Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 24.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 182 — sein dieser Feier. Einzelne Gemeinden hatten auch Deputationen entsandt, um ihre Schwestergemcinde zu diesem schönen Tage zu beglückwünschen. Das altehrwürdige Schüttenhofen hatte fast seinen ganzen Borstand entsandt, an dessen Spitze der ebenso geniale, als um das Wohl seiner Gemeinde und der Juden Böhmen» hochverdiente Herr Albert Fürth sich befand. Auch der Secretär dieser Gemeinde. Hr. Jacob Zucker, ein Mann, au-gerüstet mit jüdischem Wissen und von ungeheuchelter Frömmigkeit, hatte sich, begleitet von noch zwei anderen BolstandSmitgliedern. eingefundrn. Punkt 1 Uhr Nachmittag begann die Feier im altem Tempel zu Kunraliz mit einer AbschiedSrrdr de» Rabbiner» vr. Jaraczewskh. Redner warf einen Rückblick auf die Zeit, in welche die Gründung diese» Hause» fiel. Er wir« nach, wie ttaurig e« damals in politischer und religiöser Hinsicht nach außen auSsah, und wie die religiöse Innigkeit und innige Religiosität da» einzige LebcnSprincip de» damaligen Israel war. Er forderte die Versammlung auf. diesen Geist der Religion in die lichtvolleren Räume de» neurrbauten Gotteshauses zu verpflanzen, damit Gottes Segen auch auf diesem Hause ruhe und schloß mit der Mahnung, den Kaiser zu lieben, der Israel» Fesseln gesprengt und uns zu freien Menschen gemacht hat, im freie» Vaterlandr! Nunmehr setzte sich der imposante Zug »ach dem neuen Gottetzhause in Bewegung. Bor demselben angrkommen, überreichte ein kleine» Mädchen mit einer schönen poetischen Ansprach: auf einem Kissen de» Synagogenschlüflrl dem Bezirksrichter, welcher das Gotteshaus öffnete. Rach den üblichen Gesängen betrat der Rabbiner vr. Iaraczewsky die Kanzel und setzte in einstündigrr Rede den Zweck und die Ausgabe de» jüdischen Gotteshauses auseinander. Diese Rede war von solch einem Geiste der Humanität durchweht, daß der Obmann de» Bezirksausschusses. Landtagüabgrordneter Ziegler, im Reinen der christlichen Zuhörer dem Redner besonder« Dank aussprechen ließ, für den geistigen Genuß der ihnen im GotteShause geworden. Ein Choral, das Bespezgcbrt und Hie Volkshymne schloffen die Feier, die noch lange ihren freudigen Nachhall in den Herzen ihrer Theilnehmer zurücklassen wird. Wir können diesen Bericht nicht schließen, ohne auch in Ihrem gesch. Blatte der kleinen Gemeinde, für ihre Opfcrwilligkctt Anerkennung zu zollen, die sic von der Gründung bi» zur Vollendung ihre» GotteShause» an den Tag gelegt hat. Hochverdient um diese heilige Sache hat sich gemacht Herr Isaak Bloch, ein Mann mit rincm rchtjüdischen Herzen, dn Alle» echt Israelitische und menschlich Große gern sördnm hilft. Ihm standen die andern Vorstand»- und Gemeinde» Mitglieder treulich zur Seite mit Rath und That. Erwähnt muß noch werden, daß diese kleine Gemeinde die Hülfe Anderer nicht in Anspruch geuommen, sondern daß sie alle Ausgaben aus eigenen Mitteln bestritten hat. Nur der Schüttenhofener Eultusvorstcher hatte einen prachtvollen silbernen Pokal ge» spendet. Möge diese Gemeinde sich noch lange der Früchte ihres edlen Streben« erfreuen. Hlde»t»rg. Die wichtigsten Ansprachen, welche der Kaiser hier an einzelne Deputationen hielt, lauteten: An den katholischen Elerus: »Nachdem Mich die Bornahme eine» religiösen Acte» in rinn wohlthätigen Erziehungsanstalt hieher geführt hat. empfange Ich mit Freuden in erster Reih« dir Diener Unserer heiligen Religion, und von Ihrer Treue überzeugt, versichere Ich Sir, daß es Mir stet« zur Freude gereichen wird, wenn Sie durch eifrige Erfüllung Ihre« Berufe» dahin wirk«, daß die religiöse Moral und dasWohltbötigkeitsaefühl. sowie auch der Friede und die brüderliche Einigkeit in der Bevölkerung befördert und gepflegt werden.- An die israelitische Gemeinde: »Seim Sie versichert, daß sich Meine königliche Gnade und Mein Schutz auf alle Elassen Meiner Völker ohne Unterschied der Lonfession ausdehnt» und indem Ich dm Ausdruck Ihrer treuen Anhänglich gnädig annehme, wünsche und erwarte Ich ebenso aufrnh daß der Friede, die Brüderlichkeit und Eintracht Ihrem Kreise stet« aufrecht erhaltm bleibej, und daß Ihre Glaubensgenossen die Früchte ihre« Fleißes den durch die Gesetze gewährlristetm Rrchtm unges, genießm können." 9tu#Iaub. Im »Hameliz" lassm sich auch gemäßigtere Stimmen in Betreff der Eolomsation Palm»! vernehmen, dir nur einige Eolonien dort erhalten in wollen, damit diele Pflanzstätten werden für in lang!»! und bedächtiger Weise neu anzulegende Besiedelungen welchen nur für tüchtig und paffend Befundene hinge,! werden sollen. Diese müffrn dir verursachten Kosten allm, wieder heimzahlrn, damit dafür Weitere» geschehen fo. Vorläufig sei r» Hauptsache, das zu erhaltm. was besteht. Ordnung in dir Unterstützung hineinzubringen. Aber diese Gemäßigte» sehen in Palästina einen geistigen M Punkt der grsainmtrn Judenheil erstehen. Haben die i>, schäften denn unsere ganze Geschichte vergessen? Seil! dibabylonischen Hochschulen entstanden, hat Palästina für das geistige Leben der Juden fast Nichts geleistet. Talmud jeruschalmi im Vergleich zum Babli bezeig das ganz genau. Eine Stätte körperlicher und geistiger kümmerung, abschreckender, greisenhafter Schwäche ist Land geblieben während des ganzen Mittelalter» und auf unsere Zeit. Dorthin pilgern Rabbis und Ehaj» nachdem sie alt und schivach geworden sind, nicht um don wirken, sondern um dort zu — sterbe». U«1er»>«r§. Wie man hört, gedenkt Graf Pahle» wiffenschaftlichm Studien der Judrncommission bi« in nächsten Winter hi» andmcrn zu lassen. — In Lettisch tPodol) läßt ei» Rabbiner von den Gemrindemitgliedern Knochen de» verzehrten Fleische» holen. Die Hälfte Ertrages erhält der Sammler, die andere Hälfte wird die Talmud Thora verwendet. Diese Hälfte betrug im floffmen Jahre 200 Rubel. sSo läßt sich gar viel und» FortgcworfrncS für Wohlthun nutzbringend machen. Red. Türkei. STftfitytia«. Ende April veröffentlichte »Hameliz' aber« einen Klageruf aus Rischon le Zion. Die Eolonisten nu fleißig, arbeitsam und gmügsam. Ja, sie hätten auch Herz auf dem rechten Fleck. Auf den Sandhügeln an Grenze ihre» Besitzthum« saßen früher die Araber, nxi ihr Vieh auf die Saatäckrr trieben, da sie bi» an die Zü bewaffnet. Niemand fürchteten. Und jetzt haben sie die Pl verlassen, denn die jüdischen Eolonisten waren ihnen und haben durch ihr mannhafte« Auftreten ihnm so gn Respect eingeflüßt, da« die Araber die Juden ehrfurch« ärüßen. Trotzdem haben die Eolonisten kaum Brod, geschn ileider. Im ersten Jahre haben sie kaum die Au» geerntet, die angelegten Weingärten werden erst nach Ja! Ertrag bringen! Woher aber kommt'«, daß doch in so anderen Ländern so viele Andere ohne Beihilfe sich d» arbeitm, daß aber hier so viel gebettelt worden ist? Rischon le Zion werden jetzt die Ankäufer verantwor gemacht, welche »ihnn Auftraggebern da« Grab gearatc da sie schlechten Boden erworben haben!! Dieser Palästinc^ ist durch seine Erlebniffe zu denselben Anschauungen gl worden, welche die »Wochenschrift" stet» verkündet hat. wollten, daß man un» de» Jrrthum« hätte mit Recht. dürfen. »Auch in Bezug auf da« Begründen neuer Ö »sitze — so schreibt Herr Mordechai Haiehudi — den »Unordnung und Verkehrtheit, denn viele Vereine I» »Besitzungen gekauft, um Arme dorthin zu setzen. - »sagt un» doch, ob ihr die Summe nicht wisset, welche »arme Familie dazu braucht? — Ob ihr nickt wißt. > »wenn nur etwa« daran fehlt, nur gräßliche« Elen» »Folge fft? Kommt davon Hilfe, daß noch zehn Arm