Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 35.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 270 — dessen beide Brüder waren tüchtige Lehrer. Maison Frank» furter starb in seinerHeimatgrmeinde Oberdorf, Bernhard Frankfurter, der Lehrer und Freund Berthold Auerbach*, starb in Nordstetten; au» Oberdorf ist auch Or. S. L. Schwabacher. Rabbiner in Odessa. Früher, bi* 1806, war Oberdorf Filiale von Wallerstrin, wo Rabbi Ascher Waller st ein. später Landrabbiner i» Karlsruhe, Sohn de« m* nJKTS>, Landrabbiner über alle fürstlich Wallersteinschen Orte war. Da» Rabbinat Oberdorf war seiner Zeit, der Bevölkerung nach, da» größte in Württemberg, durch die Uebersiedelung in Städte sind aber die zwei großen Gemeinden Aufharsen und Pflaumloch entvölkert, dagegen wurde eine eigene Gemeinde in Ellwangen gegründet, wo früher nur ein einziger J-raelit. der Buchhändler Jsak Heß, Mitbegründer de» i*rarlitischen Waisenverein« in Württemberg, wohnte. Da» Rabbinat Oberdorf wird zur Bewerbung auch für R i ch t württemberger von der israelitischen Oberkirchenbehörde ausgeschrieben werden. Qesterrded-Uaagar«. Akte». (Or.-Corr.) Ob Israel» alte« Leiden, nur dem sogenannten »Kampfe um'« Daseinzuzuschreiben sei, dem Kampfe, welcher kein andere« Gesetz kennt, al» die körperliche Kraft und die brutale Gewalt? Ob diese» Leiden nur auf die Rechnung diese» Kampfe«, der in der Welt der Zweifüßler noch erbitterter und grausamer al» im Reiche der Vierfüßler geführt wird, zu stellen sei. und e» demgemäß al« natürliche Folge zu betrachten sei, daß da» jüdische Volk, welche* ohne festen Boden unter seinen Füßen, ohne Oberhaupt und selbstständige Regierung, und in allen Weltenden zerstreut und zersplittert, am schwersten von diesem Kampfe getroffen wird? Oder ob e« noch eine andere Quelle giebt, au» der diese» Leiden entspringt? Rach unserem Dafürhalten, ist diese« Leiden mehr eine Eonsequenz der Verschiedenheit der psychischen Beschaffenheit, welche zwischen den jüdischen und nicht-jüdischen Völkerschaften besteht», zwischen-zwei heterogenen Charakterzügen, zwischen dem jüdischen, der mehr zum Idealen und Geistigen, und dem nichtjüdischen, der mehr zum Realen und Positiven geneigt ist. Zu dieser charakteristischen Verschiedenheit gesellt sich noch die Ungleichheit der religiösen Anschauungen, welche nicht wenig zur Entfremdung beiträgt. Wenn wir auch keineswegs den andern Völkerschaften den Idealismus absprech« ir; so ist doch im Großen und Ganzen kein Volk so idealistisch angelegt, wie da« jüdische. Kein Volk hat mit solcher Hartnäckigkeit an Ideen und Principicn festgehalten und über alle» Irdische emporgehoben, wie da» jüdische. Und nur durch diese Zähigkeit im Festhalten an den Grundsätzen und Lehren seiner Religion, von der ihr keine Macht der Erde zu trennen vermochte, läßt sich da« geschichtliche beispiellose Wunder erklären, da» Wunder von seiner Fondauer und Existenz trotz der zwietausendjährigen Anfeindungen, Gehässigkeiten und grausamen Verfolgungen, denen e« ausgesetzt war und ist. Die realistisch angelegten Völker, wenn sie unterdrückt wurden und veruttheilt waren, unter ihrm Unterdrückern zu leben, haben nicht lange gezögert, ihre Ideen und religiösen Anschauungen dem materiellen Vortheile zum Opfer zu bringen. Sie nahmen die Religion, die Sitten und Bräuche ihrer Bezwinger an. damit auch sie ungehindert den Becher de* Leben» in vollen Zügen trinken können. Die Juden dagegen, wohin sie al« Unterdrückte hingeschleudert wurden, beharrten mit beispielloser Starrheit bei dem Glauben ihrer Väter, und opferten kein Pünktchen von ihm. um materiellen Nutzen zu erzielen. Ihr ganze« Denken und Trachten concentrirte sich in dem einen Wunsche: den großen Ideen und Lehren ihrer Religion ein, Heimstätte zu gründen, au» der eine segcnsreiche geistige Belebung für da« ganze Volk au»- gehen solle. Wo sie hinkamen war ihr ernste« Bestreben, hohe Schulen zu errichten und diese mit würdigen Schülern zu füllen. So machten sie c» in Babylonien, so in Spanien, Portugal, Frankreich, Deutschland und in der Türkei; überall suchten sie Ideenreiche zu gründen, um geistige Nah vorräthig zu haben. Dieser JdealiSmu» der Juden, im Gegensatz zum: li»mu» der Völker, mußte naturgemäß eine Entfrcml zwischen rrsteren und letzter» veranlassen. Hauptsächlich wurde da» jüdische Ideenreich denjenigen Völkern ein r, im Auge, deren Religion au» dem Schooße der jüdij Religion hervorging, und sozusagen, eine Tochter ist, die ihrer Mutter abhängt; einer Mutter, die niemal« sterben und Protest erhebt, wenn man ihre Mutterrechte am E» verdrießt diese Völker, dem ohnmächtigen jüdischen Vullch ihre Religion, zu der diese» selbst sich nicht bekennt, danken zu müssen. E» ist eben eine mißliche Situalu, einen materiell herabgekommenen Wohlthäter stet« vor kl» zu haben, und beständig an den schuldigen Dank gem« zu werden, selbst wenn der Wohlthäter auch gar keinen D beansprucht. In einer solchen peinlichen Lage, wird a verdrießlich, aufbrausend und ungerecht, und schließlich h man keinen anderen Wunsch, al«: diesen unbequemen < wissenSrüttler lo» zu werden, und diesem Wunsche, wen, mit Macht gepaart ist, folgt auch dir Thal. Darum wnck, auch früher von Seiten dieser Völkerschaften alle Hebel Bewegung gesetzt, die Juden zum Chrinenthumc zu bekehre, Alle Mittel wurden hierzu angewendet. Gewalt. Ueberredmizd kunst, Vorspiegelung glänzender Perspectiven, und wie i die verschiedenen Mittel und Mittelchen heißen mögen, um diese« ewige Gemahntsein und den Protest der Mutter «t der Welt zu schaffen; freilich Alle» ohne Erfolg. Roch je wiegt ihnen ein jüdischer Proselyt mehr, denn hunderliaujai heidnische; man glaubt durch seinen Uebertritt zum Ehrisi thum eine Berziveiflung auf die Mutterrrchte gewonnen g haben Auch in dem aufgeklärte» Zeitalter, wo die Rcligiom bei Bielen da» Göttliche eingebüßt haben und nur Moralisch« anerkannt wird, auch da ist man den Juden gn» wiewohl sie. die Aufgeklärten, eine überaus große Fülle erhabensten Moral in der jüdischen Religion antrcha Warum? Weil eben eine große Verschiedenheit in Eharatteren liegt. Auch viele der Aufgeklärteu ärgern daß e» Juden waren, welche soviel für die Gesittung-as Humanität geleistet haben, und suchen darum ihre Verdi« zu verkleinern oder ganz in Abrede zu stellen. Wir haben un» darum die Mühe genommen, die Out unsere» Leiden« näher zu untersuchen, damit wir un» mit der trügerischen Hoffnung trösten: die Zeit wird uns» Wunden heilen. Die Zeit könnte wohl diese» Wunder fc wirken, aber nur die MessiaSzrit, in der sogar die rcißrnda Thier« die Sanftmuth de» Lamme» annehmen werden. tä alle Extreme und Contraste unter den Völkern aufhöa werden; bi» dahin aber müffen wir auf Gehässigkeiten ri Anfeindungen gefaßt sein, und nicht glauben, daß wir di» von un» fern halten können, »venn wir da» herabwürdigeck Verfahren so vieler unter uns befolgen würden, näi unsere altehrwürdige Religion, unsere Abstammung und un« ganze» Bewußtsein dcffen, wa» wir für die Menschheit gelciD haben, zu verleugnen. Im Gegentheil, wir mache» 4 damit noch verächtlicher. Ein mannhafte», de« eiga» Werthe» bewußte» Auftreten, wird viel mehr imponi» Kurz, wir müffen mehr jüdische» Selbstbewußtsein (Patt» tiSmu»?) bekunden. Der Mangel daran rächt sich bittet unserer Zeit. Wir wollen auf diese» Thema noch M zurückkommen. W. Schur VnKtifd. iUdmuti, 18. Juli. (Or.-Eorr.) Die letzte »4 im Juni war der Schlußprüfung im Hebrew U»>" College gewidmet. Die vom Grmeindebund (Unio, E American Hebrew Eongregatton») ernannte Eommissiou» stand diese« Jahr au« den Herren Rabbinern Gidhr>* au» Rew-Orlean«, Landsberg au« Rochester und 24»' singet au« Albany. E» werden jede« Jahr anderes glieder in diese Lommission gewählt, so daß im Verla»