Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 23. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 23.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/5369809-5935099-5938160--5154-5377349
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

178 — Httaftl brachte der Jubilar den ersten Toast auf Se. Königftt Hoheit, den Grobherzog au», der davon benachrichtigt Md darauf ei» freundliche» Telegramm zusandte. B. ■ L,»ß«r§, 29. Mai. (Or.-Eorr.) Die „Kreuzztg." Deilie wir ich höre, dieser Tage ihren Lesern einen Vorfall M, de» sie verinuthlich der hier erscheinende» „Bürgrrzeitung" Miioinmen hat, in welchem der Oberrabbiner Stern eine Muplrolle spielt; und knüpft daran einige für un» Juden Mliebsame Beinerkungen. Die Sache selb,« ist olme jegliche Mdcutung und nahm ich daher bi» jetzt Anstand. Ihnen Mrüber zu berichten; sic verhält sich folgendermaßen. > Ei» Herr W. hatte sich bei dem Synagoge»-Verbände >r Eingehung eine» Eliebündniffes gemeldet, die Kosten be Whiigi und den Oberrabbiner um die Vornahme der Copulation Wucht. Au» Vorsicht und zur Vermeidung einer Störung. Me sie einem seiner Bekannten in Kowno widerfahr n. theilte Mrr W dein Oberrabbiner mit, daß der Onkel seiner Braut, Micher al» Trauzeuge assistiren sollte, mit einer Proselytin Mrl^irathct sei. Der Oberrabbiner. weicher sich sonst um >c sogenannten „Unterführer" nicht weiter zu kümmern pflegt, liuhr bei dieser Gelegenheit, daß Or. Jona». Prediger am Iraclitischen Tempel, die betreffende Dame für da« Juden- Ruin vorlvreiter hatte und weigerte sich, dieselbe al» Jüdin M>;ue>ken»en. Da« brachte den Gatten derselben sehr aus. I lehnte r» ab mit seiner Schwester, der Mutter der Braut. I,» Unterführen zu übernehmen und drohte die Sache zu Rrössentlichen; der Oberrabbiner blieb aber bei seiner Weigc- I,»g und ein anderer Venvandter mußte dafür rintreten. I Diese Hartnäckigkeit ist umsomehr zu bedaueni, al» MrauSzusrlicn war. daß sie »och viel Staub auftvirbeln würde, Rid e» i» der Thal ja auf die Unterführer weiter gar nicht likonunt. da zwei Beamte stet» al» Trauzeugen fungiren. I Einen anderen Akt der Intoleranz, welcher auch in Mnem Localblatt Erwähnung fand, vollzog der Ehasan der Worlugiesischen Gemeinde, der gleichzeitig da« geistliche Ober- Riupi derselben bildet; indem er e» nicht gestatten wollte, m Ifi ei »er Beerdigung ein Abtrünniger seiner Gemeinde »niae Erdschollen auf da« Grab seine» verstorbenen Freunde« Mirs. Dabei geliört der Lhasa» durchaus nicht zu den Mtrciiggläubigen. sondern ertheilt selbst am Sabba'h Unter- »cht i» verschiedenen Sprache»; man hätte von einem solchen Mainic. der sich über viel wichtigere Dinge hinwegsetzt, etwa« Rehr Toleranz rnvarte» dürfe». I Nachbemerkung der Redaktion: Wir bemühen »>» vergeblich, durch „Erklärungen" für die Et>rr de» Juden- »um» einzutreten. und Toleranz »nd Humanität al» die Iböiisicn Blüthe» desselben hinzustrNr». wen» unsere Ortho- »ric durch solche Acte der Intoleranz an> heilige» Geiste R''kier Religion sich versündigt. Dabei möchten diese Rcrikii. dass man ihre inhumane Handlung«>veisr mit dem chleier der Liebe bedecke und nennen e» „Schamlosigkeit" »d „Ehrrabschneidrrri", ivenn man derglrichr» al» ..unjüdisch" >gt Un» steh» aber dir Ehre de» Judenthum» höher, al» ( solcher jüdischen Päpstlrin. (Red.) O»sterrei cd-Ungarn. ^8 Mtei». Der neueste Rcchenschaft«bericht de» hies. "ch die rastlosen Bemühungen unsere» edle» Ludwig August rank l im Jahre 1870 in» Leben gerufenen i«r. Blindennstitut» ist soeben erschienen. Derselbe umfaßt die letzten ei Rechnungsjahre 1881—83. In diesem Zeitraum erelten — wie wir darau« ersehe» — 45 Zöglinge, darunter 1 iveidliche, Erziehung und Unterricht in der Anstalt, »genblicklich befanden sich 37 Zöglinge. 30 Knaben und Mädchen im Alter von 8—19 Jahren in derselben. Im l>usk de» letzten Trirnnium« haben 8 Zöglinge die ,'lnstalt lassen, um im praktischen Leben, die in der Anstalt erorbenen Kenntnifle und Fertigkeiten zu verwerthen, wovon f> 4 mit bestem Erfolge Korb- und Sesselflechterei beiden und sich und zum Theil auch »och ihr« Eltern mit lvoi, ernähren, nachdem sie durch die Anstalt bei der Etablirung au» den Unterstütz»ngSfond« mit Werkzeugen und Materialien im Werthe von 200 fl. ausgerüstet worden; einer der Entlaflenen ist rin tüchtiger Bürstenbinder, der sechste ein sehr talentvoller Violinspieler, der al« Lehrer in seinem Instrument durchaus qualisicirt erscheint. Da aber »ach den Intentionen Frankl'» die Anstalt durchan» daran festhält, jeden Zögling mit einer Fertigkeit auszurüsten, welche ihn unter allen Umständen cnvecbStähig macht, so ist der qu. junge Mann daneben auch zu einem tüchtigen Elavierstimmcr ausgebildet. Er ist jetzt in beiden Fächern mit Erfolg thätig. Auch von den früher au» dem Institut Entlassenen wird berichtet, daß dieselben mit Fleiß und Erfolg der Ausübung ihre» Handwerk» obliegen, und in ihren Kreisen geachtet dastchen. somit hat ei wohl seine volle Berechtigung, wenn im Rückblick hieraus der Bericht sagt: „Diese Ergebnisse bestärken un» darin, al« da» höchste Ziel der Anstalt die Heranbildung von Mensck^n anzustreben, die für de» Kanipf de» Leben» mit wahrhaft religiösem Sinn, mit ehrenhaften Grundsätzen, gründlichem, veredelndem Miss n und mit der Fähigkeit au», gerüstet sind, durch die Ausübung ihre» Handwerk» mit dem täglichen Brode auch die achtungsvolle Theil,lahme aller gu'en Mensche» zu erwerben." Au» dem übersichtlich gehaltenen. ausführlichen Bericht hier nur »och einige abgerissene Notizen. Der materielle Erfolg, welcher durch den technischen Unterricht erzielt wird, ergab durch den Verkauf der gefertigten W>are pro 1881 —83: 8877.15 fl., ein gewiß erfreuliche» Resultat. — An Sabbath und Festtagen wird im Betsaal ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, welcher, um den Zöglingen Gelegenheit zu geben, ihre Andacht mit einer Gemeinde zu verrichten, am Neujahrs- und Versöhnuna»- tagr ein öffentlicher ist. Am Ehanukafe te findet reiche Bewuthang und Beschenk»»» der Zögling/ 0»»». Di» durchschnittliche Verpflegung eine» Zögling»'belief sich 1881 aus 488.1:8 fl. 1882 aus 496 26 ft und 1883 aus 504.40 fl. Von den Stiftern diese« menschenfreundlichen Werke«, da», wie eewähnt der Anregung und rastlosen Bemühung L.A. Frankl» seine Entstehung verdankt, seien unter vielen Andern hier rrwäjnt: Freiherr v. KünigSwarlcr, der da» für 50 Zöglinge eingerichtete Hau» nebst Garten schentte, Freiherr Anselm v. Rothschild mit einer Spende von 15 0Ü0 fl.. Freiherr v. Schley mit 10 000 fl.. Ignatz und Magdalena Trzebizky mit l0 000fl. je. ic. — Die GesammtauSgabe belief sich 1881 auf fl. 18 636.03, 1882 aus fl. 21856.05 und 1883 auf fl. 20 212.51. Hkikse«. (Der erste Eavalier de» Reiche».) Diesen Ehrtnnamrn fühlt von Freund und Fe nd unbei'trittcn in Oest erreich Fürst Carlo« Auersperg. Es ist hier nicht am Plaze die hohe» Tugenden eine» Manne» zu preise» dessen Tbaten unverwischbar in den Blättern der österreichischen Geschichte verzeichnet sind, eine» Manne» der auch al» Führer der verfassungstreuen Opposition nicht aufgehört hat, Vertrat «er und Berather seine» kaiserlichen Herr» zu sei». Fürst Earlo« Aurreperg feierte vor Kurzem seinen sicbcnzigsten Gel urtStag und au« allen Theilen der Monarchie von den verschiedenen Körperschaften, Vereinen, Gemeinden und Genofienschaften liefen al» Ausdruck inniger Liebe und Verehrung zah lose Adresse» Glückivünsche. Telegramme, Huldigungen rc. ein. Auch die israelitische EultuSgemrindr zu Wlarchim hatte den edle» Fürsten eine Glückwunschadrrffe überreichen laffen die derselbe mit einem Schreiben beantwortete, dem wir folgende Stellen entnehmen: „Die Adresse ist in einer schwungvollen edlen Sprache gehalten, wir sic der Intelligenz eine« Vvlksstainme« entspricht, der im BildungSdrangc niemals zurücksteht, vielmehr stet» nach Kräfte» voraneilt. Da« Schriftstück hat auch Anlaß gegeben, Bedrängnisse zu berühren, welche» Ihre Älauben»- er offen auSgesrtzt sind: vor solche» Erlebnisse» darf man ie Augen nicht verschlietzen, und jeder wahre Menschenfreund muß sic tief beklage». Reibungen unter Mitbürgern sind stet» traurige Erscheinungen, aber sie sind ein ganz besondere» Unrecht, wenn Gehäffigkeitrn geschürt werden gegen Staat«»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.