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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 30. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 30.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 281 Itodpn seien. Dagegen erheben sich nun die bedeutendsten «üiler. Der Fürst Meschtscher«ky an der Spitze. Eine «chmach »mnt er die Haltung der Rowo Wremja, eine Hchände für den russischen Kamen und da« Christenthum: Ach zu freue» beim Anblicke von Tausenden von Bestien, »k da» Gesicht russischer Männer tragen, die Schwachezerritzen. Mann. Weib und Kind zerfleischen, die mit Entsetzen!spolten ihrer Echlachtopfrr, weil sie Juden" heißen — da« pit unmenschlich, da» ist unchristlich-. Auch die deutsche .Petersburger Zeitungbewahrt eine würdige Haltung. Sie Ischmbt: „Vielleicht stimmt die Kawa Wremja un» bei. daß le» dringend Roth thut, daß die Regierung dem Hetzen Iqewisser Blätter ein Ende machte, damit sie nicht mehr eine I-Iasse der Bevölkerung gegen die andere aufrciztrn-. H^eteraßnrg, 12. Juli. Wie e» heiß», ist der .Rowose I Wremja" höherrrseitS die Weisung zugegangen, keine anti- I snnitischen aufreizenden Artikel mehr zu dringen Von einer I^envarnung im eigentlichen Sinne kann man bei diesem Blatte, will man sich selbst nicht de»avouiren. keine Red« Isem. Sie kommt immer — wenn auch etiva» zahmer — noch laut ihren alten Refrain zurück, daß die Juden die productive rbrliche Arbeit scheuen und daß die» die Ursache der Juden - hetze ist. Die Haltlosigkeit dieser Beschuldigung springt in die Augen, da e» bekannt ist. daß Trägheit und Trunksucht allgemein verbreitete russische Nitionalübel sind und daß die Juden de» nordwestlichen Rußland» mehr al« irgendwo mit schweren nützlichen Arbeiten beschäftigt und fast die einzigen I Arbeiter daselbst sind. Ner«isch1e ««d «rueste Nachrichten. Perki», 18. Juli. Der Erklärung der Rabbiner-Versammlung habe» ferner zugestimmt: Herr Stadtu. Bezirk»rab. Oe. Silberstein-Wie-Ixiden. Herr Rabbincr Dir. Deutsch- Sohrau O.-S. Die Zahl der zustimmenden deutschen Rabbiner beträgt sonachietzt 118. M»ßdeA»rg. Unser geschätzter College Herr Rabbiner vr. Sidon au» Werschetz schreibt un»: »Zu Ihrem Vorschlag, sehr gechrter Herr Redactrur. in Rr. 27 der »J»r. Wochenschriftbezüglich der Abhaltung religiöser Vorträge am Eingang de» Sabbath erinnere ich an ein Präcedenz, da» im Talmud und Midrasch envähnt wird. Im Jeruschalmi Sota 16ä. — Parallelstelle im Beresch. rabba c. 9 — wird erzählt, daß R. Meir die Gewohnheit hatte, am Eingänge de» Sabbath religiöse Borträge zu halten. (Was wird der Am huu-ec von .Israelit", der unsereit Vorschlag für identisch mit Verlegung de» Sabbath auf Sonntag erklärt, nun hierzu sagen? Hiernach war R. Meier auch ein „Breslaues' und darum dem Acher-Lehmann'schen „Cherem“ verfallen. Aus die anderen Schimpfereien und absichtliche» Verdrehungen de« .Israelit" gehe» wir") um so weniger ein. als wir au« authentischer Quelle wissen, daß die Artikel de» .J«raelit" gegen die Theilnrhmer an die Berliner Rabbiuerversammlung von den anständigen und ehrlichen Orthodoxen für „infam" erklän worden sind. Da» Wort ist un« verbürgt. Red.) H?r. SUtrgard, 18. Juli. Der wegen Verdacht» de« .ntuelln," Morde» mehrere Monate lang unschuldig in Untersuchung»haft gehalten« Josephsohn ist durch einen brutalen Anfall hiesiger Antiseiniten auf« Reue in« Unglück gestürzt worden. Al» er am 5. Juli früh hierher kam, wurde er von vier Männern, welche wohl dem Ergebniß der amtlichen Untersuchung zum Trotz in ihm immer noch den Rirder de« unglücklichen Knaben E y d u l o wittern, mit Messern angefallen. Bekanntlich hieß e« bei der Entlassung be« Josephsohn unter den aufgewirgeltrn Volklmassrn. da» Gericht sei bestochen worden. Josephsohn ist am Kops vielsach durch Schnitte verletzt. (Ostd. Ztg.) "1 Von dem kbensalt» darob anpegrissenen Herrn Rabbiner Woldschmidt-Weitburg gehl un* soeben eine Lrwiderung zu. di« wn ns, in nächster Rümmer dringen tbnnen. Red. Mromtzerg, 12. Juli. In der städtischen höheren and mittleren Töchterschule ist von jetzt ab der jüdisch« Religion», unterricht al« obligatorischer Unterricht eingeführt und die Ertheilung desselben dem Prediger und zweiten Rabbiner Serrn Dr. Theodor übertragen worden. Bisher wurde dieser nterricht von einer jüd. Lehrerin ertheilt, da dieselbe aber abging, mußte nun andenveit Rath geschafft werden. In der letzten Sladtverordnetensitzung wurde der Antrag de« Magistrat« j bezüglich der Ertheilung de» Unterricht« genehmigt und die nöthigen Mittel beivillig». , Hstprentzen. (Or.-Corr.) E» ist erfreulich und verdient registrirt zu werden, wen» christliche Geistliche die antisemitische Bewegung verurtheilen. In seinem Wecke: „die Sitten» und Glaubenrlehre nach dem Lutherischen Katechismus in Predigten" tadelt Herr Pfarrer Haß — also nicht noman et omen — in Schönwalde bei Könia»berg i. P. auf Seitc 8 .die unselige Judenverfolgung unserer Tage". Wir wollen hoffen, daß dem Herrn Pfarre* durch diese« sein Bekenntniß keine Unannehmlichkeit von Seiten seiner kirchlichen Behörde zu theil werde. Ktutlgart, 16. Juli. (Or.-Corr.) Der gestrige .Staatsanzeiger für Württemberg" veröffentlicht da» Rechnung«, ergebniß der israelischen Centralkirchenkaffe pro 1882/33. Rach demselben betrugen die Einnahmen 65,464 M. darunter 23,397 M. Beitrag au» Kgl. StaatSkaffc. 6545 M. Kapitalzinsen. 10,960 M. Landesumlage. 7990 M. Beiträge der Gemeinde zu den RabbinatSbesoldungen. Die Ausgabe» betrugen 58.334 M.. darunter 8185 M. Verwaltungskosten. 24.857 M. RabbinatSbesoldungen. 9688 M. Gehaltsaufbesserungen für Lehrer und Vorsänger. 4244 M. TurnuSkosten. Da» Vermögen beträgt einschließlich der PensionSkasi'e 168.639 M. — Wie dir .Neckarzeilung" berichtet, intereffirt sich der hiesige „deutsche Resormverein" für die Abhaltung eine» Bortrage» seiten« des bekannten Abgeordneten Cremcr. Man darf annehmen, daß e» sich hier um die Verfolgung antisemitischer Tendenzen handelt. A«o»razka», 12. Juli. Wegen der am 17. Mai d. I. verübten Gräberschändung auf dem jüdischen Friedhofe standen gestern die Malergrhülfcn Marzcwski und Wittan vor der hiesige» Strafkainmer. Die Verhandlungen ergaben ersteren al» de» Hauptübelthäter; er wurde mit Anwendung de» höchste» Strafmaße», mit drei Jahren Gcfäilguiß und Verlust der Ehrenrechte auf fernere drei Jahre; Wittan mit drei Monaten Gefängniß bestraft. £M. Nach zehnmonatlicher Untersuchung und zehn» tägiger Schlußverhandlung de« Proceffe» wegen der im vergangene» Jahre in Pest stattgehabten antisemitischen Straßen» krawallc wurden sämmlliche Angeklagte von der Anklage wegen Aufruhr» freigesprochen, dagegen 26 Angeklagte wegen Gewaltthätigkeiten gegen Privatpcr>onen zu Kerkerstrasen von drei Wochen bi» zu einem Jahre verurtheilt. Fl»«1«ie». Wie überall, so hat sich auch bei un» der Führer der Antisemiten al» Sittenheld bewährt. WodeleSko heißt der Biedere. — Kassirer de« Verein», der die Inden au» Handel und Gewerbe zu vertreibe» sich vorgrsetzt hat — und rr hat die Kaffe im Laufe eine» ljalben Jahre« nur um 30,537 Fr. bestohlen. — In Warona hat ein Jude beim Wettrennen (bei Gelegenheit der landwirthschaftlichen Ausstellung) gesiegt — und die» hat einen Hauptmann so in Harnisch gebracht, daß rr schrie: .Der Jude hat nicht da« Recht, zu siegen. Tod de» Juden! An» Messer oder an den Galgen mit ihnen!" otstttz«». Dr. Adler hat angeordnet, daß (so Gott will) am 26. Oktober diese« Jahre« der 100. Geburtttag Sir Mosi» Montefiore« in allen Synagogen England« durch Festgottksdienst gefeiert werde. (Da» wird wohl in alle» jüdischen Gotteshäusern auf droi Erdenrund« geschehen. Red.) Au« Ale» schreibt man, daß da» wackere und muthige Eintreten der Juden in Tschelnowice dem dortigem Geistlichen da« Hau« gerettet hat, al» ein Feuer seine Stallungen vernichtete. Da« hat allseitig einen guten Eindruck gemacht. .

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