Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 21.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 166 I Hkrrn Hirsch nicht allzuwörtlich nehmen darf und daneben klärlich finden, wenn man nach einer solchen Sprach« des ntau« bedeutendsten Führer» der Separatisten etwa» mehr dem Schriftchen vermuthete, als rin« Eollection talmudischer prüch« und Sentenzen. Herr Hirsch beginnt, zur Materie Ibit übergehend, sodann damit, au» dem knappen. ohne ommrntar unzulänglichen Ausdruck der heil. Schrift die oll,wendigkeit der Tradition zu beweisen; daß damit aber ir kritische Gcmüther — und auf diese und nicht etwa die siiglieder seiner Separotgemeinde kommt e» hier doch an. n» an die crstere» ist sie doch gerichtet — für die beanstandeten unltr durchaus nichts bewiesen ist. brauche» wir Herrn Hirsch ol,l nicht weit zu drtailirrn. „Der Kern dieser Uebrrlieferungen ,chi bi» auf Mose» hinauf, der sie mit dem schriftlich xuten Gottesworte zugleich al» gleich göttlichen Ursprung« ,i die Ausführung der GotteSlrhre scinem Volke übergab' l. 1). Der Kern — darin ist wohl selbst Herr Rohling mit nn 'Lstrsasfrr einig — der Jtcrn reicht zweifelsohne bi« Mose« iruif. Daß aber die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, rseii Kern in der Obhut ungeeigneter, einseitiger, bigotter ht unkritischer Köpfe im Laufe der Zeit so verkapselt zu he», daß der lieber selbst ihn nicht wieder erkennen würde. >ese Möglichkeit muh doch immerhin zugegeben werden. .Außer diesen bis zu Mose» hinausrrichenden Hebercscrungrn enthält der Talmud noch urtheilcnde und belehrende Aussprüche. Entscheidungen und Darstellungen späterer Gesetze»- torcr und Weise , die al» Folgerungen, Antvendungr» und rlauicrungr» au» jenen Ueberlirferungrn flieste» und ihnen di anschliesten und gleich ihnen mit Verpflichtungskraft cklcidrt sind, der s. g. halachische Theil" (2 2). Eben da cgt«. Herr Hirsch, hier waren Eie auf dem rechte» Wege, mm Sie hiermit nur nicht gleich wieder für immer davon abliche». „Au» diesen flüchtigen Skizzen läßt sich wohl schon stcnnen, wie der Talmud nicht etiva eine dem Judenthum hinzucsügtr Beigabe ist. die man entfernen könnte, ohne da» Wesen de» iudenthum» zu berühren, wir vielmehr der Talmud die inzige Quelle ist, au» welcher da» Iudenthum geflossen, er Grund ist. auf welchem da» Judenthum beeil t und die Le br n «s ee l e ist, welch« da» Iudenthum gestaltet nd erhält rc." (S. ö). Wir haben die Ucbrrtreibungrn de» nrrn Hirsch gesperrt setzen lassen und können un« de« Mieren Eommentar» wohl enthalten. Wenn da» Alle» us » Wort zu nehmen iväre. so tvären sieben Achtel unserer mischen Juden keine Jude». (Sie sind r» in den Augen >.< freilich auch nicht. Red.) Und da» eine Achtel setzte sich zu« immen au» den Jude» der tvenigen deutschen Srparatgemeinden. nigen Landgemeinden Hinterhrssrn», Bayern», der Prov.!oscn re. Und wo bleibt bei dieser omnipotenten Stellung cs Talmud die Thora selbst? Freilich die ist bei dieser schule ja immer erst in z weiter Linie gekommen. tSchinb!>»»>). Berichte «nd Corresponde«;»». Deutfcbland. Magbelurg. Wir erhalte» au» E s s e n. (von H. Siegfried >ras)nachfolgenden zeitgrmätzen Artikel: .Drei Graste in »rael. Rur »venigr Monate noch und von allen intelligenten idischcn Gemeinden, Körperschaften, Privaten und den vielen, ielcn Tausenden de» Erdball», denen er ein TOTO war. wird rr 100. Geburtstag jene» großen Philanthropen von Gotte» inaden an der Themse gefeiert werden, der geehrt wird von men königlichen Freunden, von den höchsten englischen Würdenträger», bewundert von den Zeitgenossen. Run. amtliche jüdische Zeitschriften berichteten im vorigen Herbst l>rr d>e stattgehabte Feier zur Bollendung de» 80. Leben»- hrc« Mose» Montefivrc» und über die Vorkehrungen > einer solchen, die, so Gott will, zum 100. GeburtVag Sofien werden. Aber ebenso gerechtfertigt wir die Feier escr Leuchte auf dem Gebiete de« "ton fllS'OJ ist. s» gechtsenigt ist es auch, an einen andern Grasten in J»rael > denken, der eine Leuchte auf dem Gebiete der andern Säule des Judenchum«, der rmn, ist. Ich meine den .eigen lichen Begründer der Wissenschaft de» Iudenthum»", vr. Lopvld Zunz. Zunz ist am 10. August 1784 in Detmcld geboren. Er wird also in kaum 3 Monaten sein 80. L, benrjahr vollenden. Habe ich e» nöthig, über die Brdru ung Zunz'» ein Wort zu sagen? Jeder jüdische Gelehrte kennt ihn. der „da» ganze reiche Gebier der juo. Wissenschaft schloß", den Verfasser de» Nassischen Werke»: Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden, „da« den ersten Platz unter den r eueren Werken der jüdischen Wisseizschaft einnimmt", de» Verfassers der Werke: Zur Geschichte und Litteratur, die sy.iagogale Poesie de« Mittelalter», die Ritu» u. s. w. Ich glaube, e» bedarf kaum dieser Worte der Erinnerung zur Begehung einer erhebende» Feier seine» 80. Geburt»- tagr«. Dir Berliner Geineinde wird ihr gelehrte« Mitglied, die Ä.'lrhrten ihren Nestor und Meister, der deutsch-israelitische Gerne ndrbund, ja alle, die Herz und Sinn für die Ehre de» Iudenthum» haben, werden diese Zierde der jüdischen Wissenschaft zu ehren wissen. Im Jahre 1864 wurde eine .Zu nz» Etistnng" gegründet. Wo ist da» Euratorium? Wenn dasselbe »och existirt, so wird e» sich de» größten Danke» aller Rabbnen, Eulturbeamte». Gelehrten rc. versichert halten können, wenn e» Zunz'» größtenthril» vergriffene Werke neu auslrgen lasten würde. (Einige Bändchen sind bereit» erschienen. Red.) Und wer ist nun der dritte Große? Nun, c» ist keine physi che Person. Und doch hat auch diese Große» geschaffen. Hunterte haben Bildung von ihr erhalten und verbreiten diese zum Segen der Gemeinden und verkündigen Gotte» Lob in dcr Synagoge Israel» in aller Herren Länder, ja sogar jenseit» de« Oeean». Am 6. November besteht da» jüdisch'« Leh rerseminar in Berlin 2ö Jahre. Leider tollte der eigentliche Begründer diese» Seminar» den 2öjähcigen Jubeltag nicht mehr erleben. Der Rector A. Honvitz ist vor nun mehr al» 2'/, Jahren au« dem Leben geschieden. Die Saale» aber, die er gelegt, sie keimten und blühe» jetzt zum Heile de» Iudenthum». Dcr jetzige Director ist der sehr tücht ge vr. H o l z m a n n. Nur 4 Lehrer im Kollegium wirke» seit seiner Begründung noch an demselben: Herr Könizl. Musikdirektor Lewandowaki. der sich ganz be» besorber» um die Ausbildung der Lcyrer m» rumoren verdient gemacht hat. Herr vr. Simon und zwei technische Lehr?r, die Herren Eohn und Löwe nt Hab Wäre e« nicht angebracht, eine würdige Feier zum 25jährigc».GcburtStag diese: Anstalt zu veranlaffe»? Vielleicht bildet sich ein Komitee zur Begehung einer solchen, da» zusammengesetzt werten könnte au» dem Schulpatron, dem Direktor und rinixen Lehrern der Anstalt, Freunden und Gönnern derselbcn, sowie au» einigen Lehrer» der Provinz, die au» dieser Ans alt hervorgegangen sind; denn fast alle, die in derselben ihre Ausbildung erlangt habe», gehören mit ganzer Seele ihr an. und zu diesen zählt auch der Schreiber dieser Zeilen. Alst«, auf zur That!" Sturz, 18. Mai. Den Bemühungen de» Kriminalkommissariu« Höft au» Berlin ist e» nunmehr gelungen, da« Dunkel zu lichten, da» Monate lang über dem viclbesprcchenk» Knabenmorde lag: er hat anscheinend den wirkliefe rt THaler entdeckt, und zwar in der Person de» katholischen Fle scher» Joseph Behrendt von hier. Der 33jährige B. ist oerheirathet und Vater ztveier Kinder. Da» Motiv der That ist noch nicht völlig aufgeklärt; doch neigt man zu der Annahme, der Mord sei au» Fanati»mu» verübt, um die Jul»en. die hier an sich schon einen ungcmcin schwierigen Stand haben, unmöglich zu machen und au» der Gegend zu verirriben. Für diese Auffassung sprechen verschiedene von B. früher gemachte Aeusterungen sowie auch der Umstand, dast B. der Erste war, dcr den Verdacht auf die Juden lenste. Anläßlich einer Haussuchung beim Kaufmann Boß — einrm gut beleumundeten, achtbaren Manne, den man al« Komplicen de» Josephsohn betrachtete und gleichfalls ein ge Zeit in Haft hielt — grberdete sich B. geradezu rabiat,