Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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- Aleppo 2× ep/1047811
- Durban 1× ep/1044467
- Mohel 1× ep/1006163
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Der gewissenhafte Religion«lehrrr bedauert sicher den Mangel eine» solchen Handbuche«. — Roch ein andere« Werk, da« meine« Erachten« mindesten« ebenso nöthig wie Normalplan ist, fehlt in der jüdisch-pädagogischen Litteratur und eine große Anzahl. i»«besonder« angehende Lehrer pflichten mir gewiß bei. nämlich ein Handbuch zum biblischen Geschichtsunterricht. Herr Landrabbiner Dr Feitchcnfeld in Mecklenburg, welcher in seinem Büchlein sprich!: ,E« ist auffällig genug, daß bisher noch kein Buch erschienen ist — mir wenigsten« ist ein solche« nicht bekannt — in dem die biblischen Geschichten in bündiger und leicht verständlicher Weise erklärt sind. Ebenso wenig finde ich die frommen Gebräuche der jüdischen Gemeinde für da« Bedürfniß der Gegentvort erläutert", hat diese Worte mir au« der Seele geschrieben. Ja. r« ist dringende« Bedürfniß. daß rin Handbuch erscheine, in welchem nicht etwa die biblischen Erzählungen enthalte» sind, sondern dazu gehörige historisch.geographische Anmerkungen, Erläuterungen und Nutzanwendungen, nebst passenden sinmgen agadiichen Erzählungen au» Talmud und Midrasch. rvelche gern gehört »verden und die man beim biblischen Geschichtsunterricht hier und da vereinzelt einstreuen darf, um ihn intereffanr zu machen ") Mögen vorstehende Zeilen der nächsten Drligirtenc.nfrrenz in Berlin Anregung geben. Sobald man allgemein diese beiden Handbücher als nöthig erachtet, wird sich wohl auch ein praktischer Schulmann finden, der solche Werte bearbeitet und herausgiebr. An Material und Hilfe sritni« erfahrener Lehrer wird c« sicherlich nicht mangeln. RxHland. Der Verein zur Verbreitung der Bildung unter den Juden Rußlands hat 1883 bei 546 Mitgliedern 7781 Rubel vvrausgabt, ca. 4000 Rubel für Stipendien, da« Andere für Bücher, dir vertheilt wurden. (Der V. Band der Geschichte von Graetz in der Uebersetzung de« Dr. Harkavy ist auf Kosten diese« Verein« rrsch enen.) KNHtßrtgr««. ULine Versammlung von Rotabeln unserer Gemeinde hat den notorischen Wucherern angedroht, wenn sie ihr unt)eilvolle« Gewerbe nicht ausgeben, würden sie durch Gemeindebeschluj; aus der Stadt ausgewiesen werden. (Solche Mach« har die russische Gemeinde nicht der jüdische Kahal!) Ferner sollen ausklärende und belehrende Predigten, welche die jüdische Moral und Sittlichkeit dem Volke künden, ' allsabbatlich gehalten werden. In MÜn« ist e« den Juden gelungen, an Stelle de« bisherigen Bürgermeister» eine» Herrn, Namens Strauß, zu wählen. 17 Pole» haben mit für diesen Herrn gestimmt. Doch die Regierung hat dir Wahl nicht genehmigt. Der Ausfall der zweiten Wahl ist unsicher. Aus dem Stadttheile Podvl in Kiew sind wieder 35 dort nicht wohnungsberechtigtr Juden ausgewiesen worden. In ^lifchine» werden die Leichen reicher Juden in derselben Mikwah gereinigt, in der auch die Lebenden baden! In M»»i gfMf« (Cherson) hat die Rachsucht eine« Metzger«, der durch Evncurrenz von Juden sich geschädigt sab. und der deshalb den Sohn eine« Eoncurrenten prügelte, fast eine Hetze herbriaeführt. Der Geprügelte warf mit einem Beile nach seinem Angreifer und verwundere ihn. Darauf lief viel Volk zusammen, der Junge ward verhaftet. Aber 2 Tage später Nacht« brach da« Gesindel, durch Raketensignale zusammengerufen, lo«. Zum Glück war da« Vorhaben autzgeplaudcrt worden, die anständigen Bürger und die Juden hatten unter Anführung de« Bürgermeister« sich organistrt. doch mußte am 3. Tage noch Militär requirirt werden, um gründlich Ruh« zu schufen. — M»ch«ra. Die Russen werden stolz. Sie werfen sich in die Brust und halten sich für die Vorkämpfer der Eivilisation, denn in Buchara (^urkesian) bilden dir Juden die russische Partei! Sir sind begeisterte Parteigänger Rußland«. Da« *) Hoff'« Bibi. Qkfd)ld)tc enthält da« «ewilnschtr ln eine« besonderen Heftchen. (Red.» Rtthsel ist gelöst, wenn man hört, da« bi«her die Jade,! übermäßig besteuert und mit Zöllen belastet, dazu der grenz». I losesten Beamtcnwillkühr prri«gegeben waren. Dabei »uftt» [ sie in einem bestimmten Stadtviertel wohnen, besonde» Kleidung tragen (niedere Mützen, — nicht die hohen lande«, üblichen — Stricke al« Gürtel) und durften nicht auf Ross»! oder Eseln reiten. Ihr Zeugniß war vor Gericht ungilhz und der Mord eine« Juden war. wenn er außerhalb fe Stadt verübt worden war. straffrei! Der Jude konnte jcbet Strafe lo« und ledige werden, wenn er nur apoitasirte! Dns, Jdealzuständr im «sinne der Berliner Bürgerpanri hol Rußland au« der Welt geschafft! Türkei. Zkepp«. Die hiesige Gemeinde welche nahezu IO.OOO&m. eliten (unter einer Gesammtbevülkerung von 200,000 Seele,) zählt, hat 2 Oberrabbiner an ihrer Spitze. Der e«»e Halo, Abraham Kalussi wird öffentlich von der Regierung anerkan« und vertritt seine Glaubensgenossen bei der Localbel,örde. Der andere Hakam Moise Suädr. beschäftigt sich ausschließlich mir religiösen Dingen und schlichtet mitunter die Streitfrage, unter den JSrael-len. Sie werde» von der Gemeinde bezahlt und beträgt ihr Honorar zwischen 1500 und 2000 Frc«. jährlich; sie haben außerdem noch einige Einnahmen. Außer da Oberrabbiuern besitzt die Gemeinde Aleppo auch »och 3ecun&dr Radbrnen. welche im Allgemeine» sehr neilig unterrichtet fink und deren Haupimission e« ist. die Kinder im Lesen und >» Hebräischen zu unterweisen. E« giebt unter den hiesigen Israeliten uiiaefähr 300 Handwerker, und zwar: Schuster. Schneider. Goldarbcitn, Blrchschläger. Buchbinder. Eondito.c». Müller, Bäcker. Färdek und Glaser; außerdem findet man noch circa 50 Eonum» und Provisoren, welche fast Alle au« den Schulen der Alliana hrrvorgegangen sind, und w«rn ihrer Redlichkeit und ihm höheren geistigen Fähigkestca sehr gesucht sind. Dank sei e» der klugen Gerechtigkeit der Regier»,z S. M. de« Sultan«, welche e«. ohne Unterschied, allen seine» Unterthanrn gestattet, an den öffentlichen Geschästen Thcil haben, nehmen mehrere Israeliten bedeutende Acmrer ei». Der Municipalrath und die Gerichte zähle» Juden zu ihre» Mitgliedern. Man rechnet in Aleppo zwischen 15—20 öffeiil liche Beamten, von denen mehrere vom Sultan mir Orden ausgezeichnet wurden. Südafrika. In der Eapcokoute, Ratal, Orange, Transvaal uni den Diamantfrlder» girbt'S überall Juden. Cap Tonm. Port Elisabeth, Kimberley u. s. f. haben schöne Synagoge», die zu den Zierden dieser Städte gehören. Diamanten. Straußfedern, Wolle u. s. f. sind Handelsartikel, welche die Juden gut zu verwrrthen verstehen. Auch den eigrnartigc» Verhält»issr» wissen sie sich gut anzupassen. Der Boer Hali nnr einmal im Jahre Wollschur, braucht aber das ganze Jahr hindurch Waaren. Da« macht den Handel zugleich schwierig und nutzbringend. Die wohlhabenden Juden zeichne» sich durch große Gastfreundschaft au». Die meisten sind treue Juden geblieben. Rur bei den deutschen Jude» giebt'« viele Mischehen und Uebertrittr. Da zeigen sich den» alle Schattenseiten und Lächerlichkeiten der Ueberläuscr, die auch dem neuen Glauben kühl und kalt gegenüberstehen. 3> Durban (Hafen von Ratal) wohnen etwa 30 jüdische Familie», die eine Synagoge und e nrn Beamten haben, der für 240 ft und Wohnung ihnen ühasan, Schachet und Mohel ist. De reichen Goldminen. welche bei Leydenburg in Transvaal gesunden worden sind (ein Theil de« Goldlande» gchin Juden), haben viele zur Auswanderung dahin veranlatzt. Vermischt» tut* »rrrrstr Nachrichten. Maßtz«A«rß. Dem ^Univ. i«r." bedauern wir beichte» zu müffe», daß die preußtschen Der»bürg« längst n># mehr dem Judenthume angehöre».