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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 31. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 31.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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6. Dir materielle Lage der jüdischen Lchrer in der Provinz Hannover ist eine ungenügende und bedarf deshalb nach allen Seiten hin der' Aufbesserung. 7. Es muß die vollständige Gleichstellung der jüdischen Lehrer mit ihren christlichen Töllegen sowohl hinsichtlich de« Gehalte«, al« auch aller anderen Rechte zur Thatsache werden. 8. ES muffe» Mittel und Wege beschafft werden, um den jüdischen Lehrern, gleichviel ob dieselben in einer großen oder kleine» Gemeinde angrstelll sind, eine angemessene Gehalt«, siala zu gewähren. Auf Antrag de« Lehrer« Katz-Münden wird noch folgende These angenommen: Da der Lehrer da« Schächteramt zu versehen hat. möge seitenssderHerren Landmbbiner verfügt werden, dag der Schächter nur bi« zu einer bestimmten Stund« zu schächten verpflichtet ist. Darauf referierte Lehrer E ck m a n - Nienburg über da« Thema: „Zum Normal-Lehrplan". Obgleich der Bortrag, wir der Referent einleitend bemerkte, wegen Zeitmangels nicht in allen Punkten Berücksichtigung finden konnte, wurde er doch mir allseitigein Beifall ausgenommen. Redner hatte für seinen Plan eine Religionsschul« mit einem Lehrer im Auge. In ihr werde nur gelehrt, wa» die Kinder im Leben anzuwenden haben, sie mit Liebe und Begeisterung für da» Judenlhum erfüllt, eine richtige Erkennt» „iß von dem Inhalte der Religion hrrbeigesühn, sie befähigt, mit Bcrständniß am öffentlichen Gottesdienste theilnchmen zu könne». Nicht Anhäufung von Wiffen-stoff ist erforderlich, sondern Bearbeitung de« Lehrstoffe« nach allen Seiten, daß derselbe Herz- und Geisteseigrnthum der Kinder werde. Bon einer religiösen Durchbildung der Kinder im Sinne Badt» und Anderer ist abznsehen, da ein gereifter Verstand bei Kindern selten zu finden ist. Der Lehrer führe den Kindern nur Beispiele von guten Thaicn vor. er zeige stet» ein freundliche« Wesen und bemühe sich, eine gute DiSciplin zu hatten. Seine Person und, sein Eharaktcr soll den Kindern stetvorbildlich sein. Die Schüler einer einklassigcn Schule haben zwölf Stunden Untcrrricht, wovon auf die Unterklaffe fünf, auf die Oberklaffe sieben Stunden fallen. Bon den sieben Stunden sind zwei für den Pentateuchunterricht für Knaben. Der Lehrstoff ist cvncentrisch einzutheilen. Auf dir einzelnen Alrcrsstufen kann nur kurze Zeit verwendet werden, die Hemm» niffr, die ihm diese in den Weg legen, werden ausgeglichen, indem die Schüler den Unterrichtsstoff der übrigen Stufen anhören und so Nach- und Borbereitung empfangen, wie auch wiederholen können. * An der Diskussion betheiligten sich namentlich die Herren vr. Prager und Dr. David-Hannover und Gotthrlf- Geestemünde. vr. David fand e« nicht für angemessen, daß in der Unterstufe nur eine Stund« biblische Geschichte und eine Stunde Pentateuch ertheilt werden sollte, da letzerrr einen größer» bildenden Werth habe, al« manche Abschnitte der biblischen Geschichte. Selbst der Gebeiunterricht sei nicht so wichtig, wie der de« Pentateuch«. Herr vr. Prager hält eS für absolut unausführbar, den Gebetunterricht auf Grundlage der Grammatik zu bauen. Hierauf wurde folgender Antrag de« Herrn vr. Prager angenommen: „Die Versammlung beschließt, Resolutionen über da» Referat nicht zu fassen mit Rücksicht auf da« bereit« im vorigen Jahre bel-andelte ähnlich« Thema und in Rücksicht darauf, daß ein Entwurf de« vorgeiragenen Normalplanesich nicht in den Händen der Bersammlung befindet". Die Versammlung danste beiden Referenten durch Erheben von den Sitzen. Der dritte auf der Tagesordnung stehende Bortray de« Lehrer« Horwitz-Wunstorf über „da» biblische Bild im Unterrichte" mußte der vorgerückten Zeit wegen auf da« nächste Jahr verschoben werden. Sommer»Hannover stellte darauf den Antrag, daß zwei Refrrentm für da« nächste Jahr bestellt werden möchten. die Mittel und Wege angrben sollten, wie eine angemesse,! Gehalt«skala erreicht werden könne, ebenso beantrag»! vr. David-Hannover, daß behüt« geregelter und ordnung«! mäßiger Leitung der Verhandlungen eine ausführliche Geschäft« I ordnung aufgestellt werde, und daß dir Ausarbeitung derselbe, I einem Mitgliede aufgegrben werde, um dann bei der nächn.1 jährigen Versammlung der Beschlußfaffung dersrben unterbrettrt zu werden. Beide Anträge wurden angenommen. Katz-Münde,! und Lrvh-Hagen übernehmen da« erste. Or. David-Hannover! da« zweite Referat. Für die nächstjährige Brrsammluoz! welch« am ersten und ziveiten Pfinasttage 1885 abgrhalteil werden soll, wurde Hameln auf Einladung de« dortige, Synagogenvorstande« bestimmt. Nachdem die Versammlung durch Erheben von bei Sitzen ihren Dank dem EomiiSc für de» freundliche» Empfang, dem Vorstände der Synagogengemeinde Hannover für tat! bewiesene Interesse und dem VereinS-orstande für die Leituag der Verhandlungen abgrstattet hatte, erklärte der Vorsitzende j Mittag« 12V* Uhr die Versammlung für geschlossen. Die Schriftführer: Horwitz-Wunstorf. Katz-Hannover. Drrichle und Correspondeu,en. Deutschland. Merkt». (Harmlose Plaudereien. — Schluß.) Ich spraih I von vorgeblichen Zeloten. Verzeihen Sie, grchrm Herr Redacieur, wenn ich das eben markirte Attribut oo« I Ihren Bemerkungen zu der bekannten Kasseler Orthodoxe». Petition entlehnt habe. E« ist nie rin zutreffendere« Atirid» §ebraucht worden, wie Sir e« auf unsere Zeloten bezogen.!a. e« ist so allgemein zutreffend, in Bezug auf jüdisch«, wie christliche Zeloten! Da l»abcn mir'« denn wieder: „Sk e« sich christrlt. so jüdclt es sich." — Dieser Tage bemerk« mir ein Bekannter, der in der Wochenschrift die gedachte« Epitheta ornanria las, welche da« Mainzer Latrinenblärtlcii den Theilnehmern a» der Rabbiner-Versammlung gab. m» dem französischen Horoz. Boileau: „O. so viel Galle birgt | da» Herz der Frommen!" Ich antwortete mit einem homerischen Gelächter. „Darüber können Sie noch lachenfrag«! mein Bekannter entrüstet. „Nein, mein Wertster. erwidert« ich, darüber nicht, aber ob Ihrer Naivetät, in der Sie glaube« jene Leutchen seien wirkliche Zeloten; sie sind da« ede»- sowenig, wie die heurigen christtich-onhodoxen Streber und Schreier. „Mittelmäßig und kriechend. So Einer mach Glück" — sagt Figaro. Sind auch die Mittel verwerflich nun, der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel.- Derselbe Bekannte sprach seine Verwunderung darüber | au«, wie Sie, geehrter Herr Redacleur, jüngst ein Schriftslück von einem gewiffen „Gaon" al« höchst ehrenvoll sirl da« Wiffen de« Inhaber« bezeichnen konnten. Wieder mul» ich hier die hochgradige Naivetät anstaunen; ich erinnert« den Kindlichen daran, daß e« allerdings ein günstiges Zeug-1 niß sei, wenn von gewiffer Seite „beiü korcho Omen gt* antwortet" wird. d. h. in diesem Falle dem Inhaber nicht I auch da« Wiffen nachträglich in blindem Haffe adgesprocha wird. Andernfalls hätte der Kindliche ja Rech» gehabt; de« „wa» ist H —rkuba?" Ich glaube. Sie richtig verstand«! zu haben. — Nachdem jüngst Herr Lehmann, der, geslütz auf Figaro'« Worte: ,.E« iit ja nicht nöthig, die Dinge t» I wiffen, über dir man klug spricht" — sich gar oft in sei»«» beispiellos wissenschaftlichen Blatt mit der Erörterung weltbewegender Fragen besaßt, vorgeblich über de« Gebrauch de« Telephon am Sabbath, al« eine Verletz»«» I de« Gesetze«, sich rchauffirt, beruhigt ihn „Jew. World" in da I Rr. vom 27. Juni und giebt ihm die Moral der bekannt«! I Unterredung Montesquieu« mit einem jüdischen Schächt« zu beherzigen. O welche Naivetät! Al« ob Lehmann uiH Gen offen erst noch beruhigt zu werden brauchtm! Wenn d» I Gegner unserer Orthodoxen doch nur eine blaffe Ahn-AI

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