Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 27.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 207 — HriiKu sie. Die «trage gleicht einem Schlachtfeld«, und M^ude vom Liede ist stet» Einmischung der Polizei. Dort > -u,markt in engen finstern Gassen Hansen auch die Mamdim. Die schmudslarrrnden Etndarun bel,r»bergen in M,l>rcr erstickende» Lust e»va je .'10 Kinder. Wie der Mrr>clit ist. den dir nebenher da» ehrlaine Schnrider- oder Mi'teil>a»dwc>k lietrkidenden Lehrer rrtheilr». dedars trink» Minalciia. Hundert solche — Erzieher, btt» macht zivei ■ ftci Tausend gequälte und verkümmerte Kinder. An Mulgeld ivird dafür mehr als 15000 Rubel gezahlt. ■ Auch ri» Krankenhaus befindet sich in dieser Gegend. Im eni Hau», das die Kranken schnell von allem Leid len. da e» ihr Hinscheide» beschleunigt. Beiten fehlen, IKranken leide» bitteren Hunger. Die große Synagoge, I schone», hohes Gebäude, das 40,000 Rudel gekostet hat, Mrlbsl an Festtagrn leer, indem die Klausen und „Kleiselich" Ipse» voll sind, deshalb läßt man wohl auch da» Gebäude »allen. Die ehemals bedeutende, Jeschiwa" ist ringrgangrn — » Talmud-Thora girbt'S nicht, denn für die Arme» haben »Millionäre hier kein Geld. Das girbt den Richtern zu In und füllt die Gefängnisse. Dafür sind für 20,000 Rudel Ir Klaus für die Tolever Ehassidim gebaut, wozu ein »er Mann 3000 Rubel grspendet hat. Die Gemeinde ist Iden Augen der Leute Nichts. Hauptsache ist ihnen das Inveriikel, zu dem sie gehören. (Da« ist die Schattenjeite I vielen Tlereine!) Am neuen Markt wohnen die Reformer, I sich europäisch kleiden. Sie haben keine jüdische Schule, Im ihre Kinder lsaben da« nicht »öthig, vbschon in'S Pro- «inafium höchstens 10 •/, jüdische Schüler ausgenommen Irden. Trotz de« Widerstand« derer vom Altmarkt hat I letzter Zeit rin Rechtsanwalt einen Verein gebildet, der Iv Rubel Einnahme hat, von einem jüdischen Arzte geleitet Irb und Verbesserungen anstrrbt. I Disch,y-Aoa»g«r»d, 25. Juni. Eine Publikation de« Iiuveuieurs im lscutigen „Tageblatt" macht gcgrnüber den r vrrbreitelen Gerüchten, daß 'in Kunawino wohnende Iidc» ei» Ehristriimächtet geschlachtet lsätte», bekannt, daß. Ir die strenge Ilntersuchung ül>er die Vorgänge am IS. d. M. ncbrii habe, diese Gerüchte lediglich auf Erfindung beruhen, »ich da» Organ Katkow«, konstalirt, daß auf dem Schauritz der Exzesse nur fünfzehn jüdische Familie» wohnten, eiche bisher niemals Streitigkeiten mit den Nachbar» ge» Ibt halv». — Da« „Börsenblatt" vom 30. Juni, veröffent» wl riiieil Tagesbefehl des Gouverneurs, i» ivclchem den rkiirrn kundgegrl>en ivird, daß bei jeglicher Uuordnung auf ts strengste eingeschrittc» werden solle. Bo» den 112>vegen k Ausschreitungen gegen jüdische Einwohner, verl)afteten teifviir» soll Niemand vor der gerichtlichen Aburtheilung rigelassrn lverden. Dir Polizei hat den Auftrag rrl»alten, mrilKilb drei Tage» ein Verzeichnis! derjenigen jüdischen nnvohner vvrzulrgcn, ivelchc sich ohne gesetzliche Erlaubniß er aiiflmllr». Vermischte und neueste Nachrichten. Kake a. S., 30 Juni. Gestern und l-eute fand hier e sechste ordentliche Evnferrnz der israelitischen TultuS- ""»«> Mitteldeutschlands statt; sie war von etwa 30 Mitikdern besucht, die mit regem Eifer und voller Hingebung l zwei Sitzungen, die erste von 3'/, Uhr Nachmittags bis beiids 8'/f Uhr. dir zweite von Morgen» 9'/, bis Mittag» ilhr die in Nr. 24 mitgetheilte Tagesordnung erschöpfte», i» Erholung nach den anstrengenden Stunden der Arbeit »>e die überaus entgegenkommende Gemeinde Halle durch re Vertretung besten» gesorgt. Da daü Protokoll der crhaiidlungen in dies. Bl. veröffentlicht werden wird, so h"ügc ich mich für heute damit nur in Kürze mitzuthrilen. >B die Gemeinden Magdeburg, Cöthen, Halle, Erfurt, ieiiiiiigen, Leipzig, Bernburg. Dessau. Nordhausen, Weißenls. Muhlingrn. Ei-ltden, Eisenach, Gotha. Stadtlengsfeld, ondershausen, Heiligenstadt, Geisa, Aschenhausen u. a. vertreten waren, und auch der Gemeindebund sein stet« bewiesenes Interesse nicht nur durch einen größeren Zuschuß zur Bestreitung von Reisegeldern, sondern auch durch Anwesenheit eine» AusschußmitgliedeS (des Herrn LtScynSkh) bekundete. I» den Vorstand wurden Herr Rabbiner vr. Kroner-Erfurt und Prediger Facken he,m-Mühlhausen wieder- und Herr Eantor und Lehrer Jacobsohn-Leipzig neu gewählt. Zum nächste» BersammlungSorl pro 1385 wurde Magdeburg designirt. Von Bedeutung ist e». das sich heute hicttauch ein „BezirkSverband der Rabbiner Mitteldeutfchlands" constituirt hat, zu dessen Vorstand die HH. Rabbiner vr. Rahiner (Magdeburg), Landrabbincr vr. «alzer (Sachsen-Weimar) und Landrabbinrr Or. Dessauer (Sachscii-Mciningen) gewählt ivurden. Hteuttzen» 25. Juni. Die hier seit acht Tage» umlaufende» Erzählungen von einem am 13. d. Mt«, jenseits der Grenze auf der Eisenbahn bei Oswiecim verübten Morde haben iür eine hiesige Familie die traurige Bestätigung in dem Verluste eine» SohneS gefunden. In dem Ermordeten, welcher im Eoup« todtgeschlagen, während der Fahrt herauSgeivorfen und von einem Bahnwärter aufgefundeu wurde, ist der 24 Jahre alte Sohn de» hiesige» EigarrenkaufmanneS Pesr (mos. Eo»f.) ermittelt und rccognoScirl worden. Die eigentlichen Ursachen und der Hergang de» Mordes bleiben zur Zeit noch in Dunkel gehüllt, man glaubt nur so viel annehmc» zu können, daß e» sich weniger um einen Raubmord als um einen persönlichen Racheack handelt. Der unglückliche junge Mann soll mit zwei Männern zusammengefahren sein, welche die That vollbrachten. Die ersten, auf eine gleichzeitige Beraubung von 30,000 Gulden re. lautenden Gerüchte bcivahrheitclen sich nicht. Mehla« (Ostpreußen), 25. Juni. In nicht geringe Bestürzung wurde am vergangeneu Mittwoch eine in Vettlau wohnende Familie versetzt, als der 4 jährige Sohn derselben ohne seinen Zwillingsbruder vom Spiel nach Hause kam und erzählte, daß vorübcrfahrcndc Juden seinen Bruder mitgenonuncn hätten. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich unter der Landbevölkerung und auch in der Stadt das Gerücht, daß Juden ein Kind geraubt hätten. Ein berittener Bote wnrde dem Fuhrwerk nachgeschickt und fand das Kind in der Pctersdorfer Heide. Er erzählte bei seiner Rückkehr, daß der Räuber, als er sich verfolgt sah, das Kind von sich geworfen hätte, den Räuber einzuholen und die Person desselben festzustcllcn hatte der Bote unterlasse». Bei den durch die Polizei augcstellte» Nachforschungen wurden auch wirklich einige jüdische Handelsleute, welche sich zufälliger Weise in jener Gegend aufgehalten hatten, fcstgenvminen. mußten aber natürlich sofort wieder entlassen werden, da sich ihre vollständige Unschuld sofort hcrauSstclltc. Den energischen Bemühungen de» GcnSdarm Schr. gelang es am folgenden Tage den Kindrsräuber in der Person eine« Bauern auS Gertlauken zu ermitteln. Derselbe hat angegeben, daß er sich nur eine» Spaß habe mache» wollen. Aller Voraussicht »ach werde» ihm derglcichcu Späße für die Zukunft gründlich verleidet lverden. K««ö«rg. So viele jüdische Auswanderer aus Rußland und Rumänien wie in diesem Jahre hat unsere Stadt »och nie gesehen. Leider sind schr Viele unter ihnen, die aller Mittel entblößt mit Weid und Kind Herkommen — um Sr der Wohlthätigkeit. die nicht ausrcichen kann, sic übeLS eer zu schaffen, zur Last zu fallen. Lemtzerg. In den neuen Handiverkcrzünftcn haben die jüdischen Meister die Majorität. Doch haben sie in ihrer Dummheit zugestanden, daß die Zunftmeister statutarisch nur Ehristen sein dürfen. Dagegen hat der Verein Schomer Israel beim Statthalter Verwahrung eingelegt. Au« Algier wird untcrm 2S. Juni gemeldet: In Folge von Streitigkeiten zwischen den Evnscribirten. wobei c» zu Schlägereien kam. entstanden Ausschreitungen gegen dir Juden und mehrere jüdische Häuser wurden geplündert. Die Behörde stellte die Ruh« wieder her, die Schuldigen ivurden verhaftet.