Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 21.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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”?vfiF?rr — 168 — geholt tonten — oder gar keinen öffentlichen Gottesdienst — fand ich di« jetzt in keinem der Werke, welch« die Liturgie behandeln, Bekehrung hierüber, »ad möchte daher schon die Herren Rabbiner darum ersuchen, an dieser Stelle ihr« Ansichten über diesen hochwichtigen Gegenstand äußern zu wollen. Man darf sich durchau« nicht damit beruhigen, daß diese Kalamität nur in einigen kleineren Gemeinden vorhanden ist, sondern man darf schon überzeugt sein, daß (ie überall in ihrem häßlichen Charakter sich zeigt, wo nicht chon die große Anzahl der Gemeindemitglieder, (d. h. in recht großen Gemeinden) da« nvthige Kontingent zur Ab» Haltung de« Gottesdienste« zu allen Zeiten stellt, oder sonst durch die, unser Judenthum durchau» nicht verschönernden, bezahlten O'jSttS ,TKTS (»zehn Müßiggänger") da« Minjan sichergrstelll ist. SlVt« man sich dabei auch denken mag, man wird einräume» muffen, daß eine solche Unterhaltung de« Gotte«dienstrs mit unseren heutigen Begriffen von Pietät und Schönheitssinn sich nicht vereinigen läßt. E» existirt in dieser Beziehung rin gewisser Rothstand in unserem Judenthume. mit n>elchem sich alle diejenigen beschäftigen sollten, die nicht bloß de» Gottesdienst grübt, sondern ihn auch empfunden und gefühlt wissen wollen. Moritz Scherbel. FZcsterreied-Ungar«. Au« $ir«9 (Ungarn) berichtet der ,Prstrr Lloyd" : Nachdem im August vorigen Jahre« in Neröcze und Heuer im März in WaraSdin schon Ehedündniffe zwischen Angehörigen de« jüdischen Glauben» und zum Judenthuin übergetretenen Christen auf Grundlage speziell eiugrholter Regierung«. Genehmigung eingrsrgnet worden, fand zufolge de« kürzlich erschienenen Zirkular-Erlaffe« der Landesregierung an die politischen Behörden von Kroatirn-Slavonien in dieser Angelegenheit in der hiesigen Synagoge die erste Trauung eine« solchen Konvertiten statt. E« ist die« der in den Budapcster Werkstätten de. ungarischen Staat«bahnrn beschäftigte, einer achtbaren ^hiesigen katholischen Familie entstammende taubstumme^ Maschinen-Schloffer Franz, nunmehr Franz Jakob Wagner, welcher, nachdem er am 13. April in Wien nach aller Form Rechten« zum Judenthum übergetreten fft, mit der gleichfalls taubstummen Näherin Fanny Schulhof au« Ofen da« Ehebündniß einging. Oberrabbiner Dr. Spitzer vollzog die Trauung, indem er die gebräuchliche hebräische Benediktion in lateinischen Lettern aufschrieb und dieselbe vom Bräuttgam, so gut deffen mangelhafte« Sprechorgan e» eben vermochte, ablesen ließ. In allernächster Zeit schon wird — ob hier oder in Wien, da» ist noch nicht entschieden — rin zweite« ähnliches Ehebündniß geschlossen werden. Ein Jude, ein hieher zuständiger, in Neu-GradiSka ansässiger Arzt, heirathet die zum Judenthum übergetretene Tochter eine« dortigen höheren Militär«. — (Die Regierungsvorlage. welche dir Mischehen zwischen Christen und Juden durch Einführung der Zivilehe für solche Fälle gestatten wollte, ist bekanntlich unlängst vom ungarischen Oberhause verworfen worden.) Italien. Kurt» Der ,Brssillo" hat schon mehrere Artikel für und gegen die bei Gelegenheit der Eröffnung unserer neuen Synagoge eingrführtrn Reformen gebracht. Deutsch« Leser, auch der strengen Observanz, dürften durch dieselben nicht in den Harnisch gebracht werden. E« wird ersten« täglich in der Svnagogr gebetet, die Tephillin sollen int anstoßenden Lernsaale angelegt und abgelegt werden (Letztere« ist steilich zu weit getrieben). Der Cantor trägt alle Gebete laut vor, da« laute Einfallen de« Publikum« ist unbedingt verboten. Pitum Haktores, baxne tnadlikin und Vejittan lsoho fallen fort. Der Kaddisch wird vom Borbeter laut *) Wir haben vor Jadren schon i« Litteraturbl. 1877 Kr. b über dies« taUuniUlt und chr« Abhilfe gesprochen und jüngst wieder lim vtteftasten Kr. 17) unsere Ansicht kurz' milaeiheilt. Mögen sich noch andere rabb. Stimmen darüber vernehmen lassen. (Red.) und von den an die Tribüne heratttretenden Trauernden leis «itaesagt. Statt de« Lernen« vor und nach dem Gebe» wird der Borbeter nach Mussaph und Maariw eine summ rische Ha«kara für alle im Jahre Berstordenen und eine namentlitz für die, deren Jahrzeit gefeiert wird, machen, worauf Kaddisch de-Rabbonon folgt. Da« Borlesen der hebräisch« Kethuba bet der Trauung fällt sott. Kroßdritamnie«. <£*»«««, 15. Mai. Die hiesige, von 3000 jüdisch« Zöglingen beiderlei Geschlecht» besuchte Freischule hat i diesem Jahre einen Erfolg wie noch nie vorher aufzuzeichn«. Die kürzlich vom Inspektor der englischen Regierung vorz« nommrne Prüfung ergab ein Resultat von 98 Prozent - ein Erfolg, der in keiner andern ähnlichen Schule im Rc,ö je erzielt worden ist. Bedenkt man. daß die fraglich« Zöglinge fast durchgängig Kinder ausländischer Eltern meist Polen und Russen — sind und in Folge deffen ihrem Eintritte in dir obige Schule kein Wort Englisch Itja oder verstehen können, und bedenkt man strner, daß in dies« Schule nebst den profanen Gegenständen auch hebrüii da ziemlich viel gelehrt wird, so wird man erst recht über glänzende Resultat in diesem Jahre erstaunen müssen. Den Bemühungen de» Herrn Dr. Adler ist c« gelung, daß jetzt in Oxford ein zeitgemäßer Gottesdienst wähn der Sabbath- und Feiertage abgehalten wird, so daß nicht unbedeutende Anzahl der dortigen jüdischen Universität studenten sich daran betheiligen können. Predigten qualifizirtenjüdischen Theologen werden dabei regelmä gehalten, und der frühere Sing-Sang wurde auf ein Minim! reducirt. — Dr. Reuba uer wurde jüngst zum Lector rabbinischen Litteratur an der Oxforder Universität ernaim In gleicher Eigenschaft wirkt Dr. Schiller seit Jahren schs an der Universität in Cambridge. Rußland. Am 3. Mai ist hierher ein Telegra! an den Redakteur de« „Hameliz" gelangt, daß die Türkei Häfen Palästina'« den Juden wieder verschlossen hat. Minister de« Auswärtigen hat die russischen Gesandt« angriviesen, dagegen zu rcmonstriren. Jetzt heißt es warten, bi« Alle« geregelt ist! N»hta«d. Der bekannte General Tschernigow s einem Juden, der al« Kricgscorrespondent nach Serbien kommen und, ergriffen von dem Elende de« Bolke«. Kombattant eingetreten war, folgende« Zeugniß au«: seinem Herkommen bi« zu seinem Ende war der Jude Goldi) immer der Erste im Feuer. Am 11. August, vor Alexia zog er meine Augen auf sich durch seine TodeSverachtu und Kaltblütigkeit. Und da Protitsch fiel, machte ich Goldi zu seinem Nachfolger und er bewährte sich so, daß ich il einen Orden verlieh. Nachdem die Türken von Alrxiv verdrängt waren, habe ich ihn in meinen Stab aufgenommi Am 30. August wurde er in der Schlacht von Bobiwm verwundet. Beim Berbinden bewundene ich seine Geistes kn und verlieh ihn den Tackow-Orden. In Rafani starb er. Marsch««. Rach den .Ruß. Jewrru" hat man hier Peffach durch Hilfswächter, ja durch Kosacken die Beter der neuen Synagoge fortgewiesen: Für russische Juden hier kein Platz! — Au« Kiew meldet der »Kjewlianin übenaschend erfreuliche Kunde, daß auf Fürbitte der En> bahndirektion de« Generalgubinator« Drentelen 11 ji Beamten der Bahn gesiattN hat. in Kiew zu bleiben, lange sie beamtet sind. Dagegen höN man von Baku, don die AuStteibungen begonnen haben. Kermifcht» tmfe ueurstr Nachricht»» ichte CorrrsponI In Bezug auf die in voriaer Nun «brachte Corrrspöndenz ,Böm Harz" (über Schmverhtlt« ei hier zur Vermeidung von Mißverständnissen auödrüi <