Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 21.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 157 — I nnrn Verehrer de» Herrn Landrabbinen. obwohl er sich I verleiten lasten, in solcher Seife ge gm ihn vorzugehen; »ist eben auch nur ein Verführter; denn al» im Mai 1877 >rr vr. A. da« Jubelfest seiner 2S jährigen Amt«thätigkeit Igaffel beging, da war (meine« Wiste»«) der Kreis Fritzlar Äser Cassel) der einzige niederhessisch« Krei«, der dem ■bilar rin Ehrengeschenk überreichen liefe. Herr Nagel war I welcher dir Gemeinden de« Kreise« dazu veranlaßt«, licher persönlich da« Geschenk überreichte und sich dann Icb ai» Festesten betheiligtr. Da« giebt doch jedenfalls zu Kirn. Die hessische» Juden verlangen gar nicht einmal Int Rabbiue» von derhyprrvnhodoxen Partei; sie verlangen. I, ganz wenigen Ausnahmen — selbst die Unterzeichner I Petition — allerdings einen frommen, echt religiösen lann. der jedoch den Frieden in den Gemeinden nicht «ergräbt, sondern ihn zu festigen sucht; für einen Heißsporn I wie in Fulda und Marburg — würden sie sich sehr beliitra. Angenommen aber auch, die Unterzeichner der Petition Ichteii wirklich so. wir sie e« in der Petition dargestellt [tat; warum haben sie denn nicht darauf hingewirkt, daß L Rabbinate zu Gudrnsberg und Witzenhausen wieder besetzt Lrden? Sie hatten doch, al» sie damit einverstandrn waren, ae erledigten Rabbinate mit dem Landrabbinatr zu verbinden, brrn vr. Adler« Wirken schon gekannt und er hat sich Ich nicht erst in dm letzten 7 Jahren so gezeigt, ivie er ist. Le all' diesem geht wohl hervor, daß die Veranlasser der Inzcn Agitation in Riederhrsten nicht zu suchen sind. Herr Ihmann und seine Genoffen möchten aber doch einmal da« ländhaste ihrer Handlung ermesten, denn sündhaft ist e« Ich auch, so den Frieden in einein ganzen LandeStheile zu Iren. Gelingen wird e« ihnen allerdings nicht, den Frieden r.;':'.:ch zu; »">» gesunde Ajnn der hessischen ude». denen ja der .Israelit" neuerdings so sehr zu Imcicheln sucht, wird sich auf der rechten Bahn zu halten Issc», gleich viel, ob der Petenten, resp. ihrer Vcrleiter, kan« gelingen oder nicht. ch««tz»r«, 16. Mai. (Or.-Corr.) Der Vorstand der raclitijchen Gemeinde in Lübeck hat de» Obrrrabbiner lern donori, o»u»» zum Ehrenmitglicde der dortigen Gesinde ernannt und sowohl ihm als seiner Frau mit seinen nderjährigr» Kinder» alle Rechte der Mitglieder eingeräumt; > Ausnahme de« activm und passive» Wahlrecht«. Motivin wird dieser Beschluß durch den Wunsch, ei» nchc» der Dankbarkeit der hiesigen Schwestcrgemeinde zu uitcn für die Theilnahme und Unterstützung, welche diese r donigen stet« gewähNe und gleichzeitig eine Anerkennung in Obrrrabbiner dafür zu erweise», daß er nicht »nr mit int) und Thal der Gemeinde in Lübeck zur Seite stand, idern in dringende» Fällen auch die hiesigen Eultu»beamten t zur Tlerfügung stellte. Im Publikum dagegen heißt e«, daß Herr Stern durch miiittelung seine« dortigen Amtsbruder» und Freundes, t auch kürzlich hier anwesend war, um die Aufnahme in t (Gemeinde sich beworben habe, um »ach seinem lode rt beerdigt zu werden; die Gemeinde in Lübeck aber in kriicksichtigung der Unannrhmlichkriten, welche diese Unterndlung dem Obrrrabbiner bereiten könnte, de» Au»weg ihlt. ihm guaai da» Ehrenbürgerrecht zu ertheilm. Gleich, «'fl soll auch noch eine kleine Anzahl von der .Rabbiner» Mei" um die Erwerbung eine« Grabe« in Lübeck für den »deesall, oder um die Ausnahme in die Gemeinde nach» lucht und diese um die Vergrößerung de» dortigen Fried» kr» an den Magistrat sich gewandt haben. Es ist die« n wohl möglich, denn die bisherigen Versuäie sind sämmtk gescheitert. Dir Regierung in Schleswig, an ivelche der jmeindr-Borstand in Wandsbeck sich Beschwcrdeführcnd ge» g>dkt, bat nicht nur die Verfügung de« Landrath« pur« gä»gt, sondern dem Vorstand noch einm Verweis ertheilt; £ gleichzeitig auch in Bezug auf Altona e« ausgesprochen, p sie einen Mißbrauch von de« dieser Gemeinde ein» eräummi Rechte, neue Mitglieder aufzunehmm, nicht uldm werde. E)enso sind die Bergerdorfer Juden mit ihren Klagm gegen dm Landhcrrn vom Gerichte abgewiesm; dir Anti» Ohl«dorser muffe» daher andere Auswege suchen und sollen auch mit Harburg in Verbindung getreten sein.*) Zu« Hüpreuhe». (Or.-Corr.) (Schluß). Aber selbst da. wo in diesm Gemeinden der Gottesdienst hin und wieder noch stattfindet: wa« läßt sich nicht über die Möglichmachung derselben sogen, über die Art und Weise wie die nüthige Anzahl der MitzubetenÜen »zusammen» gebracht" wird. Wir dürfen schon diese« »Zusammenbrnigen* in der verwegensten Bedeutung de« Worte« nehme». Man muß M mit angeselirn haben, wie da die Leute für die AndackitSübung gewonnen werden müssen, man muß dem Hineinbringen und Hincinzwingen in das Gotteshaus beigewohnt haben, und man würde darin wirklich recht viel Komik finden. wen» dergleichen Akte und Szenen nicht leider auch ihre tiaurige Kehrseite hätten. Da steht nun der Beamte am Brtpulte, sechs AndachtSbedürftige sind erschienen; e« sind liieS die älteren Leute der Gemeinde, auf welche die Synagoge noch zu rcchnen hat. Die jüngere Generation meint, daß von dem.Schullaufen" nicht« herauSkvinme. Da steht nun der Beamte mit seinen sechs Getreuen. Er ist bereit*, mit dem Schacharith-Gebet fertig und wartet sehnsuchtsroll auf die noch fehlenden .Drei", um mit der Vorlesung au» der Thora zu beginnen. Allein Viertelstunde auf Viertelstunde verrinnt, ohne daß die erwartete Ergänzung sich zeigt. Inzwischen wird da» weitere Warten von den Anwesende» mit stillem Grollen ausgenommen, man giebt mitunter auch seinem Aerger laut Ausdruck und füllt die Heit mit Gesprächen au», die dnrchan« dem Or»e. wn man sich trfindet. nicht angemessen sind. Endlich ermannt sich einer der Anwesenden, wirft den Talli» ab. und macht sich auf den Weg. — Wohin? — nun, zu dem in der Nähe sich befindenden, am Sabbath offenen Laden eine» jüdischen Kaufmann», um sich einen Koiwni« — herauszubettcln. Bald darauf erfolgt dir Heranbr>ngung eine« zweiten Kommi». und endlich ivird noch nach einem Lehrling gesucht, der dann Elle und Scheere bei Seit« legt, um in der Synagoge den sabbatlichen Gottesdienst möglich »lachen zu Helsen. Man sage un«. ob e« etwa« Betrübendere« giebt. ob jede« wahrhaft religiöse Gemüth sich nicht entsetzen muß, vor der Entwürdigung, welcher hier da« Heilige und Ehrwürdige anheimfällt! Ist da« Gottesdienst, ist da» Andachtsübung'? Und doch, soll etwa der Beamte mit den in der Synagoge sich befindenden sechs Personen den öffentlichen Gotte», dienit beginnen? Freilich ist solche« schon vorgekommen. Bor einigen Jahren gab der Beamte einer un» benachbarten kleinen Gemeinde dem Drängen seine« Vorstehers nach, und ließ die Vorschrift, da» Mi»>an betreffend, ganz außer Acht. Er hielt den Gotte«dienst mit sieben Personen ab; dafür aber kam er in den Verruf der ..Unjüdischkeit" und man weigerte sich van seiner Schechitah zu esten. Ost genug muß ich selbst von den Vorstehern solcher Genicinden die Frage aufwerfe» hören: Wäre e« nicht bester und verdienstlicher, den Gottesdienst mit acht, oder neun Personen abhaltrn zu lasten, al« daß man in geschilderter Weise ein Minjan jusammciibringe. und zur Vervollständigung desselben Personen sucht, die. — wenn wir es streng gesetzlich nehmen wollten — schon der öffentlichen Entioeiyuug de« Sadbath« halber, deren sie sich schuldig machen, nicht zur Ergänzung de« Minjan» zur Vcrivendung kommen dürften? — Ich muß e« offen gestehen, daß ich dann mit solchen Fre gen nichts anzufangen weiß. Bor die Alternative gestellt: ob zwangsweise Zusammrnziehung de« Minjan. ob Hinzuziehung von Juden, die am Sabbath au» ihren Gcschäftcu. »> Diese« Heruinsuchen nach «»«wllriige» BegelbnisistSnen helsil «trNich tun niSTia "Mt schon bri Lebzeiten sich berciien. (Red.)