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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 36. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 36.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 276 — da dir gemeinsame Quelle aller jüdischen Lodice« der ^l«ud ist. so ist diese Abweichung von geringem Belang. .Da« Buch ist als bald da« bindende Gesetzbuch für alle Irint geworden." Da« ist einfach nicht wahr! Ein allgemein »rauchte« Handbuch ist e« geworden, an da« bequem jede ytattc. jede Entscheidung angeknüpst werden konnte, um so wr. al» derselbe Joseph Karo, der den Schulchan-Aruch (Ttatitr, auch den Beth Joseph »um Tur und den Kesseph gijchnk zu Mischne Thora de» Maimonide« versaßt hatte n wrlchni er in bewunderung«wet1l>er Vollständigkeit alle michlägigen Quellen au« dem Talmud rc. compilirt. Auch jnr gnvisse. eine hohe Autorität durch seine GewissenhastiHkkit , Penntzung der Quellen hat er erlangt. Ader ein bin. ende» Gesetzbuch — nein, da» ist er nicht gnvordrn a# konnte er nicht tverden, kann überhaupt neben der heiligen •djitä außer dem Talmud kein Buch iverden. Ger den cLuläian-Aruch au» dem Schulcha» Aruch and nicht au» junu» leimt, der weiß e». wie oft schon die dem Schulcha». lnnh ^«gedruckten Eommentarr dessen Enlscheidunge» nach ui einschlägigen Quellen kritlsiren, richtig stellen; unzählige > Leikc haben da»selbe gethan: und der Schulchan-Aruch wäre m ,b i n d r n d e » G e s e tz b u ch"? Sie selbst. Herr Professor, ogen: .Den in ihm enthaltenen Dezisione» darf nur wider» prochen iverden. wenn sich au» iKtu Talmud eine richtigere lussasjung enveise» läßt". Also dc>ch da»»! Ja. dann ist och der Talmud da» bindende Gesetzbuch, und nicht er Lchulchan-Aruch? — Ja. Sie halvn aber eine» unwiderleg» >che» Beweis: dir Brrbrritung desseltien! Ja wohl, natürlich! s.irnm ist auch Brockhau«' oder Meier» Lexikon rin .bindende« Gesetzbuch" für alle Wissenschaften, weil e« so verbreitet ist. wbrend rin streng wissenschaftliche» Fachwerk. da« nur ivenigen sachgcnossen bekannt ist, keine Autorität besitzt! — Die Ver» irmung richtet sich eben nur nach der Handlichkeit, nach der equcnirn Brauchbarkeit, nicht nach der Autorität. „Allerdings kann ich diese Audsagr nicht au« persönlicher Saliinehmung machen." Sv? Dann ist e» freilich kein »ander, wenn ein gerichtlich geforderte« Gutachten so viel ddiiive und subtraktive Elemente entlföll. Sie habe» aber ^eiigiiisse au» der Litteratur." in großer Menge, hebräische, euische. lauter comprtrnte. Sie führen aber nur 2 an: lost und Grätz.—Run. e« sindhochzwei respektable, competente nige». Aber wie sühren Sie diese Zeugen a»? Herr iroscssor. bei dieser Gelten heit ist mein Glaube an Ihre »n» fides in größter Gefahr in die Brüche zu gehen. Jost „Geschichte de» Judenthuin» und feiner Sekten" »de ich nicht zur Hand. Ich will also annehmen, daß da» «n Ihnen au« dem Jostschen Texte durch pnnot* diiresis Mctzte nicht dem von Ihnen Eitirten in« Gesicht schlägt, lder Grätz habe ich zur Hand So wollen wir denn auficrksani vergleichen; zwar ist der Verdacht, Herr Professor Hildemeisler könnte, al« gerichtlicher Sachverständiger, einen scugen etwa« andere« sage» lassen al« wa« dieser wirklich schr kleinlich. Indessen: Ueberzeugung macht wahr. » citiren Grätz folgendermaßen: S. 44 „Karo gab seinem Inke den Eharakter eine« Gesetzbuches". — S. 45 „Äaro’« wurde allsogleich mit Freuden ausgenommen, Ente» und al« unverbrüchliche Norm frstgehalte», in der irtei, im ganzen Orimt, in Italien und auch in Polen .. >«nh Karo erhielt da» Judenthum diejenige feste Gestalt, « tt bi« auf den heutigen Tag beivährt .. Seine rabbiulchen Schriste« sind Gemeingut der Judenheit geworden "w. haben ihr die religiöse Einheit gegeben." — wa« be- «kn »un die von Ihnen intercalirten Punkte? Offenbar, Sie nicht den ganzen Grätz citiren können, daß Sie. *!* nicht hierhergehört, weglassen. E« ist aber doch merk- ">rd>g. daß Grätz. sobald man nur vorherige und nach- "Ande Sätze dazu nimmt, sofort etiva» andere«, ja da» ^imrhkil von dem sagt, wa« Sie, Herr Professor, ihn lassen. E» ist wirklich Methode in diesen Eigen» h««lichkci;en! — Wir wollen einmal Grätz hören. Nachdem er die Per» sönlichkeit Karo'», in nicht gerade günstigstein Lichte — wer möchte da« nach Ihrem Eitate von Grätz erwarten! — un» vorführt, sagt er: „Bei der Au»arbeitung folgte er der Ordnung im Eodex de« Jacob Ascheri, berichtigte ihn aber au» anderweitigen Entscheidungen anderer Autoritäten und ergänzte ihn vielfach au» fiteren Elementen. Karo gab seinem Werke überhaupt mehr den Eharakter eine» Gesetz» buche«" — warum. Herr Professor, zitiren sie nicht auch die beide» Worte: „überhaupt mehr"? Ei ist Vach seltsam! — Also: .Karo gab seinem Werke überhaupt m i h r den Eharakter eines Gesetzbuches, nidem er de» Stoff selbstständig vera.beiieie. formulirte und abrundete, während Jacob Ascheri die aufgenommenrn Elemente oft in ihrein ursprünglichen Gefüge gelassen hatte" u. s. w. Wer Ihr Eitat lies«, Herr Professor, der versteht Grätz dahin, Kar>> habe seinri» Werke den Eharakter ein-» Gesetzbuches gegeben, d. h. er verlieh ihm unbedingte Ärsetzeskraft. iva» Sie eben durch Grätz er» iveisen wallen, ivähreud Grätz ganz etwa» andere« sagt, nämlich: Karo habe mehr als sein Vorgänger Jacob Ascheri. dem erfolgt, seinem Werke de'» E h a r a k t e r eine» Gesetzbuche« gegel>en. er habe die Fori» de« Geseyesbnche« besser ausgeprägt, indem er rc... Herr Professor! Wie ivürden Sie e» genannt hoben. iveiiu die Nabdiner-Persammlung in Berlin irgend eine,: Zeugen etwa« aiideres hätte aussagen lassen, al« was er wirklich sagte? — Doch iveitcr: „Durch Karo" >c... Diese Stelle lautet in Grätz mit Hinzunahme de« vorherg»l>endeit Satze« folgendermaßen: „So hat da« religiöse Leben wohl einen Abschluß und eine Einheit erlangt, aber aus Kosten der Innerlichkeit und de« freie» Denken»". — Also, Herr Professor, Grätz, der Ihnen ja rin ganz competenter Jud» ist. ist nicht« weniger, al» ein blinder Verehrer Karo'«. Davon sollte natürlich der (Gerichtshof nicht« wissen Doch weilcr. — „Durch Karo erhielt da« Judenthuin diejenige feste Gestalt, die r« bi« auf den heutige» Tag bewahrt bat. Karo'» Traum hatte sich zum Theil erfüllt. Seine rabbinische» Schriften sind Gemeingut der Judenheit geworden und haben ihr die religiöse Einheit gegeben." Jetzt folgen bei Ihnen, Herr Professor, Punkte, bei Grätz lolgt aber wa« andere«, nämlich: „Aber Oberhaupt derselbe», wie ihm der .Geist der Mischna" wiederholentlich versichert hat, ist er nicht geworden; er wurde nur al« Autorität neben vielen andern verehrt". Herr Professor! Saßen Sie nicht in einem Glashausr. al« Sie der Berliner Nabbiner-Versammlung und allen, tvelche „Akum" und Ehristen nicht identifiziren, vorwarfen, dieselbe» „spielen ein Stück System der Täuschungen"? Wie ste;t e« bei dieser Art de« EitirenS mit Ihrer von» fidea? — — Wir wollen weiter gehen, so ergötzlich auch da« Verweilen hierbei wäre. — iFvnse-ung folgt.) Berichte und Correjpon-err?en. Deutschland. Magdeburg. lieber die Verfügung de« EultuSminister«, da» Schreiben am Sabbath betreffend, schreibt unser bewährter Eorrespondent „vom Rhein": Die ministerielle Verfügung hat umsomehr consternirend gewirkt. al« sie zuerst von der „Germania" veröffentlicht worden »nd daher al» ein Ausdruck de« Wunsche« antisemitischer Kreise angesehen worden ist. Auf die Entstehung dieser Verfügung dürste» die Hetz» reden der Stöcker. Eremer und Eonsorten nicht ohne Einfluß gewesen sein. Sie haben wenigsten« mittelbar darauf eingewirkt. Jetzt m't fällt e» mir auch ein, daß ich von competenter Seite vor mehreren Monaten fo beiläufig aus eine Enquste hingewiesen worden bin, welche an allen höheren Schulen über die am Sabbath nicht schreibenden jüd. Schüler angestellt worden ist. Diese ist veranlaßt worden von dem heuchlerischen Wehklagen über die Vorrechte, deren sich die Juden zu erfreuen haben und die sie sich anmaßen. Diese Enquete nun

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