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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 28. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 28.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 214 — Frankreich und England gicbt rt keinen Antisemitismus und wird cf auch keine« geben, weil der Italiener, der Franzose, der Engländer gerade so findig ist, wie der Jude und die wirthschaftlichen Bortheile geradeso aufzubeuten versteht, wie der Jude. Die Autisemiten-Partei wird also einsehen müssen, daß ihr Streben nicht» Andere» sei al» die Wahrung wirthschaftlicher Jntereflen. Wenn sie trotzdem fortfckhren wird, den Racenhaß zu verkünden. dann werden Gesellschaft und Regierung zu energischeren Mitteln greifen müssen." Kossuth kam dann auf die Assimilirung der Juden ni sprechen. Was thut man in Ungarn hinsichtlich dieser Angelegenheit? fragte er. Hat man ja auch die Ehefrage zu einer Judenfrage aufgebauscht! E» ist schlimm grthan, dag man diese Frage mit der Eivilehe in Gegensatz bringt. Der Bischof von Szatmar, Lorenz Schlauch, har in einem seiner Hirtenbriefe richtig bemerkt, daß sich die Geistlichkeit nicht in die polittschen Angelegenheiten de» Staate» mengt, sondern r» für ihre Pflicht erachtet, zu verkündigen, daß man die Gesetze de» Staate» in Ehren halte müsse. Der Staat darf sich in dieser Frage nicht in Widerspruch mit der Religion setzen. Da» ist aber in vielen Ändern, z. B. in Italien (auch in Deutsch, land) der Fall. Hier ist nur die Eli« gültig, die vor dem Syndikus S«schlossen worden ist; außerdem steht e» natürlich Jedermann ri, vom Priester seiner Confessio» sich trauen zu lassen. Allein beim Syndikus muß er erscheinen. Wegen dieser Verfügung ist in Italien die Zahl der illegitimen Kinder sehr groß, dir au» den, nur von dem Geistlichen geschloffenen Ehen stammen. Man soll die Eivilehe einsühren, aber nicht so. daß Jedermann seiner AuSerwählten vor der Behörde ewige Treue schwören muß. Wer vor der Civilbehürde eine Ehe eingeht, dessen Ehe muß auch die Religion al» giltig anerkennen. doch auch der Staat muß die Ehe al» giltig anerkennen, die vor dem Priester abgeschlossen worden ist. Die Geisllichen der verschiedenen Conftffionen müffen nur verhalten werden, die vor ihnen geschlossenen Ehen auch der Civilbehürtze anzuzeigan. Frankreich. H?art». Die Unruhen in Algier sollen einem Gerüchte zufolge durch jüdische Rekruten, die mit französischen Rekruten m Streit geriethen, hervorgerufen worden sein. Ein heftiger Kampf entfpann sich unter den Rufen: .Tod den Juden!" und die garize Stadt war einm Augenblick lang durch die Wuth der Kämpfenden auf« Höchste erregt. Einige Franzosen und mehrere Juden wurden schwer verletzt und ohne oa» energische Eingreifen der Truppm hätte die Rauferei argk Ausdehnung angenommen. Verschiedene Verhaftungen wurden »oraenommen. Der nächste Tag verlief ruhig und nur einige Rufe von ganz unbedeutenden Gruppen au»gestoßen, wurden gehört. Bi« auf Weitere» sind alle öffentlichen Konzerte untersagt. Die Place du Gouvernement, die beiden Enden der Rue de la Lvre und der Rue Randon sind militärisch besetzt worden. Patrouillen durchstreifen die Stadr und bewachen hauptsächlich da» Judenviertel. Die Stadtverttetung hat einen Aufruf anschlagen lassen, in welchem sie die Bevölkerung zur Ruhe ermahnt. Die Juden und Araber wurden von tat Rathen aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Trotz der getroffenen Vorkehrungen war der gestrige Abend wieder tumultuü». Mehrere Gruppen, welche Drohrufe auSsließeu, bildetm sich nach und nach an ver« E,irdenen Punkten der Stadt, hauptsächlich an der Place reffon und an der Place du Gouvernement. wo die Truppen da» Publikum nicht passiren ließen. Die Erregung war ziemlich groß und hielt bi« gegen 11 Uhr an. Die Truppen hatten in jenem Augenblick Befehl erhalten, die besetzten Punkte zu räumen; nur dir Patrouillen fuhren sott, die Straßen zu durchstreifen. Die Ruhe trat wieder ein. doch bildeten sich noch fortwährend kleinere Gruppen von Zeit zu Zeit an der Gouvernement. Um Mitternacht kam ein letzter Haufe auf die Tereffe de» Lass de Bordeaux, wo sich der Maire von Algier mit mehreren Gemeinderäthen befand. Herr Guillement versprach auf die Aufforderung der Grupp« hin die sofortige Freilaflung aller wegen Theilnahme ai | Manifestation verhafteten Individuen und begab sich weilt in da» Gemeindearrest, begleitet von der Menge. 1 Uhr Morgen« war die Ruhe wieder vollkommen Herges England. «London. In der jüngsten Sitzung de« Board« | Delogates wurde die Bittschrift der rumänischen verlesen. Baron de Wann» erklärt, die rumänische Regia habe nicht da« Recht, beschränkende Gesetze gegen die zu erlaffen, da sie sich für ihre Gleichstellung auf dem liner Eongreß verbürgt habe. Deshalb dürft man die 3, Wanderung der jüdischen Rumänen nicht unterstütze», man damit den Schein envecke, al» ob man da» Verl» der rumänischen Regierung al« richtig und gesetzmäßig ancrln Man dürfe nicht ruhen, die darin liegende Verletzung > auf dem Congreffe übernommenen Berpflichtung nachzumi und die öffentliche Meinung wie die Regierungen dagq aufzurufen. Herr Avigdor stimmte bei. Baron de Äa bemerfte, er sei bereit, die Frage im Parlamente zur Zpnj zu bringen. Herr. Mocatta dagegen meinte, die Ersadn l>abe gelehrt, wie wenig dergleichen Vorgehen nütze — > Mächte würden sich in die inneren Angelegenheiten Rumäne nicht einmischen. Helfen müßte man den Gequälten —, Vorgehen, wir e« vorgeschlagen worden, würde den haß in Rumänien nur »och steigern. Baron de Äon giebt Vieles zu. glaubt aber, daß Gladstone jetzt die pflichtung zum Einschreiten werde anerkennen muffen. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeßurg. Wir lesen in der „Polit Corr.": . in Petersburg tagende Commission zur Regelung Rechtsverhältnisse der Juden hat ihre Vorarbeiten bcc» Die Majorität erkennt da» Bedürfniß einer Resoij der Gesetzgebung in liberaler Richtung an, erachtet die Durchführung derselben im gegenwärtigen Zeitinoi nicht für opportun, weil dieselbe bei der Stimmung > Bevölkerung, namentlich in Südrußland, eine Wiederhol« der Judenexceffe zur Folge haben könnte". (Gerade da« Umgekehrte ist wahr: So lange L»lj nahmegesetzc bestchen, hält da« Volk sich berechtigt, auf 1 am wenigsten vom Gesetze geschützte, ja al« vogelsrei dies stellte Volksklasse loszuhauen und seine sociale Unzufried diese empsinden zu laffen; da« haben ja die neun mörderischen Vorgänge in Nischney-Nowgorod n»S klar erwiesen, für jeden der sehen will. Red.) Aerk!», 6. Juli. In letzter Repräsrntantensitz wurde an Stelle de« verstorbenen Justiz-Rath Lewin fti Banquier Eduard Hirschberg al« Repräsentant ringes " und besteht da« Collegium nunmehr au« folgmden 21 He Loui« Bamberger, Gustav Borchardt, Fraenkel, Loui» Friedberg, Bernhard Friedhei^ Siegm. Friedlaender, Moritz Heilmann, Ed» Hirschberg. David Hirschfeld, Herm. LandSbergri Prof. Lazaru«, Loui« Liebermann, Ludwig Lb» Gustav Löwenberg, Justiz-Rath Makower, Mannheimer, SanitätS-Rath Dr. Marcufe» Ferdi» Reichenheim, A. Ruß, Geheimer Rath Dr. Steinihä Dr. Straßmann. Wfttzättsei« (Ober-Elsaß). Herr Rabbiner Dr. Lei« ist von dem Cantor gröblich insultirt worden. Und ' Vorstand — schweigt nicht allein dazu, sondern scheint die Handlungsweise de« Cantor« zu billigen, welch« selbst i christlichen Kreisen Unwillen erregt hat! (Ja. in Elsaß r am Rhein steht« eben so — nicht Wissen, nicht Frömminicht Leistungen werden beachtet, sondern daß der Bort mitschachert, klatscht und iutriguirt, da« wird geschätzt. (Arch. i«t)| Ktiro» (Galizien). Bei der nach dem neuen Gei aesetz erforderten Wahl eine« Zunftmeister« für Stadt Umgegend war ein bekannter Judenfeind in Aufsicht gen an

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