Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 33.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 251 — l fi,d,n. der den Sisyphu»stein einer solchen Beweisführung I»en Berg hinaufjurollrn. sich versucht fiihlen möchte. I wollten wir zum Schluß von all dem Gesagten die Summen ziehen, so würde sich un» zunächst ergeben, daß Ider fragliche Kreuzzeitung«artikel de« Hrn. Prof. Strack in I Inner Weise als eine sachlich wissenschaftliche Kritik der von der Rabbinerversammlung abgegebenen Erklärung anzuse;en js». Der Schwerpunkt jener Erklärung ist van all dem, wa» Herr Pros. Strack in jenem Artikel vorbrachte, gar nicht dcrübrt worden. Wir können diese« um so unbefangener sagen, al» e« Herr Prof. Strack in der Boss. Ztg. vom 26. Juli, wen» auch in etwa» anderer Form, selbst zugrstrht. uKit ihm in seinem Aufsah: „Zur Kritik der Radbiner- I Periammlung" nicht um Kritik zu thun. nur gegen eine Ucberschätzung Hillels auf Koste» Jesu wollte er Verwahrung einlegen. Eine solche Uebcrschätzung ist aber in der Erklärung [ der Rabbiner in keiner Weise zum Ausdruck gekommen. Denn nicht zum Angriffe, sonder» zur Ab wehr sind jene Männer vier i» Berlin zusommengetrrten. Auch scheint un« die Lrcuzzeitung ei» wenig geeigneter Ort für eine Polemik gegen eine etioaige Ueberschätzung Hillel» oder für eine Parallele zwischen Hillel und Jcffu». Herr Pros. Strack dünkt un». hLiic für seine hierauf bezüglichen Ansichten und Ueberzcugungen ein geeignetere« Organ finden oder nach dem Ko, gange Delitzsch' dieselben i» einer besonderen Schrift nikderlegen können. Am wenigsten durfte die Rabbiner-Versammlung bkjiehungSlveise eine Kritik ihrer Erklärung als Gclgrnheit für eine Polemik gegen Hillel benutzt werden. Lean Herr Prof. Strack in seiner Anttvort auf die Maydaumsche Replik „gern anerkennt, daß die am 4. Juni feierlich abgegebene Erklärung der Rabbiner-Versammlung und die von den Orthodoxen veröffentlichte Parallelerklärung dem Frieden zwischen Ehristcn und Juden zu dienen geeignet sind ', so dürfte da« von feinem KreuzzeitungSartikel schwerlich Jemand behaupten können. D. Selver Rabb.-Cand. DaS Zunz.Iubiläam. I. Hie ZterNner Adresse«. Aerkl«, 10. August. Dem allverehrtrn Jubilar, dem eigmilichen Begründer einer Wiffenschaft de« Judrnthum«, Herrn vr. Leopold Zunz, wurde anläßlich seine« heutigen Wie» Geburtstage« von dem Rabbinal der hiesigen jüdischen Gemeinde eine mit großem künstlerischem Berständniß auSgcführte, koslbar auSgeslatiete Adreffe überreicht. Da« erste Blatt zeigt unterhalb eine« etwas gehobenen Vorhanges einen in den Wolken schwebenden Engel, der, den Blick nach oben gerichtet, auf eine Tafel die SO Jahre zu verzeichnen sucht, allein die Lebensjahre de» Jubilar« sind gleichsam noch ungezählt, denn die Jahreszahl 1884 ist unvollendet. Recht« auf echt silbernem Grunde Rosen und Myrthrn. um die Liebe und Ehrerbietung zum Ausdruck zu bringen, links die LedcnSfackcl, darüber die cwig junge Gütiin de« Wachse,'«, Blühen« und Gedeihen«, einen Gichenkranz hochhaltend mit der Inschrift: SO Jahre. Dir Widmung selbst, mit Lorberrrn, Dornen und Disteln durchwachsen, den Ruhm und Kampf versinnbildlichend. Da« zweilc Blatt bringt auf echt goldenem Grund« mit rankenden Eichcnblättern den Text, der wie folgt lautet: hochverehrter Herr Doctor! ES erfüllt un« mit innigem Tanke gegen die Vorsehung, daß sie e« Ihnen vergönnt hat, den heutigen Tag, an dem Sir das neunte Jahrzchnt Ihre« Leben» beschließen, in ungebrochener Kraft zu erreichen. Mit den Tausenden unserer Glaubensbrüder vereinigen wir un« heule in dem Ausdruck tiefster Verehrung gegen den Alt- «eistrr der jüdischen Wissenschc.ft, welcher in unserer Mitte den Grund gelegt hat zu dem geistigen Auffchwuug in Lehre und Leben, und zweien Generattonen in Israel durch lebensvolle Darstellung der geistigen Entwickelung de« Judenthum« Eeldsibewußtsein und Selbstwürdr gegeben hat. So unvergleichlich. wie Ihre Berdienstt. ist der Lohn, den Ihnen die Gnade Gotte« gewährt hat. Mit freudiger Genugtbuung können Sie. der Pfadefinder und Wegweiser jüdischer Wissenschaft, auf die große Schaar emporstrebender Männer blicken, die dem gei.ttgen Erbe der Väter ihre Kraft weihen, denn sie sind allesammt Ihre Jünger. Sie schöpfen au« den Quellen. die Sie erschlaffen, sie erwärmen sich an dem heiligen Feuer Ihrer zündenden Gedanken und sie gewinnen Kraft und Ausdauer a» den leuchtende» Beispielen, da» Ihr der Wissenschaft voll und ganz hingegrbene« Leben darbietet. So sehe» sie denn, am Abende ei»e« durch Gotte« Huld bi« in dir äußersten Grenzen gedehnten Leben« dir Saaten reifen, die Sie unermüdlich und mit iveisem Bedachte auSgestreut haben. Da« große Ziel Ihre« forschungSrrichcn Dasein«: den bedeutsamen Antheil Israel» an der geistigen und sittlichen Enttvicklung der Menschheit nachzuweise». habe» Sie voll und ganz erreicht, und wir wollen am heutige» Tage der frohen Zuversicht Ausdruck geben, daß diese Ihre Arbeit für unsrre Gcsammtheit in Zukunft von reichem Segen sein wird. Möge Gotte« Gnade, wie sie bisher sichtlich über Ihnen gewaltet, auch fürderhin Sic geleiten. I» verehrung-voller Hochachtung und Ergebenheit Das Rabbinat der jüdischen Gemeinde vr. Ungerleidrr. vr. Frankl, vr. Mahbaum." Eine zweite Adreffe wurde von der „Gesellschaft der Freunde" dargrbracht. II. Hie Sulekfchrift. Aerkl», 10. August. (Or.-Eorr.) Heute vor 20 Jahren wurde dem Altmeister der jüdischen Wissenschaft, vr. L. Zunz, die Freude zu Thcil. daß zur Feier seine« 70sten Geburtstage« eine Zunz-Stiftung gegründet wurde. Zehn Jahre darauf knüpfte sich an seine 80sie Geburtstagsfeier die von dem Euratorium der genannten Stiftung veranstaltete Herausgabe der „Gesammelten Schriften von vr. Zunz". An dem heutigen Tage nun ist eS dem allvcrchrten Jubilar vergönnt gewesen, seine» SOsten Geburtstag unter den glänzendsten Ovationen, die ihm gebracht wurden, festlich zu begehen. Die bedeutendsten Männer unserer Wissenschaft — auch daS Ausland war vertreten durch Pro,. Dcrcnbourg u. A. — machten dem Meister ihren Glückwunschbesuch und Deputationen verschiedenster Art hatten sich im Laufe de« Tage« al« Gratulanten eingrsunde». Biele Adressen harren noch der Uebergabe, welche wahrscheinlich erst morgen stattfinden wird. — Dasjenige aber, was den Jubilar — der bekanntlich für Ehrenbezeugungen u. dergl. wenig empfänglich ist — offen dar am allermeisten erfreute und ivaS überhaupt für diese» Tag ein bleibende« Denkmal seiii ivird, da« ist die von dem Euratorium der Zunz-Stiftung herausgegebene .Jubelschrift zum SOsten Geburtstage de« vr. L. Zunz". Sie enthält Abhandlungen von bedeutenden Autoritäten auf jüdisch-wissenschaftlichem Gebiete und ist dem Jubilar in prachtvoller Ausstattung feierlichst überreicht worden, al« leuchtender und erfreulicher Beweis, welch herrliche Blüthen da» junge Reis gezeittgt. das er einst vor vielen Jahrzehnten unter Hindernissen und Beschwerden gepflanzt hatte. In nächster Zeit erscheint diese Schrift im Buchhandel, doch da eS mir vergönnt war, schon jetzt einen Blick hinein» zuwerfrn, so glaube ich den Leser» d. Bl. wenigstens die Ueberschriften der einzelnen Abhandlungen nebst den klangvollen Namen der Verfasser nicht vorenthalten zu dürfen; späterhin folgt vielleicht ei» tiefere» Eingehen auf den Inhalt im .Litteratur-Blatte". Die Schrift beginnt mit einer Borrede (besser Anrede) des Herrn vr. S. Neumann, Vorsitzenden des Euratorium» der Zunz-Stiftung. Daran schließt sich der erste Theil de« Ganzen; welcher in deutscher (resp. italienischer) Sprach« geschrieben ist. (171 Seiten) und diesem folgt der hebräische Theil (217 Seiten). Der erste Theil enthält: 1. Die Metaphysik de» Aristoteles in jüdischen Bearbeitungen. Ei» Versuch von vr. M. Steinschneider. 2. Beiträge zur Bibelexegese von vr. D. Rüsin. 3. La Gtonesi Ja Soienaa. Note