Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 27. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 27.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5369809-5935099-5938164--5207-5377380
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 204 — Euch, der Fremd« sei wie der Eingeborene, dran ichbiu der Ewige Euer fltott” a!« ein uneingeschränkte», alle Menscheu umfassende» Gebot anzusehen. Jeder, der sein Mrnsthenthum darin bekundet, daß er sich zu den sieben noochidisttzen Geboten*) verpflichtet erachtet, gilt dem Judenthum, auch wenn er in einem anderen Bekenntnisse geboren ist. al« theilhaftig der ewigeik Seligkeit nach dem Spruche R. Josua«: »Auch die Frommen der Völker haben Antheil an der ewigen Seligkeit.- Diese Lehrsätze sind die Grundbestimmungen für die interkonfessionelle Stellung de» Judenthum». Wenn dem gegenüber in dem ausgedehnten jüdischen Schriftthume entgegengesetzte interkonfessionelle Ausspruch« sich vorfinde», so beziehen sich dieselben nur aufHeiden, welche gegen die genannten Gebote verstoßen, nicht aber auf Angehünge eines monotheistischen Bekenntnisse«." Unter den Unterschriften vermißt man einige Hauptsührer dcr Orthodoxie z. B. Rabbiner S. R. Hirsch- Frankfurt a. M.. Oberrabbiner Stern in Hamburg u. A. Werkt» (Or.-Corr.) Wer anfangt, etwa« Gute» und Richtige» zu'thun. dem wird zugerufen: Fahre fort und vollende! Bulgär ausgedrückt: Hast Du einmal A gesagt, mußt Du auch sagen B. Die »Wochenschrift* (>ut angefangen. die Wohlthätigkeitsinstitute der Berliner Gemeinde zu schildern. Sie soll darin fortfatzren und heule den Bericht über da» Gemeinde - Waisenhaus ihren Lesern auszugsweise vortegen. Vorher aber möchte die Bemerkung wohl nicht deplacirt sein: Wie wär's damit, daß Ihr Blatt seine Berichterstatter in allen Städten Preußens bezw. Deutschland» aufsorderte, genau und doch nicht zu lang über Errichtung. Leistungen und Wesen der in ihren Wohnorten (bezw. den nächstgelegenen Gemeinden) bestehenden Armen-, Kranken-, Waisen-, Zuflucht». Häuser und Stiftungen Eorrespondenzrn einzusenden und ei» Mitglied Ihrer Redaktion unterzögt sich dann der Mühe, diese Angabe» »gch einheitlichen Grundzügen zu ordnen und am Ende da» Ganze unter dein Titel: Praktische« Judenthum in Preuße» (Deutschland) zu Nutz und Frommen von Freund und Feind!? (Wir habe» vor Jahren schon einen derartigen Vorschlag gemacht. Red.) Nun abervom Allgemeinen zurück auf da» Besondere. Nebrn dem Auerbach'schen Waisenhause verdankt Berlin der Muniflcenz der Familie Reichen heim ein Gemeinde-Waisenhaus. Al« Stifter derselben sind Moritz und Sarah R. genannt. Der tüchtige Leiter derselbe» ist der ehemalige Lehrer au der Posener Realschule. Herr vr. M. Jutrosinskh. 4« Knaben und 30 Mädchen warm 1883 der Anstalt anvertraut. Bon diesen besuchte» die Mädchen- und Knabenschule der jüdischen Gemeinde 21 Mädchen und 32 Knaben. 1 Mädchen erlernt die Buchführung. 3 da« Schneidern, 8 besuchen die Sophienschule. 1 eine höhere Töchterschule. Die 14 anderen Knabe» vesnchen da« Sophiengymnasium (8). Realgymnasium (8). Der Unterrlcht im Hebräischen und in Religion wird (wo ihn die Schule nicht bietet) in der Gemeinde - ReligionSschule ertheilt. Zwei Lehrerinnen und zwei Erzieher stehen dem Direktor im Hause zur Seite, für Musik-, Turn- und Schwimmunterricht ist Sorge getragm. Fünf Zöglinge wurden entlassen, ztvei Jünglinge, die dem Kaufmanntstand sich widmen, eine junge Dame trat ebenfalls in ein Geschäft, eine al» Buchhalterin in eine lithographische Anstalt und eine al« Lchrerin in eine Schule in Szegedin. Die Anstalt besitzt außer dem prächtige» Grundstück ein Vermögen von 511880 M. mit einem Zinscnertragk von 15833,50 M. Die Gemeinde gab Äß 22 885,02 M.. die Stadt für Waise», deren Berg ihr zufirl, 836 M. so daß 50 355,08 M. verbraucht wurden, d. i. pro Kopf 66410 M. — Der Sparfond» betrug 17 341,85 M. wovon 8803,45 Sparguthaben der einzelnen Waisen, das klebrige StistungSgelder sind. Außer den sinnigen *1 Xitfe sind: (knihallimg vom tSiipendlenste, der Blutschuld, der Unzucht, dem Baud«, der «orteslSsirrung. dem «emisse eines von einem lebenden lhiere «Msernten wliede«, «ieböl der Rechtspflege. GebmttStagSgabm (wohl desselben Ungenanntm, dessen i« Berichte über da« Auerbach'sche Waiseuhau« Erwähn, thaten und die 1883 228 M. betrugen), einem Fond» Reise- und Gesundheit«zwecke von 818.58 M. und Lessingprämie, seien mit besonderer Würdigung auch Stiftnngm für den »Fond für mtlaflme Zöglinge* hingez, von dmm die Ferdinand und Fanny Reichenheim - Stich dm ersten 80 Zöglingen nach Vollendung ihre« 20. Leb jahre« je 75 Mark nebst 5»'/. Zinsm vom Tage ihre« tritte« in die Anstalt gewährt (22 sind bisher auSqep wordm). Zur Erweiterung des Waisenhauses wurdm 4600 j zu Vergnügungen und zur Belohnung fleißiger Schüler, zu besonderen Unterrichtszwecken (außer Gegenständen) l gespmdet 1748 Mark (von Mai bi« Mai). Einige Damm zah da« Schulgeld für solche Zöglinge, welche auf besond Wunsch höhere Lchranstalte» besuchen, linier den Chi, müttern im Kuratorium ist die Familie der Stifter vertrn Werk». Redakteur und Verleger der .Wahrheit", Herren Verlagsbuchhändler de G r o »s s i l i e r und Redatti Käse hattm sich »oegm Aufreizung verschieden Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeit gegen einander in einer de» öffentlichen Friede» geut denden Weise vor der 1. Strafkammer z» verantwort Unter dem Titel .Luther für oder wider die Jude hatte der Angeklagte Groussilier zur vorjährigen Luthcrie ein Flugblatt versaßt und verlegt und den Inhalt desseld auch in Nr. 45 de» von ihm verlegten antisemitisch!'» blatte« .Wahrheit " übernommen. In demselben wird » der Au-spruch Luther« reproduzirt, daß die Inden (Sott feinde und ein verboßte« Volk seien, da« nicht arbeiten w» gute, faule Tage verbringe und die Christen als seine Kon betrachte, wie sie denn auch Fälscher. Lügner und War, seien. Hiera» knüpfte der Verfasser die Bemerkung, daß Juden jeglichen Scham- und Anstandsgefühls entbehre» in tveiteren Betrachtungen über diese« T Heina sagte der Versois u. A.: Durch die Taufe sind die Schäden nicht aus der: zu schaffen und diejenigen, die dieser Ansicht sind, bermb sich auf dem Holzwege. Zur weiteren Bekräftigung NH Urtheil« zitin der Verfasser dann »och einen Ausspruch Lnthei' in welchem derselbe den Juden mit einem giftigen Basilisk vergleicht, der schon mit seinem Blicke tüdtr und der Meniin ist, daß man ein solche« Scheusal einfach tobten müsse, > man ihm begegne. Diese Zitate sind in einer Wise mm andrrgefügt, tvclche zeigen, daß sich der Beisasser düse,!»i zu eigen macht und in diesem Sinne wird auch der von «gegebene Rath wiedergegrben: die Synagogen abzubremm »wie de» Deutsche» den Rath gegeben, zur Selbsthilfe; schreiten, da e» auf andere Weise nicht besser werde. — erblickt die Anklage de« Vergehen gegen tz 130 Str.-G A Der Angeklagte Groussilier bekannte sich zur Verfassend de» Flugblattes rrsp. Artikels, bestritt auch gleichzeitig Verantwortlichkeit des Käse, da dieser zur Zeit de« Crsch.'mci de» inkriminirten Artikel» schwer krank und vollständig unftds gewesen sei. iiberhaupt irgend eine Arbeit zu verrichten, letztere Behauptung wurde denn auch durch drei bestätigt, so daß der Staatsanwalt Heinemann die,r" sprechung de« Käse beantragte. — Was die Strafbarkeit Angeklagten Groussilier anbetrifft, so hielt der Staatsa»i»ä alle Kriterien de« § 130 für erfüllt, de»» der Angekla^ mache sich die Zitate völlig zu eigen, verbinde die Vcrga»gc»b' durch seine Zwischenbemerkungen unmittelbar mit der Gr, wart und reize entschieden zu Klassenhaß und zu (S.'iiol thätigkeiten an. Man müsse dabei auch in Betracht zicl daß der Artikel in einer Zeit erschienen ist. in welcher seit Jahren in Szene gesetzte antisemitische Bewegung l Wogen geschlagen und an gewissen Orten auch zu Gr,« thätigkeiten geführt habe. Der Angeklagte könne sich mit1 Autorität Luther'« nicht decken, da dir Aussprüche bciiriK nicht ohne Weiterefür die Heu tige Zeit in Betracht ko,n« könne». Die ersten Christen in Rom seien auch vre" worden und wenn man heutzutage gegen die Christen dies«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.