Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 21.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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— 164 — Agitate-en in Stadt und Dorf bedienen, sonst wären hier Scenen rorgekommen. die an Grausamkeit die in Rußland vorgefaller.rn weit übertroffen hätten. Man oars ohne Uebertreibung behaupten, daß ti kein Land auf dee ganzen Erde, nicht einmal Rußland au»genommen, giebl, in welchem Juden, wie überhaupt Menschen, unmenschlicher und schmachvoller behandelt werden, al« die Juden in Rumänien, da» sich einen konstitutionell regienen Staat, ja seltsamer Weise „da» Belgien de« Orient«* nennt, in Wahrheit aber ein Land ist. da» die Juden erbarmung«lo» aussaugt und beraubt, Physisch und moralisch tobtet, um sie dann bei günstiger Gelegenheit au« dem Land« »u jagen. Warum wir bislang geschwiegen haben, wird man wohl fragen. An wen solle» wir un» wende»? Da« Ausland besitzt ja durch seine hiesigen Vertreter genaue Kenntniß von unseren Leiden, e« weiß ganz gut, daß seit etwa 4—ö Jahren Tausende von Familien, die früher wohlhabend, sogar reich waren, in Folge der harten Regierungsmaßregeln und Gesetze im buchstäblichen Sinne de« Worte« Bettler geworden sind, daß durch da« jüngst votirtr und am 1K./27. März durch königliche Sanktion in Kraft getretene Gesetz, welche« den Klein- und Hausirhandel vollständig verbietet. 20.000 Juden, wenn nicht noch mehr, dem Hungenode ausgesctzt sind, und doch hören wir nicht» von Schritten, die zu unseren Gunsten geschehen wären. Im Interesse dieser Unglücklichen, welche seit etwa 14 Tagen verzweiflung«voll und händeringend die Straßen von Jaffy. Botoschani. Galatz, Bukarest durchirren und ihre glücklicheren Alaubeik«brüder um die schleunige Beschaffung von Mitteln behuf« Auswanderung aus einem Lande, da« ihnen den letzten Nahrungszweig abgeschnitten hat, anflrhen, erheb« ich diesen Schmerzen»schrei. Möge er von allen unseren Älauben»brüdern im Au«lande beachtet werden und sie bewegen, sich dieser Unglücklichen anzunrhmrn, aller Arten Subscriptionen zu eröffnen, damit nicht etwa 5000 jüd. Familien, darunter viele Wittwen und Greise, di« sich bisher in unbescholtener Weise ernährt und die Nicht« gegm Gesetz und Sitte verbrochen haben, und die gerne arbeiten möchten, elendiglich umkommen. (Möge dieser Nothschrei zu den Ohren der Leiter aller i»r. Allianzen in Pari», London. Wien und Berlin dringen und den Unglücklichen bald Hilfe werden. Wenn wir nicht irren, ist von den Sammlungen für die russischen Juden noch ein beträchtlicher Rest beim Eomitä in Berlin in daposito, der jetzt für die Rumänen die beste Verwendung fände. Herrn vr. Salvendi würden wir ebenfall» ersuchen, sein Augenmerk ganz besonder« dieser neuesten Ealamität zuzuwenden, für die „Palästinenser" wird ja ausreichend in Mainz, Würzburg. Berlin. Amsterdam und in den meisten russischen Gemeinden gesammelt. Wir erklären un» auch gern bereit, zu obigem Zweck bei un» eingehend« Gelder einer Eentralsammelstelle zuzuführen. Vielleicht stellt sich da» Berliner Rabbinat an die Spitze einer Sammlung mit ähnlich günstigem Erfolg wie Anfang diese« Jahre» für die Unglücklichen in Ha«kiöi. Die Redaktion.) •in Wortführer -er Orthodoxie über b< Tal«»-. Singe schon hatte ich e« al» einen Mangel empfunden habe mich dem Herrn Redakteur d. Bl. gegmüber oftma in diesem Sinne ausgesprochen, daß unsere heutige Kam, orthodoxie sich nicht klar und offen über ihre Stellung za Talmud d. d. nicht zu den allgemeine», von Niemand«» strittenen, sondern selbstredend zu den von unse Gegnern incriminirten Stellen und Aussprüchen dessen» äußert. Da man nun gewöhnt ist, Herrn Sam,'- Raphael Hirsch al« da« eigentliche gelehrte Haupt dikig Richtung zu betrachten, der nicht durch Platitüden, Schaletosa witze und weit hinter den Schauderromanen sichend, zusammengestoppelte Wundergeschichte» der ärgsten Att in Publikum zu regaliren sucht, sondern von jeher bestrebt w, seine religiösen Ansichten auch, so weit angängig, i» > wissenschaftliche« Geivand zu kleide» und sie zu begründ so ergiebt sich darau«, mit welcher Freude ich das unten angi zeigte Schriftchen*) willkommen hieß. Nu», ich bin gründin genug dafür gestraft und enttäuscht worden, enttäuscht bin, eigene Schuld, denn ich hätte mir sagen müssen, daß in birj^ Frage die Antwort jener Buchstabengläubigen — keine Antwo, sein iverde. In der Thal, auch nicht die blaffe Ahnui einer Lösung in den ganzen 38 Seiten diese» Schriftchentl nicht» al« einige Dutzend mehr oder weniger zur Sache gq höriger, lose ei»ander gereihter und durch eine leichte Phrai verbundener talmudischer Sprüche und Sentenzen, wie i jeder jüdische Dorfschulmeister mit Hülfe von Duke«. Gm bürg, Fürstenthal »r. kein Jota schlechter hätte zusammensicllä können, — und wie sie in größerer Ausivahl entsprechenden Elassificinlng und Einleitung von seinem Standpunkt o« Stern au« Bettenhausc» in der Reclamschen Sammlung fi 20 Ps. dem Publicum dargeboten hat, — ohne daß Herr Hin^ auch nur im Mindeste» auf die Materie selbst eingeht. U« da« nennt der Nestor der heutigen Orthodoxie: „tu Beziehung de« Talmud« zum Judenthum und zur socialä Stellung seiner Bekenner" darthun? Und damit sollte ma ehrliche Gegner, denn auf diese kommt e« doch an, za Schweigen bringen und bekehren können, damit wären ehrlich Gegnern gegenüber die heute bedenklichen, weil vielfach mti| verstandenen und mißdeuteten Au«sprüche und Anschauung — nicht de« agadischen Theil«, Herr Hirsch! den» scheidet hierbei au«. — sondern der halachischen au« der L geschafft und in Harmonie aufgelöst? Da« wäre ähnlich al« wenn man lediglich aus Grund der erste« besten deuisä Spruch- und Sprüchwörtersammlung eine Ethik de« deutsä Chrislenthum« construiren und danach beurtheilen wollte. Ehrlii gestanden. so dürftig hatte ich mir die Bearbeitung dieses Thema'« durch den gelehrtesten und vornehmsten Vertreter ‘ Orthodoxie nimmer gedacht. Und dabei tritt da« Schrisiä keinesweg« anspruchslos auf. „Bon befreundeter Sein leitet e« ein, bin ich um eine kurze aemeinfaßliche Darstellu der Beziehung de« Talmud« zum Judenthum und zu socialen Stellung seiner Bekenner ersucht worden" ...» habe mich der Lösung dieser Aufgabe gern unterzogen uä hoffe mit den folgenden Blättern dem Zioecke nach besief Kräften entsprochen zu haben.... So mö denn diese anspruchslosen (!) Blätter allen denen al« Quelle darbieten, die gerne Boruttheil gegen Wahr auStauschen, mögen sie «»»besondere von allj denen einer Einsicht und Kenntnißnahme H würdigt werden, die vermöge ihrer Stellung u»ll Wirksamkeit berufen sind, «uf die GeschO jüdischer StaatSgenosse» einen Einfluß zu ätxij Man sieht. Herr Hirsch hat sich nicht wenig vorgenomin und wird zugeden. daß man e« mit der „An>pruch«losigl> *) Utbtr bit Beziehung bt# Xalmub* »um Juden «hum und , so« taten Stellung seiner Bekenner. Bon Samson Rapdaci £»n Frankfurt ». OL 1884 Verlag von I. Ikausmann Preis 1 Mail.