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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 31. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 31.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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288 — mir dennoch die Frage auf: »Giebt e» denn unter den Töchtern Deiner Brüder und unter meinem ganzen Bolle kein« geprüfte und erfahrene Lehrerin, daß du gehest eine solche zu nehmen gerade von den Evangelischen? Bei wem soll der Knabe jüdischen Religionsunterricht genießen? Müssen denn unsere Lehrerinnen nach Ungarn und Galizien verstoßen werden, um im fremden Lande mit anderen Sitted und Gewohnheiten kämpfend, ihre Thätigkrit zu entfalten? Vielleicht nimmt Jemand durch diese Annonce Gelegenheit, für unsere vielgeprüften und erfahrenen Lehrerinnen einzutreten und darauf hinzuweisen, daß Hiera» kein Mangel in Israel ist und daß unsere in der Fremde weilenden Töchter ihre Wirksamkeit in Deutschland entfalten könnten.*) 8. 8t. Zu» de» Koksteiutfthe», 17. Juli. (Or.-Eorr.) Die Korrespondenz »Elbing* i» der letzten Nummer der Wochenschrift ist sehr geeignet, den Gemeinden die Augen über so manche an gewissen Seminarien ausgebildete Lehrer zu öffnen. Daß die angeführten Thatsachen, die den Korrespondenten zu einem Schluß auf die religiöse Stellung de» jüdischen Lehrerseminars in Berlin berechtigen, für ihn etwas Ueberraschende» hatten, nimmt mich Wunder, da das Berliner Seminar nicht erst seit gestern und rhegestern den Standpunkt einnimmt, der die Entrüstung des Elbinger Korrespondenten erregt hat. Wenn ich das eine geistreich sein sollende Wort de» früheren Direktor» Horwitz ansühre — er benannte vor seinen Schülern die Trfillin „Arm- und Kopfdekoration" —**) so kennzeichnet da» die dort den religiösen Vorschriften gewidmete Pietät, von einer Ausübung schweige ich natürlich. E» mag allerdings viele Schüler geben, die sich von oen Lehren seine» Lehrers in seinen religiösen Handlungen nicht beeinflußen lasse» (vor nicht gar langer Zeit ließ sich ein früherer Schüler de» Berliner Seminar» in da» Seminar in H. aufnchmcn, »um Religion zu lernen"), aber solche Fälle werden wohl zu den Ausnahmen zählen. Im Grunde entspricht ober diese Anstalt auch einem, Bedürfnisse. Es giebt eben Gemeinden, die der reli- Siösen Tendenz dieses Seminar» huldigen; dafür ein Beispiel. in einer westfälischen Gemeinde probt ein Seminarist aus H. Der Vorsteher ladet den Kandidaten Sabbat Nachmittag zu einem Spaziergang ein. Um sein „Oneg Soh»bbe»u auf geniale Weise zu erhöhen, zündet sich der Gemeindeälteste eine Havana a», ist aber so galant auch dem jungen Kandidaten eine zu offerieren. Dieser lehnt natürlich da» freundliche Anerbieten dankend ab. mit dem Bemerke», daß rin solche» Vergnügen mit seinen religiösen Anschauungen kollidiere. Der Vorstcher ist nicht wenig erstaunt. Abend», nach stattgefundener Gemeindeversammlung, theilt man dem angehenden Lehrer mit, daß man auf seine Anstellung verzichte, da man keinen „Orthodoxen" anzustellen beabsichtige. — Wenn nun aber der Korrespondent im Hinweis auf die religiös« Stellung de» Berliner Seminar „entzückt" wird durch den Ruf der Rabbinerversammlung nach Gründung jüdischer Seminarien, so finde ich das sonderbar. Mir ist auch unklar, wa« die Rabbinerversammlung bewogen hat, diesen Wunsch nach neuen Seminarien auszusprrchen. ES ist bekannt. daß keines der bestehenden Seminarien da« Verlangen nach dem „neuen Geist", in so wörtlicher Weise zu befriedigen sucht, wie da« Berliner. Auch ist die Produktion der bestehenden Seminarien eine so ergiebige, daß ein Lehrermangel längst nicht mehr besteht; da« lehrt schon die geringe Zahl der Lehrer suchenden Gemeinden und die hohe Zahl der Bewerbungen, die gewöhnlich bei solchen einlaufen. Ist aber kein Lehrermangel vorhanden und wird die konservative Haltung der jüdischen Seminarien nicht bestritten, dann *) Muf den vom gcfd). Einsender gerügten Uebelstand ho« der früher« vorsihend« de» D-J. G.-B., der sel. Rachod, bereit« tn besonderem Etrculär an di« Bunde »gemeinden htngewlesen. Kl dürfte von Zeit zu Zeit wieder in Erinnerung aebnudt werden. (Red.) —) Darin erblicken wir nicht« Drspectiniche«; der orthodor« .Ilrarli«", der jüngst da» Dalli», »den von Gott un« gereichten Hermelinnannte, benennt die Deffilltn auch den »Ordeu«schmuck an Kopf und Hand-. tRed.) halten wir njcht die Gründung neuer Seminarien, die eifrige Unterstützung der bestehenden, zweckmäßig wir» für angemeffen. L>eflerrei cd-Ungar«. <£mlcrf. Die Schulsektion de» LultuSrathe» haij in einer chrer letzten Sitzungen über ein Elaborat zur nung de» Ehedr-nm-Unwesen» resp. der Erthrilung der! fähigungSzeugniffe zur Errichtung von solchen geeinigt. Dieselbe ging von der Grundansicht au«, daß da» Ch lediglich eine israelitische Religionsschule vorstelle und > daher deffen Zulaffung nebst der behördlichen Bewillig, von der Gestattung der EultuSgemeinde-Repräsentan; hängig sein müffe, welche allein zu beurtheile» vermag, i solche Ehedarim den Gemeindebrdürfnissen entspreche». oH ihren Zweck erfüllen und ob die betreffenden Melamdims Jgeeignete Qualification besitze». Im Sinne dieser Prä» tatuirt das betreffende Elaborat die Minimalzahl uob ( Melamdim für die nächsten drei Jahre, und die Minimal;, für eine der vorhandenen drei Ehederklaffen auf 5. Bewerber wird daher nur dann eine Gestattung crhal, wenn die Maximalzahl nicht erreicht ist. Derselbe , mindestens 2» Jahre alt sei», die öffentliche Volksschule, solvirt und mindestens ei» Jahr.als Eandidat ui einem cessionirten Cheder prattizirt l-aben. Erst dann und ihm nicht solche physische oder moralische Gebrechen cmg stehen, die ihn zum Melamed untauglich machen, wird Betverbrr vom Tultusvorstand zur Prüfung zugclaffe». Vornahme der Prüfung soll rin Prüfungskörper von Examinatoren fungiren au« welchen, die au« ö—7 Pen« bestehende PrüfungScommission »6 hoo entnommen Die Prüfung erstreckt sich über allgemeines (profane») i speziell jüdische» Wissen, als allgemeine Qualification dir Kenntniß der deutschen und polnischen Sprache, cm l wisse» Maß pädagogischen Wiffen». biblische Geschichte ihrem Zusammenhang und die Kenntniß der sittlichen Wn sähe des Judenthums bezüglich des Verhaltens gegen juden gefordert. für die speziell jüdischen Fächer sind ' Erfordernisse für die drei Klaffen natürlich verschieden. Befähigung muß einstimmig ausgesprochen werden. I« diese Einrichtungen hofft die Sectio» allmählich eine namh, Reform und Hebung de« Chedcruntrrrichie» hrrbeizinüdic ein Ziel von unschätzbarer Bedeutung, dem wir da» Gelingen wünschen. (Lemb. 3»u J — Am 19. Juni verstarb hier der Maggid Sd Pincha» Ehajim Schiffer, 78 Jahre alt. Der älteste r«i sehr armer und schlichter Eltern, wurde er zwischen 10 12 Jahrm dem Melamed. bei dem er die Bibel und Mischnajoth gelernt hatte, weggenommen — aber er ln allein und zwar bi» er viele Maffechtot mit Toffaphol wendig konnte, ebenso den Ehoschen Mischpat mit Kommrnian Dadurch wurde er al« löchriger bekannt und der Rad' von Kalikow nahm ihn al« Genosse seine» begabten Sohne»« Hau«, wo er 2 Jahre blieb und ein tüchtiger Lamdan wo Ettva 23 Jahre alt heirathete er die einzige Tochter eine» i Manne». Jetzt konnte er Bücher kaufen, doch auswendig ln blieb feine Lauptstärke. So sagte er sofort die Antwort Toksaphot, sobald man die Frage citirt hatte, selbst au« Abschnitten Menachoth und Sebachim. Auch w o der chan Aruch den Din bringt, gab er an. sobald man einen talmudischen Gegenstand nannte. Rach dem seine« Schwiegervater» war er einige Stunden täglich Geschäfte thätig und studirte dafür in der Rächt. Alt Regierung von den Rabbinern ein Examen in Philosofi und Pädagogik forderte, war er der Erste, der die Prüft gut bestand und richtig deutsch schreiben lernte. Ratür! verlor er sein Vermögen und mutzte al« Greis eine Daj« stelle und 2 Jahre fpdtcr (obschon er nicht ein Miucha» it von vornchmer Abstammung war) dir Stckle al» Maggid r annehmen, um seine Familie zu ernähren. Bon seine» > gedruckten Schriften sind Bemerkungen zum Talmud Herr zuheben, die sein Sohn wohl ediren wird. (3»ri-)|

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