Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 29.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 222 — E« schwirren Vorschläge durch die Lust welche den Gräueln der Juden Hetzen ein Ende machen wollen Sir meinen, daß die Austreibungen au» den Dörfern, di brutale Willkür, mit welcher die Schergen de» General« Souverneur» Drenteln im Gouvern. Kiew gegen Gesetz und iecht, Besitz uud Verband von Hunderten Familien jleytören. schlimmer sind, al» die Mordthaten der hungernden und dadurch verwilderten Arbeiter '. Deshalb erscheinen uns all' die Vorschläge al» Luftgebilde. Die Regierung trägt die Schuld und die Verantwortung! Wenn sie nicht höre» will — dann dürfte r» sich wiederholen: Erst Judenblut — dann Fürstendlut! Am el-esten praktisch dürste der im .Hameliz" erörterte Plan sein, mit Erlaubnis der Regierung Eomitee'S zu bilden, welche Ansiedelung von Ackcrbaucolonie» im In« lande oder im AuSlande — so bekommen die Austreibungen ein schöne» Mäntelchen umgrhängt — fördern und dem planmäßig in manchen Blättern betriebenen Verläumdungen der Juden und de» Judenthi >n« theil» durch Entgegnungen, theil» durch Klage bei Gericht entgegentreten sollen. Dir inNischni-RowgorodHingemctzeltensind: Der Moskauer Kaufmann Samuel Deutschetmann, sein Schwager Jacob Arkin, der aus Besuch dort iveilcnde Moskauer Ehajim KopilowSky, Mose» Goldin, Abr. Heidenberg. Baruch Bloch, welcher au» Sibirien, wo er seine Militairzeit eben absolvirt hatte, nach seiner Heimath reiste, mit Frau und 2 Kindern! Zu diesen 9 kommt noch rin seinen Wunden Erlegener, dessen Namen dir jüd. Gemeinden hier erbitten, um bei der Lachenseier der Märtyrer Alle Opfer nennen zu können. Da» Weib, welche» all da» Unheil angrstiftet hat, da sie ihr Amt) al» von den Juden gesährdct auSschrie, heißt Tyeodosia Rogocschiny. Die Zeitungen erörteni noch immer da» Ge» schlchenc. Die Meisten zeigen darauf hin. wie Thaten Ein» zelner, Wucher und Schacher, hier nicht einmal al» Schein» gruud angegeben werden könne»! Ein Mo»kauer Blatt sagt mit Rechj: Wenn jti bei uii» eine Judrnfragc girbt, soll «an darauf bedacht sein, sie zu lösen — so oder so — aber sie muß aushören die eivig ungelöste Frage zu bleiben, die der Pöbel »ach Gutdünken zu lösen versucht. Feste, bestimmte Gesetze haben die Stellung der Juden in unserem Laude so over jo zu normiren. Nur darf e» nicht ferner Eiuwohner geben — Bürger oder Fremde — die aller Schmach und Schand und Willkür preisgegcben sind. Wie »eit dagegen Menschen sinken können, bekunde» folgende 2 Sätze. Der Erste ist eine Leistung der „Petersburger Zeitung": ,Wa» hatte die Jüdin sich zu kümmern um da» fremde, im Schlamm versinkende Kind'? denn da» war die Veranlassung der Hetze! Würden die Juden sorgfältig sich fern hallen, so würde der Haß der Ehristen gegen sie von selbst schwächer werden!" Der andere wird cinem »erswrbeuen Professor Gregorien in den Mund gelegt und erklärt dessen Diktum: „Die Geschichte kennt keine andere Lösung der Judenstage, al« Vertreibung oder Todtschlagen!" Dieser Herr also sprach da» große Wort gelasien au»: Wir, die Russen, die Rechtgläubigen, gestehen zu, daß wir eine Sekte haben, welche Menschenblut ißt, und ihr Juden wollt die« für euch nicht wahr haben? Krrmischte u»d ntutfit Nachrichten. Zwei Hörer de« hiesigen Seininar». die im sttzten Jahre da« Examen absolvirt haben, haben Anstellung erhalten: Herr Dr. Aronberg al» Arei«rabbinrr in Tabor rmen) und Herr Di\ W. Münz in Gleiwih. — Herr I. Löwy, der seine Ausbildung an der Berliner Hoch» schule erhielt, wurde rinstimmia in Güttingen gewählt. Au» M»1Ie«ß»rß «. d. f., einem kleinen schwäbischen Stödtchen. wird berichtet: Der dahier verstorbene Privatier And««.» Köhler ha» unser« Stadt zur Universalrrbin sriut« Vermögru» eingksctz», welche» sich auf ungefähr 840,000 Mart beläuft. Ein Drittel diese» Eapital» soll der Stadtkasse freien Verfügung stehen und zwei Drittel zu wohlthä Stiftungen, zur Unterstützung bedürftiger Bürger oh', Unterschied der Eonfession, in Gaben nicht ui 100 Mark, Verwendung finden. Hakizie» Der galiz. jüd. Brüdervercin (der bi» Lächerlichkeit in polnischer Nationalität macht!) prottftirt n| polnischen Blätter», selbst in der antisemitischen .Gazi» Rarodowa" gegen die Bestrebungen der jüd. Alliance in “ die jüd. Botk»>chulen in Galizien zu heben, weil — tmbui da» Deutsche dem Polnischen gegenüber gepsteg« wird. A»g«r». Rudolf Schmicder au» Hadjesch l» vom Kaiser eine goldene Gnadenkrtte erhalten, iveil er ei na Eisenbahnzug (al« Führer) gerettet hat. — Der Handelt, minister hat den jüdischen Zollbeamten für Rasch haschonoh und Jom kippur Dicnstbesrriung bewilligt. (Hameliz) ^ari». vr. Strauß. Arzt im Hospiltal Ten», der die Choleracommission in Aegypten geleitet hatte, l)ar sich (mit vr. Roux) auf eigene Kosten nach Toulon brgeba. um dort Cholerastudien zu machen. — An der portug. Synagogr hier ist Herr Mose» Jacob Montesiore a!« Chasan an. gestellt worden. — Der Grand-Rabbi» Ab. Eahen, Hilf», dirertor der Talmud-Thora, ist Secretair de» Cenrralconsi. storium» geworden. Die «rnatScommissio» hat in der Frirdhofsangelegenhai cinen sehr uiäßigen und alle» Leite» annehmbare» Vorschlag gemacht: Sowohl die Geistlichkeit al« die Eonsistorien, die Gemeinde». HilfSgesellschaste». selbst jeder Einzeln: soll da» Recht haben, da» Beerdigungsmaterial zu besitzen. Nur müsse, die Stadtgemeinden die Ordnung und den Anstand dabei über» »vachen. — Die Bndgrtcommission de» Abgeordiirtenhaujet hat dagegen wieder den radicalrn Vorschlag angrnomme«. alle Fakultäten der Theologie aufzuheben. (Un. i»r.) Hkari». Am i>. Juni hat der Stadtrath von Versailler einstimmig ohne Debatte erklärt, daß der Plan, eine Synagoge dort zu bauen. von öffentlichem Nutzen sei. — Eine silberne Medaille I. Klaffe ist vom Minister de» Inner» Herr, Adolf Bend heim verliehen worden, weit cr ei» scheu geivordene» Wagenpferd aufgehalten und dabei verwund« worden ist. — Herr Albert Schwab. Stadtrath in Belson. ist zum dritten Male zum.Handelsrichter erwählt worden. Arüffet. Bemerkrnsiverth ist folgende Kundgebung der neue» Ministcrium» in den, Journal de Bruxelles: .Wir haben am 10. Juni gesiegt, »veil wir dir Freiheit AU« vertheidigten, ebensowohl dir unsrre, al« die der belgische» Bürger, welche nicht da» Glück haben, dr» Glauben unserer Religion zu theilen. Wir sind eine constitutionelle, nationale Panei uud nicht ein religiöse .... die Protestanten, die Israeliten, die Philosoplien aller Farbe könuen loyal a» unserer Seite Platz nchmen." — Da» ist die vernünstigc Ansicht all derer, welche für die Religion gegen den Unglaube, rintreten wollen. Die Juden zu verhöhnen schildert ei, hiesige« Blatt, wie die Verordnung, daß die Jude» auch an den christl. Feiertagen sich der Arbeit enthalten sollen, wirkai würde, wenn sie beachtet iverden müßte: Vom 7. bi« 20. Mal (d. i. I». Mai — 1. Juni) würde e» sich folgendermaßen stellen: Am 8. St. Johann, am 9. St. Nicolai, am ll.Eyrill und Methodu«, am 12. Sabbath, am 18. Sonntag, am 1& Kaiser» Krönung, 17. und 18. Schowuoth, 19. Sabbatd 20. Sonntag! In hat da» Börsrncomite auf Anfrage des Finanzminister« sich gutachtlich in Bezug auf die Petition der Moskauer Kaufleute (von vor 2 Jahren), »velche für die Juden eintrat, dahin geäußen, es thue noth, die Rechte der Juden (besonder» auf dem GV>irte de« Handel») noch mehr zu reduziren. Diese» Aktenstück ist der Judenkommissio» überwiese» worden. Ueber Austreibungen au» Dörfern (hierin herrscht eine Willkür, die in Kurdistan nicht schlimmer sein kann), Juden- I