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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 26. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 26.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Bbin ct, ihnen autgeprefjt durch das bitterste Geschick, durch MSrtc Äden. in einer Zeit allgemeiner Finsternis, da« Kitm« verantwortlich machen. Kann doch Niemand Bat. daß in demselben Talmud auch Lehre» und Bor» Mm der reinsten Sittlichkeit und Humanität, und zwar Iiwirgend enthalten sind und daß eine lange Reihe jüdi» I Lehrer im Mittelalter wie bi« zur Gegenwart diese Mprüche der Nächstenliebe und der Gerechtigkeit gegen alle Uschen al« die einzig richtigen und gültigen mit den de» Mir» Worten gelehrt haben. Die Beweise hiefür sind in auch in deutscher Sprache »erfaßten Schriften Jeder- |,i zugänglich, wie denn auch der Talmud selbst in fran» IdKi und deutscher Uebcrsetzung theil« schon erschienen ist. Io erscheint. vr. Ludwig Philipps»«. I 3» demselben Blatte erschien übrigen» auch folgende larung: In dem Referat Ihre« heutigen Morgenblattes Ildeu sich mehrere so wesentliche, allerdings für einen »i.Fachniann leicht begreifliche, Mißverständnisse meiner »,c. daß ich dafür alle Verantwortlichkeit ablehne» muß. I Prof. Gildemeister. I v. S»«der»ßa«se», l 7. Juni. (Or.-Eorr.) Eine seltene, 1,e und erhebende Feier fand am gestrigen Tage hier statt. L doch der lang ersehnte und viel besprochene Tag heran» I,,»,ie». an tvelchem unser lieber, hochvereiirter Herr Rab» Ir. Prosrffor Heiden heim, seine» 70. Geburtstag und I ihm zugleich sein 50 jähriges Amts-Jubiläum als Leiter, lall,er und Seelsorger der hiesige» Gemeinde feierte. Gele» Sir mir. Ihne», geehrter Herr Rrdactcur, in kurzen len. ein Bild von der Liebe, Berchrung und Hochachtung r,»rolle», wie rS wohl schöner nicht gedacht iverden kann. pcUitct wurde der schöne Tag durch einen FrühgotteSdienst. laus begann in der Wohnung de« Jubilar», wenn auch ruber Morgenstunde die große GrakulationS-Eour. E» wurde der Rrigr» von Herrn Ächrim-Rath Setzepfandt, im Auftrag Sr. Durchlaucht des.Vater» des regierenden me» erschien. Herr Grheimrath S. überbrachte außer kiem. rin ganz reizendes Schreiben, in welchem mit großer k und Verehrung des Jubilar» gedacht wurde. Ihm ie Herr Hosmarschall von HelmSdvrs in Gala. Abgrde» regierenden Fürste», dann erschienen die Kammer, dzcß Elisabeth, Exellenz Reinhardt als Vertreter des iiliicriums. Oberbürgermeister Rath Laue als Vertreter Siadt, hierauf die Herren Schulräthe Kiefer und Schmidt der Gesammt - Lehrerschaft de» Gymnasium« und der lichule, (sowie eine Deputation der Priina der Realschule) viele andere hohe Beamte. Punkt 9 Uhr versammelte der Vorstand der Gemeinde und überreichte nach einer viache eine» prachtvollen Silberkalten, der die reich besetzte el. die von vielen, viele» und werthvolleu Geschenke» iladrii war, besonders zierte. Rach diesem vfficiellen Akte c» dir Empfangsräumr dem großen Publikum geöffnet dasselbe kam in ungezählter Zahl. Hunderte kamen und K». freudig bewegt und erreg», jeder dem Jubilar das lc wliuschrnd, der e« ja in solch seltener Weise verdient f, dessen ganze» Leben von frühester Kindheit der ernste» cik und der Pflicht gnveiht ivar. Im Laufe de» TageS »c»eu »och die Herren vr. Krvner und vr. Wahl, alliier der Gemeinde Erfutt, auch Rordhausen und Bleichelditten einige Herren entsandt. Selbst da« Ausland verirrten; Herr Jrllineck, ei» einstiger Zögling de« Jur». Sohn de« berühmten Rabbinen. war dirret au« Pari« ^'geeilt. Der Glanzpunkt de« Feste« war unstreitig der "d. der die Gemeinde fast vollzählig zu einem Festbanket | Mmidtt. Der Jubilar mit Gemahlin. umgeben von k'i« und Enkel». die alle au» tveiter Ferne hrrlvigeeilt! c«. wurden durch einen Tusch cuipsangen. Hieraus Prolog. lichni von der erste» der anwesenden Enkelin, Frl. Bier l 9öl«, die in anmuthiger Evstüniirung und meistrrhastem! ^rag m poetischer Form da« ganze Leben de« Jubelgreise«! snner Familie schtldene; am Schluffe de« Prolog» Ent- ""L eine« Familien-Slammbaum». der al» ein Meister« > stück der Stickerei angestaunt wurde. Wie üblich galt bei der nun begonnenen Tafel der erste Toast unserm Fürstenhause. von Herrn H. Redelmeyer ausgebracht: nach demselben intonirte die Musik die Fürsten > Hymne. Run folgten in großer Zahl Toaste ernsten und heiteren Inhalt«, an welchen sich in erster Linie, Herr Justizrath Ezarnitow, Herr vr. Ikroner, Herr Hosjuwelier Boer betheiligten. Nach Schluß de« bi« zur Mitternacht sich hinziehenden BanketS, wurde auch dem jüitgern Geschlecht die Freude de« Tanze« zu Theil. Da« Fest, welche« dem Jubilar so viele Beweise hoher Verehrung, Liebe und Anerkennung gebracht hat ist verrauscht. Möge er noch lange Jahre im Kreise seiner Lieben, seiner Gemeinde und seiner Schüler rüstig weiter wirken und ihm dereinst ein recht heilerer Lebensabend beschieden sein. ch«»>t«»e». Die hiesige Regierung hat nachstehende Verfügung erlassen: .An dem evangelischen Religion «unterricht der un« unterstellten Schulen nehmen hier und da auch jüdische Schüler »l>eil. ES erscheint die« insofern bedenklich, als dir Befürchtung nahe liegt, daß der Lehrer au« Rücksicht aus die jüdischen Schüler in der Auswahl und Behandlung b*« Stoffe« nicht selten sich eine unzulässige Beschränkung auserlegcn werde. Wir bestimmen daher, daß jüdische Schüler fortan zur Theilnahme an dem christlichen Religionsunterrichte nur dann zugclasscn werden, wenn der Vater oder Vormund die» ausdrücklich beantragt und zugleich die schriftliche Erklärung abgiebt, daß der Schüler zur Wahrnehmung jenes Unterrichtfür da« laufende Schuljahr verpflichtet werden soll re." Wir heben noch hervor, daß die qu. Anträge an de» Localschulinspector zu richten sind, welcher dieselben der Regierung zur Entscheidung zu unterbreiten hat. (Traurig genug, daß e« pflichtvergessene füdische Väter gicbt, die zu einer solchen Verfügung Veranlassung gebe». Red.) O>esterreicb-Ungarn. AuS ZSie« erhalten wir von dem geschätzten Orient* reisenden. W. Schur*) folgend« .Bemerkungen" zu der Berliner Rabbiner-Versammlung": ___ .Daß es weder absolut Gute« noch absolut Schlechte« giebt, ist eine allgemein bekannte Thatsache; auch der Antisemitismus macht keine Ausnahme von dieser Regel; auch er hat seine Lichtseite! Ist es doch nur der Antisemitismus, welcher den großen Umschwung in den jüdischen Geistern jetzt hcrvorgerufen und ihnen die Erkenntniß beigebracht hat, daß e« eitler Wahn sei. zu glauben: man könne den Völkern etwa« recht mache», und ihnen durch Verleugnung der Religion und de« jüdische» Bewußtseins erträglicher werden. I» der guten alten Zeit waren c» die Unwissenheit und da« Sichsrrnhalte» der Jude», welche die Steine de« Anstöße« bildeten, in der gegenwärtigen, sind c« dagegen ihr allzu große« Wissen und ihr Bestreben, sich den Völkern zu nähern, welche ihrem glühenden Haß zur Rechtfertigung dienen. In Deutschland und Oesterreich - Ungarn wähnten sich dir meisten Juden bereit« in die Messias-Arra versetzt, und noch vor kaum zwei Deeennien hatten viele Rabbiner dieser Länder nicht« Wichtigere« zu thun, als jeden Paffu« in den Gebetbüchern, welcher auf Palästina und den Messias Bezug hatte, daraus zu entferne». Wozu auch solche Gebete'/ War doch der Messias, ihrer Meinung »ach, bereit« erschienen; .der Wolf lfauste friedlich neben dem Lamme, der Stieger neben der Ziege, und Alle» fraß grmüthlich zusammen Stroh", eine heroische Genügsamkeit, die Jedermann die Augen vor Rührung übergehe» machte und ihm da« Herz im Leibe zum Lacken brachte. Da siehe! Da kam ganz unverhofft der AntisemitiSmu« und riß diesen Bestien die Maske vom Gesichte, und da zeigte e« sich, daß sie mit ihrem Strohfressen nur Komödie gespielt l>atte». n» der 5ha! aber nicht geneigt sind, auf da» F l e i s ch fresse», sei es auch welches immer, Verzicht zu leisten. Da endlich gingen den Verblendeten die Augen auf und sie sahen, wir vergeben« die Religion und ») Eine Besprechung seiner Werke stand i« .Lttieraturbl." «r. 17.

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