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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 20. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 20.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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e 149 — U Dr. S. ihm rin rühmlich«» Zeugniß über seine treue ■b segen-reiche Amtsführung ertheilt. Möchte nun dem« Men m dem neuen Amte dieselbe Liebe und Verehrung zu Reil werden, wie er sich ihrer in dem bisherigen Amte im Men Maße zu erfreuen hatte. (Dr S, ist au» Witzcnlusen in Kurhcssen gebürtig und war längere Zeit Rabbiner » t!uk an der russischen Grenze. Im Jahre 1868 trat er » de» württemb. Kirchendienst ein und verwaltete 1868—74 I» Rabbinat Buttenhausen und seil 10 Jahren da» Bczirts- Idl'mat Mühringrn.) I Da« Radbinat Müh rin gen ist bereit» zur Wieder» »ctzung in dem Württemb. StaatS-Anzriger ausgeschrieben kibrit | Au» Hstpreul^e«, 12. Mai. (Or.-Corr.) Vor noch Ichi langer Zeit beklagte He^r Rabbiner Dr. Dessauer an tfcr stelle de» schwachen Synagogenbcsuch in den Gemeinden, kb sletltc mit Recht diese« Uebcl als eine» derjenigen hin. Ie mit der Zeit unsrrem Iudenthum höchst bedenklich werden kmcn. Wir haben nicht nöthig, da« Wahre da» in dieser Insicht liegt, zu erhärten. aber eben so wenig könne» wir k« der Hoffnung hingcben, daß die Bloßlegung dieser Wunde k dem Körper de« jüd. Gemeindelebc»» rrsp. da« „Mahnwort" i den Ohren derjenigen dringen wird, für welche e« bestimmt }, da e» leider nicht zu den Grpflogenh.iten jener „Großen" in Isräcl gehöN, sich mit einer Lektüre speziell jüdischen Inhalt« zu sschästigen. Man suche nur nach in den Bibliotheken ihrer iäusrr, wie viel man da von den Werken vorfindet, die Eignet wären, da« jüdische Bewußtsein zu tvecken und zu tlcgeu. Man durchmustrre die große Anzahl von Untervltungsblättcrn. die von den Journallrsezirkcln in die lamilic l>esördert werden; und sch« zu. ob man da eine nfige jüdische Zeitschrift vorfinden wird. Darum meinen ir. daß auch dir von Herrn Dr Dessauer in diesem Blatte u«gesprochene Mahnung kaum ivclchen Erfolg haben wird, ki« mdeß dem Herr» da« Verdienst nicht ichmälert, den uirn und Indifferenten im Judenthum ihre Pflicht in« »ewissrn gerufen zu haben.! Wa» mich indrß dennoch veranlaßt, hier auf diesen Gegenstand zurückzukommcn, ist der Umstand, daß Herr Dr. kcssauer bei seinen diesbezüglichen Auslassungen nur die rößeren Gemeinden im Auge gehabt hat. Denn so verübend jene Erscheinung auch hier schon ist, so kommt sie ichr in Vergleich mit der Art und Weise, wie der Synagogen« «such bei den kleinern Gemeinden im Argen liegt, wenn er berhaupt noch existirt. Man glaube durchaus nicht, daß »ir mit Letzterem zu viel gesagt haben. In einem Theile er kleinern Gemeinden Ostpreußen», findet factisch selbst an en sabbathen und Festtagen kein Gottesdienst statt, weil a« hierru nöthige „Minjan" nicht aufzubringen ist. In alle» lesen Gemeinden äußerte sich bis jetzt die jüdische Zuge» öngkett — da die Geschäfte an den Sabbathen und Festtagen llc offen sind — nur in dem Genuß de» Koscherflcische«. 'a aber in jüngster Zeit auch hierin eine starke Abschwenkung attgcsunden hat, so ist nicht abzusehm, in welcher Weise instighin da» Judenthum hier noch eine Vertretung finden 'tfb. (Schluß folgt.) Frankreich. Mit einem Nekrologe will ich heute beginnen, rr eher rin angenehmes als schmerzliches Empfinden bezeugt nd hervorruft. Der rAntis6mitique, der kurze Zeit 4utzjrrE geheißen, ist, nachdem er von Montdidirr »ach dri» gewandert, eingegange», um von dem theuren Lügen td schimpfen auSzuruhen. Beim Orchester der Oper» ist al« Harfenist Herr Jules rank angestcllt worden. (Al» Kind gehörte er zum Thor t Synagoge rue Nauroth.) Außer ihm wirken daselbst in gehtelrr Stellung die Herren Morhang (Violine) und Loeb Violoncello). Der jüd. General Lambert ist Generalinspector der «ndarmene geworden. — Der Preis für Mechanik, welchen T General Poncelet gestiftet Hat, ist von der Akademie der Wiffenfchastcn dem Arüllerirkapitän HalpHen zuerkannt worden. — Der Verwalter der Eisenbahnen de» Süden» Herr Alexander Leon (Mitglied de» Consistorium» von Bordeaux), wurde zum Mitglieddes GcnrralratheS der Girarde für den Canton Captieux gewählt. — Der Capitän, im 76. Linienregimrnt. Herr Crom back, ist Leiter der militärischen Normalturnschule geworden. Holland. Int Rotterdam schreibt uns der Direktor der Taubstumml-nanstalt, Herr Dr. Hirsch, mit Bezug aus die Be» sprccho ng seine» Berichtes im „Litteraturblatt" u. A.: „Wenn ich die Entwicklung und da» Gedeihen unserer Anstalt näher betrachte und in der großen Anzahl Taubstummen, die hier zum Bewußtsein ihre« gesellschaftlichen und religiösen Leben» gekoininen. die Frucht sehe, welche ihre Wirksamkeit bei be» Ichränlten menschlichen Kräften und Mitteln getragen hat. dann wird die Erinnerung gewiß im höchsten Grade erbaulich u cd da« Auge de» Geiste« sicht die Weisheit und Güte de« Almächtigcn, der auch in dem Schwachen stark ist. Ich muß gestehen, daß cS für mich eine große Satisfaktion ist, wenn ich durch Erfüllung meiner Berufspflichten OSTt UlTp mache. Mit wahrem Vergnügen erinnere ich mich der Zeit, wo ich die Ehre hatte, Ihre persönliche Bekanntschaft in der Anstalt zu machen. — Mit herzlichem Gruße u. s. w. Ihr Dr. Hirsch. — Von anderer befreundeter Seite geht un» über dm Stand der Oberrabbinerwahlfragc folgende Mitlheilung zu: O. Motterdam, 11. Mai. Zwei Jahre sind e« in dieser Woche, da Sie hochverehrter Herr Rcdacteur, einige Tage unter un» weilten, unverwischt sind noch die Eindrücke, die Ihre 2 Predigte» in der vollgepfropfte» großen Synagoge aus die Zuhörer gemacht, trotz der vielen Probcpredigten die wir inzwischrn gehört. Noch immer ist da« Rabbinat unbesetzt, zum Schaden unserer ganzen Gemeindeverhältnisse, denn der altersschwache Hagener Oberrabbiner vermag nur küinnierlich die hiesigen RabbinatSgeschäfte mitzuversehen, er scheint unbewußt immer mehr rin Spielball in der Hand der Amsterdamer Clique zu werden, die ihre Jntriguen fort» fpinrt und alle« Mögliche thut, um keinen „Fremden" (Deutschen) hier gcivählt zu sehen, sondern irgend einen fanaiische» Schüler Dünner'». Inzwischen haben bereit« wei Präsidenten des Kirchenrath» ihr Amt niedergelegt, der romme I a c o b s o h n und der geistvolle S a n s o n; gegenwärtig steht der humane I. van Ra alte an der Spitze. Hoffentlich gelingt es ihm. die Rabbinerwahl zu einem baldigen glücklichen Ausgang zu bringen. Au» der ersten Serie der Candidaten hat der Herr Dr. Grün (Prag) hier noch einige Freunde und Anhänger, au« der zweiten Herr Dr. Ritter, Rabbiner in Prenzlau, der, obwohl ein Brecäaucr, doch von sehr streng orthodoxer Gesinnung ist, und deshalb die hiesigen Orthodoxen für sich hat. Dem Drängen einer dritten Partei nachgebend, soll der Kirchenrath jüngst beschlossen haben, doch noch einen, seiner Jugend wegen bis jetzt zur Probeprcdigt hier nicht zugelaffenrn Candidaten au« Berlin, der den Vorzug hat, daß er der holländischen Sprache mächtig ist, in nächster Zeit hier von der Kanzel herab zu hören. Wer dann der Glückliche oder Unglückliche von diesen Dreien sein wird, unser Oberrabbiner zu werden, soll ich sodann entscheide». Bei der Langsamkeit und Schwerällizkeit, mit der bei un« diese wichtige Angelegenheit be« hanl>elt wird, — wodurch allen Intrigen stet« allzuviel Zeit und Spielraum gelassen wird. — ist die Möglichkeit nicht aus» gesckiloffen, daß alle drei eine Täuschung erfahren. Rußland. Petersburg. Während da» Judenkomitc historische Forschungen anstrllt, welche wohl noch Jahre hindurch dauern werden, mehren sich die Anzeichen, daß der Senat in allen, an ihn gebrachten Einzelfällrn die bestehenden Gesetze und

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