Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 29.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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. / — 218 — Politik betreffende Debatten in den Logen Mnai B'rith auf da» Strengste untersagt,- verlangt wird freilich da» mosaische Bekenntnis. Diese» Prinzip der Gleichberechtigung stützt sich auf da» biblische Wort: »Bor Gott gilt kein Ansehen der Person". Der Orden ist nur in smveit geheim, wie ekiva jede Familie hinsichtlich ihrer eigenen Angelegenheiten oder wie jeder Hausmann bezüglich seiner Eorrespondenzen. Lunden u. dergl. geheim ist oder doch sein sollte. Sehr geheim ist der Orden allerdings in Betreff der Wohlthätigkeit. — Gebraucht der Bund geheime Erkennungszeichen u. dergl. so sind die» wirksame Vorkehrungen zum Schutze seiner Angehörigen und zur Fernhaltung eines leichtmvglichen Mißbrauch» durch Unberufene, sie stellen somit ein durch die Erfahrung nothwendig gebotenes Gehege gegen Außen dar. Doch wäre cs Unrecht, ihn de»halb eine geheime Gesellschaft im gewöhnlichen Sinn« des Worte» zu nennen; seine inhaltreichen Gesetzbücher sind im Druck erschiene» u»d können schon de« halb nicht als ei» Äeheimniß l>etrachtet werden. Wer sich daher über den Orden noch eingehender zu orientircn wünscht, wird das Weitere in der Broschüre de» vr. Eduard Gutmann finden, welche durch M. Jablon Sky, Berlin W. (Magdeburgerstr. 31) gratis zu beziehen ist. In Amerika genießt der Orden ein sehr hohe» Ansehen, er besitzt nicht nur ein bedeutende» Kapitalvermögen, sondern hat auch eigene Kranken- und Waisenhäuser, Alterversorgung». Anstalten und großartige Bibliotbcke-. — Alle Zivecke, deren Erfolg auf dem Zusammenwirken zahlreicher und der Bereinigung verschiedener Kräfte unter einem Willen beruht, erfordern eine durch ei» System von Gesetzen und Ordnungen getragene Folgeleistung. Die B'nai B'rith haben im Einklang mit diesem Erfahrungssatz eine eigenthümliche Organisation. In der Loge erhält der Neuaufgenommene die ersten Begriffe vom Orden, dort wird ihm die breite Grundlag., worauf der Bau ruht, vor Auge» geführt und die allgemeine Verbrüderung nicht blos al» ein Gebot Gotte», sondern auch als erste» Naturgesetz in erhebendster, Geist und Gemüth tief erregender Weise dargelegt. Mitarbeitend wird jede» Mitglied von den edelsten Grundsätzen der Humanität erfüllt werden und als Richtschnur für sein Verhalte» gegen Gott, gegen sich selbst und gegen jeden Nebenmenschen an dem Wahlspruche de» Ordens: „Msßktstktl-lleit, AruderNeöe ««» Eintracht" in seiner allumfassenden sittlich-religiösen Bedeutung sesthalten, wenn ander» daffelbe nicht taub gegen die Stimme der Humanität ul,d die Rathschläge der Wahrheit sein will. Bor Allem hat die Loge darauf Bedacht zu nehmen, daß jede» Mitglied neben den Verbindlichkeiten al» Ben B'rith den Verpflichtungen al» Familienvater getreulich Nachkomme und nicht» verabsäume, wa» da» Gemeinde- und Staatswohl erheischt. — (Wir zweifeln nicht, daß Jeder, der diese klare Darlegung der hohen und edlen Ziele de» Orden» liest, sich angeregt fühlen wird, demselben anzugehören. Gerade unsere Zeit stellt an un« die gebieterische Anforderung der Selbstläuterung und moralischen Erhebung. Mögen die Besten und Edelsten unter un» zu solchen Bereinen zusammentreten und Einfluß auf die Geister und Herzen der übrigen Glaubensgenossen gewinne», damit wir durch Selbstarbeit und sittlicheBervollkommnung un» allesam, zum Hochziel aller Religion, zur Humanität, schwingen. Red.) Lo«fere«z Israel. Lehrer vo« Xheiala, Westfale«. «■ 1. «•» r s«»t 1884 i» JHrt*Nr|. (34lufc.) E» war indessen schon spät geworden, und e» erübri nur noch, den Ort der nächstjährigen Eonferrnz und die) träge auf derselben festzusttzen. Al» Eonferenzort mir Herford bestimmt und die Vorträge: l. Ueder Collegialg und Autorität. (Ref. Ostwald — Witten). 2. Wa» kam,! jüdische Schule thun zur Beförderung der Theilnahme Gottesdienst seiten« der jüdische» Jugend? (Ref. Maatl bacher — Petershagen). 3. Vom Einfluß de» Lehrer» »1 die Wahl eine» Berufe« der au» der Schule rntlasfnial Kinder (Ref. Mandel — Linz) festgesetzt. Hiermit uwr h| Thätigkeit de» ersten Eonfrienztaae» geschloffen. Die Synagogengemeinde in Duisburg hatte es sich nichl nehmen lasten, die Eonfereuzbrsucher am Abend zu ei«I Bowle in liedenSwürdigster Weise einzuladrn. E» lterrsch»! daselbst die heiterste Stimmung. Toast folgte auf Toast al tvahrhafter — Urbcrprvduction. Erst um l Uhr Nach»! trennten sich die Lehrer. um am nächsten Tage wieder ail die Arbeit zu gehe», Gegen i» Uhr Bormittag» am Pfinziis inontag wurde der zweite Eonferenztag eröffnet. Auf dal Tagesordnung stand 3. da» Referat Treu-Münster: »1,1 Lesebuchfrage." Diese Frage, so inrinl der Referent sei ei»I alte Krankheit. Der» Lesebuch sei gleichsam der Prügelknabe I den man für alle Schäden verantwortlich mache. Mamhaull sei e« ein Omnibu». worin alle Fächer bei einander Plgl haben sollten. Da« sei ein Fehler. Da« Lesebuch diene teil Leseunterricht; denn mit dem Fortschritt im Lese» wachse tu»! Berständniß der Schüler. Sprache >uid Ton müsten mmstr-I giltig sein. Da» Lesebuch sei ei» Lesebuch, da» auch naM der Schule eiu guter Freund au» der goldene» Jugendstil bleibe. Referent empfahl da»» da» im Berlage der Verlag»-! buchhandlung G. D. Bädeker in Este» erschienene deutsch! Lesebuch von HarsterS-Richter-Blumenfeld. Alsdam! erwähnte Ref. auch da» deutsche Lesebuch für mehrktassizil Bürger- und Bolksschulrn von Di et lein Der Autor de« absichlige, dieses Buch in Verbindung mit israelitischen Lehren! für israelitische Schulen hcrauszugebcn. Reicher Beifall wurde Herrn Treu für seinen lehrreichen Vortrag gcsprnda.1 Blumenfeld - Esten kuüpfte zunächst daran, wie gesetzlHl zu verfahren sei bei Einführung neuer Lesebücher und rmpsatz I daS erst erwähnte Lesebuch. — Den letzten Gegenstand dal Tagesordnung — Blumenfeld - Esten halte den VorigI übernommen — bildeten die freien Besprechungen, iveich! eigentlich immer die intereffantestcn der ganzen Conferenz fn*| Sie behandeln die Erfahr»»He», die vo>- College» im Laust! de» Jahre» gemacht worden sind, Anfragen, Anträge«, s»! Hleichen dem Mosaikboden, der, obgleich wohlgeordnet, twH interessante Abwechselung dem Auge darbieiet. Wir greis« I au» denselben da» Wichtigste heraus: Levy - Reuß wünsch! den Unterricht zwischen öffentlichen, Socirtät»-. Kircheugememdr-1 und Privatschulen präzisiert zu wissen. Die Antwort darag I lautete: Der preußische Staat kennt nur zwei Arte» v«I Schulen, die öffentlichen und privaten. Die erstercn >verbal entweder von der politischen Gemeinde unterhalten und heißa I dann Eommunalschulrn oder von der konfessionellen m»! heißen dann Societätsschulen. Hat nun eine konfrssionelic > Gemeinde mehrere Pfarreien, so entstehen innerhalb derselbe! I die Kirchengemeindeschulcn. Die Privatschule» nun sind dik-I jenigen. denen der Charakter der Oeffentlichkeit fehlt un>I denen somit alle Rechte abgehen, die die öffentlichen besitze«! Ersteren gebühre unter allen Umständen der Vorzug. und ckl eS von den jüdischen Gemeinden eine wahre Versündig»«^ gegen da» Judenthum, die nie verantwortet iverden kon»