Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 31.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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hätten, wie sich diese über ihre naive Annahme ortho- Echauffement« in« Fäustchen lachen — sie wären sobi« tief in die Seele hinein beschämt, jgjc viel alte Seeschlangen. wie viel Ehni«mu«, wir hündische Schamlosigkeit, wie viel Chillul hMohem n jcft! Wa« wird e« erst in den HundStagen geben! k-nnte hier wieder ein französische« Eitat gebrauche», ich fürchte. bei unscrn Teutomanrn in den Ruf eine« nzosenirrunde« zu komme», und Sie wissen, wie viel ich da« llrthcU dieser Geister — ich meine die Tcutomanen, , die Franzosen — gel>e. Doch lassen wir nun endlich tsieisier von Leuten und auch die Leute von Geist |b wünschen wir Ihnen günstigen Erfolg Ihrer Aue! Aus srvhe« Wiedersehen in Spree-Bal>cl! Ihr harmloser Plauderer. Mitte», IS. Juli. Auch hier ist gleichwie in Bochum ibIvrimund gegen den anliseniitischen Agitator Liebermann Lonnenberg von de» angesehensten Bürgern und Betoi eine öffentliche Erklärung erlassen worden. ES heißt derselben: „Auch wir erachte» r« unserrrsrit« für eine icht, hier öffentlich darauf hinzuweisen. brtf) eine derartige, if Hag und Verachtung hinzielendr Beivegung nun und mermchr in unserer Mitte geduldet iverde» darf und daß irdei» billig denkenden Mitbürger rrivanet iverde» mutz, werde dieser Belegung nicht nur selbst fern bleibe», idei» auch nach Sräftm entschieden entgegcnwirkrn". Sehr icultd) ist hierbei, bah sich unter de» Unterschriften auch nhau« konservativer Leute befinden. Außerdem aber ist auch von amtlicher Seite rin crgischer Protest gegen dir Wühlereien de« genannten Herr» elgi. Wie dir „Rhein. Weslph. Ztg." meldet, ist in der iralwerkstättr zu Witten folgender Anschlag angcheftrt: » den hiesigen Zeitungen wird von einem Eomitäe zu lrm Bonrage über die Judrnsrage eingcladni. Dergleichen iiräge sind darauf berechnet, dir bisher i» unserer Stadt »scheu de» vrrjchirdrncn Religionsgemeinschaften stattgrhabie linrachiigkrit zu erschüttern und zwischen friedlich neben» iiinder wohnenden Bürgern Haß und Zwietracht zu errege». 1> nehme an. daß die mir untersicUtr» Ardriter keinen dal nehmen an den Brslrrbungen solcher Leute, und daß ’ sich auch im vorliegende» Falle so benehmen iverdrn, wie sich für Arbeiter geziemt, die in einer königlichen Eisen» hnwech'tat» beschäftigt sind. Ich ersuche daher sammtliche idener, jenen Bonrag nicht zu besuchen, sich überhaupt argen Abend von dem fraglichen Lokal fern zu halten und erdurch zu bekunden, dag sie die Bestrebungen der qu. Eomitäe» uglirder verachten. Der königliche Eisenbahnasch j» e n i n s p e c t o r". Memel, 20. Juli. Zur Erklärung der Notiz au« imdurg bezüglich der im „Hameliz" veröffentlichten, da« m« Emil de Lemo« betreffenden Warnung diene da« achsolgcnde: Die mit dem I. März 1882 begonnene Unteriyuug von Auswanderern hat da« „ständige Hülsscomitä für oilniandige russischer Israeliten zu Meinet" seitdem unn'erbrochrn fortgesetzt. Mit der Einschränkung jedoch, daß Letober 1883 nur noch solche Auslvanderrr befördert »den, welche Briefe aufweisen können, de« Inhalt«, daß die dngen, welche bereit« in fremden Ländern sich ansässig glicht haben, nach ihnen verlangen. Wie stark trotz dirjrr »nachsichtlich festgehaltenrn Beschränkung daS Eomitä de» nprucht wird, beweist der Umstand, daß lediglich im zweiten »uanal de« laufenden Jahre» 1884 584 Personen, zumeist rauen und Sinder, die zu ihrm Männern resp. Vätern herrrnfen worden waren. Da man nun aber auch da« Eomit« »lfach zu täuschen versucht hat. so wurde die Einrichtung Waffen, daß Auswanderer, welche nicht schon mit von den drrgrn ihnen zugrschickten Schiffskarten veffehen warn, solch« * hiesigen Orte lösen mußten und zwar hat man dabei hiesigen Vertreter de« Hause» de Lemo« den Vorzug Wie schr also da« hiesige Eomit« bei der Aoge» l>k»hkit iaterrssirl ist, gcht au« diesen Darlegungen hervor, Da« Comitä hat nicht« versäumt, um der Beschuldigung auf den Grund zu kommen. Ein hochachtbarer Mann au» unserem Orte, Herr Michalow»ky, der seine mit ihren Sindern auswandernde Tochter (ihr Mann war ihr bereit« vorauSaegangen) nach Hamburg begleitete, hatte den Auftrag, genaue Erkundigung über da« betreffende Hau» einzuziehen und hat die beruhigendsten und zufriedenstellendsten Nachrichten zurückgedracht. Außerdem liegen un« sehr zahlreiche Briese von Auswanderern selbst vor, welche sich im höchsten Grade anerkennend über de Lemo», besonder« deffen.Expedienten Herrn Michelsohn, au«sprechrn. E« soll nun aber auch nicht verschwiegen werden, daß von schr vertraurnSwerthcr Seite schwere Beschuldigungen verlautbar worden sind, die zwar Herrn de Lemo« nicht nennen, allein offcnbar auf ihn hinzudeuten scheine». Herr de Lemo« darf solchen Beschuldigungen gegenüber sich nicht ruhig verlmlten, denn „Stillschweigen ist einem Eingeständnisse ähnlich". Or. Rülf. ^kose». (Or.-Eorr.) Sie haben mit Recht hervorgchoben, daß eiuige Koryphäen der Orthodoxie dir „Srparaterklärung" der Orthodoxe» k I» HildeSbrimer-Lehman» nicht mituntcrichricben haben. So ist cs z. B. auch hier sehr bei« füllig ausgenommen worden, daß unser verehrter Herr Rabbiner vr. Feilchrnfeld seine Unirrschrist ebenfalls unter jene Erklärung nicht gesetzt hat. Die Sache verhält sich ja — wie selbst von vrlhodorcr Seite zugeslande» wird — so: daß jeder Orthodoxe die Erklärung der Berliner Rabbinrrversaininlung ohne Grwiffenskrupel unterschreiben kann, lvährcnd bk» umgekehrt durchaus nicht der Fall ist. Fall« z. B. einer jener orthodoxe» Untrrschrribcr in einem Prozeß k la Münster oder Bonn als Sachverständiger in Bezug auf die bctr. Stellen int Schulchan Aruch berufen lverde, so wäre c« doch sehr fraglich, ob er aus Grund jener Separatrrklärung alle klägrrischen Einwäude abzuwciscn in der Lage sein wird. Und darauf kommt e« doch an. (Die weiteren Ausführungen unsere« gesch. Eorrespondenten inhlbircn wir, wir möchten über jcne Erklärung in keine Polemik eintreten, denn so erfreulich es auch gewesen wäre, wenn die Herren sich lieber der Erklärung der Radbincrversammlung pur« angeschlossen hätten, so widerstrebt es uns doch, jetzt — nachdem dies au« welchen Gründen immer nicht geschehen — die mehr auf ParteidiScipli» beruhenden Differenzpunkte hcrvorzuhcbcn. als die uns allen gemeinsamen Momente zu betonen. Red.) Koktzerg. Am 10. Juli 1884 feierte da» jüdische Kur- Hospital hier sein zehnjährige« Jubiläum. Ehre und Preis den Männern, die den Muth und die Ausdauer gehabt haben, das kleine Pflänzchen zu pflanzen, zu hegen, zu pflegen, so daß im Düncnsande ei» tüchtiger Stamm jetzt dastcht, der die Schwachen in seinem Schatten labt, erquickt und heilt. Da ist ein gar bescheidener Herr — er steht ganz im Winkel, kaum kennt man seine Stelle — und auch darin gleicht er der Seele, daß er es ist, der da« Leben dieser wohlthätigcu Schöpfung erhält — cs ist unser Rabbiner vr. Äoldschmidt. der jetzt volle 20 Jahre mit einem Arzte und einem Sausmann vereint rastlo« dahin wirkt, da« zu schaffen und zu erhalten» wa« »un seit 10 Jahren 382 Srankcn Aufnahme und den Meisten Heilung verschafft hat. Eingenommen wurden in dieser Zeit 101,510 M. 3 Pfg. (Ein Hoch solchen Fechtmeistern!), wovon in Grundstück,.» und Eapitalicn 81,282 M. 63 Pfg. noch vorhanden sind! Gott segne e« Allen, dem Arzte, dem Rabbiner und den Gebern. 3. Juli. (Or. Eorr.) Wir Sie, geehrter Herr Redakteur, au» einliegender Annonce im „Bert. Tageblatt" ersehen, sucht ein Mühlengutsbesitzer Lohn in der Provinz Posen eine evangelische geprüfte und erfahrene Lehrerin für seinen 7 Jahr« alten Snaben. Wir da« Borunheil bei un« Juden nicht existirt, wie der humane Geist selbst bei der Wahl eine« Erzieher« für unsere Lieblinge obwaltet, beweist eben obige Annonce. Ob auch umgekehrt die Toleranz den 'christlichen Familien in demselben Maße innewohnt, könnte vielleicht eine Statistik erweisen. Bei allem Respect vor der Toleranz eine« solchen jüdischen Vater«, drängt sich