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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 26. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 26.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 198 da» jüdische Bewußtsein dem Moloch der Assimilirung geopfert worden und sie lenkten wieder ein. Auch die Berliner Rabbiner-Versammlung ist dieser Einlenkung (?) zu verdanken. (Diese hat damit nicht» zu schaffen. Rd.) ES sei fern von mir, irgend einen Tadel über Jemand für diese Verblendung aussprechen zu wollen, war sie doch eine allgemeine, ich wollte nur constatiren, wie erfreulich eS ist, daß der Antisemitismus uns den Staar gestochen und die Rabbiner-Versaminlung in Berlin zeigt eben mit welchem glänzenden Erfolg. Die Brschlußfaffung dieser würdigen Versammlung: Da» religiöse Gefühl zu wecken und da» Bewußtsein jüdischer Bedeutung für die Gesittung der Menschheit zu hebe», ist von solcher Tragweite, daß sie einen jeden, der dem Judenthume zugcthan ist, hoch erfreuen muß. ES sei mir noch die Bcnicrkung zu machen gestattet, daß ich unter den Mitteln, dir die würdige Versammlung gavühlt l>at, um ihr hohes Ziel zu erreichen, da» mächtigste Mittel, welche« zu dirsenr Ziele führen kann, vermißt habe, nämlich die Verbreitung der Kenntniß der hebräische» Sprache. Nur diese Kenntniß ist im Stande, zu dem angeslrrbtcn Ziele zu führen und dieses Streben mit Erfolg zu krönen". Großbritannien. Aus V«r»e»gta«d. (Or.-Eorr). Wenn Sir diesen Bericht erhalten. geehrt. Hr. Red., so rverden wohl schon die Berathungcn der Rabbinervcrsammlung in Berlin vorüber sein. Wir werden wohl auch hier aus der „Israel. Wochenschrift" erfahren, wa« die Gegenstände der Berathungen waren. Zwar sind die meisten Gemeinden im Norden England« mixta composita au« deutsch-polnischen Elementen und das ganze Interesse derselben concentirt sich außer ihrem Gange nach Mammon auf Anstellung eine« Schachet, der zugleich Kantor. Kindcrlchrcr, Vorleser, Befchncider und. »veiß Gott noch was, sein muß. — Aber wie jede Regel eine Ausnahme hat. so auch hier. ES gibt auch in diesem Norden jüdische Gemeinschaften, die aus rein deutschen gebildeten Elementen sich zusammcnsetzcn. Die Mitglieder derselben suchen sich nützlich zu machen in Stadt und Staat. (Denn nur in größeren Städten finden sich Juden). Wir haben Mayor» (Oberbürgermeister). Borltände von Handelskammern, Consuln. Professoren an EollrgeS re. Ihren Zusammenhang mit dem deutschen Vaterlande halten sie aufrecht, indem sie deutsche Clubs bilden und deutsche Zeitungen und Monatsschriften lesen. Auch deutsche Bibliotheken haben sie, so z. B. in der Schilleranstalt in Manchester, im Schillerverein in Bradford. Obwohl eS schivcr ist, den »lindern die deutsche Muttersprache geläufig zu machen, so gelingt es ihnen doch, denselben so viel bcizubringen, daß sie die deutsche Sprache verstellen. Aber mit dem Judenthume isi es nicht gut bestellt. Viele, die sich eine angesehene, materielle Stellung erworben haben, verleugnen ihr Judcnthuni mit dem Munde, obwohl ihre Nasen sie Lügen strafen. Ost hat eö sich auch schon ereignet, daß sie durch ihre Kinder wieder zum Judenthum zurückgcbracht worden sind, und zwar besonders da, wo die Kinder einen ordentlichen Religionsunterricht genießen durch einen deutschen, qualifizirlen Religionslehrer. Dann aber sind sie Juden mit ganzer Seele und sie ernten Achtung al« solche. Denn der Engländer sieht mit großem Wohlgefallen auf den Juden, der seine Religion hält und für sie Opfer bringt. Es kommen in dieser Richtung oft Fälle vor, die zwar romanhaft klingen, aber doch Thatsachen sind. So ftug kürzlich bei Ihrem Berichterstatter ein Engländer an, ob die Juden auch Proselyten annehmen. Er bewundere die jüdische Religion und glaube bestimmt, daß da» Iudenthum noch eine große Rolle spielen werde: „da es eine Religion der Vernunft sei und keine Dogmen habe, die gegen die regula de Tri verstoßen". Die Juden Englands scheiden sich in zwei, respektive drei Richtungen. Die größere Zahl umfaßt die orthodoxe Richtung, die meisten» polnischen Ursprung» ist. Al» ihr Seistliche» Oberhaupt gilt der Chiefrabbi Dr. Adler, der zwar )berrabbiner heißt,der aber keinen anderen Rabbiner unter sich hat. Denn selbst dir größeren jüdisch-orthodoxen ' haben nur einen Chosen. der höchsten» den Titel „mini« noch dabei führt. Diese Chasanim haben durchaus beneidenswerthe Stellung, da sie gar vielfach von der s de» ersten Vorsteher» abhängig sind; dabei sind sie grc^ theils schlecht besoldet. Bi» vor Kurzem waren sic fast alle nicht wissenschaftlich gebildete Leute, fängt da» an. namentlich in den größeren Gemeinden. an« zu »»erden. Die daselbst Anzustrllenden mache» eine jj nannte Collrgerarriöre durch in London in dein Jen» CoL Das letztere will eine Art Rabbinerseminar sein, isi noch tveit davon entfernt. Von höhere» jüdisch, wisse»,ä lichcn Gegenständen wird sehr rvenig darin gelernt Wunder, denn außer Dr. Friedländer ist kein einziger jüdnz! Professor mit den »öthigen Ke»»t»issen auSgestaitrt. arl stellt. — Mit der Zeit wird wohl auch da Aenderung Besseren eintrrien. Die zweite Richtung ist die Rc>c, diese datirt sich au» dem Jahre 1841 — 42. Zu ihr gci? jetzt drei Gemeinden: in London die Upper Berkeley Synagogue. mit drei Prediger» Mark«. Löwy und Har^ in Manchester die Reformsynagoge mit Simmon» an Spitze. Endlich in neuester Zeit i» Braiord mit Dr al« Prediger. Diese Reiormgemrinden rrcrutirrn sich zwei Elementen: dem deutsche» und dem sog. portugirsiiL Eine»tl»eilS sind dir Reformer etiva» konservativer als deutschen, da sie den Sabbary sehr streng feiern; andera>« aber halten sie nur einen lag Jomtow. Die dritte Richtung besteht au» den Portugiesen J t früher sehr einflußreich und die älteste Englands, verliert täglich mehr an Einfluß und man spricht ernstlich vo» Bereinigung mit der orthodoxen Richtung. Schon seit meine Jahren ermangeln sie ri»es geistliche» Obcrhau ptes. Tq seil Dr. ArtomS Tod haben sic keinen Rabbiner mehr aa stellt. Geistliche Funktionen iverde» auch hier durch mm besorgt. Auch diese Richtung hat drei Gemeinde»: in London (in BeviS Mark und Bryansione Street) eine in Manchester. Diese drei Richtungen slchcn äußerlich auf friedlichem Fuße, aber e» wird z. B. keinen» Rcformpredigcr erlaubt, in einer orthodoxen Su»a:«s zu predige». Sv war jüngst lvreits Professor Mark"» Oiaa angeküudigt, in einer orthodoxen Synagoge zu predige»: die Obskuranten ließen cs nicht dazu kommen und MZ Namen wurde zurückgezogen. Die Männer des non j-r sumos sind zu allen Zeiten gleich gewesen und der „>m>«f Adler" schlägt denselben Flug ei», wie der ältere. Eine einigung der Juden England», die so wünschenwerrb irc ist demnach noch in weiter Ferne. Seit den schrecklichen Verfolgungen in Rußland bol sich noch mehr russisch-polnische Juden hier angesiedeli. lich noch kommen sie an, wenn auch großtcnthril» als Man kennt nicht genau die Zahl der Juden Englands, es ist sicher, daß lie nicht 70,080 übersteigt. — Trotz >r geringen Anzahl sind sic doch verhältnißmäßig sehr ciiifaj reich. Die Leser Ihrer Zeitung wissen, daß e» hier bis Kurzem einen der höchsten Richter gab. der Jude war. Parlamente sitzen drei jüdische Abgeordnete. Demo» wird wohl zum zweitenmal ein jüdischer Lord-Mayor London sein. In Manchester ist e» ein zum Unitariams« übergetretcner Jude, der diese» Jahr Mayor ist. — In Cn» und Eambridge gibt e» jetzt offiziell angestcllte Lcktorcn i Rabbinische Litteratur. Auch an der neugegründeten Victor» Üniversity mir ihrnr College» in Manchester und Leeds zwei jüdische Professoren, die Rabbinische Litteratur vorlrax Rußland. Kiiönchtind. Ueber Ruhestörungen in der jüdsiä Colonie Reprtino im Kreise Kriworog wird den ,Li'« JSwestija" gemeldet: »Die genannte Colonie ist hauptsächlich von bewohnt, außerdem leben daselbst etwa 15 deutsche Family Durch die Colonie zog nun vor Kurzem ein Arbeiten»

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