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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 30. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 30.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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* ~r - — 280 — Bürger Bochum« nicht nehmen lassen, folr enden Aufruf tn allen hiesigen Zeitungen zu veröffentlichen. »Gegenüber den «ntrr dem anonymenSchild« de« »Patriotischen Berrin«- «»gekündigten großen Volksversammlungen mit Vorträgen de« Henm Max Liebermann von Sonnrnberg au«Berlin über dieJudenfrage erklären die Unterzeichneten Bürger I. daß sie darin den bisher in unserer Bürgerschaft betvahrtrn konfessionellen bürgerlichen Frieden gefährdet erachten, 2. daß sie darin die antipatriotische künstliche Erzeugung nnd Rührung eine« Klassrnhassr« erblicken, der gegenüber nnseren israelitischen Mitbürgern, dir a» Potriotismu», Opferfrcndigkeit und Bürgersinn sich jedem gleich, stellen dürft«, keinerlei Berechtigung hat. Indem wir unserer gerechten Entrüstung hiermit Ausdruck geben, wenden wir »n« an daS Gewissen und an das RechtlichkritSgrfühl unserer Mitbürger mit der Bitte: durch Fernbleiben von den Versammlungen ihre BerurtHeilung dieser Tendenzen kund zu geben. Ba » rt, «kb. Coitmtr)imr«tfc. Brabender, Bergnnh. Dr. Broichcr, Oymnasial-Dirrklor. HkOwinfrl, Siabtfdmmrrrr. Bluib, Stabtbaumtijtct. B. W. Becker. R. Brinkmann, ttb. Bergrrhoft. Bo«dach U. Braun. V. tlapelte. Dücederg. Iuftijraih. Dr. Daniel». A. Dobbelman». W. tknber«. ^rirliugbau», «rudendiretlar. H. Klolnnann. V. tl. ^ricke virnerohtn. H. strimdkr». C. Hoffmann, Berqnsseffor. I. HaNmann. Heintzmauu, Beiaiach. Henke. Heincke. V.?>. Herzog. sg. Holzapsti. Bob. ttane. SSchtina, Rechisanwalt. Noehlcr, Direktor. Keller, Uat. Kont. W. Lübeting. D. Liisten. L. Lanbmann. F. Lödd». WUtzel« Bliimmeuhoff. Matdien. Müller, Iserichiarath. Kart Mummendofi- Friß Mrtlegang. W. MSrker. Dr. sieben. Neubauer. Pieper, Bergaffeffor. Dr. Pieper. Dr. Reinharb. Dr. Rebecker. Schmenacr. Dr. Schmib». F. Schnitwinb. tt. Steaemanu. Dr. Schreiber. W. Seippel. ü. Schrott. Guft. Schult. Anpuft Strütling. Salowakn. H. Tegeler. . W. Belle» jr. Dr. Wenganb. Westermann " P*rt»iKS«, 17. Jul. Dem Beispiele B och u m's folgend erließe« auch hier angesehene Bürger aller politischen Parteien «in« Erklärung, welch« die Hetzreden deS berliner Antisemitenapostels Liedermann v. Sonnrnberg entschieden und scharf verurtheilt. Die Bewegung ist auch hier in Westfalen hn Abnahmen begriffen. Während in Bochum vor einem halben Jahre ea. 3V0Ü Personen bei dem L-'schen Vorträge anwesend waren, sollen diesmal kaum «00 Personen da» Schützrnhau» besucht haben. V«1er»ü»rg. Die „Rowosti", eine« der größten, verbreitetste» und einflußreichsten russischen Organe, veröffentlicht bezüglich der nrnlichen Juden-MassaerrS in RischnyfNowg.'rod folgende beherzigenswerthe Kundgebung: ES wäre vergeblich, sich über die Behörden zu beklagen, «eil dieselbe» nicht rechtzeitig ringeschritten sind; überdies haben sich die wirklich Schuldigen vermuthlich bereit« längst versteckt, die Getödtrten bringt man aber nicht mehr zum Leben zurück. E» ist daher beffer, darüber nachzusinnen, wie ma» ähnlich« Errigniffr an anderen Orten unmöglich machen könnte. Die Krawalle in Rischnij.Rmvgvrod entkräften vor Allen» die sich so häufig wiederholenden Behauptungen, daß die im Süden Rußlands stattgesundenen Kraivalle durch die Exploitirung der dortigrn Bevölkerung durch die Juden, »welche in Reu-Rußland Alles in ihre Hände gerafft haben", hervorgeruftn worden wären. Das kann man von Rifchnij- Nowgorod nicht mehr sagen. In Kunawinv lebten nur einige jüdische Familien, doch wären ihrer dort noch so viel gewesen. Niemand wird sagen, daß die Juden im Lande der Groß-Russrn, wohin sie nur zufällig als Soldaten, tandwrrker und selten als Kaufleute erster Gilde grrathrn, lies in ihre Hände gerafft haben. Niemand wird die NischnyGoroder Krawalle damit erklären, daß dir Juden durch ihre Exploitirung de« großrnssischen Landes da» Volk endlich dazu brachten, daß daffelbe die Geduld vörlor . . . Indessen plündert man in Rischnij-Rowgorod die Juden ebenso wie im Süden, ja noch ärger, man ermordet Männer, Frauen und Kinder. Denn dem so ist, dann können die angeführten Erklärungen auch nicht auf andere Krawalle angewrndet werden. Man schlug die Juden einfach deshalb. weil irgend Jemand rief: »Hau' zu". E« ist bekannt, sowohl in Balta, als auch in Jeliffawetgrad da« Märchal erdichtet und verbreitet wurde, als ob dir Juden rin chni*z liche« Kind behufs Verwendung drffen Blute» bei in* einer ihrer rituellen Zeremonien geschlachtet hätten. § aber sind bekanntlich sowohl die Ostern, al» auch die antornl israelitischen Feiertage vorüber, und es gab daher nicht einmal I einen Vorwand zu einem Mordgerücht. folglich kann sich» da« Nämliche wann immer in jeder beliebigen Stadt ereignen, -I und das ist eben da« Schreckliche. Gebildete Leute wiffrn HI bereit« längs«, daß zahlreiche Kriminalsälle anläßlich ähnlich» I Beschuldigungen der Juden stet«, seit der Zeit, als die Jujnz! regelmäßig« Beweise und nicht Verdächtigungen allein va I langt, mit der Freisprechuiig der unglücklichen Opfer dal persönlichrn Bosheit, der Rohheit und des Aberglauben» I geendigt haben. Gebildete Leute wissen, wie die Legende vo, der Verwendung de« Christendlute» durch die Juden historisch selbst entstanden ist. Diese Legende tauchte noch zu Zeit» de« römischen Reiches, tauchte anläßlich eines zufälligen (*. rüchte» von der Verwendung de» Blute« beim heilige, j Sakrament der Kommunion auf. Diese Beschuldigung wurde j vo» den Heide» gegen die Christen selbst, welche in ftoa Juden genannt wurden, weil dir ersten Ehrislen eben Jude, gewesen sind, gerichlc«. Später, Anfang» de« Mitielaller» | wurde dieselbe Legende, welche inzwischen ihren Zusammnihang mit der ursprünglichen Entstehung verloren hat, vo, I den Ehrislen gegen die Juden inosaischen Bekenntnisse« au» religiösem Haffe gegen dieselben, au» persönlicher Boston und später ivcgen kommerziellerKonkurrenz angrwendet. Die Ehrislen begannen von den Juden da» zu erzählen, iva« tot | Heiden gegen die Christen, Oie sie Juden nannten, erfanden. Man haßte die Juden und lvar bereit. Alle», was gegen sie gesprochen wurde, zu glauben, ohne zu wissen, daß eine solche Beschuldigung gerade mehr al» alle» Andere den rituelle, Bräuchen der Juden widerspricht, indem denselben die Vrrivendung de» Blute» zu der Speise absolut verboten in. in Folge dessen bei ihnen auch da» Fleisch auf eine besondere Weise l-rrgerichtet wird. Wir wiederholen e». den gebildcicn Leuten ist das Alle» bekannt, doch nicht s i e schlagen die Juden. E» thut da» der ungebildete Pöbel, ivelcher jede« unsinnigen Gerüchte glaubt. Au» diesem Grunde eben sind eher al» die Bestrafung der Schuldige» Maßregeln der Aui klärung und Zurechtweisung des Volke» »othwendig, daß de Juden n i r christliche Kinder tödtcn, daß diese Beschuldigung falsch und böswillig sei. In dieser Beziehung tönutcn tot heilige Synode und die Eparchial-Bischöfr, ebenso wir tot weise Geistlichkeit durch Anweisungen und Belehrungen vitl beitragen zur Hintanhaltung von weiteren jüdischen Krawallen im Süden. Ueberdir« kann auch da» Gesetz selbst »velches da« Wohnrecht der Juden aus einen bestimmten Strich de« Reiche» beschränkt, da« Volk unwillkührlich veranlasst«, die rinzklnen hinter diesem Striche auftauchenden Jude» al» irgendwelche Paria« und Verletzer de» Gesetze» zu detrachie,. Die Familien der jüdischen Soldaten, dir jüdischen Handwerker halt» da« Recht, in großrussischen Gouverneinelil« zu leben, da« Volk interessirt sich aber nicht darum, wa» n> deren Pässen steht. E« weiß nur soviel, daß der Jude kraft de« Gesetze« rin nicht gleichberechtigte« Wesen ist, <* »vriß. daß da» Wohnen in den inneren Gouvernements ton Juden verboten ist. Wie uiiterslehe» sie sich also in Rischi»!' Rmvgorod oder Kostrvma zu leben'? Von Palltativmaßregel» in Bezug auf die Kraivalle kann nicht einmal die Rede |ti«- Da« einzige Mittel gegen dieselbe» ist— die Abschaffung der Au»na hm«strllu»g der Juden und die Gleich' berrchtigung derselbe» mit der Stammbevölkerung". Ne1er»ü»r». Zeitungsstimmen sind e», die da« Grabgelän« unserer jüngsten Märtyrer von Rischny bilden. Daß der Hali nicht schweigt, habe ich schon berichtet. Dir Nowo Wrem>a verdächtigt selbst Redakteure sonst nicht judcnfreundlichrr Zatungrn, dir dem Gräßlichen gegenüber wenigsten« aus &- strafung der Scheusale drängen, daß sie vo» den Juden I*

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