Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 33.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 254 — Verleben dunkle Punkte aufzeigt. Am allerwenigsten aber dürfen solche Menschen sich alt Vertreter und Vorkämpfer de« Judenthum« vordrängen, damit wir nicht sinken ihrer Verschuldungen wegen. Diese« Anschnorren bedeutender Männer um Briese und Atteste, dir Veröffentlichung derselben ohne ihre ausdrückliche Genehmigung hat sich bereit» bei dem Verfahren de« Herrn Isidor Singer in Wien bitter gerächt; er wird von den Autoren de« Vertrauensbruch« öffentlich angeklagt und sein Fehler un« Allen al« Schandfleck angeheftet. Gin Anderer nun wagt e« mit Immediateingaben al« Berthcidiger de« Judenthum« selbst dem Throne zu nahen! Welchen Eindruck kann e« machen, wenn die detr. Polizeibehörde den Bericht erstattet, daß dieser oder jener »Vorkämpfer de« JudenthumS* wegen Bankerotte« bestraft oder im Verdachte falschen Spielen'« stehe, und überhaupt schlecht beleumundet sei!? Giebt e« denn gar keine »Aerzte* in Israel, daß solche »Pfuscher" unsere Schäden zu heilen sich berufen fühlen? — Ich habe geschwiegen, so lange e« irgend möglich war. Jetzt halte ich aber die Gefahr für so dringend, daß ich Alle, auffordere, sie abzuwehren und dem Skandale ein End« zu machen, damit die Antisemiten un» nicht auch diese« Treiben eine« Einzelnen auf« Kerbholz schreiben. Nur unbescholtene Männer mit »reinen Händen" dürfen für unsere heilige Sache eintrete», nicht Leute, die darau« ein »Geschäft" machen wollen.*) Kamöurg, 6. August. Der .Krruzztg." schreibt man: Unter den Juden in Rumänien hat sich vor geraumer Zeit ein Konnte gebildet, welche« den Glaubensgenossen bei der Auswanderung die nöthigen Mittel vorstreckt. Bon diesem Au«wanderung»comite wurden im vorigem Monat ISO Israeliten über Hamburg nach Newyork befördert. Nun exiftirt aber in den Vereinigten Staaten ein Gesetz, nach welchem mittellosen und unzurechnungsfähigen Einwanderern die Landung versagt werden kann. Auf Grund diese« Gesetze« durste» SO von den Juden in New-Aork nicht landen. In Folge dessen kamen dieselben in vergangener Nacht mit dem Dampfer »Westfal'a* absolut mittellos hier wieder an. Man erwarte», daß -die hiesige israelitische Gemeinde, welche ja besonder« zahlreich und wohlhabend ist. für di« Glaubensgenossen eintreten und die Loste» ihrer Rückreise durch Deutschland nach Rumänien besirri'en «erde. (Um in Rumänien zu verhungern? O. praktische« Ehristenthum! Red.) Wie man der »Boss. Ztg." au« Hamburg schreibt, werden die Unglücklichen bi« auf Weitere« in Hamburg auf Staatskosten^?) erhalten.**) Da« kan» aber nur für einige Zeit gelten und wenn die Hamburger Behörde genannte Auswanderer abschiebt, so wissen dieselben nicht, wohin sie sich wenden sollen. In ihrer Heimath mußten sie bei der Auswanderung einen Verpflichtung «schein unterzeichnen, niemal« wieder zurückkehren zu wollen, drüben sind sie auch nicht gelitten und hier werden sie von einem Lande dem anderen zugrschoben. In Kschzsit, einem Stätdchen bei Friedeberg, war rin jüdischer Kaufmann zu Polizeistrafe herangezogen, weil er sein Kind an den Sonnabenden de« Monat« Mai nicht zur Schule geschickt hatte. Gegen da« Strafmandat hatte er richterliche Entscheidung beantragt. Da» Schöffengericht in Woldenberg verhandelte nun, wie die »Neum. Ztg." berichtet über die Sache und ging in seinem Urtheil noch über da« Strafmaß der Polizeibehörde hinau«. In der Begründung de« Urtheil» wurde gesagt, daß e« in Preußen nur *) Wir tSnnm — ohne In dl« Personen frage näher eiiuutreien — diesem Grundsatz« nur zustimmen; wir erinnern bet dieser Gelegenheit daran, «eichen niederschmetternden Lindruck di« Enthüllungen Sticker» über die .Neustettiner Vorsteher" zur Zeit «achten, di« die jüdischen Abgeordneten nicht in der Lage waren, zu deiavouiren. Di« Vertreter jüdischer Interessen müssen von makellose« Charakter sein. Ebenso Ist auch «in jüdische« Blatt und mag e« noch so .orthodox" «hun, da« aber offenbar die Orthodoxie nur al« Aushängeschild für .koschere" Inserate und allerlei .unkoscher«" Reelamen benutzt, untauglich für Wahrnehmung der Interessen de» Judentbumä. (Red.) —) Nach neumen Nachrichten sorgt der »Verein zur Untcrftühung der au« Rußland vertriebenen" für di« zeitweise Unterhaltung der Hetmachlosen. <N«b.) und die katholisch«, und daß demgemäß die jüdische» auch an den Sonnabenden dem Schulzwange unterläge»." zwei staatlich anerkannte Religionen gäbe, die evangel^ (E« giebt also noch in der preußischen Monarchie Ls Vorstände, die von der Existenz der »Allgemeine» Bestimmung, die seit 1872 in Kraft sind, keine Ahnung habe»; von! erst jüngst promulgirten Erlasse werden sie selbstredend ctd wissen. Wunderbar ist e« nur, daß selbst Richter in schul» liehen Frage» nicht ganz au fait sind, sonst hätte ja > obige Schöffrnspruch die längst veraltete Begründung erfahren können.) Zu der fjiu* «er H4tzei»pr»»i»z'> in vor. Nr., orthodoxer Seite mitgrtheilten a u t e n t i s ch e n E> klar, zu der allerdings der Erklärung sehr bedürftigen .La»« Erklärung" der orthodoxen und conservativrn Rabdincn f« un« noch zwei »Anmerkungen* zugegangen, die die Behmipi, daß im Talmud u. s. f. nie vom Ehristenthum die Rede i näher erhärten sollen. Wir trage» sie hier nach: 1. »Dag in Awoda Sara 7b die Lesart "*BCU (Q") Mistverständnib au« "”1213 entstanden ist, hat Lewin in seinen, .)» spieael" S. 82 richtig betont. Wenn aber O'J'Ö als Bezeichn»», > Christen ausgefatzt (wofür man sich ja aus Maimonide« beziehen low, und da» '21 K1? un« entgegen gehalten werden sollte, hf dagegen zu erwägen: l. die Bedeutung diese« p*?S8 u. s. «. «iffenschaftlich durchaus nicht fest. Aber selbst, wenn e« heißt, uw» i ihnen nicht au» der Gefahr, so ist e« entschieden eine Haiacha, te, allen Zeiten »graue Theorie" geblieben ist. <Z» gehört z» dem «a« mrso1? K1?! TChrb gilt, «an» man etwa, gegenüber: Hundrrttausenden aus Scheitertzausen verbrannte» .Artzern" auch, «inen htstorifch verbürgten Fall Nachweisen, wo die lalmiibun», einem .Ketzer" (pö) jenen wrundsad «»»geführt hätten'? Tagr^il von R. Meier da» direete Gegentbeil bekannt, daß er nämlich de» i Acher mit Achtung und Ehrerbietung behandelt hat. Da« in rbnt »Praxi«", welche oft von der Haiacha wesentlich adweicht. Alle,» a hier ist von Christen keine Spur. Die D'J'ö in eigener Mine ve.» ja überall schärfer vernrtheilt, und ingrimmiger gehabt, al« die Be!« eine* anderen Glauben». Und hier finden wir selbst für die e,.» nur die Berurtheilung und daneben eine ganz ander» brakllsche Bebandlung. Maimonide« Ansicht ist aber nicht m ür die Halacha mabgebend. (kr stlbft hat eben Alle« au«geza,m>. an Material vorhanden war. Ader hätte er selbst — wa» ja nick» Fall ist — e« für die Praxi« al» mabgebend hinstellen «ollen, e« b« sich, und e« hat sich Niemand gesunden, der da« hätte Ihn,, m-> Und da» Judenthum hat für eine solche Ansicht de« Mainiett ebensowenig Verantwonlichkrit, wie etwa, um ein Beispiel an»,'--, die evangkfische Christenheit für alle» wa» Luther in inlereoineiiuM Beziehung gesagt ha». Und Luther bat für den Protestantin»»«! noch ein« andere Bedeutung, al« Maimonide« für da« Juden»,,,», ist für un» also klar gestellt, dab solche ,Au»sprüchr" eben »ich,» or.v al» »Aussprüche" sind,' die weder al» Lebrmeinung anzuseben sin», > für di« Praxi» Bedeutung haben. Da« haben die Erklärung«, I mittelalterlichen Nabdinen doch deutlich genug a««gespr»che». l .Litteraturblati" hat tn Nr 21 ®. »9 Anmerkung eine solche W1 Jehoschua gebracht Da« sind nicht Neben, di« zum Fenster bin««» | Hallen, sondern Ermahnungen, die bei jeder pasienden Gele„enbck > di« Glaubensgenossen gerichtet wurden. 2. freilich haben ilommentatoren und Deeisoren da» Recht gck fesetzlich verbindlich« Normen zu schaffen, doch nur in soweit.«ff te «ine Analogie mit in Bibel und Dalmud entschied,» Fällen Nachweisen konnte. Selbst die Amoraeer haben wu« Grund von au» der Mtschna geholten Analogien Etwa« für die »nfe* Uebung neu schaffen (lv'INÜ) kännen. Damit wäre die Veizln' von Christen mit ryj, 0125 al« un möglich dargetha». p» dab göttlich verehrte Embleme zu solchen Analogien anrrizien. L)efterrei cd-Ungarn. Hemberg. Der Magistrat veröffentlichte unr 5. Juli cr. nachstehende Verordnung der galizische» Haltern, die wir wörtlich au« dem Polnischen übersetze«: Trotz der Gubernialverordnung vom 10. November IM R. 60 R. G. B. erhält sich bei den Israeliten die & ihre Leichen nicht nur ohne Sarg, sondern oft sogar » geziemend« Bedeckung auf einem Brett, einer Leiter oder off« Tragbahre au« dem Sterbehause zum Friedhof zu trag» I Dieser auf Borurtheilen gegründete Brauch (?) verletzt Anstandsgefühl anderer Glaubensgenossen und wird die Ursache der Verschleppung epidemischer und otifto Krankheiten. In Folge Verordnung der hohe» k. k. Halterei vom 22. Jum 1884 Zl. 23894 wird festgesetzt. > von nun an die Körper verstorbener Israeliten unbrdi» ü