Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 25.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 190 — Eisenach wegen öffentlicher Beschimpfung des .Judenthum«" in seinem Blättchen zu verantworten. Derselbe hatte au« dem Berliner Antisemitenblattr .Wahrheit" Stellen entnommen, welche besagten, daß die Juden die Christen betrügen dürften und dag ihnen dir» der Talmud gesetzlich erlaube. Die Strafkammer hatte festgestellt, daß diese Behauptungen ungerechtfertigte Beschimpfungen seien und datz der Talmud meist (?) Märchen und Sagen enthalte und daß von den 500,000 Juden in Deutschland kaum 2000 Ärnntniff« vom Talmud besitzen. Der Rrdactrur wurde Folge deflen laut Strafgesetz § 166 mit vier Wochen Gefängnitz und in die Losten verurtheilt. — Einen anderen Artikel desselben, der nur Personen berührte, mutzte der Redacteur in seinem Blatte widerrufen. Mflache». Das Kgl. bayerische Staatsministerium de» Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten hat in Betracht der Zuziehung eine» Rabbiners bei der mündlichen Prüfung jüdischer Abiturienten vor einiger Zeit Folgende verfügt: .Auf den Anfragebericht vom 8. l. M. bezeichnten Betreffs wird deni St. Studienrektor erwidert, daß gegen die Beizichung de» Rabbiner» zu Bayreuth zur mündlichen Absolntorialprüfung der drei israelitischen Schüler der Oberklasse der Studienanstalt Bayreuth keine Erinnerung besteht, sofern nach den bestehenden thatsächlichen und lokalen Verhältnissen eine solche Verfügung von dem St. Studienrektorate als angemcsien erachtet wird. — Die Betheiligung des Rabbiners bei der Abstimmung ist jedoch selbstverständlich auf die Abiturienten de» mosaischen Bekenntnisse» zu beschränken, vr. v. Lutz. An das Kgl. Studienrektorat Der Ministerialrath in Bayreuth. vr. von Giehrl. #a» de» 3Mr*, 11. Juni. (Or.-Corr.) Die Stadt Rördlingen, welche vor 25 Jahren noch keinen jüdischen Bewohner hatte, hat jetzt eine zahlreiche israelitische Gemeinde, die sich aus den benachbarten israelitischen Gemeinden Baiern» und Württemberg» rekrutierte. Jetzt zählt diese Stadt 104 jüdische Familien, welche den Bau einer Synagoge vorbereitcn, wozu der städtische Ingenieur Gaab die Pläne gefertigt H«N, nach txfcoi die Kosten für den Bau 103,400 Mark betragen: diese werden theils durch den Verkauf von Synagogenplätzen, theil» durch eine Anleihe bestritten. Auf dem israelitischen Friedhofe wurden am letzte» SamStage RachtS von 20 Grabmcnumrnten 16 umgeworfen und thnlweife zerstört. E» ist nicht constatirt, welche» da» Motiv dieser Büberei ist. Um das Rabbnat Mühringen haben sich keine inländischen Ralibinen beworben, weshalb die Stelle auch für auswärtige Theologen zur Bewerbung ausgeschrieben wurde. JO eflrrreich-Ungarn. SJUe. Herr Wilhelm Ritter von Gutnnann hat bei seiner ji'i.gsten Annesenheit in seiner Vaterstadt Leipnik dem Bürgermeister eine Spende ron 2(1.000 fl. zur Errichtung eine« Waisenhauses übergeben. Kronprinz Erzherzog Rudolf richtete au« Anlotz de» Ableben» de» Fabrikbesitzer« Pollak von Rudin (Stifter de» Rudolfinum») ein Beileidstelegramm an den Sohn des Verblichenen. in welchem e» heißt: .Ich beklage mit Ihnen den Verlust eine« Mannes, für dessen patriotische Gesinnung und wahre Humanität ich von frühester Jngrnd stets die höchste Achtung gefühlt habe." West, 10. Juni. Im vorigen Monat hat die hiesige israelitisch« kulluigemeindr um Erhöhung ihrer Schulsuvvention, welch« bisher 4100 fl. betrug, angesucht. Dir Unter», richtskommission empfahl, datz in Berücksichtigung de» in der That großen Erfordernisse« des Religionsunterrichte» 8000 fl. jährlich bewilligt werden mögen. Ueber die huldvollen Worte de« Kaiser» Franz Joseph an die israelitische Gcmeindedeputation haben *) Sticht .Oldenburg", wie in voriger Skr. stand. (Sied.) Sie in voriger Nr. bereit« berichtet. Mittheilench, aber noch ^folgende«: Der Oberrabbiner aus Deutst Herr Joachim Satz, ein Mann, der sich bei den v, in Ungarn groben Ansehen« erfreut, erflärtr auf die mehrerer Israeliten, ob ihnen trotz de« Sabbath». an Tage die Auffahrt und der Empfang der verschirdcno tationen, darunter auch die der israelitischen Kultuy erfolgte, das Fahren mittelst Wagens gestattet sei: eS gilt den Monarchen zu ehren, wird selbst bat Verbot de» Fahren» am Samstage autzer Kraft gcsq berichtet da» Organ de» isr. Lehrerverein» in Böh, Frankreich. Start». Herr Schuhl, der Rabbiner von St hat schon im vorigen Jahre dem Eentralconsistori«, Ple.n unterbreitet, durch welche dir PensionSftage für 1 ihrer Lösung zugrsührt wird. Zur Zeit besteht a tilfSkasse für arme Rabbincrwittwe», für welche Hst ammlungen angestrlll wurden. Herr Sch. hofft durt Vorschlag e» zu erreichen, daß jeder Wittwr und cl'nn arbeitsunfähig gewordenen Collegen 1000 Frr». (8« werden gegeben werden kSnnrn. Es soll jeder Rabd! jährlich 2*1, seines staatlichen Gehalte« bi» zu lo an die Kasse zahlen. Da» würde ergeben 15 Grands-rabbins (mit den 2 am Seminar) 1344 32 Babbins (ä 40 Frc» ).. . 12»0 2624 Wenn dieser Betrag durch 8 Jahre aufgesammst so würde er im Beginn de« 7. JabreS nebst 5*,l sich auf 21,332 FrcS. belaufen. Es ständen von da an also 2620 FrcS. Jahresbeitrag und 1066,60 Frc»s zur Verfügung. — (Wir fügen hinzu, daß Legate schenke zugercchnet werden können und so da« Aust noch günstiger sich gestalten würde, als der Voranschlags 9*ri». Die Generalversammlung der Eivilgo deS portugiesischen Tempels vom 24. April hat rinnl erhalten, wonach von 2500 Schuldverschreibungen 144r Geschenk oder Ausloosung getilgt sind und daß von 610' Einnahmen 14000 FrcS. gespart würden. von 12500 zu ferneren Schuldentilgungen venvendet w Die Eonfirmation fand, wie alljährlich am Da nach Schewuoth <5. Juni) im Tempel der nie de 1a T statt. Bei der jüngsten Eonsistoriallottrric sind 95a auSgegeben und 4000 Gewinne gezogen worden. Der de» Centralconsiswrium« (der Nachfolger Munck'S Stellung). Herr I. Abr. Levy. der zugleich im Rothschild bedienste« war. ist, erst 46 Jahr alt, gesm 30. Mai ehrenvoll bestattet worden. Rumänien. Watareft. Am 24. Mai hat hier ein Me gefunden, das von allen Klaffen der jüd. Gesellschaii I wurde, um über die traurige Lage zu berathen, «I Tausende von Familien durch ganz Rumänien in s RestrictionSgrsetzr gerathen sind. Folgende.Resoluno von der Versammlung gefatzt worden: Angesichts der traurigen Lage, die un» bmitt] die vollkommene Unmöglichkeit, in welche unt zeichneten Maßnahmen versetzen, unfern Leben» zu erwerben. Angesichts der Unmöglichkeit, in welche nxtj sind, unsere Pflichten al» Bürger und Familia ^füllen. Angesicht» dessen, daß e» unser einzige« datz wir den Gott Israel» anbeten. Angesicht» deffen, daß wir unter den ob Verhältnissen nicht auf eine fteundliche Ausnal messe im übrigen Europa rechnen können. Beschlietzt die Versammlung, datz alle Ansna auf den Ackerbau zu richten sind und datz die 3> dorthin gebracht werden sollen, wo sie sich dieser l tigung in Sicherheit widmen können;