Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 35.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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— 206 — Einschränkung verkaufen." § 1 lautet: »Jede» Geschäft ist an den »Werktagen der Festwocheverboten".Dazu Isserle«: »wenn er aber einen außergewöhnlichen Profit mache» kan», darf er. ohne Aufsehen »u erregen, verkaufen und dafür mehr. al« er'ohnedies beabsichtigte, zur Erhöhung der Festesfreude verwenden." Da« ist klar: Da« Geschäft an den »Werktagen der Festwoche- — Ihren Zwischenfeiertagen — ist nur verboten, weil e» eine Beeinträchtigung der Festesfreude involvirt. Sobald e« da« nicht ist, im Gegentheil zur Erhöhung der Festesfreude dir Ursache wird, ist e« erlaubt. Da« »dem Akum auf Zin« leihen", da« Sie anführen, ist nur da» Glied einer länger» Reih« von Specificationen in dem angeführten Kapitel, wa« hat da«, Herr Profesior, der Sie doch an einem »System von Täuschungengewiß nicht mitspielen wollen — wa» hat da« mit Ihrem Motiv: »Zum Schaden der Gojim" zu thun? wie himmelweit ist da« »Verwenden zur Erhöhung der Festesfreude" entfernt von Ihrer Insinuation: »Gleichsam zur Sühne der Uebertretung" I Ueberhaupt widersprechen Sie sich selbst: wenn schon der »Schaden der Gojim" ein sühnend«« Element ist, wozu dann noch eine neue Sühne? — Rein, »zum Schaden der Gojim" erlaubt der Sch.-A. niemal« »allerlei Verbotene« zu thun" I Sie Herr Professor, al« gerichtlicher Sachverständiger, kennen doch ohne Zweifel den Sch.-A.. über den Sie ein »gerichtlich geforderte« Gutachten" abgeben, durch und durch, und so ist Ihnen gewiß weder Ehoschm Mischpat o. 231,1 unbekannt, wo e« heißt: »wer seinem Nebenmenschen falsch mißt oder wiegt, selbst einem Akum, der Übertritt da» Verbot: »Ihr sollt nicht Unrecht thun mit Längenmaß. Gewicht und Hohlmaß. (Levit. 1V.3V), noch ibid. o. 369,1: »Man darf nicht rauben, noch erzwingen, auch da« allerkleinste nicht, ti sei von einem J»raeliten oder einem Akum." Ohne Zweifel ist Ihnen auch Eh. M. o. 228,8 bekannt, wo e« heißt: »Eü ist verboten, die Menschen — die Mens chen, bne ad»-n! — im Kauf und Verkauf zu betrügen, oder ihnen die richtige Ansicht zu stehlen (eine falsche Meinung beizubringen, „lignow d» '«tom*); z. V. da« Bertauf»objekt hat, einen Fehler, so muß man davon dem Käufer Mittheilung machen, auch wenn e« ein Akum ist" und so weiter noch rin recht langer Paragraph. wer wollte dem gegenüber »och behaupten, daß der Sch.-A. den »Schaden der Goj>m" al« ein so fromme« Werk betrachtet, daß man dadurch »allerlei sonst Verbotene» thun" dürfe? — Sie führen aber einige Stellen an. wo scheinbar da« Gegentheil steht. Zugegeben, e« stünde alle« genau so. wie Sie e« anführen — nun, dann ist e« die Pflicht eine« Sachverständigen, dem euch »zum Schaden der Juden" »it Wahrheit und Lüge Lüge ist. sich diese offenbaren rüche zu erklären. Sie mache» gar nicht den Versuch. Sie führen nur die Stellen an. die Ihnen in den Kram paffen, die Sie Ihrem Kram wenigsten« an passen können. Die ungefügigen — gehen Sie natürlich nicht« a». Run dir von Ihnen citirten Stellen waren von Le w i n in dem genannten Werke in« »Licht der Wahrheit" gerückt, ehe Sir sie citirtm. Aber wa» genirt Sie da« Lmnn'sch« Werk? Rur einige kurze Bemerkungen. Sie kennen doch, Herr Profesior, den Unterschied zwischen Begehung und Unterlassung. Verbotene« thun ist in jedem Falle auch gegen Akum verboten; dagegen darf, dem Akum gegenüber, manche« Gebotene unterlassen iverden. Ferner ist e« wohl nicht einerlei, ob e« heißt: Verbotene« zu thun ist erlaubt, oder wenn etwa» Verbotene« geschehen ist, ohne daß e« rückgängig gemacht werden kann: wie e« nun mit dem au» der verbotenen Handlung resultirenden Ruhen steht. — Nicht minder wird e« Pflichten in desondern Verbindungen geben, so lange nicht der Egoismus, auch der berechtigte, auSgestorben ist. — Endlich ist nach talmudischer Bestimmung da» Eigenthum«rccht mit dem Augenblick erloschen, wo jemand in seinem Herzen eine Sache für verloren giebt WIK’), ja selbst, wenn er e« nicht thut, wenn nur nach menschlicher Berechnung Grund dazu vorhanden ist, e« für verlore« zu geben. So ist nicht nur da« Verlorene de« j Akum erlaubt, wa« Sie nicht zu buchen vergeffen, fonbcn i auch — wovon Sie freilich nicht Rotiz nehmen, obgleich r« j, | demselben von Ihnen citirten o. 268 steht — da« Bei. lorne eine« I«rgeliten, wenn r« an einem Orte „er. loren wurde, wo der größte Theil der Einwohner, oder bn I Vorübergehenden, nicht J«raeliten, sondern Akum fink,! weil in diesem Falle der Eigenthümer oder Zweifel die Hofs, »ung aufaegeden hat. e« wieder zu erhalten. Ebenso lau der Sch.-A. nicht« dafür, wenn Sie »Onaah" in Ihr,r. liebte« Deutsch mit »Ucbrrvort heilen" übersehen. Uedervoitheilen, sahen wir oben, darf man den Atum nicht; aber »Onaah" ist nicht» weiter al« ein zu hoher Profit, d. h. j, hoch nach talmudischen Begriffen, über 18'/, Procent. Kur;: e« muß gar viel zu Ihren Worten addirt und davon snbtrahirt werden, bi» dieselben mit der Wahrheit identisch fink. »Alle« ist darauf berechnet, die größtmögliche Emsre«. düng und Absonderung von den Gojim zu erreichen". Eni-1 fremdung? Rein. Absonderung? Run, wie man'« nimmt 3i Speise und Trank war manche Schranke gezogen, weil dm j die Brücke zum Eonnubium bildet, da» Lonnubium aber da Monotheismus und den Bestand de« Judenthum» gefährdete Außer in Speise und Trank war keinerlei Annäherung am religiösen Grünorn verboten. »Ebenso wird allr« aufgebote», um da», wa« man jqi | Klaflenhaß nennt, gegen die Gojim zu schüren (z. B. wrrda in vielen Gesehen die Ehristrn so dargcstrllt, al« hätte» sn weiter nicht« im Kops, al« einen Juden zu ermorde»)." Die > Christen? Herr Profesior. daß Akum-Ehriste», da« Kunflstück wollen Sie ja doch erst später beweisen? wie komma! Sir auf einmal von .Akum" auf .Ehristm"? Doch e« fd: j Die Christen, wissen Sie denn gar nicht« von Juden»«, folgungen durch Ehristm, die de» Mord, an I u d e n verübt.! im Mittelalter al« ein gottgefällige« Werk betrachtrtm? Ln wiffm gar nicht« davon, daß da« Leben und da« Glück unk die Ehre de« Juden rin Spielball war in den Händen da Christen? Und von Ti»za Eßlar und von Rcustettin wissa Sie gar nicht«? Und wenn dann der Sch.-A^ entsprechet j der Vorschrift: »Hütet euer Leben", auf Grundlage talmudischer Bestimmungen, die wahrscheinlich durch thatsachlch I Ereignisse veranlaßt wurden, bestimmte Fälle codifizirtc. dam schlägt Herr Profesior Gildemeistrr, o. ö. Pros, der or>» talischen Sprachen, die Hände über den Kopf zusammc» ut kann sich nicht genug darüber wundern, tva» nur der SHnlchan-Aruch für ein verruchtes Buch ist! O nanou ua-l plioiUnl O elende« Schaf, da« die Verruchtheit hat. pl glauben, der Wolf habe nicht« andere» im Sinne, al« «I zu fressen! Rein. Herr Profesior, so geiviß al» der I» heute ohne Furcht vom Ehristm da» Haar scheerm und mI christlichen Ammen sein Kind säugen läßt, so gewiß gerächt die von Ihnen beanstandete Stelle de« Sch.-A. nicht deil Schulchan-Aruch. sondern ganz andern Faktoren p] Schande. — _ <g»«sk»mm folgt) Da» HL Al» Abgesandter der Sooi«t« dea «tudea Juiveo nl Pari« ergriff darauf deren Borsihmder Herr Prof. DerevI bürg da« Won; der bejahrte Herr hatte die wdtc 3ii»l nicht gescheut, um dem seltmen Feste persönlich beizuwohn»! Er pnc» in begeisterter Rede den Schöpfer und Meister Wl jüdischen Wissenschaft und wünschte ihm. daß er noch laipl der aufrichtigen Bewunderung der Gelehrten innerhalb dl außerhalb unserer Glauben-gmoflenschaft sich erfreuen «#| Er überreichte Namen« der Gesellschaft dir bi«her erschiencnal Bände der von dieser herau«geaebene» wiffenschaftlichc» schrift und eine längere Adresie, au« welcher wir folge»« > Stellen in der Uebersrhung hervorheben: I .»Bor mehr al« einem halbm Jahrhuawll schlugen Sie den fruchtbaren Weg ein, auf dem sich uns»!