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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 22. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 22.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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162 — zahlreiche Familienväter, ja selbst Wittwen, die sich und ihre Kinder kümmerlich ernährten. sind plötzlich an den Bettelstab gebracht. ES ist nicht nöthig, daß man an sich selbst erfahren habe was Noth heißt und was eS bedeutet, wenn ein Vater seinen Kindern kein Brod mehr geben kann, um sich einen Begriff zu machen, welch unsägliches Elend gegenwärtig in Tausenden von ärmlichen Wohnungen herrscht, wie viele bittere Thränen vergossen werden und nye viele Ruse der Verzweiflung zum Himmel dringen; man kann sich die« bei einiger Phantasie leicht voritcllcn und Derjenige, dessen Herz hierbei nicht eine Regung des Mitleids empfindet, darf kaum Anspruch erheben, zur gebildeten, civilisirten Menschenclassc gerechnet werden. Und doch ist das Gesetz von Jenen auSgegange», die vor Allem berufen sind, da» Volk auf den Weg der Eivilisation zu führen, die Kammern haben eS mit Freuden begrüßt und nahezu das ganze Land hak den Bolksvcriretern. die das Gesetz votincn, zugejubelt. In- Bettler darf in den Straßen den Vorübergehenden die Hand entgrgenstreckeu und um ein Almosen flehe», daß ist gestattet — aber dicArbcit ist verboten. Daß man den eiarntlichen Grund des Verbote» verschweigt, zeigt wenigsten». daß gewissen Personen »och ei» Restche» von Schamgefühl innewohnt, weil sie sich scheuen, vor Europa zu bekennen, daß sie als stille Würger systematisch an der Ausrottung einer Religionsgemeinschaft arbeiten. — Barbarisch nennen wir da» Zeitalter, in welchem die Ketzer verbrannt wurde», ist es vielleicht weniger grausam, Menschen dem langsamrn Hungertvd zu überliefern?" Um die Wunden, die das .praktische Ehrislrnthum" unsere» Glaubensgenossen schlägt, zu l)cilrn, erhebt nunmehr die „Religion wcrkthätiger Liebe" ihre Stimme: Draik«, 22. Mai. Zufolge de» in Kraft getretenen Hausirgefetzr« sind unzählige Familienväter im Lande der Roth preisgcgebr» und in die Unmöglichkeit versetzt, den Kampf um» Dasein fortzusühren, da man ihnen nicht mehr gestattet, wie bisher ihr Brod in ehrlicher Weise zu verdienen. Unter solchen Umständen ist es nur natürlich, daß die Unglückliche», zu dem letzten Rettungsmittcl. zur Auswanderung ihrc'Zuflucht nehmen. Der hiesige Eonsul vo» Schwede» und Rvrwegcn, Herr Mendel, hat sich nun entschlossen diesen bcdaucrnswerthrn Mensche», zumeist Israeliten, soweit cs in seiner Macht liegt, bei der Ausführung ihres Vorhabens hilfreiche Hand zu leisten und hat derselbe zu diesem Zwecke an seine Freunde und Mitbürger in Braila einen in rumänischer, griechischer und italienhcher Sprache verfaßten „Aufruf" ergehen lassen, tvelchrr hoffentlich nicht verfehlen wird, in den Herzen aller Meufchenfreunde einen lebhaften Wiedcrhall zu finden. Wir wiederholen hier diesen „Aufruf": „Da» deerctirte und Seitens der Regierung bereit» in Kraft gesetzte, die Aufhebung des ambulanten Handels betreffende Gesetz, trifft eine große Anzahl armer Leute und im Allgemeinen meine israelitischen Rcligionsgenoffcn. Diese Leute, meist Familienväter, verdienten ihr tägliches Brod im Schlvciße des Angesichts: der Verdienst, welchen sie realisirten, war karg und bitter, aber er verschaffte ihnen wenigstens Brod für den Lebensunterhalt und nun ist auch dieser Verdienst ihnen entzogen worden. So bleibt denn diesen arnien Menschen nicht» anderes übrig, als da» Land zu verlassen, in welchem sie ihren Familien auf r h r e n - haftem Wege keine Existenz mehr bieten können, sosehr sie auch eia Recht darauf hätten. — Um sich jedoch anderwärt« anzusiedcln, dazu fehlen denselben die Mittel, und da einzelne Personen den Unglücklichen keine Hilfe bringen können, so muß die Einigkeit Kraft gewähren. Ich apprllirr daher an Euch, meine Freunde und Mitbürger, damit Ihr mir Euren gütigen und mächtigen Beistand leihen möget. Es fehlt mir der Muth, jeden Einzelnen von Euch zu behelligen, aber indem ich mich an dirGesammtheit wende, die bei jeder 8» legenheit bereit ist, den Brüdern hilfreich zu sein, glaube ch auch diesmal nicht vergeblich an Eure Humanität zu appellin, Der Obolus, welchen Ihr zu dem gedachten Zwecke spende, wird Euch von der göttliche» Vorsehung tausendfach wt. gölten, und die Unglücklichen werden Euch segnen und Gw für Euer Wohlergehen anstelle»." Stellen wir diesem „praktischen Ehristenthum" Jsrac!, „Religionen der Thal" entgegen. seien wir, die Nachkomm» derer, die am Sinai da» ."MN dem SO ETC, da» Thun vor angestellt. bic.TCSO TWR, „Männer der That"; bethätigr, wir die Lehren der Humanität und Menschenliebe urgn Jedermann, und lassen wir da» so klare und milde Licht kr: Sinai-Religion hinausstrahle» in die von falschen, religiös» Vorstellungen noch Umnachtctcn. An un« aber, die Lehrer und Verkünder de» GvNctwarte» ist r». die Lehren unserer Religion in ihrer Reinhrit >>„t Klarheit vor aller Welt zu zeigen, die Vor»«heile, dir gegn sic (und darum auch gegen ihre Bekcn»er> noch so virlsu» hcrrsct»en. durch offene, unzweideutige Erklärungen zu zerstreu» der Verkennung von außen und dem Abfall von iium mannhaft e»tgege»zutr«cn. Wie damals vor Jahrtausenden Israel einmütliij um dem Sinai lagerte,*) so laßt uns auch jetzt unter seitelrgung kleinlichen Zwiste» rinmnthigc» Sinne» cintnin für die Ehre und Heiligung unserer gottgeoffenbartcn Religio, einmüthig und lvgristrrt da» Gelöbniß wiederholen: 70vr ne73 "" -ian -ick Sa „AllcS, was der Herr gesprochen, wolle» iv: tbu» und »erflehen!" Da» ist r» anch. ivas dir bevorstehende Rabbinrrv» sammlung vo» frühere» derartigen unterscheid«. Wir wollenicht zusammrnkommen, um Eultnsrrfonnen vorzunehmei um Festtage abzuschaffen. Speise» und El>egesrtze aufzuhel« sondern um da» erschütterte Ansehen unserer Religio» y hcl>en, um eine ihr Grundivrsrit betreffende Erklärung abzugeln um auf Mittel zu sinne» zur Hebung de» religiöse» Sinnes a unseren Gemeinden bei Jung und Alt. um un» selbst Ourl rin un» umschlingendes Band zu festigen, zu grnieinsaum Arbeiten anzurrgr», die jüd. Liitcratur zu fürder», kurz - .TV-nuSl rmn S-a-lS! Wer wollte an so hohen »a> heiligen Zielen nicht Mitarbeiten, ivcr wollte da nicht nt« rathfit und mitthaten? Wohlan denn: Auf;m Radbinerversammlung! — 70C31 HC73! Ein Wortführer der Orthodoxie über de» Talmud. (Schluß.) Es gab bekanntlich eine Zeit, wo e» unter den Talmud Jüngern verpönt war. sich mit der Bibel und ihren Erklären zu befaffen. wo e« al» Zeichen eine» Flachkvps» galt, daroi großen Werth zu legen und dann beivandert zu sein, iw* man die ganze Zeit für den Talmud nöthig hatte und dies« über, die Bibel stellte. Diese Zeit ist aber längst vorüber. Heu Hirsch, und Sie und Ihr kleiner verbiffener Anhang bemiiln« sich umsonst, sie wieder heraufzubeschivöre». Weise» Sie doch einmal den von Ihnen l-ehaupteten Einfluß de« Talmud Studium« bei unsere» deutschen jungen GlaubenSgenoffen naä die doch höchsten» 6—8 Stunde» wöchentlich jüd. Unterrich haben und hernach kaum wiffen, au» welchen Theilen da "INK ETK3 - 7K1C jm ('

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