schönen Inhalt eaisprach vollkommen die gewählte Form. Den paffenden Schluß der Rede bildete dir Borlesung de« über den Ast der Grundsteinlegung ausgenommrnen Protokoll», die die Hörer wieder in jene Zeit versetzte, wo der Bau de« Gotte«- hause« mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, und die ihnen den Besitz desselben erst recht schätzen und erkennen ließ. Auf allgemeinen Wunsch wird die Predigt dem Drucke übergeben werden. D«lästina. Samari«. Unsere Colonieen können nicht gedeihen, weil zuviel über sie berichtet und zuviel um sie, wie für sie gesorgt wird. Au« dem allen Satze: »An Allem, wa« gezählt und gewogen wird, ist kein Segen", habe» besonder« die Frauen die Lehre gezogen, man dürfe keine halbfertige Arbeit betrachten, nicht zu oft hi« Fortschreiten eine« Werke« beaugens.hcinigen. Und dazu die Bemutterung l Setzen wir den Fall, die russisch-rumänischen Auswanderer hätten so viel Veld gehabt, al« sie Dalle« mitgebracht, wer hätte ihnen Lchrrr gestellt, ihnen Ausirher gegeben, gegen die sie „Krhilla" spiele», d. h. sich widersrtzen können'? Doch wahrlich kein Rmsch — Bist Du Gotte«' Kind, hilf Dir selbst! Gut — «an giebt den Armen Aecker, lebende« und tobte« Jnventarium, «an stellt ihnen de« Ackerbau'» kundige Leiter, auch sorgt «an für ihren Unterhalt bi« zur ersten Ernte. Aber damit Kug und übergenug! Man schicke nicht jede Woche einen ncht über Fortschritte odrr Rückschritte in die Zeitungen, grstatir nicht, daß jede Llurrelei und Quergelei zu einer weitdrwcgcndm Frage aufarbauscht werde. Man laffe die Leute ruhig arbeiten — Wer» eifrig treibt wird vorwärt« komme». Ler von der Bedeutung seiner Mission erfüllt, toll und faul wird — wird mit der Zeit sich chon selbst fortbringen — also mchr Ruhe und weniger Aufmerksamkeit! Da« ist sür« Erste Roth. Die Bauern selbst aber mögen mehr 5rade„ und pflügen, al« Zeitungen schreiben und lesen! rohdrm ist die Karre so verfahren, daß ich mehr Stoff zu dkr'chlen habe, al« mir lieb ist. Die Solonit »Samarin" ist nf den Namen de« verewigten Herrn Lübel au« Galatz zckausi. Rach dessen Hinscheiden sprach die Regierung da« liigmthum al« ein erblose« an. Nur mit Mühe gelang e« dm Rothschildschen Bevollmächtigten, den Türken glaubhaft i» machen, daß Dr. Lübel der Erbe seine« Bater« sei. Doch dieser starb, bevor er da« Umschreiben auf den Baron «othschild vollzogen hatte und seinen minderjährigen Sohn ^äl die Regierung nicht al« Erben anerkenne», sonder» die «lonie meistbietend verkaufen. Den ca. 100 Colonistm und jfrrc Arbeitern wurde Bauen und Feldbestellm untersagt. Hm Scheid hat — so sagt man — srlsamer Weise zuerst 11 Lonstantinopel und dann beim Pascha von Dama«ku« dngtblich dagegen remonstitt. Natürlich hat der Wohlthätrr u«ttr solchen Verhältnissen keine Lust, noch mehr Kolviiisteo »ntrrslützen. — Unter den rumänischen Heiligen, welche in Valöstina vir Ankunft de« Mrssia« herbriführen wollen, soll J* mcht Wenige geben, welch« dir Sabbath und Sveiseaesetze ™ der Praxi« al» aufgehoben erklären. Ja Rosch Pinah geht'« darin beffer — doch diese Eolonir geht an dem Ehrgeiz und dem Zank ihrer Borsteher zu Gtunoe. Wrr«rischte »ud »rueftr P«chrich1e»r. MaHveönrg. Herr E. Scheid schreibt au« Palästina dem ,Un. i«r.": Ich lese in einem jüdischen Blatte au« Petersburg, daß Damen einen Ball zu Gunsten der jüd. Colonisation Palästina'« veranstalt hahen. Um Gotte«- willen, wann wird man in Rußland zu Berstand kommen? E« sind in Palästina genug unglückliche Russen, welche buchstäblich Hunger« sterbenI Wozu die Anzahl Solcher noch vermehren? Schicke man sie, wohin immer, nur n icht nach Palästina. HN««, Neniermrg, JUto iß fffem fUt Mögen die jüd. Zeitungen Rußland« sich die« ein für allemal gesagt sein lassen und nicht eine Menge neuer Unglücklicher in diese« Elend jagen. Mögen sie denen helfen, die sich in diesem Lande umhertreiben und au« Mangel an Mitteln nicht heimkrhrrn können. Gott gebe, daß meine schwache Stimme Gehör finde, und daß man einsehe, wie ich au« fester Ueber» zeugung und genauester Kenntniß der Verhältnisse zu diesem Rathe gelangt bin. Möge da« Eomitee, welche« in Rugland am Erew Jom Kippur in allen Synagogen Sammelbüchsen zu diesem Zwecke aufstcllen will, diese Worte sorgsam erwägen! Krfnrt, 7. September. Erfreulich und mittheilenSiverth ist e«. daß der hiesige Regierung«-Präside»t Herr v. Brauch it sch, der am 1. September in sein Amt ringeführt wurde, heute am ersten Sonntage seine« Hiersein« Herrn Rabbiner Dr. Kro »er seinen Besuch abgestattet hat. V»rtzß««sen, 30. August. (Or.-Corr.) Heute vor 30 Jahren wurde unsere Synagoge 184ö mit einer Red« de« Landrabbiner« Herzfeld au« Braunschweig eröffnet. Dieser Bottraa. der den Ramm .dir religiöse Reform" führte, hatte gintr Zeit heftige Anfechtungen erfahren. Herr Rabbiner r. S. Gelbhau« nahm in seiner heutigen Predigt darauf Bezug, indem er zugleich dem in diesem Jahre verstorbenen Lande«rabbiner Prof. Dr. Herzfeld «inen warmen Nachruf hielt. Kaffes 3. September. (Or.-Corr.) Die regierungsseitige Bestätigung der einstimmig erfolgten Wahl de« Herrn Dr. Präge» zum Landrabbiner ist bi» heute noch nicht erfolgt. Man munkelt hier so Manche« üoer orthodoxe Agitationen. Soviel kann ich jedoch mittheilen, daß man in den hiesigen leitenden Kreisen entschlossen ist, für den Fall daß vielleicht den petitionirenden Landgemeinden zu Liebe Hen Dr. Munk, der manche Beziehungen zur Regierung hat, al« Landrabbiner ernannt (?) werden sollte, Herrn Dr. Prag» da» Stadtrabbinat zu übertragen. Alenßetti», 3. September. Die „Rordd. Presse" bt> richlei: Der Schuhmachermeister M o n « l e r von hier, welcher in der Unters uckungSsach« wider dr» jüdischen Handlungslehrling Isidor Rothmann. wegen de« in Folge Verbrennung verstorbenen Schmiedemeistrr« Karl Winegge al« sehr gravirrnder Belastungszeuge, nicht nur gegm Rothmann. sondem auch gegm dessen Lrhrherrn und dm Eommi» Blau auftrat, ist seit mehreren Tagen spurlos ve r s ch w u n d e n, so daß ihm die gerichtliche Vorladung zu dem anberaumten Termine zu seiner gerichtlichen Vernehmung bisher nicht hat zugrstellt werden können. Ueber den Grund de« Verschwinden« de« Monsler durchlaufen die Stadt verschiedene Gerüchte. (Da zieht sich wieder rin schwarze« Gewölk zusammen l Red.) AmerUl«. Zu dm Opftrn der Greelry Nordpol- Expedition gehört auch der Astronom Herr Eduard Samuel au» Ealamazo (Michigan), welcher trotz seiner 2ö Iah« schon genug wissenschaftliche Bedeutung hatte, um al« Leiter einer Abtheilung die Expedition mitzumachen. Oft ist rin Opfer seine« Berufe« geworden. Auch er mehtt dir Zeugen, wie unberechtigt die Juden al« Schacherer und nur materiellen Gewinn Rachjagrnde verschrim werden.

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