Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 37.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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- 888 — in einem Deiner Thor-, wo r« ihm gefällt; Du darfst ihn nicht kränken." f(B. K. 33, 16 u. 17.) Auf solche weis« sollt« nach der Religion der Juden selbst ein heidnischer Sklave behandelt werdenI ver. gleicht doch einmal damit, ihr .Tulturstaalen", eure Gesetz« gegen eure jüdischen Angehörigen. die doch wohl rin wenig hdher sichen, al« die heidnischen Sklave» jener Zeit, die. wie ihre Ahnen, ihre Kräfte, soweit ihr es nur gestattet, gleich den besten andersgläubig«, Staat»genossm dem Gemeinwohl gewidmet, ja dir (zweifellos zum größten Theil) demselben Bolle entstammen, dem der Stifter des von euch vorgchlich hochgchaltenen Thristenthum» und seine Apostel entstammt, die denselben Gott anbetrn. den diese angebetet — nach den eigensten Worten jene« Stifter«: .wir wissen, was wir anbeten, denn da« Heil kommt von den Juden." (Ioh. 4.22.) Nach solchem vergleich beantwortet euch doch die Fragen: wo herrscht Achtung de« Menschenrecht« ohne Ansehen der Person, erbarmend« Liebe. Humanität, ja wahre Tultur, und wo Lieblosigkeit, Barbarei und Unkultur, in eurem Ausnahmegesetz oder in dem erwähnten jüdischen Ausnahmegesetz? wer ist vom sittliche» Standpunkte unglücklicher und brklagenSwerther, ihr .europäischen Halbasiaten", oder die von euch Verfolgten? Dürft ihr euch wundern, daß diese ihre Thora unentwegt Hochhalten, oder wähnt ihr. daß sie die unermeßliche Kluft nicht gewahren, die beide Gesetze von einander trennen? — Wähnt ihr, daß einst die unparteiische Geschichte euch nicht richten, euch nicht für ewig brandmarken wird? .O wie klein, wie erbärmlich klein werden gewisse .große" Männer erscheinen in jener Zeit, wo für die Menschheit kommt der von den heiligen Sehern Israel» prophezeihete, von den edelsten Geistern der Menschheit ersehnte Bölkrrfrühling, wo in Erfüllung geht da» hochfesttägliche Gebet aller Israeliten auf dein ganzen Erdenrund: „Es mögen Dich ehrfürchten. Ewiger, alle Deine Geschöpfe und sie alle bilden einen einigen Bruderbund, Deinen Willen zu vollziehen mit aufrichtigem Herzen ... Und die Edeln mögen e» schauen und sich freuen, daß da» Laster verstummt, aller Frevel wie Rauch vergeht, daß Du bannst die Herrschaft de» Uebermuth» von der Erde!" — — Die Berliner Siabbiner-Bersammlnng, belenchtet von einem „Freidenker". < Schluß.)») Eine» nebensächlichen Jrrthum» möchte noch zu gedenken sein, welcher bei dieser Gelegenheit sich geltend machte. Bekanntlich scheuen die Juden sich, den Namen ihre« älteren Gotte» Jehovah auszusprechen, und lesen, wo er gedruckt steht, statt seiner den Namen ihre« jetzigen Gotte» Adonai. Aber auch diesen scheuen die Lhristen, und bedienen sich etweder de» Worte» .Gott" oder, sagen: .der Ewige". Beide« sind aber keine Uebersetzungen de» Erstgenannten, denn der Ehristen» *) Wir fthWttn nachträglich auch van unserem gelch. Mitarbeiter Kr. in Br. »lassen zu dem Artikel de« Freidenkerblatt«, die wir aber — «eil zu spät eingetrosfen — nur noch für da» heutig« Schluß stück ver- »erthen konnten; dieselben sind mit lateinischen Buchstaben bezeichnet. (Red.) gott») hat nicht» gemein mit jenen Lokalgvttrrn, und die jeicbnuna .Ewiger" soll da« bekanntt ehjeh ascher * wiedergeben, mit welchem 2. M. 8 die feurige Erscheinung Buscht sich selbst bei Moschrh einfühtt. Diese Worte a»I hüllen sich bei Vergleichung mit der Stelle 2. M 6. z. »I statt denen der Rome IHWH steht, al« Schreibfehler, so dentlicher noch dadurch, daß sie nur einmal vorkom»,! und doch ohne Zweifel dutzendwei« wiederholt worden roiral wenn den Priestern und Propheten diese weitergehendr E>g»I schaft ihrer Götter bekannt gewesen wäre. Dazu kommt artl daß die Urbersetzung sehr zweifelhaft ist. denn die englisch! Rrviston«kommifsion, der e« an starrer Recht«gläubigkril kna»! wea« manyel«, übersetzt jede«mol: .Ich bin. der ich bin," nJ ersichtlich jede« redende Wesen von sich sagen kann, ohne «J Ewigkeit Anspruch machen zu wollen. Dem vielgestaltig,! Lichte im Busch muß allttding« die Ewigkeit brigemesien werde,,I doch bildet e« keine redende Gottheit, welche mit irdisch,! Mächten durch Gesandte verhandelt.") I Derartige Robbinerversammlnngen können sehr segeuirnh! wirken für den Glauben und die Stellung der Juden. «n,I sie im Lichte der neueren Wissenschaft dahin führen, die alu,! Schriften wie auch den Talmud auf ihren wetth al« hist»! rische Denkmäler zurückzuführen, welche für ihre Zeit bat I beste waren, aber für die Jetztzeit nur Geltung haben kön«,! mit dem geringen Theile. welcher den Kenntnissen und da! Sittlichkeit der Gegenwatt genügt.") Alle« andere ift utl für die historische und tthnographische Forschung von «Sech! um so mehr, al» von höher gebildeten Grobvölkern de« Alter.! thum» leider so überaus wenig auf un« vererbt worden «I Aber für den Glauben und da» Leben der Juden sind *1 alten Schriften und die darauf begründeten Gebräuche ä«I schädliche Last. Hemmschuh ihrer Fottbildung auf fittlicfei| Gebiete und eine Kluft, welche sie schroff trennt von den va- > schiedenrn Völkern, unter denen sie leben. Da« Bemühe, | der versammelten Weisen möchte vornehmlich darauf zu richte, I sein. Alle» zu beseitigen, wa» ihrem Einlebn, entgegen steht Sie brauchen nicht Ehristen zu werden, d. h. sich taufen jil lassen, aber ebenso wie sie Gleichstellung von den Chris« verlangen, sollten sie auch die Ehristen sich gleichstellen ia I ihren Gedanken und Gefühlen.d) Da» talmudische: .Der dis»! a) Ist dieser nicht auch der »oti, den Ehristu« und die Spall anbtteten? Und nun lese der Herr .Freidenker» einmal Iah. fti: I Wir wissen, wa» wir anbeten, denn da» heil kammi >ul den Juden! Er lese ferner die bei Luther angeführte Parallel»»! Jesaia 2,3; er erinnere sich einmal an Beginn und Ende der Mt I Bibel, die in Narslrr Weise Qtott al» Schöpfer und Regierer MI Weltall« verkünden; an da« Wort de« Psalmisten 148,3: Uiroi 11 der Ewige und hochgepriesen und seine Größe unergründlich; aa M | Wort de« Ps. das. B. 3: Gütig ift der Ewige gegen Alle uill seine erbarmende Liebe «mfaß« alle seine Geschöpfe. t«l und jene Psalmworte kommen wirderholt in den täglichen Gebrlr» ts I J«raeli«en vor. Da« ift der .Lokalgon' der Juden, da« war MI .Lokalaott' David«; und sein Sohn Salomo ruft in dem Irmpelwaw I gebet, in dem er auch aus den Fremden, der nicht au» dem 8*1 J«rael ift, Gotte« Segen hrrabfleht, begeistert au«: Siehe, keil Himmel und aller Himmel Himmel fassen Dich nichk, (1. tkön. 8,27 resp. 41—43; ofr. Jesaia 56,7). So dachte sich Salem! seine» .Lokalaott'. Und nun staune, Gelehrtenstand, über die pan» I würdig« .freidenkerische' Erfindung eine« .Lokalgottr«' der Juden! I ") Lauter Verworrenheit! Um alle« zu reetificiren bedürfte e» euck I besonderen Artikel». Anstatt wie e« eine« echten Freidenker« würft I wäre, lauteren Quellen nachzusorschen, verwickelt sich da» .Menscheniha«' » I ein oberflilchliche« Gerede, da» keine Spur von .freiem Denken' ick«I ") Da» .Menschenthum' ha« wirklich keine Ahnung von Ml Zwecke der jüngst in Berlin stattgesundrnen Rabbinerversammlung, «I hat keine Ahnung von der religiösen Richtung der Rabbiner, die dieselb I besucht baden und doch wird tapfer daraus lo« rrserirt. Allck l spezifisch Theologische war grundsötzlich au»g«schl«lst»:I e« sollt« von den Rabbinern Deutschland« sestgeftrllt werben, daß *1 Inhalt der jüdischen Religion durchweg in kisinem Widerspruche mit MI sittlichen Anforderungen der Gegenwart stände — da» ist gescheßn I aber de« Organ de« Deutschen Freidenker-Bunde» wäre e» angencho» gewesen, wenn sich di« Rahbinerversammlung al» Zweig verein G Fretdeuk«rbunde« constituirt Hütte; e» geht doch nicht» über Jnterrssenpotm I d) Woher weiß denn der Herr .Freidenker', daß die« in Wll aus Nächstenliebe nicht geschieht? Ist er etwa allwiffend? ü>Ml ^Freidenker' ziem« r» doch am allerwenigsten, sich da« g ittlimj Attribm der Allwiffenhett beizulegen.