Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 35.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 271 — 3cit alle hervorragenden Rabbiner de» Lande» sich per» lich von den Leistungen der Anstalt überzeugen und An- . auf Berbesierungen stellen können. Die diesjährige Mission prüfte alle Elasten und in allen Gegenständen 24. bi» 28. Juni, sich» bi» sieben Stunden täglich und üanete dem Gemeindebunde einen sehr günstigen Bericht. __ Schüler in der Präperandie bestanden ihre Maturität», sung für die Seminarabtheilung und erhielten da» Choberlom (N2N>Titel). Unter diesen befindet sich auch eine Mgc Dame, dir sich für die Religiontschule vorbereitet. « «chüler der Präperandie. die gleichzeitig da» Unterinasium absolviren. lesen Thora, die historischen Bücher Schrift, eine Au»wahl au» Psalmen und Sprüche Sa» mon'r. Raschi zur Thora, vier Traktate der Mischna und infjig bi» sechzig Seiten im Talmud, hebräische Grammatik >d Geschichte di» Rabbi Gamliel H Au» der Seminarheilung wurden fünf mit dem Rabbiner-Diplom fHTVl) entlasten. die am nächstfolgenden Sonntag unter tspikchender Feier im Tempel öffentlich al» Rabbiner limrt und proclamirt wurden, und zwei wurden mit Maiszeugniß ohne Ordinat entlasten, weil sie ihre Unisitätsstudien nicht vollendet hatten. Im College besteht nlich da» GeschO, daß alle Kandidaten während de» vier- » fünfjährigen Seminarrurse» den akademischen Cur» auf Universität vollenden. Dieser besteht hier au» Philosophie. Lichte, klassische und moderne Philologie. Arabisch. Mathe» iattf und Naturwissenschaften. Rrthorik, Exegese und Staat», »mir. In der Seminarabtheilung wird von den promoden Kandidaten verlangt: Selbstständige» prima viataesen im Talmud, Po»kim, Bibelcommrntarien und Tar» nmim. die rabbinische Methodologie, Hermeneutik und tematischr Uebersicht der liturgischen, juridischen und ethi- Maximen, Krnntniß der Bibel, der biblischen Litterator inb Exegese, der hebr., aram.. und syrischen Sprachen, der schichte, der philosophischen Schriften Saadia'». Bachja'S. dah Helevi'S, Maimonide» und Aldo'« nebst der Geschichte ganzen philosophischen Litteratur. Auch mutz der promode Kandidat zwei Jahre lang in der Seminarsynagoge Gotte»dienst geleitet und gepredigt haben, so oft die!nhe an ihn kommt, und ein oder zivei Jahre in einer eligionSschule unterrichtet haben. Üeberdieß muß jeder Kandidat über da» in Vorlesungen behandelte Material von ln rationellen Theologie. Homiletik. Mastorah und Ein- Inlungen in die Bibel, dir Mischnah und den Talmud Prüfung oblegen. Da» Hebrcw Union College hat i. I. 1883 und 85 n e u n Rabbiner mit Diplomen und zwei mit MaturiläiSjcugniß entlasten, die sämmtlich in respektablen Gemeinden aageitellt sind. ES verbleiben in der Anstalt zwanzig Studenten. wozu eine neue Unterklaste im September kommen wird. Bedenkt man die Schwierigkeiten, die diese Lehranstalt p> überwinden hat. da da» jüdische Wissen unter der Jugend de« Lande» noch geringer al» im europäischen Westen ist, »ird mau ihr die Anerkennung nicht versagen können, daß sie mit beschränkten Mitteln Ausgezeichnete» leistet. wie da» alljährlich, so auch diese» Jahr von den unparteiischen Prüfungrcommissionärrn anerkannt und ausgesprochen worden n'l. Im Publikum herrscht die günstigste Meinung über die »am College promovirten Rabbiner, die nicht deeinträchligt »urdr durch den kleinen Sturm, der sich im Berlause de« lchtm Schuljahre» von neuorthodoxrr Seite gegen den Prä» sideuten resp. Rector de« College erhoben hat, weil derselbe ® öffentlichen Vorträgen außerhalb de» College über Misch» A. Proselytrnaufnahmen und Speisegesetze sich in einer ®nit au«gesprochen. die der Neuorthodoxie nicht zusagt. Da» College besitzt ein elegante» Gebäude und eine gute ^lbliothek von circa 9000 Bänden, die Lchrkräfte bestehen ®tt* folgenden Herren: Dr. Wise Präsident. Professor der Philosophie und Geschichte, Lehrer der syrischen Sprachen.?*- Ptielziner, Professor de» Talmud und der rabbini- Ae» Disziplinen, Lehrer der hebr. Stylistik. Dr Epp inger Professor der Bibel und Lehrer der aram. Sprache. Rabb. Ignatz Müller, vorbereitender Talmudlehrer. Rev. Mannheimer, vorbereitender Bibellehrer und Lehrer der hebr. Sprach«. Rev. Gold st ein, Lehrer der Liturgie und der liturgischen Musik. De. S on nenschein Lektor in der Homiletik. (Möge da» College in ernstem religiösem wiffenschaftlichrm streben seine hohe Mission erfüllen: da» Banner de» jüdischen Glauben« und Wissen» jenseit«de« Ocean» zu entfalten! Red.) Vermischte ttttfe nenefte Nachrichten. Starfta. Vorige Woche trafen auf dem Schlesischen Bahnhose hirrselbst wieder 200 jüdische Auswanderer au» Rumänien auf der Reise nach Amerika hier ein und fuhren, nachdem sie von hiesigen jüdischen Familien in dem Wartsaale gespeist waren, nach Hamburg weiter. (Werden sie nicht wieder zurückgesandt werden? Red.) Merk». Die Ausweisung von Russen au» Berlin heißt in ven russischen Blättern aller Farben: Die Vertreibung der russischen I u d e n au» Berlin. Die „Nowo Wrewja* sagt: Nicht ein rechtgläubiger Russe ist au» Berlin au»gewiesen worden. Die „Norddeutsche Allgemeine" habe die Sache gar nicht berührt, meint ein Blatt, damit der Kaiser, der da» nicht billigen würde. Nicht» davon erfahre u. s. f. Kt«t1gart, 21. Aua. Rach der neuesten Statistik nehmen die jüdischen Schüler höherer Lehranstalten einen schr hohen Proccntsatz ein. Während die i»cael. Bevölkerung Württemberg» nur 0,64 */, der Gesammtbevölkerung beträgt, sind unter 9352 Gymnasiasten 399—4,2 •/,, unter 6541 Realschülern 298—4,6 unter 2408 Schülern der Elcmentarklasten (VorberritungSklassen für gelehrte Schulen) 116—4,8 unter 3352 Schülerinnen höherer Mädchenschulen 349—10,5 *ft i»rael. Konfession. Diese» Verhältniß rührt daher, daß m den drei großen Stadtgcmeinden Stuttgart, Ulm und Hcilbronn keine i-rarl. Volksschulen bestchen, die Kinder also alle die höheren Lehranstalten frequentieren. <£»»«»». Die beiden Vereine (Board of delegatoa und Ahglo Je ob Asaooiation) haben dem Prinzen Sil us Sultan, dem zweiten Sohne de» Schah von Persien eine Dankesadreste für seine Milde gegen die Juden der von ihm verwalteten Provinzen durch Herrn Malkqlm überreichen lasten, die schr gnädig angenommen und beantwortet worden ist. Der Prinz versicherte im Namen seine» VaterS. daß in Persien alle Religionen und Stämme gleich behandelt werden! In London hat ein chrisllicher Stiefvater die Bar Mizvah seine« Sohne» in der Synagoge wie im Hause festlich gefeiert. Diese vara aria heißt: Dr. D, Swyer! Au» Mrchk««». Nach einem Berichte de» ,Cza»" sind in Volhynien Judenverfolgungen auSgebrochen. Jn Domdrowa (Eigeuthum de» Grafen Plater) hat der Pöbel die Juden überfallen, wobei geplündert und Juden getödtet worden sein sollen. Auch in der Dnieprgeaend im Pultawaer und Chersoner Gouvernement soll die Bewegung im Wachscn s,in. M»r«»«»» (Wilna). 500 Bahnarbeiter (zumeist Russen) hatten schon öfter» an Sonntagen Juden mißhandelt, ohne daß man sich dagegen hätte helfen können. Nun befahl der Stadthauptmann, Vormittag» keinen Schnap» zu verabreichen. Darüber erbost, plünderten die Arbeitcr nicht allein Schenken, sondern drangen auch in die katholische Kirche ein und spielten dieser, wie dem Geistlichen mit. A»»ft««tt»«Pek. Besonder» auf Verwenden von OSman Pascha hat der Ministerialrath im Juli beschlossen, die Juden au» allen Ländern in Palästina sich ansiedeln zu lassen, sobald sie türkische Unterthanen werden. Doch ist vorläufig »och Vorsicht geboten, bi» die Verfügung alle Gesetzeskraft erlangt haben wird. (Hazephira.) In Jtfrit*K»rUa (Cherson) hat ein jüd. Rechtsanwalt den Eid venveigrrt. weil er zu der Sekte „der Bibelgläubigen" gehört, die nicht schwören. (O Israel: Von außen wacht der Haß, Thorheit von innen!)