Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 27.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Wirksamkeit al< Rabbiner begehen. Einer so seltenen und bedeutsamen Feier wende Ich um so eher Meine warme Theilnähme zu. als Ich au« Meiner Regierungszeit der eifrigen und treue» Hingebung an Ihren Beruf, die Sie in einem so langen Zeitraum voll schwerer und auch heiterer Tage bewiesen haben, mit besonderer Befriedigung und Anerkennung Sedenke, aber auch dir Anhänglichkeit, mit der Sie Mir bis aher ergeben geblieben und im persönlichen Berkrhr angenrhine Stunden bereiteten, wohl zu schätzen weiß. Die aufrichtige Achtung und Liebe, die Ihnen am heutigen Tage insbesondere von Ihrer Gemeinde ent' gegen gebracht wird, begründet das Bewußtsein unausgesetzter. ernster und gesegneter Pflichterfüllung, und »m zu diesen wohlthurnden Bkiveisrn und Gefühlen auch etwas beizutragen, bitte ich Meine aufrichtigen Glückwünsche freundlich aufzune!nnen und die beikommrnden wenigen Tropfen so zu nutzen, daß dadurch auch der Geist des Frohsinns Herbeigerusen werde, der uns die Zeit jugendlicher Kraft und Lebensfreude vergegenwärtigt. Möge Ihnen solche Kraft und geistige Frische noch viele Jahre erhalten bleiben, und Gott Sie ferner mit seinem Segen begleiten. Die« wünsche Ich Ihnen herzlich in unveränderter Wohlgenrigtheit. «onderShause», den 16. Juni 1884. Günther. £ esterrcied-Ungarn. vom Mie«. In dem Leitartikel der „9t. Fr. Pr. 27. Juni erfährt der ungarische Ministerpräsident TiSza folgende Zurechtweisung: „Er billigt nicht grobe Pflichtvcrsäumniß, er mißbilligt sie sogar; aber immer wieder muß erst Bürgerblut fließen, bis der Arm des Staats sich erhebt. So war es bei den Straßentumultcn in Pest, so bei de» Judenhetzen im Zalaer Eomitat, so war es jüngst bei den Wahlen. Das kann kein Zufall sein, das ist ein organischer Fehler, für den das Ministerium verantwortlich ist. Herr von TiSza häit glänzende Reden gegen den Antisemitismus, aber er pactirr mit ihm." (Abgesehen von den glänzenden Reden — tont comme chez nous.) Nest. Aus dem Jahresberichte des hiesige» israelitischen FraucnvercinS entnehmen wir Folgendes: Im abgelaufenen Jahre wurden als ambulante Unterstützungen 6833 fl. 80 fr., als monatliche Stipendien 4239 fl., als vierteljährliche Zi»sbeiträgc 3981 fl., als Unterstützungen für externe Waisen 1691 fl., als Unterstützt.»gen an Wöchnerinneil 264 fl„ als Unterstützungen an Hebammen zu Rigorosen-Taxrn 15 fl. und als HeirathsauSstattungsbeiträge 55 fl., zusammen daher 16,988 fl. 90 kr. vertheilt. Die Einnahmen der Frauenvercins UnterstühungSabtlieilung betrugen 14,925 fl. 18 kr.; e« resultirt daher ei» Defizit von 2063 fl. 72. kr„ welcher Betrag dem Fonds abgescbrirbc» wurde. — Im Mädchen > Waise »Hause dieses Vereins wurde» 48 Kinder, im Waiscnasyle desselben hiligegen 18 Kinder erzogen und betrugen dir Einnahmen für beide Anstalten 13,111 fl. 47 kr.; die Ausgaben 15,547 fl. 47 kr.; es resultirt daher rin Defizit von 2436 fl. Die Verpflegung und Erziehung einrS Kinde» stellt sich durchschnittlich auf 224 fl. 90 kr. im Waiscnhause und auf 160 fl. 6 kr. im Waisrnasyle. Die dritte WohlthätigkritSanstalt de» Vereins, die Armcn- Speisea» statt, ist bereit« in de» weiteste» Kreisen der rückhaltlosesten Anerkennung thcilhaftig geworden und hat sich auch in den« abgelaufenen Jahre — nachdem während de» ganzen Jahre« keine andere Volksküche geöffnet war — nicht nur als ein unriitbehrlichcs Bedürfniß der Hauptstadt, sondern während de« Winters als eine warme Wohlthäteri» der armen Volksklaffen erwiesen. I» der Zeit vom ersten April 1883 bi» 1. April 1884 speisten daselbst 64,7 93 Personen ohne Unterschied der Eonfcssion, davon gänzlich gratis 9323 Personen. Den ärmere» Hörer» des Landes- Rabbinerseminar», wie auch der israelitischen Lehrer-Präparandie wurden während derselben Zeit 7783 Portionen MittagSeffen verabreicht. Die Berwaltung«koslrn Anstalt, deren Einnahme» 7927 fl. 44 kr. und Ausgaben 8355 fl. 44 kr. betrugen, ergaben ein Defsi» I 428 fl. 27 kr. Ter Verein besaß im abgelaufenen 1365 Mitglieder, und zivar 836 beim Fraurnvem» 5301 fl.. 452 beim Waisr»l»ausr mit 3038 fl. und bä Speiscanstal« mit 390 fl., zusammen daher mit JahreSbcitragSgebührcn. Rußland. Nstersturg. Herr Zrderbaum. der Redakteur! „Hameliz" erzählt in seinem Blatte, daß er nicht allci, j sich de» Vorschlag grniacht hal>e. Palästinavereinc zu gru°i Zuerst habe er beabsichtigt, die Ertaubniß zu Geldsumme rinzuhole» für die palästinensischen Evlonisten. Der M>« de» Innern habe dazu mündlich dir Genehmigung erä Zu einer schriftlichen und beglaubigten bedarf es der i drücklichen Erlaub»iß des Kaisers, die nur bestätigten einen gegeben wird. Doch die Worte des Ministers erkennen, daß man es nicht als Verletzung der Gesctzc^ trachte, daß Juden »ach Palästina auSwandern u»d andere Juden sie unterstützen Auch der Minister des wärtigen hat demselben Herrn, als er sich an ihn der Plackereien wandte, welche die russischen »ach Pali^ reisenden Juden bei ihrer Landung zu erfahren hatte», sehr günstig ausgesprochen und erklärt, daß die Herren. daS Geschick der Jude» zu bestimme» haben, diese» gutge seien und ihr Loos verbessern ivürdcn. Wegen der Emigrai mußte Herr Z. dem Vorstelxr der asiatischen Abtheilunz! sonderen Bortrag halten. Dann kam am 22. Februar | Antwort des Gesandten von Konstantinopel, daß die LS rcie» aufhören, aber ein Unterschied gemacht »oerden irij zwischen Reisenden und Einwanderern. Ei» einflußm Beamter fand den Gedanke», Eolonien in Palästina zil gründe» und zu unterstütze» um so richtiger und de» vla« entsprechender, als ja vor Kurzem rin russischer Paläios verein bestätigt ioorden ist und die Jude» doch Pal.'' gegenüber keiner andere» Religion und Nationalität siehe». Dem geiianntcn Verein sollten die Statute» iwa bildet tverdcn. Dir Genehmigung derselben würdewohl ml er'» nachdem die Judenkommission sich dafür ausgesprochen.! wieder bi« zum LXtol>er Ferien gemacht hat. Man hier, daß das Verbot der Pforte bald iverde zurückge»»- werden und bcniüht sich btcfcrljalb. Aber inzwischen doch Viele schwankend und ernüchtert worden. — Unter den Prämierten des hiesige» Eonservatorinatl finde» sich diesmal 1 jüdischer Vivlonist (kl. goldene und 5 jüdische Damen (2 gr. und 3 kl. silberne H« für Piano A«a». Dir Schilderung diese» alte» Sitzes des ' däismus im Jnncnrußland aus der Feder eines in# Anhänger» dieser Sekte dürste — obschon die Farbe» i'idl zu grell aufgetragcn sind, Ihren Lesern nicht voce,ich werden. Uman wird in zwei Theile getyeilt, den alte» i den neuen Markt. Am alten Markt wohnen die Fio« die Reichen, dort sind die Svnagogen, die Botte welche zugleich — die Schnapsschenke» sind. Hinter Ofen steht die mit wohlgcsüllten Flaschen besetzte Lad richtung. Der Schenker ist ein erprobter treuer vom frühen Morgen bi» zum späten Abend die heilige übt, die frommen Beter zu laben für ihr Geld. Diese I lieh« Unsitte hat sich wohl überall bei den Ehassidim eingml doch wohl nirgends so tiefe Wurzeln geschlagen, wir biaj e» nirgends so viel mit Alkohol geschwängerte Beil»' giebt. — An diesem Altmarkie gicbt's auch ein Beiliaiük Braßlowcr. Dort versammeln (ich am Rosch Haschen« k Ehassidim, die Verehrer de» R. Rachmann (8iö) sind, kommen mit Weib und Kind und Kegel, um am Grabet R. Nachmu zu beten. Aber, o weh — da komme» sie > an, der Pöbel, der an den Heilige» nicht glaubt, an mit Fäuste» und Steinen, bi« kein KÜrperthril u»« und keine Scheibe im Bethause ganz ist. ««(bst da»1