Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 31.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 289 — I9tN#(OKb. Die »Row. Wremja" weicht muthig zurück, cheint f* zu merken, tag sie zu weit gegangen ist, ol« tt Morde von Rißnei Nowgorod bejubelte. In den n Blättern macht sich die Ansicht geltend: Die antijchc Presse trügt die Hauptschuld a» dem vergossenen . Die deutschen, ungarischen und russischen StöckerS men ti von Leuten aller Richtungen zu höre», dag sie strafe verdienen, als die unwissenden, aufgehetzten tcr. Die Regierung soll endlich gewillt sein. Ernst gegen j>tzpresse zu machen. Die Proclamation de» Äouver- Baranow enthält folgende Stelle, die so bezeichnend r Außland, dag wir sie unseren Lesern nicht vorenti dürfen. Der Gouverneur ist zuerst mit anonymen und später mit ebensolchen Bitten bestürmt worden, esangenen freizulassen. »Wegen Juden dürsten doch zläubige nicht bestraft werden, dir sich doch nur einen gemacht haben-. Deshalb befiehlt der Gouverneur it zu machen: .1. Der Jude ist auch ein Mensch und nicht ein >; und auch ein Hund darf nicht ungestraft alt werben.!. Der Mord von S Menschen und die Plünderung Hauser kann nicht als Spag angesehen iverde».!. Der Schutz der Gesetze eistreckt sich auf alle in »id Wohnenden.- — Auch der Hirtenbrief des Erz» a Iwocgt sich auf demselben Boden. — In den neuen diiuugen für die Ausivahl der Geschworenen i» Polen Procentsatz der Juden genau bestimmt. ermifchlr und neueste Nachrichten. pagdeturß, 2ö. Juli. Der Ausschuß de» Deutsch- »»>tie„. Gemeindebundes (Abtheilung: Aufmunterung isbildung für Handwerk. Landwirthschaft und technische l>e). versendet folgende Aufforderung an die Vorstände d Dclegirtrn, die wir der größten Beherzigung allen >rru geehrten Lesern empfehlen: »Sehr geehrter Herr! I» Ausführung eine» Beschlusses de» IV. ordentlichen inc»,l>ctage« richtet der Ausschuß des D.-J. Ä.-B. an Sie ganz ergebene Bitte, ihn hierbei in der Weise zu unterstützen, s; -ie uns aus Ihrer gesch. Gemeinde und deren Umgegend solche Handiverksmeister namhaft mache», welche den religiöse» Gefühle» der Lehrlinge keinen Zwang anihu».' ihnen also gestatten wollen, an Sabbathe» und Festtagen zu feien, und auch den andern reli» giösni Vorschriften nachzukommni. dliiiwort gefl. a» das Bureau de» D.-J. G.-B., Sigisindiirage ü." Die Wichtigkeit und Nützlichkeit der Sache springt bermliii» von selbst in die Augen. 8ji Aerkl«. Da« »Deutsche Tageblatt-ist immer furchtbar nau orientirt. E« schreibt: »Die Einsichtnahme in die nnciiideivählrrlisten. welche jetzt im städtischen Wahlbureau 1 zum 30. Juli ausliegen, erfolgt bereit« i» ziemlich reger nie. insbesondere stellen dir Juden einen großen Prozrnt» Da» antisemitische Tageblatt scheint i» dem betreffenden >r»u Eontrole zu führen, doch dürste r» sich manchmal den langen Rasen und schwarzen Haaren, ivomit auch ftnnanmbehaftet sein können, irren; auch die jüdisch »gendn, Namen bieten nicht immer Garantie, also " sürsichtjg, liebe» Tageblatt. Aber von allem diesen pichen, zeugt obiger Umstand doch von einem regen luischeii Sinn der Berliner Jude», der nur anerkennen». >>>. Dem »Deutschen Tageblatt" graut natürlich davor. Urrki». Der Deutsche Antisemiten-Bund verldr» folgende«Eircular: »DurchFührerdeschlug vom 14.d.M. der «chuhmachermeister F. Masche, Friedrich«strage Rr. 7 (Sectio« 23), wegen wiederholter böswilliger Ueber- ^>l> be» tz lj} unsere» Statu« au« dem Bunde öffenllich auöaeschlofsen worden. Berlin, den 15. Juli 1884. Der Vorstand de» v. Der Paragraph 12 lautet: ,» ... Die Ausscheidung erfolgt.... öffentlich, wenn ein Mitglied sich vertrauen-brüchig erwiesen, oder durch Ungchorsam da» Interesse de« Bunde« geschädigt hat....- Hr. Masche macht jetzt intereffante Enthüllungen über da» gewinnsüchtige Treiben der Führer dieser Clique. Werkl». In der philosophischen Fakultät der Universität habilitirte sich gestern der vr. phil. Samuel Loewen» seld mit einein Bortrage »über die Folgen de» Frieden« von Venedig (1177)-. halset. Wie verlautet ist Herr vr. Prager in Hannover zum Landrabbiner gewählt worden. chkeiwltz. Die kurze Notiz über die hiesige Rabbinerwahl i» vor. Nr. veranlagt mich im Jntereffe der tüchtigen, erfahrenen, praktisch erprobten und wiffenichaftlich bewährten Rabbiner, die un« mit ihren Probcprcdigten beehrten und erfreuten, zu der berichtigenden Erklärung, daß in Folge von hier nicht näher zu bezeichnende» Vorgängen und Einwirkungen die Gemeindevertretung den Beschlug gefaßt hat: „von einer definitiven Besetzung der vakanten RabbinatSstelle vorläufig Abstand zu nehmen und die provisorische Verwaltung derselben auf die Dauer v.m zwei Jahre» dem Rabbiner Herrn vr. Münz au» Breslau zu übertragen". Kokmar Am 30. Juni ist hier der allgemein hochgeachtete Arzt vr. Alexander Hirsch Levy, vl Jahr alt, gestorben. Bei seiner Beerdigung erinnerte einer der Leichen» redner an sein Wort, daS er einem Landgeistliche» sagte. alS dieser ihn für ärztliche Leistungen honorire» ivolltc: „Herr Pfarrer, »vir haben un« oft ain Krankenbette getroffen. Unter Evllrgen zahlt man nichts". Holöerg, 20. Jnli. Dem hiesigen jüdische» Cur» hospital iit au« Anlaß seine« zehnjährigen Stiftungsfeste» von der Kaiserin die Suinme von 100 Mark übersandt worden. (Ausführlicher Bericht über die Feier folgt in der nächsten 4ir. Red.) Zirotzoöycz, 21. Juli. Vorgestern kam es zwischen dem Arbeitrrpersonal der französischen Erdwachs- und Petroleum- Gesellschaft und den Grubenbesitzern in Boryslaw-Wolanka ivegen Besitzstreitigkciten zu Excessen, die gestern Abend zu förmlichen Judcnkrawallen auSarteten. Einige bei der envähnte» Gesellschaft angcstrllte antiscinitischc Beamten reizten die meiste» aus Ezeche» bestehenden Arbeiter auf, welche in allen Privathäusern die Scheiden einschlugtii, in die Synagoge einbrachen und die Thorarollein Stücke zersetzten, worauf c» zu einer förmlichen blutige» Schlacht kam. wobei Todle und Verwundete auf dem Kampfplatz blieben. Die herbrigceilte Gendarmerie mußte von den Waffen Gebrauch machen, ron welche» zwei Personen tödtlich getroffen wurden. Die Ruhe ist anscheincnd hergrstellt, die Aufregung eine allgemeine. ^ari». Der Porträtmaler Alphonse H i r s ch ist 40 Jahr alt hier gestorben. Im Evnscrvatorium hat Frl. Lea Naumbourg (Tochter de« verslorbenrn EantorS R.) eine erste Medaille, Frl. Markrrich eine dritte. Herr Andrä Bloch eine erst erhalten. <£»«»*». Der Unterrichtsminister Mundella har errn Spier« für sein Buch über die Pädagogik de» almud rin Dankschreiben zugehen lassen, in ivelchem er sehr warm de» vereivigten Emanuel Deutsch gedenkt. Hl«hli»d. Ein Arzt drmüthigt sich vor einem Ehassidimrabbi, um diese» zu beivegen. daß er seine Anhänger zu Beisteuern für ein Hospital antrribe. Doch e» ist vergebliche Liebesmüh' — denn, wie »Hamelizsagt, die Zaddikim sehen in Aerzten und Hospitälern ihr schlimmsten Loncurrenten. — Wo der Arzt nicht« mehr vermag, da soll der Zaddik helfen. Eine in Hömel (Mohilew) ausgeacbenc Depesche lautet: »Herrn Rathansohn in Hodiaz: Die Evpie ist sofort auf da» Grab de« seligen Rabbi X. zu leaen. Frau N. ist gefährlich krank, dir Aerztr geben sie auf. Deshalb rathet und sendet Hilf« au» dem Heiligchume. Eurer Antwort harren sehnsüchtig!"