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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 37. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 37.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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288 — btytjubt taugt nichts" sollte ausgemerzt werden bis auf die Eilt Spur«) und auch in der geschäftlichen Thätigkeit jede Ätr Einseitigkeit verschwinden.d) wenn dazu alle utschlands sich verbänden, ihre Religion und den Eiigiösen Unterricht vom heidnischen (?) Wüste de« alten Testa- Etitir« zu reinigen, würde darin dir beste öffentlich« Erklärung ■kr die interkonfessionelle Stellung de» Judentbum« zu finden ■nn und dir drei Themata ihrer nrulichen Versammlung eine Erledigung finden, welche Christen und Juden mit grober Eefrirdigung erfüllen könnte.») | Für den Fall, daß es gelänge, ein deutsche« Rabbiner- Euj'l zu schaffen, möge im vorweg der Wunsch ausae» Iprochen werden, daß dir Herren ihre große Macht in den Gr- Ennden vereinen möchten zu werkthätiaer Menschenliebe, zunächst Engcwendrt auf ihre Glaubensgenossen. Dir Geschlossenheit Ihrrr (Gemeinden und der große Reichthum ihrer Leiter er» Inchiert besonders folgende Werke:"« I l. Erbauung gesunder und Heller Wohnungen für die Ldemitt'.tlrn Klaffen und armen Leute, welche bi« jetzt in m großen Städten noch viel schlechter wohnen als die Kmen Christen. [ 2. Errichtung von Volksküchen. worin ebenfalls die vhrit'ten ihnen vorangegange» sind. In diesen könnten durch deisleurr reicher Mitglieder dir Speisen «heil» zum niedrigen Rosiciipreisr. theil« unentgeltlich abgegeben werden. [ 3 Einrichtung von Bade- und Waschhäusern, ähnlich kxn an vielen Orten bestehende» christlichen Anstalten. E« Linsehr wünschenswerth. wenn dadurch die armen Leute Im «abbath. sowie an Festtagen reinlich zum Gebete erscheinen und was noch wichtiger ist. ihre Gesundheit stärken »nntrn. (Möchte doch zunächst da» .Menschenthumsich von dem ihm anhaftenden Schmutze reinigrn. Red.) I 4. Grmrindeläden könnten den Unbemitteltrn ihre Nahrung. Kleidung und nothwendige» Hausgerüth zum Postenpreise Mit geringem Aufschlag in besserer Beschaffenheit überlaffen ul« die jetzigen Privatläden, und die Grldunterstützung an nlrme könnte in Raturallieferung äbgeändert werden. I 5. Gewerbeschule» könntm eingerichtet werden, um die Uugcnd ftühzritig an nützliche Arbeiten zu gewöhnen, und pun so weniger dem verderblichen Schachern anheimfallen zu lassen. Die jüdische Gewandtheit ist der Erlernung sehr zünftig und die vieler» jüdischen Geschäftsinhaber und Wdnkunien würden, ihre Arbeiter den Glaubensgenossen entnehmend. reiche Gelegenheit haben, ihre werkthätige Hilfe zu bieten. 6. Vorschuß» und Hilsskaffen sowie gemeinsame BerkaufS» Mtlen für ihre Handwerker, damit dieselben nicht den Wucherern in die Hände fallen oder von Betrügern aus» gedeuiet werden. Der Freidenkerverein .Lessingin Berlin wäre vielleicht am gceignetstrn, die praktischen Fragen in jüdischen Kreisen t) Ist denn dem allwissenden Herrn .Freidenkerwirtlich noch rortami,, seit wie langer Zeit e« bereit« wisienschastlich constatirt ist, «I nur Ungenanigkeit, Unwissenheit oder Böswilligkeit in fraglicher -ult da« 8 in TJ verstümmelt hat und so au» den Mizrim Nvz'nm lmorden sind? Hat sich denn der pansophisch« Herr .Freidenkernicht od der harmlose L. Simon, von dem da« qu. Dictum stammt, ^echaupt .Shristengekannt habe? — Dem» der Herr auch nicht einige i» hl reichen humanen Lehren selbst in Bezug auf Heiden? ä) Sie, Freund de« Freidenkerverein .L es sing-, lesen Sie doch namal diese« Lessing'» Lustspiel .Die Juden-, namentlich auch den »nuen Austritt. Wenn Ihnen da» nicht genügt, führe ich Sie aus hch-nsche« und statistische« «edier. - «) Hat der Herr .Freidenkerschon einmal einige der in deutscher Eriche abgesagten zahlreichen Lehrbücher der jüdischen Religion eine» »mdime gewürdigt? «ewig nicht, sonst würde er sich vielleicht doch PWmt haben, un» seine pädagogischen Ansichten zu entwickeln. (Für tchliebe ich meinerseit» die Widerlegung der .freidenkerischen- Br- »«»Mngeu und Borschltlge, behalte mir aber vor, gelegentlich daraus bmickzukommen. Dr^Br.) »i», «ollen aus die folgenden ironisch zugespitzte» Borschltlge eingehen, wollen aber doch dem.«enschrnthumzu be- «ebe»; daß es lieber zunächst für ilonsolidirung der noch bestehenden, ^"i>nn Iheil in Ihrem Bestand« erschütterten .Freireligiösen Aemeindenvagen möge, als gegen Andertdrnkrnd« mit Waffen zu kämpfen, •* man Dunkelmännern, aber nicht Freidenkern und Lichtsreunden zmraut S betreiben. weil nnsere Haupstadt nicht nur die größt« nwohnerzahl, sonder auch den größten Procentsatz an jüdischen Einwohnern enthält, auch da» Rabbinrrkonzil wahrscheinlich dort sich versammeln würde. E« wäre jrdensall« ein Stolz für den Verein »Lessing-, wenn es ihm gelänge, rin leuch» tende» Beispiel zu geben in der Lösung praktischer Fragen und damit gezeigt zu haben. daß sich solche sehr wohl ver. einigen lassen mit rein wissenschaftlichen und freidenkerischen Bestrebungen. _ Offener Brief an Herr« Prof. Ä. «ildemeifter in Bonn. von vr. I. «oldschmtdt, B«ztrk».Rabbtner in Veilburg. «Fortsetzung.) Dem Einwnrse: .Der Schulchan Aruch könne deshalb nicht rin Gesetzbuch sein, weil es an einem eigenen Einführungsaktr fchlte, begegnen Sie solgendermaßen: .Dieser Einwurs" — sagen Sie — »geht von den un« geläufigen Vorstellungen au», verkennt aber die jüdischen Verhältnisse. Die Juden hatten keine oberste Centralbehörde. Die Autorität lag bei dr>l einzelnen Rabbinern und Eorporationen, die aber eben selbst an den Talmud gebunden waren-. — Da» ist ungemein richtig und der Wahrheit entsprechend gesagt! Was folgt aber au» diese» unwiderleglichen Prämissen? Daß der Schulcha n Aruch, wie überhaupt je ein nachtalmudische« Werk, niemals einvomTalmud unabhängige» bindende« Gesetzbuch werden konnte und werden kann! Da e» keine oberste Centralbehörde girbt, da die mit Autorität bekleideten Personen auch .an den Talmud gebunden" sind: mein Gott, wo soll denn da der autoritative Eharacter eine» bindenden Gesetzbuches Herkommen? vom Himmel herab kann er doch nicht fallen? .Er fand keinen Widerspruch" — was? Der Schulchan Aruch fand keinen Widerspruch? Herr Professer. Sic kennen den Schulchan Aruch nur au» Justu», sonst würden Sie so wa» nicht sagen. .Sein Ansehen fand f a st keinen Widerspruch-, sagt Jost nach Ihrem obigen Citat. Aber im Ein» zelnen fand er Widerspruch genug, freilich auf Grund der autoritativen Quellen, vornehmlich also de» Talmud. Jener Orthodoxe hat ja Recht, wenn er sagt: der Schulchan Aruch hängt nicht von der Genehmigung der Rabbiner ab, d. h. der Rabbiner, unabhängig vom Talmud, dagegen l)ängt der Schulchan Aruch sehr wohl von der Genehmigung der Rabbiner auf Grundlage des Talmud und sonstiger Quellen ab. Kurz: ein bindende» Gesetzbuch, in dem Sinne, daß darnach blindlings zu entscheiden sei, ohne jede Rücksicht auf Quellen und thatsächliche unzweifelhafte Bcrhältniffe. ist der Schulchan Aruch nicht, und kann es überl)aupt im Judenthume nicht geben. — Sic bringen aber ein Analogon, wo ein Werk blo» durch seine Vorzüge „unbestrittene» RechtSbuch" wurde, nämlich: da» Osorstrmr Gratiani! — Aber, Herr Professor. ist da» ein Analogon? War Gratian nicht Mitglied de» einflußreichen Ordens der Camaldulenser, sein Werk von dem Odern derselben nicht approbirt und durch Einfluß de» Orden« getragen? Lebte Gratian nicht in Bologna, in der Mitte de» 12. Jahrhundert», al» die Bologneser Universität nur eine einzige Rivalin, die von Paris, hatte, und machte die Reception der Gratian'schrn Sammlung auf der Bologneser Universität nicht eine weitere Einführung entbehrlich? Waren die Anfügungen der Decretalen. namentlich die durch da» Pontificat erfolgten, also schon um 1210 durch Jnocenz III., nicht selbst Einführung genug? Ja, da e» in der Kirche eine obrrftc Lentralbehörde girbt. so ist da» Unterbleiben eine» Widerspruche» von Seiten dieser Behörde, doch wohl Einführung genug, abgesehen davon, daß da» Ealrndarium von Bologna eine, allerdings» stark angezweifelte Nachricht enthält, daß die Gratian'sche Sammlung durch Eugen Hl. gebilligt und sehr nachdrücklich empfohlen worden sei! — Die Universität Bologna, welch« die Gratian'sche Sammlung recipirte.

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