Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 25.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 187 — in ihrem Schlußsatz allzu matt ausgefallen? Wir hatten diese Bedenken schon in Berlin ausgesprochen und mit mehreren Gesinnungsgenossen die folgende Erklärung zu Protokoll geben wollen, aber im letzten Moment auS leicht begreiflichen Gründen davon Abstand genommen. Sie lautete: „Die Unterzeichneten haben der vom Berliner Rabbinat der zu Berlin am 4. Juni er. tagenden Versammlung Deutscher Rabbiner vorgelegten „Erklärung" über die Stellung de» Judenthum» zu den Andersgläubigen zwar voll und ganz der Einstimmigkeit wegen zugrstimmt. halten aber diese „Erklärung" insolangr nicht für ausreichend, als nicht die in derselben angrdruteten, wenn auch noch so vereinzelt im jüdischen Schriftthum vorkommenden, und aus dem Drucke früherer Zeiten recht wohl zu erklärenden Aussprüche und Satzungen, die nicht ganz auf der Höhe de» vom Geiste der allumfassenden Menschenliebe erfüllten Judenthum» stehen. — insoweit sie in den maßgebenden Codices Aufnahme gefunden haben, auch wenn sie offenbar nicht gegen die Bekenner der Religionen, in deren Milte wir wohnen, gerichtet sind, aber irrthümlicher oder böSwilligerWeise auf sie bezogen iverdeu könnte» — ausdrücklich bezeichnet und als i» keiner Weise für die Bekenner de» Judenthum» verbindlich erklärt werde». Mit der Ausführung dieser Arbeit ist eine Commission zu betrauen, die schriftlich darüber Bericht zu erstatten hat." Angesichts de« Gildemeister'schr» (Gutachten» über den SchulchanAruch glaubten wir jetzt daranfzurückkomme» zu solle». Versammlung deutscher Stabbineu. Diesen Namen trug sie mit vollem Rechte! Der Eifer, mit dem jeder Puntt behandelt worden ist, die Gründlichkeit, die jedem Worte, jeder Form gewidmet worden, die Beharrlichkeit, mit der jede Aiischauung sestgehalte», die oft einer bessern» Sache würdige Heftigkeit, mit der sie vertheidigt wnrde — und dabei der liebcrsüllte, von drm allverchrten ersten Borsitzenden so leicht zu lenkende Sinn, da« Jauchzen, mit dem jede Ueberbrückung zwischen den Parteien, jede Vermittelung zwischen den um den Sieg ringenden Ansichten legrüßt worden ist, die Mäßigung, mit ivelcher die ali „extrrmgesinnten" Verrufenen auftratrn — all da« war so urdeutsch und so ganz rabbinisch daß diese« ihr Verhalten genügt, um die Versammlung zu einem lebendigen Protest gegen den Antisemitismus zu machen. Da saßen unter den »9 Versammelten talmudisch geschulte Männer au« der alten Schule, gründliche Kenner de« jüdischen Schriftthum», geistvolle und krnntnißrrich« Gelehrte, Schriftsteller. Prediger, die alle möglichen, religiösen Schattirungen vertraten, d. h. alle Schattirungen, soweit sie auf dem Boden der Religion festen Fuß fassen und behalten! Neben dem Orgelseinde der Schwärmer für reformirten Gottesdienst, neben dem, der an rrn fastet und Selichoth sagt, der dem öffentlichen WochentagS-GotteSdienstr nicht viel Geschmack Abgewinnende, neben dem Buchstabengläubigen der Lonjecturen-frohe Exeget, neben den Barhäuptigen — die Kappelfraction I Und seltsam! Gerade jüngere Herren bildeten da» Gro« dieser Fraktion mit geistvollen Gesichtern, energischen Zügen. Stolz bürfrn sie auf ihre Wirksamkeit zurücksehen, diese Herren der kleinen. ober mächtigen Fraciion. Ihnen selbst viüleicht unmvartet. sahen sie ihre Meinungen siegreich — und wo sie unterlagen wäre»viel mehr in derForm, al» dem Wese», nach! Und wenn e« je konnte verkörpert »verden, daß eine Krone de« Schmucke« dir Greise sind, wie herrlich gekrönt war die Versammlung durch ihre Alten? Der derb kräftige, jugendlich frische Le vv (Gießen), der rrthorisch-be abte Goldschmidt (Leipzig), der ruhige, vornehme Wassermann (Stuttgart), der prophettsch begeisterte Landau (Dresden) und, um nicht Alle zu nennen, der Jugend und Alter so harmonisch verbindende. einfach herrliche Joel (Breslau)! Aber wie waren diejenigen, die man als Vogelscheichen hingestellt hatte — die Neologen? Wahrlich Niemand kann begeisterter rintreten für daS Judenthum und feine Lchre, als es Mavbaum gethan — er. der von den Schwarzen am schwärzesten Gemalte, — in seinem Referate für die „Erklärung!" Und der seiner Offenheit und Wahrheitsliebe wegen von den Orthodoxen gefürchtete Redacteur diese« Blatte«, welch »veise Enthaltsamkeit hatte er selbst sich aufgelegt — um de» Frieden« willen!*) 1 Fünfunddreißig orthodoxe Rabbiner haben sich in einem Anschreiben e« Vorbehalten, sich dieser Erklärung anzuschließen, »venn sie ihnen zusagen sollte. Diese „froinmgcsinnten Herren", (wie Joel sie in seiner friedliebenden Art genannt hat) dürfen e» wagen, dreist »vagen, mit s o l ch e n Epikorßim einen Weg zu wandeln, denn der eine Gedanke hat einen Jeden durchdrungen: Nicht zu meiner Ehre, nicht zur Ehre meine» Hauses, sonder» zu Gottes Ehre und seine« Glauben» Festigung! — Der Geist, der die Bersainmlung beseelte, da» immer inehr erstarkende Betvußtsein der Zusammengehörigkeit, der Einheit, bekundete die Thatsachc, daß — al« die Debatte über die Gründung de« Verband«« der deutschen Rabbiner beginnen sollte, schon vorher fast Alle sich in die Liste al« Mitglieder eingetragen hatten. Wahrlich, >vo solcher Frieden l>err>cht, solch Einklang und Glcichklana trotz der verschiedenartigsten Richtungen, da weilt die Gottheit! Noch lange werden diese Blätter sprechen können von all' dem Edlen und Herrlichen, da« in jener Versammlung angeregt und bezeichnet worden ist. Allen Theilnehmcr» »varen die beiden Tage. Tage der Erregung und der Anregung. Darum Dank Allen — denen dir die Versammlung geplant und die sie in'» Werk gesetzt haben, denen die gekomine» und die sie geleitet habe»! _ Lewin. Gerichte ttttb Gorrrfpoudenze«. Deutschland. Magdeburg. Ihr -lusbleiben von der Rabbiner- Versammlung haben mit Bedauern, und meist durch Beruf«- geschäfte oder Krankheit zurückgehalten, entschuldigt die Herren Rabb. Ovr.: Buchholz-Emden, Braun-Schneidemühl. Drutsch-Sohrau O.-S., Frank-Köln. Grob-Fraustadt. Gebhardt-Bromberg. Kahn-Laupheim, Zustimmungen zu der Löwenmeyer-Frankf. a. O., Landsberger-Darmstadt. Rawicz-Schmieheim, Rosenthal.Beuthen. Rülf-Braunschweig. Stirbel-Straßburg. „Erklärung" und den ander- »veitigen Beschlüssen sind zugleich eingegangen von den Herren Rabb. OOr.: L a n d « b e rg- Kaiserslautern, L« b r ech t - Schweinfurt, Lebrecht-Bina'N, Löwenmeyer-Sülzburg. Oberdorfer-Oberdorf. Engelbert-Heilbronn. Formstecher-Offenbach. Friedeberg-Tilsit. Grün bäum-Ansbach, Grünbaum-Landau, _ i a a »-Freuden thal (Württmb.) R ü l f - Memel, leiden Heim-Sander« leben. S i n g e r - Bereut, lerxheimer-Bernburg, Weimann-Buchau,!ona«-Hamburg. Wittelshöfer-Floß. A AerN« ,m Juni. (Or.-Eorr.) Oft habe ich mich, wenn ich in der „Wochenschrift" so viel über wohlrhu» und Wohlthätigkeitsanstaltr» au« London und besonder« au« Pari» la«. gesagt: Wie sieht'» denn in Deutschland damit au»? Stehen wir auch hierin unseren englischen und französischen Glaubensgenossen nach? Freilich von Wien weis, e« alle ») rg,, Hanen unser von mehreren viriinnung »genossen unterstützte» «mendemeni zum Schlußsatz der „SrNLrung" <l. den Schluß tze« heutigen Leilartllel») au« obigem «runde dem Präsidium nicht Überreicht.