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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 20. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 20.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 160 — Verordnungen in humanem Sinne interpretrrt. Lin Agronom, der n Uman seine Examina gemacht und nach mchrjährigem praktischem Dienste von Herrn Abraham Harwitz zum Berwalter seiner im Bezirk Pultawa beleacnen Güter bestellt worden war, wurde «»«gewiesen — weil ein Jude nicht im Dorfe wohnen dürfe. Der Senat entschied, 3 Wochen nach Eingang der Beschwerde, daß gelernte jüdische Agronomen in den Dörfern wohnen dürfen und der Betreffende unbehelligt gelasien werde, auch dem Gouverneur v. Kiew angefragt werden solle: Wie er gestatten könne, daß in seinein Bereich« die Gesetze derart von seinen Beamten mißdeutet würden. — In einem andern Falle, wo man einem Juden, dessen Haus am IS. Jun: 1882 abgebrannt war, den Wiederaufbau nicht gestatten, sondern ihn auStreiben wollte, entschied der Senat: 1) Daß durch die Verordnungen rom 3. Mai 1882 «« den Juden wohl verboten morden sei, sich in Dörfern niederzulassen, doch keineswegs damit gestattet wäre, die von früher her dort wohnenden auszutreiben. 2) Durch kein Gesetz und durch keine Verordnung ist das Wohnen der Juden in Dörfern abhängig gemacht vom Landbesitz. oder einem notariellen Pachtverträge l Der Betreffende darf natürlich jetzt wohnen bleiben. An der Grenze wird jetzt stark auf die nach Amerika AuSwandrrnde» vigilirt und sie zurücktranspottirt. auch wenn sie reguläre Pässe haben! ES soll dabei Denunciantenunwescn mit im Spiele sein, wie ja unter den niederen Juden im Lande die Moßrim nicht alle werden. — WaS für Gelichter eS wagt, über und gegen uns Juden zu schreiben, daS werden Sie deutlich erkennen, wenn ich Ihnen da» eine Sätzchen citire, .welches der Corr. der .Nowo Wremja" in seinem Berichte über seine erdichtete Unterredung mit dem Rabbi von Wolosyn geleistet hat: .Die Lalmudbücher bilden 83 dicke Bände. Die am meisten davon gebrauchte sind die Schulchan'Aruch von RiwkeS (?), JsfliS (?) und HanSfrird (?)“! Dieser Leistung etwa entspricht da» Verbot de» Krischiner (Bez. Horadno) Rabbiners: Kinder sollen am Pessach nicht in Betten schlafen, «n welche» Stroh liegt, denn e» könnten Getrridekörner darin sein, welche, wenn sie feucht werden. Thomez werden könnten! In SchfiSencz (Kiew) haben 3 Juden, denen der Rabbiner nicht gestatten wollte. Mazzotmehl zu verkaufen, da» Haus de» Rabbiner» demolirt und diesen durcharprügrlt. (Hameliz.) Morsch«». Hier hat sich eine Filiale de« vom Grafen Jgnatiew gegründeten Vereins zur Vermehrung von Handel und Fabrikation gebildet, zu dessen Lettern kein Jude gehört. Au» dem Bezirke Lublin wird berichtet, daß sehr viele Juden in Dörfern al« Ackerbauer leben. JnKawel haben die jüd. Drosch.'enkutscher einen furchtbaren Skandal verübt, al» ihre christlichen Substituten, die hier an Sabbathen und rttagen vertreten, selbst Fuhrgeschäfte eröffnrten. Eoncurrenz bitter. Au» Ko »in wird berichtet, daß seit der Wahl de» modernen Rabbiner» solch Parteiung und Streitigkeiten herrschten, daß die Polizei bei einer Prügelei in der Synagoge einschreiten mußte. InSchleschin hat sogar ein besonders Exaltirter in der Synagoge einen Revolver gezogen und wurde nur mit Müh« gehindert, auf die Gegenpartei zu schießen. (Hazephira.) Palästina. Aernsate«. Sie haben wohl den Reisebericht von hier in der .Köln. Ztg." gelesen, welcher über die baulichen Verhältnisse Jerusalem» nicht v'el Tröstliche» berichtet. Ganz da» Geaenthril sagt ein Artikel im II. Heft der Monatsschrift „Mewaffere» Zion' (von Ben Jehuda und Leon Schwarz in Jerusalem.) Derselbe erzählt wie Montefiore im Westen von Jerusalem auf der Hügelkette, die zum Resaim- (heute Ben-hinnom genannt) -Thale sich hinsrnkt, 1855 Land erwarb e» mit einer Mauer umziehen. 2 Häuser und 1 Windmühle bauen ließ, wie dann bi» 1880 circa 24 Häuser auf Kosten diese» Edlen errichtet und „Mischkrno» schaanannin" genannt wurden. Sir Mose« bezahlte denen (und bezahlt« noch jetzt), welche so murhig waren, vor'« Thor zu ziehen, noch — Miethe können wir'« ja nicht nennen — also: Dohnun» aeld! Denn eine heillose Angst hatten die Städter, die Ara! schlügen Alle todt, welche außerhalb der Mauer wohn«, 1888 ordnete Sir Mose« den Bau von noch 4 Häusa an. Inzwischen hatte die Angst sich verloren, so daß Männer rin Stück Felde« am Wege nach Joppe büt erwarben, eine Listen» bauten — dann bi« 1889 pausinr bi« 2 Andere ihnen einen Theil de« Terrain» abkauften gut bezahlten. Die von ihnen gebauten Häuser nannte» „Nachala» Schiwoh". Jetzt stehen dott fast 200 Häuser, denen 400 Familien wohnen. Die jüd. Bevölkerung Hauptstadt war unterdeffen sehr stark gewachsen und Miethen in entsprechendem Maße gestiegen. Da bildeten s, Baugenossenschaften. Jede» Mitglied zahlte Eintrittes und Wochenbeiträge, dafür wurde der Grund und Bot, gekauft und gebaut. Die allmählichen Rückzahlungen bin denen die ersten Häuser durch'« Loo« zugewirsen waren, gab die Mittel zum Weitrrbauen. Die erste Genossenschait zädl> 100 Mitglieder, welche für die 200 Lira Eintrittsgeld Nordivest der Stadt Land kaufte und mit 600 Lira Jahm beitrüge bauten. Bon 1874 bis 1883 sind 100 Häuser g, baut worden. — Der Platz heißt .Meah Scheorim" und f bi» heute mit 150 Häusern besetzt. 1875 bildeten sich Bauvereine: 1) „Ewen Israel" (53 Mitglieder) am Wege na: Joppe in der Nähe von NachalaS schiwcah (15 Lira Einlrn, 12 Jahresbeitrag) j tzt wohnen dort 60 Familien. 2) .Mischkc», Israel" 140 Mitglieder (5 Lira und 4 Lira Jahresbeitraz kaufte sich in der Nähe von Ewen Israel an. Nachdn 44 Häuser fertig waren, konnte» sie nicht weiter bann Biele verkaufte» ihren Antheil für eine Kleinigkeit — h Herr Pinne» dem Verein auf die Strümpfe half durch Darlehen au« dem Montefiorr-Fond», 180 Häuser zu bau» und in 15 Jahren rückzahlbar. Dazu wurde Land crworbc um für Sephardim 80 Häuser zu errichten. Bi» jetzt sich dott 50 Häuser. 3) „Beth Jacob" 70 Mitglieder im Weiten va Ewen Israel — weit von der Stadt, da da» Land thcu geworden ist. Ihnen half Herr I. Horwitz, Vorsteher de« Kol, Horadno, auf dessen Anrathe» 10 Häuser für die Armen d« Kolel angekauft wurden (die je 8 Jahre umsonst wohne»! Außerdem wurde Synagoge rc. dott 'gekauft. Nördlr von der Stadt nach Slchem zu sind 20 Häuser gebaut uci steht noch viel Land bereit, doch fehlt das Geld. Rebe Nachala» Schiweoh erbaut A. David v. Meseritsch 10 Hans« „Beth David" zu Armcnwohnungen. Außer den Privat bauten haben wir also gegen 700 Häuser vor der Stadt. Hk«lilst1«Ul. .Hameliz" berichtet, daß Herr Montagu ua Herr Marku« Adler in Jerusalem angekommen seien, um fu durch Selbstsehen über die Kolouisation zu insormirea. D Letztere hat den Grundstein zu 20 Häusern gelegt, welche z den 180 Häusern der »Zelte Mosis und Jehudith" (Mont« fiore) gehören. — Die groß da« Elend hier ist, beweist seltsamer — um e« getind zu bezeichnen — Verein, unter de» Namen .Ozar Rechmad" sich hin gebildet Hot Die Mitglieder sparen die Eintrittsgelder und MonatSbeitra» um — Prämienloose anzukaufen, deren Gewinn allen M »offen gemein sein soll! — Herr Lewantin soll von Pari« I Wiedereinsetzung de« Herrn Belkind und die Absetzung l Herrn Hirsch (von der Ackerbauschulr) milgedracht haben, deffen Stelle ein in Eherkow gebildeter Russe Namen« Ossowej treten solle, der bisher Lehrer an der Ackerbauschule gewesen iit Vermischte tsttb neueste Nachrichten. ZIngdeßnrß. Au« den Debatten über Verlängern! der Dauer de» Socialistengesetze« heben wir nur einche Woi de» Abg. Meyer-Jena gegen die Stöcker'schc Resolut» hervor: „Die Resolution de« Abg. Stöcker ist un» auch s: halb unannchmbar, weil er Schutz und Forderung nur r die christlichen Kirchen in Anspruch nimmt. Wir leben einem paritätischen Staat. Alle Religionsgemeinschaften so in demselben gleich berechtigt, und die Sorte jene« praktisch«!

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