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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 27. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 27.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Idee de» Herrn Gemeinde-Borsteher» Gotthelft in Eaffel zur öffcntlidK« DiScussion zu stellen. Die Idee de» Herrn Gotthelft geht dahin: Neben dem üblichen Sabbath-Gottesdienste Sonntag»- gotteSdienste mit Predigt einzurichte». Herr G. ist ein Mann, der die volle Bedeutung de» Sabbath für da» Judenlhui» zu schätze» weih. I» der Besprechung. tvelche ich mit ihm zu führen da» Vergnügen hatte, war er mit mir vollständig einig darin, dag mit der Verlegung de» Sabbath auf den Sonntag da» Judenthum aufhüre» würde Judenthum zu sei». Daran soll auch nicht im entferntesten gedacht tverde». Der Sabbath soll in seiner alten Weise und Weihe auch im Gottesdienste fortbestkhen. Aber e» soll nur ettva» hinzu« lammen: Der Sonnrag»gottkSdienst. Natürlich rr- Iklkh sich sehr grobe Bedenke» dagegen; aber r» sprechen auch sehr gewichtige Gründe dafür. Dafür spricht dir ganze Wucht der >l)atsäch!iche» Verhältnisse. (£» ist ja grwib nicht zu entschuldigen, nicht gut zu heißen, nicht zu rechtfertigen, daß die Bekenner de« Judenthum» ihren Sabbath und seine Segnungen so gering anschlagen. Allein da« ändert doch nicht« an der That fache, daß die» nur bei einer geringen Minorität geschieht, daß in der Wahl zwischen dem Sabbath und dem Geschäft der Sabbath größtentheil» nicht al» Sieger l-ervorgeht. Was ist die Folge davon? Daß da» Band der Religion immer lockerer wird, daß die Bekenner de« Judenthnm» nicht nur ihr Judenthum, sondern die Religio» überhaupt verliere». Wie? Wen» nun eine gröbere Anzahl von Grmxinde-Mitgliedern mit dem Verlangen hcrvorträten sie möchten an irgend einen Tag der Woche, z. B. am Donnerstag, religiöse Belehrung empfange». Würde e» einem Rabbiner der Welt einfallen, diese« Verlangen zu» rückzuwrisen? Würde nicht jeder Rabbiner, der sein Lehramt gewissenl»ast auffaßt, mit Freuden einem solchen Verlangen entsprechen? Und wenn nun für den Sonntag rin solche» Verlangen vorhanden wäre, sollte man r» zurückiveisrn, mit dem Bemerken: »Ja wenn ihr Donnerstag wollt, sehr gerne, den» am Donnerstag paßt e» euch nicht; aber am Sonntag, nein, um keinen Preis, eben w e i l e» euch an diesem Tage paßt?" Ich glaube, diese Logik richtet sich selber. Warum denken wir bezüglich de« Unterrichte» in der Religion»-Schule nicht also? Warum sagen wir da nicht: ihr müßt an d e n Tagen zum Religions-Unterricht kommen, an denen ihr durch andern Unterricht in Anspruch genommen seid? — Wenn wir aber in der Religions-Schule u»S den bestehenden Verhältnissen anpassen, warum sollen wir e» den Erwachsenen gegenüber nicht auch thun? E» wäre ja sehr möglich, daß der Sonntags-Gottesdienst auch wieder den Sabbath zu Ehren brächte. Der Prediger würde doch Gelegenheit haben, all den Leuten. die den Sab» bath gering schätzen, die Wichtigkeit de» Sabbath auseinander zu setzen und an» Herz zu legen. Denn e» müßte der SonntagS-GottrSdienst natürlich nicht eine Einrichtung erhalten in der Weise, daß er ein Eoncurrent de« Sabbath werden könnte: e» dürfte also keinerlei Thora-Verlesung mit Aufrufen rc. stattfinden, überhaupt nicht», wodurch der Schein erweckt werden könnte, er solle al» Ersatz für den Sabbath gelten. Der Text der Predigt würde dem »gestern, am heiligen Sabbath, verlesenen Wochrnabschnitt* zu entnehme,! sein, ja r» könnte der Prediger die am Sabbath gehalie, Predigt mit der ausdrücklichen Bemerkung, daß e» die Sab^ bath- Predigt grivesrn. wiederholen, so daß der Sonniagi. Gottesdienst in allem die Glorie de» Sabbath reflektiren u>ürfe| | Bei solchem Geiste dürste wohl nicht da» geringste religio,»! gesetzliche Bedenken dagegen sich ert»ebrn: ist ja doch 01' 01' '.1 *[H3 bei uns in der Form de» lägliche» Go»»! dienstts in dir Praxi» übrrgegangen. Warum sollte ma wen» keine andere Einrichtung dadurch lädirt wird, m« eilte neue Andacht«stunde rinrichten dürfen? Aus ^'Din ist man doch nicht damit ISIS? — Nun möge» auch dir berechtigten Bedenken ihren Plass finden. Ei» solcl>er Gottesdienst würde offenbar in dir zwischen 10 und 12 Sonntag Vormittag zu setzen sein. X«| aber der Rabbiner der Gegenwart überall RrligionS-Lrlim! ist und sein soll, und der Sonntag Vormittag die Hau» Zeit de» Religions-Unterrichtebildet, so würde durch prvjeltirten Son»tag»-Go»r»dir»st die Kraft de» Rablmici für 2 kostbare Stunden der Religion»-Schule e»l,o werden. Ja c« könnte dadurch der ganze Unterricht Sonntag durch den Rabbiner gestört werden, den» bi» Its »ntrrrichten und dann predige», ta» dürfte für gar maml eine zu schwere Ansgal>e sei». Ein andere» Bedenken l>elrifft die Frage: würde rin solcher Sonntag» Gottesdienst wirklich zahlreiche Beil» ligung finde»? Und auch für die Dauer? — Herr Gonblil tvar allerdings der Ansicht, biift diese Frage zu bejahe» wenigstens für Eassel, seinem Wirkungskreise al» Börstel» Ich hielt e» für meine Pflicht, diese Idee, im Ein» ständnisse mit deni Herrn Gottl>elft. der Oeffentlichkeit übergeben. Möge dir öffentliche Debatte entscheide», ob eine Ruß mit rinrin gesunde» Hern ist oder nicht. vr. G o l d s ch m i d t - Wrilburg Aiimerkung der Rrdactio». Ohne der über tiefeingreifende Eultusfrage sich rtiva rntspinnendcn Discusm vorzugreifrn, müssen wir »nS prinzipiell gegen solche Einrichtung au»sprechrn. weil eine noch Schwächung de» Sabl>athgottkSdirnstcS hiedurch unvrrma lich wäre. Holdheim hat Anfang» auch — wenn wir nä irren — mit einem Reben-Sonntagsgottrsdiciist begoim Dagegen ließe sich wohl darüber reden, daß man vielt« den Freitagabend-Gottesdienst mit einem religiösen Vorm auSstatte. Mögen dir HH. Eollegrn sich darüber äußern. Bilder aus jüdischem «emeindeleben Veftpreutzen. Läng» der Ostbahn, da wo sich russische» und preußisch Gebiet scheiden, wo sich aber russisch-polnische und dcuii Denk» und Lebensweise vielfach berühren, da trifft man {in jüdische» Gemeindeleben an. das in mancher Hinsicht i den Ausspruch erinnert: e» ist schtver eine Tathre nicht! schreiben. Dem großen Weltverkehr im platten Landstäd ‘ entrückt, bleibt dem Manne in dortiger Gemeinde Zeit die Kkhillo-Angelrgrnhkiten gleichsam müde zu sprachen; ist ja da» Ein und Alle» der öffentlichen Interessen, die > Mann daselbst kennt. Und ist gar ein Sabbath-Tag I kommen, so versammeln sich zur Ehre Gotte» und de» heilu Ruhetages Groß und Klein auf freiem Marktplatze, um meindepolitik zu treiben. Da ist keine Person so heilig, > Thal so harmlo», daß sie nicht bekrittelt werden tmij

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