Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 27.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 205 — Iltttidtigtritm in Vorschlag bringen wollte, die damal» gegen (h'k verübt worden sind, daun würde die Anwendung deauch ganz zweifello« sein. Au» diesen Gesichtspunkten dennder «taatSanivalt gegen den AngeNagten de Groussilier irldstrafe von '>00 Mart cveiit. 50 Tage Gefängniß. — wmvaU Viitbfnbcrfl als Verteidiger plaidirtc auf »chung. da der Angeklagte lediglich die Absicht verfolgt drn von den Judenblättcrn für sich reklamirtcn Reforde» Juden gegenüber in das richtige Licht zu stellen. «Rrichtshof trat der Auffassung deS Staatsanwalts veg l>ei. verurteilte den AngeNagten de W r o n f f i l i e r m M Geldbuße event. 20 Tagen Gefängniß. sprach n den AngeNagten Käse frei. ^rler, 21. Juni. (Or.-CSorr.) Gegenüber den falschen ’cm. die der „Israelitsich von hier aus jüngst berichten .dag drn israelitischen Schüler» des Realgymnasiums isprns vo.n Schulbesuch am letzten Wochrnfeste nicht l ivorde» wäre, ja daß einem Schüler, dein die Er> t) bereits erlheilt war, dieselbe von dem Klassenlehrer mit dem Ausdruck feines Bedauerns entzogen wurde, »e Regierung verfügt habe, den israelitischen Schülern Dispens für ihre Feiertage zu beivillige», — sind wir in >ge, folgende authentische Darstellung des Sachverhalts den. Rach der schon vor Jahre» ergangenen Anig des Herrn Directors des Realgymnasiums wird i«raeliti>chcn Schülern von ihren betr. Ordinarien an i Festtagen Vormittags bis I I llhr freigegrbe»; im e» sind sic auch von allen Arbeiten dispensiert. Im euplau ist daraus besondere Rücksicht gcnomme», daß stich leine Unterricht-stundc am «amstag fällt, in r ein Richtschreiben für die Schüler vom Nachtheil sein lZcichne», Schreiben, Extcmporalicnstundc, Algebra u. s. w.) l»f ein weiteres Verlangen, daß Samstag auch kein istorischer Unterricht falle, daß während de» ganzen ffcmcstcr« von 0—4 Uhr die israelitischen Schüler von cn i» der Schule di-pe»siert. würde» und daß die ausnt Israeliten vor den Ferien immer am Freitag Rachmitercit» entlassen ivürden (bez. ain Tage vor einem israel. igc>. ist der Direktor nicht in der Lage einzugehen. Für i. Mai waren alle israel. Schüler in der aiigegcbencn lvurlaubt. ei» Quintaner wollte jedoch bereits Don- Rachmitiag frei habe», um mit dem Zuge um 2Uhr herzig zu fahren (wodurch sich die Pfingslfericn für!> I ', Tage verlängert habe» würden), diesen Dispens u geben, sah sich der Direktor nicht veranlaßt. Da» » Thatsächlichc an der ganzen Sache; eine Vcran- > zu einer „Beschwerde". wie der „Jsr.- gedroht, liegt xh wahrlich nicht vor. »trtti«, 27. Juni. (Or.-Eorr.) Am 7. Jnni ist Herr ihe»stein, Culiusbcamtcr in Saatfeld, au» dem geschieden. Wenn ich diesen würdigen AmtSbruder im i meiner Evllegcn einen Lchcidcgruß nachruse und seine mche Wirksamkeit mit kurze» Worten zu schildern als 2lft der Pietät betrachte, so wünsche ich zugleich, daß bensbild anregend auf un» wirke und u»S z» gleichem n ansporne. Herr H. hat »ur in zwei Gemcinden als r, Prediger und Lehrer gewirkt, und zivar in R a u g a r d Itrr und l 4 Jahre i» Saalfeld. Durch fein bescheidenes . durch ungctikucheltc Frömmigkeit und musterhafte suhrung hat er sich die Liebe und Achtung nicht nur seiner Rmeiude, sondern auch aller außerhalb derselben Stchcnden ewsrben. Streng gegen sich selbst, war er peinlich gewissen» »it in der Erfüllung auch nur der kleinsten Pflichte», und »wohl dadurch, als auch durch feine vielen anderen Tugenden u ihm ein unvergängliches Andenken bei allen denen, die ihn ünntr». gesichert. Die Gemeinde wußte aber auch die Vcr- "nn'ic ihres Beamte» zu schätze». ' l£« herrschte zwischen ihr «'» ihrem religiösen Leiter ein Verhältniß, wie es inniger wd herzlicher kaum gedacht werde» kan». Mit tiefer Bc< "egiiiß sahen sie ihn von dem Wurme einer tödtlichen Krank» W aiigenagt und schickten ihn deshalb »ach Danzig, um dort ärztlichen Rath einzuholen, sahen ihn jedoch lebend nicht mehr wieder. Die Leiche wurde nach Saalfeld gebracht, und die Gemeinde hat durch die Art und Weise der von ihr veranstalteten Trauerfeierlichkeit bewiesen, welche Liebe und Verehrung sie ihren, Beainten gezollt, und sich selbst dadurch ein ehrendes Zeugniß ausgestellt, da» volle Anerkennung verdient. Die Leiche, ivelcher der Vorstand bis zur nächsten Station entgegenfuhr, wurde in dem schwarz drapierten Tempel aufgebahrt und Herr Rabbiner vr Koppstein aui Elbing, der vom Vorstände zur Trauerfeier berufen war. gab im Tempel als auch auf dem Friedhofe in schwungvoller und ineistcrhafter Rede dem Schmerze der Gemeinde ivürdigrn Ausdruck. Während des Leichen zuges, an dem die ganze Gemeinde. Magistrat, Stadtverordnete und alle Klassen der Bevölkerung Thril nahmen, blieben alle Läden geschloffen. Wenn man so oft Klagen von College» hört, daß ihnen von ihrer Gemeinde die gebührende Achtung nicht zu Theil werde, so ist es ei» erhebendes Gefühl, auch solch ein Verhältniß zwischen der Gemeinde und dem Beamten, ivie wir es eben beschrieben habe», constatiren zu können, die für beide Theile gleich ehrend sind. <2 a r a s o h n. tzaffel, 24. Juni. (Or.-Eorr> Obwohl etwa» verspätet, dürfte es doch manchen Leser interefsiren, auch aus nachstehender Mittheiluiig zu erfahren, wie in jüdischen Gemeinden heut zu Tage oft Dinge vorfalle», welche man früher für uiiinöglich hielt. Vor etwa zwei Jahren kam ei» Mann aus Bleicherode hierher, ivelcher hier vorgeblich eine Metzgerei errichten wollte, und um fein Vieh selber schlichten zu können, sich vom hiesigen Rabbiner geben ließ. Mit dieser Urkunde in Hände» ctablirte er sich aber als Schichter der Gemeinde, obwohl diese einen religiös bcivährren Schächter hat, welcher sei« Jahren hier angestellt ist. R ichdcm der Eindringling dem hiesigen Schäckter den größten Rachthcil zugefügt und dieses „religiöse- Benehmen ei» Paar Jahre hindurch so getrieben hatte, wurde er von einem kleinen Kreise hiesiger „Orthodoxerveranlaßt, sich in Frankfurt a. M. auf's Rene nbsp zu holen, was angeblich a»ch geschah. Mit dieser neuen Urkunde versehen, hoffte er wahrscheinlich, den hiesigen Schochet ganz verdrängen zu könne», und um r« rascher zu erledige», verschaffte er sich ein Stück erkrankter Lunge, welches er unter der Angabe, der hiesige Schochet Hab« das Stück Vieh, von welchem der kranke und rituell „trefenc- Lungentheil hcrrühre. für „koschererklärt. Herrn Seminardirceior Oe. Stein, als derzeitigem Vertreter des inzwischen pensioiiirte» Rabbinen, vorzcigte. Der hiesige Schochet, rin. wir gesagt, sehr religiöser und gewissenhafter Man», übergab die Sache der Staatsanivaltschast. Vor dem Schöffengericht ivurde der Fall vor ca. I Woche» verhandelt. Da wurde nun vom Anwalt de» Klägers ei» Bericht des Bürgermeisters aus Bleichcrode über diese» Schächter verlesen, der dessen moralisches Schivindler.Porleben beleuchtete; es konnte Manches vor dem Publikuin nicht verlesen werden, und wnrde dem fnngirendcn Amtsrichter znm Durchlescn überreicht. Der famose Schächter ivurde zu einer höheren Geldstrafe und in die nicht unbedciitcliden Kosten verurtheilt, aber — er schachtet nach wie vor. Man fragt sich nun. iver ist der „orthodoxr- Rabbincr in Frankfurt a. M.. welcher dem Manne, ohne ihn zu kennen, ohne W.'itcreS die Urkunde zum Betreibe» einer religiösen Funktion ansgestkllt haben soll? Ferner, wie sind die sogenannten „Orthodoxenhier lvschaffen, welche trotz Allem, den liebenswürdigen Schochet als Vertrauensmann betrachten und von seiner „Schcchitaessen? Kassel wird, hoffentlich recht bald, einen anvcren Rabbinen bekominen. Man erwartet natürlich, daß alsdann diesem Schochet das Handwerk gelegt werde. Alnr, mein Gott! Was hciyt denn eigentlich ..frnnnn"? und wo bleibt die „Moral-? Ssnderstzsnse«. Da« in vor. Rr.envähntc Handschreiben, ivelches der Fürst «Günther Friedrich Earl IL an Herrn Professor Hei den hei m zu dessen Jubiläum gerichtet hat, lautet: „Lieber Herr Professor! Ich habe vernommen, daß Sie mit Gotte» Hilfe heute da» Fest ihrer 50 jährigen