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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 22. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 22.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 164 — Schriften zur Zerstörung der noch immer herrschenden Borurtheile gegen den Talmud und gegen die Bekenner de» auf den talmudischen Ueberlieferungen stehenden Judenthum» einigen Beitrag geliefert und eine gerechtere Würdigung de» Talmud» und seiner Bekenner (?) angebahnt zu haben", so hoffe ich bewiesen zu haben, dag Herr H. diesen Beweis vollständig schuldig geblieben ist und in dieser Frage nicht» bewiesen hat. W. Kerichle und Correspaudeuzeu. Deutscdland. Magdeburg. Die Vorlagen, Anträge und deren Be» gründnng, sowie der?tatutcnentwurf zum Rabbincrverband, befinden sich bereit» in den Händen unserer gesch. College«, sie werden daraus die Wichtigkeit und Bedeutung der zu berathendcn Gegenstände erkennen und ohne triftigen Gründe sich von der Theilnahme an der Versammlung nicht abhaltrn lassen. Bi» zum 25. d. M hatten bereit» an siedenzig autorisirte Rabbiner Deutschland» ihr Erscheinen zugesagt. Die Sitzungen finden im großen Sitzungssaale der jüd. Gemeinde, Oranienburgcrstraße 30, statt. Der erste Vorsteher der Berliner Gemeinde. Herr Justizrath vr. Mäher, wird al» Wirth de» Hause» die Versammlung begrüßen. Dienstag, den 3. Juni, Abend» 7 Uhr findet eine Vorversammlung im Trausaal der neuen Synagoge statt; nomen et omen! " nH nm nnexa '? yncnxi Arandenbnrg «. d. K-, 22. Mai. (Or.-Corr.) Der Bericht au» Ostpreußen in Nr. 20 der „Wochenschr." enthält eine Bemerkung, die schon von anderer Seite in diesem gesch. Bl. gemacht ivurdc. E» wird die Hoffnung al» eine vergebliche hingestellt. daß die .Mahnwortc" de» Herrn Or. Deffaner zn den „Graß-n" in J»rael dringen werden, da c» nicht zu den Gcpflogcnl)citcn derselben gehöre, sich mit Lektüre speciell jüdischen Inhalt» zu besaffen, bei ihnen aller andere, nur nicht jüdischer Lesestoff Eingang finde. Leider kann ich diese Tha tsa che nicht in Abrede stellen; leider muß ich gestehen, daß mir nur wenige Ausnahmen bekannt sind, welche der Borwurf de« Herrn Berichterstatter» nicht trifft. Nichtsdestoweniger hat mich die Begründung der kundgegebencn Hoffnungslosigkeit durch diese Thatsache befremdet. Verursacht e» denn wirklich so gewaltige, unbrsieg. bare Schwierigkeiten, die „Mahnwortc" zu den „Großen" gelangen zu lasten? Nach meiner Erfahrung enstchicden nicht. Ich dachte mir die Sache al« primitiv einfach, that demgemäß — obgleich ich hier keineswegs über allzu schwachen Synagoarnbesuch am Sabbath und Fest zu klagen mich vcr« 'anlaßt find« — und siehe da. e» ging, wie ich bereitin Nr. 10 bemerkt, ganz „fescb": Man bringt da» wohl »och er» schwinglichc Opfer einer oder einiger Mark für die erforderliche Anzahl Exemplare de» Deffauer'schen Schriftchen» selbst und überreicht e« persönlich den „Großen", die e» dann, wie hier, gewiß fast überall mit Dank annehmen und mit Interesse und Erfolg lesen werden. Voilst taut. — Dieses wahrlich doch nicht alliuschwerr Opfer an Geld und Zeit könnte und müßte Jeder von un» bringen. Wird e» aber auch Jeder von un» bringen wollen? Ich bin nun einmal noch so optimistisch zu glauben, daß die Mittheilung meiner Erfahrung nicht wirkungslos bleiben wird. Allerdings dürfte die Engherzigkeit, die unerfreulicherweise a uch in unserem Stande da und dort herrscht, sich sogar im vorliegenden Falle zeigen; indeß bin ich hinsichtlich der urcit überwiegenden Mehrzahl der Kollegen eine» Bestem gewiß. Die Engherzigkeit schade: übrigen» sich selbst am meisten. Bor einigen Jahren wurde ich gleich Anderen um Verbreitung einer Broschüre ersucht; ich entsprach dem Begehr bereitwillig, da da» Schriftchen schöne, kcimkrästige Anreg «ngrn bot. Al« ich sodann aus einer Reise mit einein Kollegen zusammentraf und im Lauf der Unterhaltung nach dem Erfolge seiner Bemühungen im Jntrrrfle der Broschüre - deren Berfaster der Richtung de« Gefragten weit näher sta» al« der meinigrn — mich erkundigte, antwortete er: „35k* denken Sie sich denn eigentlich? Bin ich denn R.'» Kolpm, teur?" Ich war starr . . . Hierauf klagte er mir üda einen Mißstand in seiner Gemeinde und bat mich um mn, Ansichtsäußerung darüber, wie demselben abzuhelsen sei. Ria aber hätte ihm gerade die Verbreitung jenes Schriftchen» t fraglicher Beziehung recht viel nützen können. Ich ivar n« für eine Weile sprachlos, und auf seinen Seufzer: „Wam werden die Rabbiner von solcher Sisyphu». Arbeit bcfm werden!" vermochte ich nur ein »eben ihm liegendes Rasch,. Chumesch aufzuschlagen und ihm die Midraschwortc i, Raschi-Commentar zu 2. M. 2,14 zu zeigen: QTTC7 nx** "p*? Da» hatte Effekt. — Rabb. vr. K Nachbemerkung der Red.: Die Vertrauensselig!-- unsere» gesch. Kollegen hinsichtlich de» GemeingeisteS unfern L lande» ist wahrhaft rührend. Wie un» tcheint, har a diesbezüglich noch wenig trübe Erfahrungen gemacht uni wir wünschen ihm von Herzen, daß ihm solche auch für d« Zukunft erspart bleiben. Der beste Prüfstein für den,r unserem Stande herrschenden Gemeingeist wird übrigen« ta Bcthciligung an der drmnächstcn Rabbinervcrsammlung sei», auf der — wir wiederholen es geflissentlich — jeder re ligiöse Differenzpunkt von der Diskussion au», geschlossen ist und daher jeder Rabbiner oh», irgendwelche Gewissen »bedenken erschei nen kan- Die Bei Heiligung wird der Welt zeige», wie weil der Ge dankenhorizont in nnserem Stande über da» Nächstliegende über da» Gestern, da» Heute und das Morgen, yinausgespannt ist. 23. Mai. (Or.-Corr.) Wa» ich Ihnen n meinem jüngsten Berichte al» wahrscheinlich bczeichnctc, schrie sich zu bestätigen; der Vorstand der jüdischen Gemeinde „ Lübeck hat vom Staate tinen neuen Brgräbnißplatz für da rei» von M. 1800 erworben, wovon, wie man sagt, t» hebra kaddisoha M. 500 au» ihren Mitteln zu zahle, übernommen hat. E» hängt da» vermuthlich mit der Absich zusammen, den hiesigen Aspiranten die Aufnahme in fc Gemeinde zu gewähren. E» können indessen nur sehr wenige sein, welche dieser Ehre theilhafiig zu werden wünsche», denwie wir mit Genugthuung l)ervorhebcn können, schruinpft frt Zahl derjenigen, welche blindlings dem Rufe ihre» Führer« folgen, alle Tage mehr zusainmen. Außer einigen Klau» rabbiner». Lehrern und Beamten werden kaum einige uitab hängige Männer so thöricht sein, dem Beispiele de» Ot>er. rabbiner» nachzuahmcn. Vielmehr scheint sich selbst » Schooße de» Synagogen-Verband» eine kleine Opposition ji bilden, nachdem e» gelungen ist, im Delrgirten Collegiun welche» au» 10 Mitgliedern besteht, allmählich die Majoriilü von einer Stimme zu erlangen. Aas diese Weise ist el gelungen einen Vorschlag zur Abänderung der Statuten von Jahre 1868 durchzusetzen. Indessen würde man sich sei» täuschen, wenn man glauben sollte, daß hier große Reform« beabsichtigt würden; auch die Männer der liberalen Richtu»« werden sich kaum entschließen, auch nur einen Pi ut adj» schaffen, und. wie ich verniuthc, ihre Bestrebungen zunächst wod auf die Anstellung eine« Predigers, die Herstellung ein« geordneten Gottesdienste» und einen nähern Anschluß a die Gemeinde gerichtet haben. Trotzdem bleibt e« fraglut ob e« gelingen wird, die Vorschläge der Eommission. welch jetzt ihre Arbeit beendet hat, zum Beschlüsse zu erheb« Rach dem Statut sind dazu drei Stimmen au» dem Vo> stände de« Synagogrn-Berbande« und sieben Stimmen de Delcgineii-Collegium» erforderlich, während bisher nur sech zusammenhiclten; auch enthält da« Statut die Bestimmuoi ,Lu Abänderungen oder Bestimmungen, welche religiöse Ar ziehungen haben, bleibt jedoch die erforderliche Zustiminny de» Oberrabbiner« Vorbehalten."*) AuSgeschlostcn sind o» *) Länder da re Fassung.

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