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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 23. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 23.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 172 — unanfechtbare Garantie sich verschaffen, daß ihr. nachdem der jetzige Friedhof mit Leichen belegt sein wird, ein den bedeutend erweiterten Anforderungen entsprechender Grund und Boden erb- und eiaenthümlich zur Anlegung eine» neuen Friedhofe« auf ewige Zeiten eingeräumt werden wird.*) Dieselbe müßte ferner Vorsorge treffen, daß von den Angehörigen der auf dem jüdischen Friedhofe Beerdigte« nichtjüdischen Leichen an dieser Stätte alle Veranstaltungen. Gebetes?) und Zeremonien vermieden werden, welche da» religiöse Gefühl auch nur eine» Einzigen der jüdischen Gemeinde verletzen und ihn verhindern könnten, die Pflicht der Pietät gegen die Heimgegangenen ohne GewisseaSbedrängniß zu erfüllen. — ES bedarf keine» Scharfblick», um zu erkennen, daß jede solche Vorsorge, ebensowohl wie deren Unterlassung, viel mehr geeignet sein würde, den interkonfessionellen Fneden zu stören, al» ihn zu fördern und zu befestigen. (Da» heißt denn doch die Sache geradezu ans den Kops stellen! Red.) So lange daher die Menschheit nicht so glücklich ish sich im Glauben an den einig-einzigen Gott brüderlich vereinigt zu fühlen, sollten, wie die Tottesliäuser so auch die Friedhöfe konfessionell geschieden bleiben, damit sie auch fe-nerhin diese Bezeichnung verdiene» mögen, und c» sollte um de» Frieden» Willen jeder Versuch vermieden werden, die am Baume der GotttSerkenntniß langsam zwar, aber sicher reifende Frucht vorzeitig zu brechen.' **) Kr««tf»rt c. M. Hier wurde am 26. Mai Herr I-r. zur. Leopold Odrell auf dem israelitische» Friedhofe bestattet. Der Wohlthätigkeitssinn, den der Verstorben« während seine» leider nur kurzen Leben» bekundete, sollte auch mit seinem Tode nicht enden, wie au» seine» testamentarischen Bestimmungen hervorgeht. Hiernach bestimmte er: der BersorgungSanstait für J«raelitrn in Frankfurt a. M. 6000 M.: der Lcihkasse für bedrängte israelitische Äemeindeangehürigr 6000 M.; dein Allgemeinen Frauenverein zur Wohlthätigkeit 6000 M; dem Verein zur Aursteurrung hiesiger israelitischer BürgerStöchicr 6000 M.; der Ereiznach-Stlftung 6000 M.; der Anstalt für Irre und Epileptische 6000 M.; der Taubstummen-Erzichungsanstalt 3000 M; dem Rochu«-Ho»pital 3000 M.; dem allgemeinen Almosenkästen 3000 M.. dem israelitische» Almosenkasten 6000 M.; dem Hospital der israelitischen Gemeinde 3000 M. Diese Vermächtnisse sollen von den betreffenden Benvaltungsbehörden getrennt von ihren übrigen StiftungSkapitalirn und zwar unter dem Titel: „Stiftung zum Andenken an de» verstorbenen Rentner Isaak Abraham Oppenlseim sen. und an dessen Ehefrau Rahel Oppenheim geborene Eohen, errichtet von deren Sohn Dr. zur. Leopold Odrell lOppenhrim), Rechtsanwalt." verwaltet iverden. Ferner vermachte der Verstorbene: dem Verein zur Unterstützung israelitischer Studirenden in Heidelberg 6000 M.; den OrtSarmen in Born heim ohne Unterschied de« religiösen Bekenntnisse« 300 M.. am Tage seiner Beerdigung durch den protestantischen Herrn Pfarrer auszuzahlcn; denselben OrtSarmen ist zu Hände» de» protestantischen Herrn Pfarrer daselbst ein Kapttalbetrag von 2400 M. auazuzahle» zu einer Stiftung unter dem Ramm Dr. Leopold Odrell; der Saloinon Oppenheim sTrumm)schen Brautlegat« Stiftung dahier 0000 M.; dem Verein zur Beförderung der Handwerker unter de» israelitischen Glauben«genossen 1600 M.; dem Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer „Achawa" 6000 M.; der israelitischen Waisrnanstalt 3000 M.; dem Dr. Ehrist'schen Kinderbospital 3000 M.; der Blindenanstalt 3000 M.: dem israelitischen Frauenverein 4000 M; dem israelitischen Verein zur Unterstützung armer israelitischer •) Da« ist doch wirtlich kein slichdalligrr Grund. Glaubt denn Herr P.. das, die iildische» Krirdhüs« mit christlichen Leichen Überfall, werden würden? <f» handelt sich doch immer nur um seltene ttutnahmefälle. Uebrigrn» ist dieser Punkt ja nur eln praktisch geschäftlicher und kein rabbinlsch-wissenschastlither. (Red.) —) vir conftatlren, daf> ln diesem .Gutachten' keine einzige gefestliche Bestimmung au» den rabb. llodtce« dagegen angefühn wir»; e» sind vkuihmabungen, Befürchtungen, aber kein« Gründe. (Red.) Wöchnerinnen in hiestaer Umgegend und zur Uebernahmr Gevatterschaft bei - denselben 2000 M.; dem Armenstock Loge „zur ausgehenden Morgenrüth«" 2000 M; dem Berei zum Schutze der Thiere 1200 M Außerdem hat der Bn storbene noch eine Anzahl Legate an hiesige Persünlichkeii gestiftet. StreKtz in Mecklb. (Or.-Torr.) Sonntag, den 25. d.' feierte unser Landrabbiner. Herr Dr Hamburger, 25jährige» AmtSjubiläum: e» war ein Ehren« und Freuden^ in de» Worte» wahrer Bedeutung. Die Feier war eine hebende »nd recht würdige. Gegen 11 Uhr Morgen« er,chic» zur Begrüßung und Beglückwünschung die Herren Börstel« der jüdischen Gemeinden und deren Repräsentanten mehreren Mitgliedern der hiesigen Gemeinde unter Führ» de» Herrn Dr. Ahrensdorf, Prüfe» der hiesigen jüdische Gemeinde. Derselbe hielt bei Ueberreichung eine» groge, silberne», mit Äoldeinlegung reich verzierten Pokal» recht ergreifende Ansprache an den Jubilar, au» der um hier folgende Sätze hervorheben: „. . . wir constatiren serm, und rechnen e» Ihnen al« Hauptverdienst an. daß r» Il,»> durch versöhnende Milde gelungen ist, den Frieden in da Gemeinde zu erhalten zu einer Zeit, wo. wie bei andci Eonsessionen in Deutschland, so auch im Judenthume heftiger Kampf zwischen dem Alte» und dem Reuen em brannte.Wir erkennen ferner an. daß Sie Religionslehrer, nicht minder wie al» Prediger von Kanzel herab durch Wort und wieder durch Wort stets müh« gewesen, den Sinn für wahre Religiosität und cchli Judrnthum in den Gemeinde» zu wecken und zu Hel Mit gehobenem Sinne und stolzer Genugthuung begrus» wir Sie al» unser» Rabbiner, al» einen Mann, der wähm seiner außeramtlichen Thätigkeit. in de» Mußestunden st nicht dein Müßiggänge hingab. und die Genüsse weltliche Vergnügungen und Zerstreuungen aufsuchte, sondern al» eine, Mann, der alle Zeit sich mit litterarischen Arbeiten beschäftig« und durch Jahrzehnte lange Studien ein Werk zur Föi rung der Wissenschaft schuf, wodurch sein Raine nicht bi in Deutschland bekannt, sondern auch in die weite Fei drang.' Der Jubilar, sichtlich ülierrascht, erwiderte dar in einer längrren Rede, in der er auf da» Symbol Kelche» in der Bibel hinivir», daß diese Ehrengabe ihn a eifern »verde, auch ferner seinen Pflichten gegen Jung Alt grwiffenhast obzuliegrn; er betrachte diese» Ehrengesch al» Erin»rrung»bild nicht blo» für die Arbeiten in der Ä gangenheit, sondern auch für die in Zukunft Rach diesem übergab Herr Profeffor Dr Dann Sander» im Aufträge der Deutsch-Israelitischen Gemein! bunde» in Berlin eine Adresse, die er »ach einigen vorn« geschickten herzliche» Werten selbst vorla». Der Adreffc ein ansehnliche« Geschenk beigrlegt. Wir geben au» dersel hier die Schlußsätze: »Möge dieser Festtag nur ein Ruhetag auf sw arbeitsamen Wegen sein; inüge Ihrem segensreichen Lel>e«i gange noch eine lange Bah» vevorftehen. daß Sie n Dezennien noch bei guter Kraft und frischem Geiste i Befriedigung auf ein reiche» nnd glückliche« Wirken rückschaue»'. Die Adreffe iit von. Geh. Sanität»rath G. Kristeller und vom Herr Prof. Lazaru» unterzeichnet, ft Prof. Dr. Sander» überraschte den Jubilar mit der Ucl reichung seiner Gedichte: »Au« den besten Lebt« stunden' Stuttgart 1878. Auf der ersten Seite sch" der Berfaffer eigenhändig: »Zum Jubelfeste 26iähriger Ail filhrung mit dem aufrichtigen Wunsche, daß Ihnen w lange rin segensreiches Wirken zum Heil und Wohl Gemeinde, zur Förderung der Wissenschaft, zur Freude sw Angehörigen und zu Ihrer eigenen Befricsigung beschi sein inügen!' GratulationSdcprschen und Brieft liefen Rah und Fern (bi« au» Petersburg) sehr zahlreich rin, denen viele mit Geschenken begleitet waren. Unter b hat sich die Israelitische Gemeind« in Leipzig (durch H<« Vorsteher Werthauer) schr rühmlich hervorgethan. Bei

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