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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 22. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 22.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 168 — fllmub besteht. geschiveige bfnn «vä» sein Inhalt sei? Bei hren paar Dutzend Separatisten steht es darin vielleicht ntHii besser, aber diese bilden doch nicht dir Gc- ,n„»lheit und selbst da steht e». um den Einfluß und die iemitnib de« Talmud« um rin gut Theil schlechter, al« Sie laubrn machen möchten, hiernach werden Sie mir doch wl,l zugeben. dag r» sür die Jetztzeit mit Ihrem Hinweis us den Talmud, als .alleiniger Quelle de« wirkliche», «hrhostigen Judenthums", wie Sic denjenigen, welche beruse» ,„b. auf dir Geschicke jüdisihcr LtaatSgenossrn Einfluß zu br-n. einreden mö»chten, cl>e»so bestell« ist. wie vorhin mit ihrer .Anspruchslosigkeit". Es entschlüpft sogar ein ähnliche« öenänvniß Ihnen selbst, den» Sie sagen S. 37 .es bedeute eahrlich keinen Fortschritt, wen» in so manchen jüdische» Imsen der Gegenwart da« Band der Anhänglichkeit a» dem gtmudisch überlirserte» Judenthum gelockert erscheint und me Bertraulheit mit dem Talmud und seinen Lehren nicht gehr in de» Unterricht», und Erziehungsptn» der Zugend und i» dem Geistesleben der Alle» die ihr ge nihrendr Stätte findet". Nu» den», wozu diese »»zutreffende lebertreibung? Sprechen Sie doch weingstciir nicht immer m Plural und geriren Sic sich nicht so. als ob Sie die liaijachliche Anschauung der gesainintcn Judenheit oder doch hre» überivieaend grüßten Ttstit« aussprächen und verträten? Leien Sir offen, wie e» ehrliche» Manne« Sitte ist und chreiben Sie: .Ich, mein Eollege Lehmann in Mainz. )> ldeshe i »>r r in Berlin und noch rinige Separatisten-Rabbincr eulen so, nicht aber auch dir 99 Procent meiiier übrigen »lauvensgenosscn". Woher käme es denn auch sonst, dag Ik trotz de« von Ihne» und Ihrem AnlMngr so laut be> ulKltiit Austrittsgesctzrs mit Ihren Separationsbestrrbungen u kläglich Fiasco gemacht haben? Biclleicht gestattet es Ihre je», auch darüber einmal dein größeren Publicum Antwort u geben. Herr Hirsch rubricirt seine zusammengeschiveibten Sprüche >nd Sentenzen unter die Titel: ..Nr'chtschafscnhcit", „Nahrungs» itvigc'.^-vcrhaltcn zu den Negierungen u. Miibevötkerungen(?)", zNistrs- und Eharaknrbildung, Gesinnung und Lebens, iilchauung". .Die Familie", .Die (Hemeinde" und beweist arm säst ausschließlich Dinge, die Niemand bestritten, und niworict aus Punkte, »ach denen Niemand, weder Rohling och JusluS, noch Stöcker, »och sonst ivcr, gefragt, mit mem Wort, die kcinrr unserer Angreifer unter Beweis cilrUl hat. Hier eine Probe. Die Einleitung und eigcnt- >chc Quintessenz des Eapitcla .Die Familie": .Wenn cs nvas girbt, «vorüber rin klägliche'« Bvrurthcil verbreitet ist, > ist cs die Stellung der Frauen im jüdische» Altrrthum. uc lierabwürdigcndc Meinung, dir man sich von der Stellung er Frau unter den Böllern des Orients gebildet hatte. l>cr»ug man ohne ivcitcrcs auch auf die Frauen de« itdifchen AlterthumS ». s. w." daS Alles ist in Dt. ikaysrrling« i Tie tüdische» Frauen" weit besser und ausführlicher gesagt, chi aber zur Talmudfrage der Äegcnlvan so lange ohne ^ezug, bi« un« Herr Hirsch aus Rohling. Justus oder luderen den Beweis dafür erbring«. Ganz ebenso verhält es sich mit dcm, was Herr Hirsch der »die Gemeinde" und die WohlthäligkeitSvcreinc sagt. Gerade diese«, die Unterstützung unter sich, da« Eintreten cr Juden sür einander, ist ja ihnen zum Borwurs gemacht, l» Beweis ihrer Exklusivität und ihrer Sondcrbestrebungen? &>« hat da« an dieser St.llc zu thu», Herr Hirsch? Glauben Sie wirklich, daß die« der Inhalt der .Talmudiagc" ,m Justus - Nohling»Stöcker»Treitschkc'schen Sinne ildei? Haben denn diefe Herren oder ihr Anhang ' behauptet, daß im Talmud nicht auch gute Sprüche oder , nnehmdare Sentenzen ständen? Haben sic die Pietät jüdischer linder gegen ihr- Eltern, jüdischer Ehegatten gegen einander, n> Wohtthätigkeitak'nn der Juden gegen Juden und all' ngleichen. worüber Sie sich fast die ganzen 38 Seiten lhres Schriftchen» de« Breiteren ergehen, bestritten und hier! nlcr Beweis gestellt? So hirnverbrannt sind diese klugen! Herr:» noch lange nicht, weshalb Ihrerseits so naiv «hun und sich so stellen, als wäre danach gefragt. Sie mußten auf >ie Angriffe aus den Talmud und Schulchan Bruch ant» wort'n, wie sie z. B. Justus in seinein „Judcnspiegel" und in seincin neuesten: .Talmudische Weisheit" vorbruigl Sie mußten zeige», wie die Aussprüche über HT3K ,"15 m9D 03" OHO 0'12" zu verstelfen, mußten sich darüber auslassen, ob die Bestimmungen über *WI mpirt in unserem Berkehr mit »nserrn christlichen Mitbürgern »och Amvendungfinden. Sie mußten über alle diese und ähnlich^ Punkte klar und unzneideutig*) sich aussprechen, und wir hätten Ihnen so maiuhc Ihrer rinseit'gen Deductioncn z. B. über den Mrfiiasglaubcn, Bürgerrecht und .Pflicht im .Lande dcr Ber'veisung" — »vic Herr Hirsch ich« rtioa» verschämt statt .Golus" sagt — lieber geschenkt, lieber inanches andere Falsche und Bcrschrobene i» diesem kleinen Schrisichcn gehen «vir «nit Schivcigen hiniveg — dcr Raum dies. Bl. gestaltet ein weitere« Eingrl«e» nicht, so sehr die tendenziöse Art der Behcuidlung dazu auch l«eraussordcri. **) Kurz recapilulirt hatte» «vir es in dcr Hirsch'schen Broschüre mit einem Schristchen zu thun, das dcr cigcntlichei« Strcitsragc. die er so leicht bei Justu?, Nohling u. A. hätte studiren könne», geflissentlich und ohne Noch ausivcicht, sich mit sichtbarem Behage» eine Weile auf der neutralen, slillc» See dcr talinudischcn Spruchivcishcit hi», und her» schaukelt, zur Lösung der eigentliche Streitfrage nicht da» das Mindeste beiträgt und doch auf jeder Seile und in jedem Satze io gespreizt und selbstbcivußt auftntt, als hätte die Lösung der ganzc» Frage jüdischcrscits nur auf Herr» S. N. Hirsch geharrt und sei von ihm nun in meisterhaftester Weise spielend gelöst ivvrdc». Wenn daher Herr Hirsch am Ende des Schuftchcns sich zu dcr Hoffnung berechtigt halt, daß es ihm vielleicht gelu igcn fei. .init diesen Auszügen aus den talmudischen Hier und da werden zwar diese fragen gestreift, aber ihre Beannv rriung läßt an Unklarheit und Inkonsequenz nichlszu wünschen übrig. S. 18 wird die Stelle Gitti» bl» citiri »nd bcloni, der Talmud lcbre die Pflichten der .au» dem sociale» Zusammenleben r Umschreibung von l21^v Nd.) stickenden Menschlichkeit selbst argen Heiden und Göhendiener üben, ihre Arme »soll Heiken: „Armen" Ad.) unlerstühkn, ihre Erichen desianen" u. s. w. „Nichljüdische Mcnschc» aber, die den »on »er Bibel gelebnen Sloii u. s. w. bekennen, sichen nach der Lehre des Talmud» hinsichltich dcr Pslichien von Mensch z» Mensch dem Inden völlig gleich u s. w. (Maimon. Hilch. Mclachim 10,12)". Dassilde wiederholt Herr Hirsch 2. l!i und 2>i, wo er von den „Be völke ungc» (?) sprich«, in deren Mille wir leben, die zu dcncn «soll Heiken „den" Nd.) nichljüdische» Mensche» zälile». die auch hinsichltich des itrweise» thäiiger Mcnscheniiedc der Talmud dcm Juden völlig gleichstellt". Hiernach sostie cs doch wohl kcincin Jweiscl untcrliege». dak man z. B. einen solchen, dem Juden völlig gleichgestellten, „»ich jüdisäx» Menschen" aus einem jnd. Jlirdhos beerdige» dürse, aber io pnuci such! diese Orthodoxie alle mögliche» und unmöglichen Scheingrün >c hervor, um diesen „ckrwei« ihätiger Mensche,iliebe" als anlitalm idisch hinzustellen. Air iverdcn da« stichle „nd gewundene neueste vluiochten in dieser Jrage (von dem orthodoxen Nabb. Director llr. Plaio in tlöln» nächsten» dringeu. «Rd.» Air könne» doch nicht umhin, einige allzusehr ins Äuge springentu Unrichtigkeiten, ja geradezu bedenkliche sähe hier herauszuheben und an den Pranger zu stellen. Herr Hirsch gehl in seiner Bcrgöiterung de« Talmud» aus «osten der Bibel so iveii, dab er z. B. «. 7 den Ausspruch wagt: „Za die ganze Lehre von der Unkörperlichkcil und Un sterd ichkcit der Seele, die Lehre von dem jenseitigen Lebe» und der einstigen Bergcltung u. s. w. waren dcr mündliche» Ueberlieserung de« Talmud« vorbehalien". >Jn dem schristl. Bibelwon seien sie nur an gedeniei-. Air Hallen diesen Au»sprnch deshalb sür bedenklich, weil dadurch die Behauptung christlicher Olclehrien, da» Judenrhum habe jene wichligen iillaudenslehren erst in der nachchristlichen (feil ausgenvm nen d. h. vom Ehristenlhum enilehnl, unientüht wird. Nicht minder bedenklich, ja gcsährlich ist «ine andere Behauptung de« Herrn Hirsch aus 2. >>. Daselbst zählt er die „persö»liä>en Tn« arnd.'n" dcr Jude» aus: MäKigkcit. stleib, Sparsamkeit. Aohlihällgkeii. Frei «ebigkeil, «euschheil ». s. w. und sagt: „Alle diese Durchschnill«. eigerihümlichkeitcn de« jüd. LharacteiS Hai lediglich der Talmud ge» schaj e», so lehr, dak seiidem di« Neuzeit sich mehr oder minder dem Tal, ,ud entsremdei hat, die« auch bereit» in der Abnahme einiger diese ■ ltigenlhümlichkeilen *u benrcrken ist". Heibl da« nicht die Millionen nicht ialmudkundigen Glaubensgenossen aus dem «Trdenrunde zu?,uden zwciier «lasse herabdrücke»V Sie bei unseren Slegnern al» nicht aus dcr Höh« der Tugendhasligkeil stehend denunziren'? ,Red.»

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