Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 25. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 25.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/5369809-5935099-5938162--5180-5377364
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

— 188 — Welt, daß e4 eine „Ir wo-Em b«jiaro6lu ist. daß dort von Einzelnen, von Vereinen, von Stiftungen Große» und Herrliche» geleistet wird.—) Auch von Frankfurt sagt .die Weltein Gleiche». Gewiß mit'Recht. — Aber von Berlin schweigt de» Sänger» Höflichkeit. Und doch werden die Besucher der Rabbinerversammluug wohl andere Meinung gewonnen haben. Denn »Ein Gast auf eine Weil sieht eine Meil"! Wie sollten so viele Chachomin mit ihrem Scharfblick nicht erkannt haben, wie reich und warm hier da» jüdische Herz schlägt? In der Rahe der großen Synagoge (Oranienburgerstr. 38) steht ein Hau» — da» aller Welt kündet: Berlin übt Wohlthun alle Zeit! Aber nicht Wohlthun allein, jüdisch religiöse» Denken und moderner Schönheitssinn vereinigen sich darin zu einem volltönenden Dreiklange. Die Baruch Auerbach scheu Wuisen-Erziehung».Anstalten haben ein Heim, wie e» vor einem halben Jahrhundert nur den Großen der Erde bereitet werden konnte. Stilvoll, bequem, prangend im Schmucke der peinlichsten Ordnung und Sauberkeit ist diese» Hau» zur Zeit da» Vaterhaus von 50 Knaben und 24 Mädchen. lieber da» Alter der Zöglinge giebt un» der zu Beginn diese» Monat» vom Direktor vr Brann herausgegebene Bericht keinen Aufschluß. Doch genügt e», daß 2 derselben Ober- Primaner und Mehrere Schüler an Vorschulklassen sind. Die Zöglinge de» 1t naben -Waisenl-ause». auf welche sich der Bericht beschränkt, werden — womöglich — bi» zur Reife für den einjährig-freiwilligen Dienst gefördert. Rur besonder» Befähigte studiren. 2 Erzieher leiten und beaufsichtigen die Ätnber neben dem Direktor. Die Schlaf-. Arbeit«-, Speiseräume befriedigen nicht nur. sondern rufen da» Entzücken jede» Menschenfreunde» ivach! Die Synagoge und die Suceah iverden manchen Rabbiner a» die Grenze von .Du sollst nicht gelüsten" bringen! Küche und Wäscheräume dürften Hausfrauen inanchen Sehnfuchtsfeufzer: .Wer'» doch el>enso hätte" abpressen. Gärtchen und Turnplatz erfüllen alle kindlichen Wünsche. E» wird täglich gebetet (in altgewohnter Weise mit Predigt l>eim RachinitiagsgotteSdienst an Sabbath). Prediger und Religivnslehrer ist Herr vr. Apolant, t^esang»- unterricht giebt Herr Musikdirektor Rosenfeld. Die Mimben* Waisenanstalt besitzt außer dem schuldenfreien Hause jetzt ein Capital vv» 070.026 M. 53 Pf. Von Jahr zu Jahr mehren sich Spenden und Stiftungen, die nicht Brod allein, sondern auch Freude der Kinder, Ermöglichung de» Studium» und de» Einjährig-Freiwilligen Dienste». Erleichterung de» Etabliren» der Erwachsenen bringen wollen. Nicht bi» zum Austritt aus der Anstalt nur. sondern bi« zum Erstarktfein im Xfebcn hat. zumal der Direktor, die Zöglinge im Auge ru behalte». Von 265 bisher (in 5k Jahren) Aufgenonunenen sind 2 Aerzte, I RechtSanivalt, 2 vr. phil., 1 Elementarlehrer. 1 Apoil-eker, 1 Zahnarzt, 1 Schriftsetzer, 1 Gärtner. 4 Uhrmacher, 6 Buchbinder. 5 Tischler, l Maler, ü Färber, l Bäcker, 1 Destillateur, 4 Goldarbeiter, I Schuhmacher, 2 Eigarrenmacher, 1 Sattler, 3 Tapezierer. 1 Drechsler. 2 Schlosser, I Portemonnaie-Fabrikant, 1 Goldleisten-Fabrikant, 1 Gelbgießer, 2 Handschuhmacher. 1 Techniker, 3 Maschinenbauer. 4 Juweliere, 3 Buchhändler, 10V Kaufleute geworden. 13 widmeten sich dem Fabrikwesen, 1 der Landwirthschast, 2 studiren jetzt Philologie, 2 Medizin, 3 Naturwissenschaft, 1 bildet sich auf der Akademie zum Maler aus — 17 gingen ab, 3 starben und 50 bilden den Bestand. — Der Vorstand besteht au» dem Direktor vr. Brann, bisher Religionslehrer und Prediger in Breslau, der tüchtig durchgebildet, zugleich Theologe und Historiker, für diese Stellung praedisponirt ist, sowie den Herren: Stadtverordneter Loui» Liebermann (seit 1864), Jaeob Israel (1864). Berthold Markwald (1868), Louis Äradenwitz (1881). Amtsrichter Albert Masse (1884), Eom- »*> Di« Wiener (ikmeinbc entbehrt zur Zeit noch immer eine« jüdischen Snaben-Waisenhause«. Der an Stelle Suranda« zum Prise« der itzemeinde gewählte Herr Moritz v. Borkenau hat in seiner srrimüthiaen Programmrede diese langtährige Ehrenschuld anerkannt und die Errichtung eine« .Fnaben-Vaisenhause«" al« dringende« Bedürfnis, der Residenzgemeinde hingefteUt. (Red.) mrrzienralh Em. Lohnstein (1884). Al« Ehrenmütter führen die Aufsicht über die Wäsche) wirken die Da, Philippine Liebermann geb. Haller (seit 1861), Recha Ma wald geb. Kohn Speyer (1886). Frau vr. Brann Frankel führt die Oekonomie-Benvaltung. Die Anstalt hat im abgelaufenen Jahre an Legal erhalten: 1. Die Wilhelm Friedebcrg-Stiftung (3000 Beihilfe zum dereinstigen Etabliren oder zur AuSstaituit 2. Von demselben 3000 M. zum AuSsteuerfondS der Amiil 3. Bon den Demuthfchen Erben 2000 M. zu freier fügung. 4. Zu den Demuthfchen Stiftungen 1080 M. (Z , wie 1. besteht jetzt aus 3500 M.). 5. Levin'fche Legtj 5400 M. zu verschiedenen Zwecken. 6. Mareus Weyl 600? 7. Zur Rina von Liebermann-Stiftung 550 M. <jgi j 10,00') M Zweck wie 1). 8. Mischstiftung 3000 M (Zi i wie 1). Außerdem 20 Jahrzeititiftunge» und darüber! — li | Stiftungen (besonder» herzerquickend sind die Prämienstista^ I und die Geburtstagsgeschenke 4 je 3 M. von einem llrt* nannten) und 941 Jahrzeitlegate sind jetzt verzeichnet. Aus! dem zählen wir 387 Spenden — an deren Spitze 100 M oa( . der Kaiserin, 150 von den Proteetoren der Anstalten, j Kronprinzen und der Kronprinzessin — in der Höhe von 2 , 100 M. Die Entnahmen für da» Knaben-Waisenhan» trugen 71.018,33 M. Die wirkliche» Ausgaben 53,435,65: Wir hoffen bald in die Lage gefetzt zu werden, bald as den Bericht über da> Mädchen Waisenhaus auSzüglich mg «heile» zu können. Das Gesagte dürste aber genügen, zu erweisen, wie hier in herrlichster Weise Gemillu» geübt wird. —w. Merlin, 13. Juni. (Or.-Evrr.) Der in Eharlottend« verstorbene Rabbiner vr.H i r s ch f e l d wurde gestern hier aus t Friedhof der Adati Jissroöl beerbißt, und zwar deshalb. >ve,l Hinterbliebenen gewünscht hatte», daß sein Freund und Studia genösse, der ehemalige Rabbiner seiner Rachbargemeuill (Oppeln). Herr vr. Salomo» Evhn, jetzt Lehrer der ptj miletik an dem HildeSheiiner'sche» Seminar, il»n die Leicha rede halten solle, auf dem Gemeinde-Friedhof in Weißes aber keine Vorkehr getroffen ist, daß ein Kühen daselbst pn digen könne. Herr Eohn hielt denn auch die Leichen,^ aber fraget nur nicht tvie? Er machte dem orriturlvnq Freunde den Vorwurf, daß er dem .Anstürmen der Refow nachqegeben. warum er es nicht wie Ehiskija gemacht T*J '131 V3K Die«. Schließlich ertheitte ihtn der .Prielip! Absolution mit dein Spruck»e '131 D1'3 .TY35 *133«? H l I Die Gemeinde Gleiwitz war durch 2 Deputirte verima Anivesend tvaren ferner die HH. Rabbiner Alexander au» PitD Prediger Reubauer au» Eharloltenburg. von Berliner lehrten u. A. David Eassel, Karpele». Hildesheimer — Lepicaj ging jedoch nicht bi» zum Grabe mit — und sonstige Freund nebst Venvandten de» Verstorbenen. Eine kleine Episode sei hier eingeschaltet. Herr Barth. Leetor am Hildesheiiner'schen Rabbinerseminar, der i Eharloltenburg »Sommer wohnt", kam zum Minchogc! welche» Herr Prediger Neubauer, ein Schüler des Breslaa Seminars, vortrug. Al» dieser das D'J'wSöSlwie er < seit seiner Amtirung stets gethan, nach der bekannten de» sel. Direetor Frankel vorbetete, reagirte Herr B. gerieth dabei ganz au» dein Häuschen; er erklärte schließlich, daß« selbst vorbeten werde, wa« er auch heute morgen bereit« tt> Könnte man auf ihn nicht die Worte anwenden A3 vlDV B1EBT1 “iuS. Derselbe Herr ist ja auch der Verfaß des berüchtigten Leitartikels in der .Jüd. Pr.", der famosen Absagebrief an die Rabbiner-Versammlung entb worin er ihr zuruft: .Geh Du linkswärtS, wir wollen re> tvärt» gehen!" — Daß Sie, geehrter Herr Redacreur, jene unai hörten persönlichen Jnvectiven gegen Sie unerwidert grlaf^ Saben, hat hier allgemein befriedigt. Man merkte ja > lbsicht >eneS Artikel», Zwist in die Versammlung hinei» tragen, womöglich eine Spaltung hervorzurufen. Daß Rabbiner-Versammlung Sie einstimmig in die Durchsührua Eommission ihrer Beschlüsse zur Hebung de» rel. Sinne« t

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.