Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 28.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Ing (ffitnn Gott der Herr da« Hau« nicht hilfreich I re), dann betrat der Lultutbeamte der Gemeinde, Herr Ijger Bauer, die zu dem Zwecke errichtete Tribüne, um Ilängrrr Ansprache an die Versammelten zu richten worin Rch, passend hervorhob. daß da« Erscheinen der Behörden «lävciliefere, daß sie in Frieden mit ihren Mitbürgern luitb die Hoffnung auSsvrach. dab dieser Frieden ein ^nder sein werde. IDann dettatHerr R osen berg al« VoistandSmitglied der lagogengrmrinde die Tribüne, um die in den Grundstein Ic,senkende Urkunde zu verlesen. Die« Schriftstück ent- [li zunächst die Vorgeschichte de« Synagoge»baue«, den iieiig wachsende Gemeinde, die Erkenntniß der Zeit und j Ausordcrungen, da« Bedürfnib. sich würdig de» Geide» Israel« anzurrihrn, l»ervvrgrrufen habe, nach den lirn der Schrift: Und sie solle» mir rin Heiligthum |n, dag ich in ihrer Mitte wohne. Diesem Wunsch nach. Linien, beschlob im Jahre 1881 die Repräsentanten»««, pilmuv den Vorstand um eine Vorlage zu ersuchen. 82 bc der Bau beschlossen und 83 da« Grundstück Lazareth. kc 11 um einen Preis von 12,000 M. für den Neubau »rlm der jetzt, nachdem die Genehmigung einer zur Auf. mc einer Anleihe von 36,000 M. bei der Kreissparkasse L der Behörde ertlreilt ist, nach den Entivürfcn de« teruiigsbaumeister« Böttcher au«grführt werden solle. Tie Urkunde und die Festrede, der Grundriß de« neuen wgogengebäude«, die NrichSniünzen von 5 Mark abivärt« je rin Exemplar der beiden hiesige» Zeitungen vom igcn Tage wurden daraus in einen Glaskasten gelegt in diesem i» den Grundstein versenkt. Dann trat der Regierungspräsident, Herr Graf Elairon ussonville, an den Stein und mit den Worten: „So der Himmel ragt, waltet die Gnade Gotte« über denen, tm fürchten* that er die üblichen drei Hammrrschläge; folgten der KrriSdeputirte Herr v. Kamecke-Barchmin li*ertreter de« Landraths, die Hrdren Bürgermeister Lenz, bwerordneten-Borstrher Ascher, I. Rosenberg al« Ver> r des Vorstände« der Synagogengemeindr. M. Leivinberg flrrtretrr der Repräsentanten und Prediger Bauer. Letzterer nicic seine Hammrrschläge mit den sinnigen Worten: in zu Ehren, die Menschheit zu lehren, den Frieden zu len.- - Ein Lobgesang beendete dir Frier. Ar«»tf«rt, 1. Juli. (Or.-Corr.) Die »Franks. Ztg.* hie vor einigen Tagen eine im Kalender de« ..Israelit" jeiheilte Lessinganerdote, die jedem nur halbwegs mit dem täiichen Vertranten al» .Humbug" erscheinen mußte. Heute »li »u» auch oben erwähnte« Blatt ganz richtig, daß tialauer eine abgedroschene Witzspirlerci auf Lessing ick'ühn. „der bekanntlich nur tvenig Hebräisch verstand am Wenigsten sich in solcher Deutung rabbinischer tcviaiurcn*) gefallen hätte. . . . Zum Uederflusse mag auch brmrrkt »vcrden. daß Lessing Anfangs April 1767 in verließ, um nach Hamburg überzusiedeln, und dann H Bibliothekar in Wolfcnbüttrl wurde, während Marcus >m> im Jahre 1774 als Doetor der Medezin promooirte*. Unsinn rührt also nicht von Lessing her. — Wie au« |rm hcrvorgeht, ist der Zeitung«, und Kalenderschreiber L. lder Manie, seine Sch'korim mit einem Wahrzeichen zu Wt, durch dir ihm jüngst sehr geschickt ertheilte Lection ^lltain,z. Journal", welcheihn wegen der „Vcrjndung" vapiics Victor III. angriff und zu einer fabelhaft unge- M Vertheidigung de« Talmud reizte, noch nicht eurirt ft». Ebensowenig scheint aber auch die jüdisch-deutsche siorihodoxie je von ihrem Wahne geheilt zu werden, ffbiurditäte», welche diese« Päpstlein in ernsteren Dnigr» fsge fördert, und oftmals Ohillal htsohem mache», zu p Du Anf«ig4-Buchstaben bei Arzte« SDtarcu« Herz waren bald P.1 bald bi D'non rmo aufgelöst. tv»sterr«tch«U>kart». Mie», 1. Juli. Der gegenwättig grüßte Arbeiterverein Wien« und Repräsentant der gemäßigten Sozialistenpartei. der politische Verein „Wahrheit", nahm in einer gestern Abend« im Saal« .zum grünen Jüan" stattgchabten und von mehr al« tausend Arbeitern besuchten Versammlung Veranlassung, in einer umfangreichen Resolution die Stellung der Arbeiter zu den Antisemiten zu kennzeichnen. In dieser Resolution wird Folgende« erklärt: ..Indem die Antisemitenbewegung der Reaktion in wirthschastlicher und politischer Beziehung dient und sich an die Arbeiter nur wendet, um dieselben von dem wahren Wege zu ihrer Emanzipation abzulenken, stellt sie sich al« eine Bewegung dar. die trotz ihrer sozialistischen Schlagworte, den sozialistischen, aui religiöse Toleranz und Jnternationalität, auf politische Freiheit und wirthschaftliche Gleichheit hinzielenden Bestrebungen entgegengesetzt und feindlich ist und daher von den denkenden Arbeitern entschieden bekämpft werden muß. ..Dasselbe Elend der Arbeiterklasse. derselbe Vernichtung«- prozrß de« Handwerk« und de« Bauernstandes ist in soge> nannten verjudete». wie in nicht verjudeten Ländern. In dem christlichen Nordamerika herrscht dieselbe Korruption. Der christliche Ausbeuter ist dem jüdischen ganz gleich und ebenso der jüdische Proletarier dem nichtjüdischen. Nicht die Unterdrückung der Jüdin habe» wir anzustrcben, sondern die Beseitigung der kapitalistischen Produktionsweise." Die Versammlung begleitete die ausführliche Motivirung jede« einzelnen Artikel« mit stürmischem Beifallc. Der mit Einstimmigkeit gefaßten Resolution wirb seiten« de« Vereins in Arbeiterkreisen die weiteste Verbreitung gegeben werden und soll auch den Arbeitern in Deutschland mitgetheilt werden. y«(t. Bei einem Besuche, welchen Herr Gelleri, Sekretär de« Landes - Jndustrieverein«, bei Ludwig Kassa th machte, kamen die jüngsten RcichStagSwahlen zur Sprache. Koffulh drückte sein Bedauern darüber aus. daß so viele hervorragende Mitglieder der UnabhängigkeilS-Partei nicht geivählt wurde», lieber die Antisemiten äußerte er sich folgendermaßen: Lassen wir jetzt die Fragen unerörtert, in welcher Weise, durch welche Mittel die Antisemiten ins Hau« gelangt; thatsächlich bilden sie jetzt eine au« 17 Mitgliedern bestehende parlamentarische Partei. WaS ist nun'zu thun? Da» ist die Frage. Prüfen wir einmal ihr Programm, in welchem sie ihre Wünsche aufgezählt haben. Die einzelnen Punkte diese« Progamm» beweise», daß der Antisemitismus nicht« al« eine wirthschaftliche Frage sei. Die genannte Partei wird einsehen, daß einzelne ihrer Wünsche je »ach den wirthschaftlichen Interessen erfüllt werden können, zum Theil schon erfüllt sind. Die massenhafte Einwanderung der Juden (woher?) beispielsweise ist Etwa», wa« Niemand wünschch eine Invasion, die keine materiellen Mittel, keine Arbeitskraft in« Land bringt, kann nur schaden, nicht nütze». Doch dagilt nicht blo« für die Juden. Lassen wir auch die Walachen und andere Stämme nicht herein, wenn sie massenhaft, ohne intellektuelle Mittel und Arbeitskraft unsere Gemeinden über» fluthen. Da« ist also keine Judenfrage. So ist e» auch mit den übrigen Punkten diese« Programm«. Ich weiß, daß der Antisemitismus im Lande stark verbreitet ist. Der Direktor eine« großen Unternehmen«, mit welchem ich in Verbindung stehe, sagte mir. von dieser Frage sprechend: „Sie wären der einzige liberale Manu im Laude, wen» Sie heimkimen.* ... Vor Kurzem war ei» einfacher Landinann au« der Baranya bei mir. „Der Antisemitismus ist auch bei un« verbreitet — sagte er auf meine Frage — weil die Juden die Güter zusammenkaufen.* (Wie Viele?) — „Ist e« überall so?* fragte ich. — »Bei der deutschen Bevölkerung nicht* lautete die Antwort. — „Das ist eben der Kern der Sache; die Deutschen sind sparsamer, wirthschaftlichrr und findiger; während der Ungar oft leichtsinnig ist; die Juden nützen die« au«, dann schimpft man über sie. In Italien,