Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 21.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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W?v^ r~. — 15« — bezrichnete da» im Boschen Stalle gefunden« Rinderblut ai« da« Blut de» .geschachteten" Knaben und erschöpfte sich in unfläthigeu Schimpfereienauf die Juden. Merkwürdiger Weise hat gerade derjenige Zeuge, auf dessen frühere Aussage hin die Verhaftung de» Josephsohn erfolgt war. jetzt auf die richtige Spur geführt, indem Herr Höst ihn durch eindringliche Ermahnung dahinbrachte, der Wahrheit die Ehre zu geben. Dieser Zeuge, ein >unger Arbeiter au» dem Nachbardorfe Kusche, war nämlich am 22. Januar Morgen» gegen 8 Uhr »venige Hunden Schritte vor Skurz. und ganz in der Nähe derjenigen Stelle, wo drei Stunden später die Leiche de» ermordNen Knaben gefunden wurde, einem Manne begegnet, der einen anscheinend schweren Sack auf dem Rücken trug. Die Umrisse de» Sacke» brachten den Zeugen auf die Bermuthung, daß ein geschlachtete» Kalb darin sei, wa» um so wahrscheinlicher erschien, al» er in dem Träger de» Sacke» den Fleischer Behrend au» Skurz zweifellos erkannte. Al» er nun von der Ermordung deSKnaben Eybula und der Auffindung der Leiche erfuhr, stieg ihm sofort der ganz bestimmte Verdacht auf, daß in dem Sack, den Behrendt bei der Begegnung mit ihm getragen, nicht ein Kalb, sondern die Leiche de» ermordeten Knaben sich befunden habe. Dieser Verdacht wurde bei ihm zur Gewißheit durch den Umstand, daß in seiner Abwesenheit der Fleischer Behrendt bei seiner Mutter vorsprach und sich erkundigte, ob ihr Sohn gegen ihn (B.I oder gegen die Juden au»- sagen werde." De» Weiteren erschienen Abgesandte de» B. bei ihm und machten ihm allerlei Versprechungen, wenn er auSsagen würde, er habe in dem Mann mit dem Sacke nicht den Behrendt, sondern den Josephsohn — der dieselbe Figur hat — erkannt. Der Bursche ließ sich in der That bestimmen und sagte gegen Josephsohn au», während e» den eindringlichen Ermahnungen Höst» gelang, ihn sowohl wie seine Mutter jetzt zur wahrheitsgemäßen Aussage zu bewegen. Behrendt leugnet zwar die Begegnung sowohl wie die Thal; bei der Gegrnül>crstrllung aber haben Mutter und Sohn den Behrendt »auf da» Bdstimmtrste wicdcrerkannt und ihre Aussagen beschworen. De» Weiteren behauptete Behrendt, am am Abend des Thattagr» (21. Januar) seine Wohnung nicht verlassen zu haben. Höft hat aber zweifellos festgestellt, daß Behrendt gerade zu der Stunde, wo der später ermordete Knabe zuletzt auf der Straße gesehen worden, außer Hause war. Die Verhaftung Behrendt» erfolgte des Nacht» durch Gendarmen im Beisein de» ersten Staatsanwalt» Martin» au» Danzig und de» Kommissar» Höft. Wie geheim der Letztere übrigen» seine Ermittelungen zu halten verstand, beweist der Umstand, daß Behrendt, ein brutaler, dem Trünke ergebener Mensch, keine Ahnung davon datte, daß man gegen ihn vorgede. Es mag ihm allerding« oei der längeren Anwesenheit Höft« am hies. Orte nicht ganz wohl gewesen sein, und man sprach von seiner Absicht, in Kurzem nach Amerika, wo er schon einmal gewesen, zurückzukehren. Aber er hatte keinerlei Fluchtvorbereitungrn Öen und war von seiner Verhaftung offenbar auf'« e überrascht »nd betroffen. SBeifHtf, 14. Mai. In der Beilage zu Rr. 34 de« .J«rael,t" berichtet ein Eorrespondent au» Lasset, daß ich, obgleich ein Schüler de« vr. Hildesheimer, unter die Bewerber de» Eaffeler Landrabbinat« gegangen.*) Die Eorrespondenz schließt mit dem charakteristischen Satze: »Da man sich die Namen der beiden Herrn für spätere Vakanzen wohl merken wird(!), so wäre e« in ihrem Interesse erwünscht, wenn sie Klarheit in die Sache brächten". —. Diese freundschaftliche Fürsorge' de» namenlosen Eorre- "l Der Redacieur der »Jüd. Pr.", Hildesheimer jr>, hat übrigen» jüngst ertlürk, daß e» gar keinen Schüler Hildesheimer» geben kdnne, der in tfaffcl candidire, denn mit dem Augenblick, wo er ein« solch« Schanghai begeht, hört rr aus ein »Schule, Hildesheimer»" zu sein. Da« heiß« doch schlau die Verantwortlichkeit der Schule sur den Schüler abschütielnl An Schlauheit sind dies« Orthodoxen den geraden ,Brr«lauern" doch.über". (Red.) spondentea für da» Schicksal meine« »Romen» bei spätere, Bacanzen" sieht dem bekannten »Winke mit ri.‘an Zaunpfahl' zwar so ähnlich, wie ein Ei dem andern; allein da Klarheit verlangt wird, so will ich für meine Person nicht zurück, halten. Daß die» von mir so verspätet geschieht, ist nuh, meine Schuld. Ich lese den »Israelit" nicht, und da Freund, der mir das Blatt gestern zukommen ließ, hätte diel allrrding» schon früher thun können. — Also Klarheit! So wenig ich für meine Person jrmal» die Einfüh. rung einer Orgel veranlaffen würde, so wenig sehe ich „ dem Vorhandensein einer Orgelsynagoge rin Lindermj für meine segensreiche Thätigkeit als gesrtzeStreuer Rabbiner. Die Orgelfrage hat längst aufgehört. ihre besondere Bedeutung zu haben. Der Kamps gegen die Orgel war seiner Za, vielleicht nicht unbegründet, weil beim Beginn der Reform, brvegung innerhalb de« Judenthum« die Einführung dn Orgel den Anfang zu einem unabsehbaren Ende in nrgativer Richtung bildete. Heute ist aber die negative Teiiden, bei Rabbinern und Gemeinden nur höchst sporadisch Vorhände, Die Erfahrungen der Geschichte innerhalb und außerhalb de« Judenthum» haben den religiösen Eonservatismu«. Gott ja Dank, allgeinein zur Geltung gebracht. Die Orgel hat heult religionSgesetzlich nur noch ihre ganz einfache immanente und nicht die geringste tranScendeute Bedeutung, und dies« ist nicht größer, al» 100 andere Anläffe, die man auch zi keinem o»»u» b#lli aufbauscht. — Die» meine Erklärung j, möglichster Kürze. Freilich bin ich mir bewußt, daß ich nach dieser Erklärung erst recht kein Orthodoxer & I» .Israelit' »für spätere Bacanzen" bin. Warum soll denn aber nm die Orthodoxie die echte, lautere, dem Judenthum gemäß und förderliche sein, die für jeden, der Augen hat. da» Gcsich jene» »Mohren zeigt, der seine Schuldigkeit gethan?" Bezirksrabbincr Dr. I. Goldschmidt. #«* Wtdertzesse». (Or.-Eorr.) Die Agitation da Orthodoxen in der Kasseler Landrabbinerwahl veranlaßt auch mich zu einigen Bemerkungen. Zuvörderst möchte ich m, großer Genugthuung constatiren. wie der Mainzer .JSrartit' in seinen ersten diese Angelegenheit betreffenden Artikeln d» große Beliebtheit de« .Herrn vr. Adler gerade bei dr» Landgemeinden unumwunden anerkennen mußte. Wer den ..Jsraelil" einigermaßen verfolgt hatte, den mußte die» frappieren. Ich, wird man wohl einsehrn, daß es nur geschah, nm die Agitation für die Partei von dort aus einzuleiten und doch de, nirderhessischen Juden nicht vor den Kopf zu stoßen. Da» sich eine so große Anzahl derselben bereit finden lasse» ivürde, den Plan der orthodoxen Führer zur Ausführung bringen zu helfen, konnte man in Mainz allerdings nicht wissen; mußte man dort doch annehmen. die nieder hessisch«, Juden seien zum grüßten Theile durch ihren Rabbinen, m durch ihre auch schon längst dem verfallene» Lehm ganz und gar dem Verderben anhcimgefallrn. Wer mit de» hessischen Verhältnissen einigermaßen bekannt ist, weiß wohl daß die ganze Agitation von auSwärt» ringeleitet wurde, in ganz Niederhessen ist wohl nur em (in Kassel wohnrndm Mitunterzeichuer der Petition ein wirklich verbiffener Anhänger der Orthodoxen*), dem ,nan wohl da» Erheben solch unmotivirter Anklagen zutrauen könnte, wie sie in der Petitio» enthalten sind, von dein man aber doch nicht glauben kan, daß er Veranlasser der Agitation sei. Der „J»raelit" hat j« selbst zuaestandkn. was auch der Wahrheit entspricht, Hm Or. A. sei gerade bei den Landgemeinden schr beliebt gewese. Er ist r» sicher auch heute noch bei der grüßten Anzahl auä der Unterzeichner der famosen Petition. weil Herr dr. i nicht allein auf die Hebung de» ReligionSwrsen« sehr bedacht war, sondern auch den Frieden in den Gemeinde» zu förden suchte und den Geringsten freundlich und wohlwollend behandelte. Selbst Herrn Nagel au» Gude»«berg halte iä *) Wa» sich au» dessen verwandlschaftlichen Beziehungen »ii da Famtlle Hirsch in Haiberstadt erklärt. Jüngst schrieb un« ein andew ltorrespondent au» Hessen, daß diese Hyperorthodoxie gerade da» Heckack de« Wucher» sei. (Red.)