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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 20. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 20.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 151 — Menth»««, die in den antisemitischen Bestrebungen ihren l-druit findet, könne« wir an, allerwenigsten geeignet erzur Bekämpfung der Socialdcmokratie." Uerkk», 13. Mai. Eine seltsame Beleidigungsklage chisrigte gestern da» hiesige Schöffengericht. Ein ihin von s^inna Gerold, Unter den Linden, zugegangene» Offerten» rular hatte der Bankier Arnstedt mit dem Vermerk ,.Z »rück de» Antisemiten Gerold" zurückgrsendet. Die ,,'t verweigerte die Annahme der Rücksendung in dieser rm und nun packte Herr A. da» Eirkular mit jenem nnerk in ein Kouvert und schickte r» Herrn Gerold mit n Bemerken zu. daß die Herren, welche die Parole au«- kh: .flaust bei keinem Juden!" diesen Ruf doch auch i, konsrquent dahin ausdehnen füllten, dass sic keinen Juden ■ Zirkular auffordeNen, bei ihnen zu kaufen. Die oben zeiubtte Bemerkung auf dem Kreuzband hielt Herr iHerold > so mehr für eine Beleidigung, al» die Retoursendung m der Poit übergeben worden war und e» eitttvickelte sich lau» eine Privatl>elridig»iigSklage. die auch zur Verurtheiig bf» Bankier» Arnstedt führte. Rechtsanwalt Munkel \ iVrttjribifln: bestritt zwar, daß von einer Beleidigung r die Rede sein könne, da da» Won Antisemit an sich st nicht beleidigend sei. denn sonst würden sich doch nicht ptdK Leute mit besonderem Stolze Antisemiten nennen. der Sache selbst habe der Angeklagte nur in ganz bedtigtcr Weise die Konsequenzen gezogen, die sich au» dem irgchr» der Antisemiten ergeben. Der Gerichtshof war n der Meinung, dag sich au» der ganzen Situation und st mehr au» den Worten, die der Angeklagte zur Eiterung schriftlich hinzugefügt, die beleidigende Absicht ergebe, k er vrrurtheilte ihn deslgrlb zu 50 Mark Geldbuße nt. 5 lagen Gefängniß AerN«. Im Jahre 1883 haben 332 Abiturienten auf de» I höheren Lehranstalten Berlin» da« Zeugniß der Reife lallen. Auf de» 14 Gymnasim habe» die Prüfung beiden 257. Dem religiöse» Bekenittniß nach waren von I Gymnasiasten 182 rvang., 68 jüdisch, 5 röm.-kath., Dissident. Unter den 68 jüd. Abit. wenden sich 26 dem mdium der Medizin zu. 13 der Rechtswissenschaft. 8 der »lologie, 5 der Geschichte, je 4 der Mathematik und dem »fach, je 2 der Kunstgeschichtc und dem Baufach zu. 1 Id Ingenieur. Die Realabiturirnten waren bi» aus 4 ligrlisch, von diesen sind 3 jüdisch (1 Stud. der neueren lachen. I Mathematiker und 1 El-emikrr) und 1 römischlolisch, der neuere Sprachen studirt. — Von der inüitb« In Prüfung wurden dispensin 38 Gymnasial-Abiturientri'. » diesen DiSprnsirtrn waren 26 evangelisch und 12 jüdisch. I Die in Znche» erscheinende „Rheinische Westfälische lulzeitung" Rr. 15 vom I. d. (streng katholisch) enthält «ende«: „Berliner £ uriosum." Unter den 912 Schü- »nen der Berliner „Eharlottenschule" befinden sich nämlich iBekennerinnen evangelischer und 17 katholischer Konfession, Uhssidrntin. dagegen sage und schreibe 297 mosaischer »gio». Hierbei ist zu bemerken, daß der Kontrast in den Ukit Klaffen am grellsten und auffallendsten sich gestaltet. Isind beispielsweise von den Besucherinne» der Klasse Ilb Mvang., 1 kath. und 21 jüdisch; von der Klasse H» Mang , 1 kath. und 20 jüdisch; von der Klasse I» schließlich »17 cvang.. 1 kath. und 26 jüdisch. Und da» soll eine «Mche Schule sei»? Das „Westfäl. Volksblatt" meint: »anigeVerhältnisse müssen um so mehr frappiren, al» sich I„Eharlottenschule" in demselben Stadtviertel befindet, Mer da« vornehmste und tvege» der vorzugsweise hier Wenden höhere» Beamten da» „Gcheimraths-Vicrtel" ge- W> w»d. S«pienti s*t!“ IP»K){|, 12. Mai. Nachdem heute Vormittag auf Grund Wrmitiklungen de» Kriminal-Eommiffar» H ö f f t au« Berlin, Mr inchrere Wochen lang in Sturz geweilt, der verhaftete Handel«man» Josephsohn-Skurz au» dem Preu- MStargardter Gefängniß entlassen worden, empfahl ■ dringend dem Josephsohn, er solle vorläufig nicht nach Skurz reisen. Dieser Ort ist Sitz de« Antisemitismus, noch mehr al« Neustettin. Hüfst hat sich sehr liebevoll de« entlassenen Joseph'ohn angenommen und verdient für seine äußerst schwirr qen Ermittelungen warme Anerkennung. Lünrz. Montag früh war der entlassene Josephsohn mit seinem alten Vater in der Synagoge und dankte dem Schöpfer vor aufgerollter Thora für die Rettung, die ihm endlich grivordcn. 6 Personen von hier sind einhaftirt und nach Danzig tranSportirt worden, woselbst auch der Tendenz- Prozeß der in mehr al« einem Stück an TiSza-Eßlar gemahnt, zur Verhandlung kommt. A tnttgnrt. Ein israelitische Wittwc hier mit 2 Kindern, welche sich init dein Bnider ihre» verstorbenen Gatten wieder verhcirrthe» wollte, sollte von Kirchenrath vr. Wassermann kirchlich getraut werden. Unter Berufung auf die religiösen Bestim nungen. wonach eine solche Ehe als Blutschande aukgefaßt werde, venveigcrte benannter Rabbiiter die religiöse Traun ig und die neue Ehe mußte sich mit der Eiviltrauung beginnt gen. (Wenn der Berichterstatter des „Beobachter" da» Verfahre» de« Rabbiner« als „alttalmudischc Unduldsamkeit" geißelt, so beweist er dadurch nur seine Unkenntniß in biblischen Dinge». Red.) Hkeft. Der „iür. Handwerks- und Ackerbau-Verein" hielt »orige Woche unter Vorsitz vr. Schön borg'» seine Jahrcevcrsammlung. Die Anzahl der BrreinS-Zögiinge beträgt;.20 Gciverbe-, 5 Ackerbau- und 1 Weinbau-Zöglinge, ferner wurden 6 Schüler der Gewerbeschule und ein Kunst« akademikrr mit Vereinsstipendien bedacht. # Htn-npest, 27. April. Im Piunksaal der Akademie der Wissenschaften fand heute Vormittag« zu Gunsten de» Kleinkindcrbcwahr-VereinS eine Matinöe, statt, deren Glanzpunkt eine Vorlesung Jä ka i'« unter dem Titel „Wie ich ein Philosemit wurde" war. Unter dein glänzenden Publikum befanden sich u. A. auch die Minister und wurde der Vortrag mit stürmischem Applaus ausgenommen. (Wir haben den Vortrag in der vor. Stummer de« „Familienbl." gedrückt. Red.) Itari». Dem Herrn Jame« Darmesteter ist von der ^„«ckvnü« trnupni«« ein Theil vom Preise Bondin für seine Ecuia über die englische und orientalische Litteraur zugespi ochrn worden. Au« Algier wird darüber geklagt, daß nicht allein dortige Juden noch sehr häufig die Ehe nur religiös schließen, ohne der Eivilehc zu gedenken, sondern daß Glaubensgenossen au« d«m Mutterland« dorthin kommen, um die Eivilehe zu umgeht». Daß dabei nur der Wunsch maßgebend sein sollte — auch eben so leicht sich von der Frau scheiden zu können, ist doch eine sehr gewagte Vermuthung. E« mögen die« Kille sein, in welchen gesetzlich erforderte Nachweise oder Papiere nicht leicht zu beschaffen sind. Jedenfalls ist die« ei» Mißbrauch, welchem die algier. Eonsistonen ernstlich entgegenacbeiten sollten. 3Um. Da« hiesige (>Sr.) Kinderasyl hat für die ital. Ausstellung in Turin seine Geschichte und eine Darstellung seiner Einrichtungen und Ersolge drucken lassen. Die Austal: besteht seit 1874, zählt 262 (früher 110) Mitglieder. Stadt und Provinzen geben erhebliche Unterstützilngen. Die laufenl'kn Einnahmen dieses Jahres mit 22,300 Lire« (17840 M.) übersteigen um ei» Geringe« die vorgesehenen Ausgaben. Die Zahl der ausgenommenen Kiuder hat sich von 100 auf 285 gesteigert, «chon 1881 ist die Anstalt und ihr Leiter von der Mailänder Ausstellung mit einer silbernm Medaille bedacht ivorden. (Arch. i«r.) Zernsake«, 6. Mai. Der bekannte Eonvertit und Vorsteher der religiösen Genossenschaft von Sio», Pater Rati«- bonin. ist heute hier gestorben. (Der Verstorbene war der Sohn de« Präsidenten de« israelischen Konsistorium« zu Straßl'urg. Sein Uebertritt erfolgte 1842. Er stand jetzt in seinem 63. Lebensjahre und war im Orient unermüdlich für di« katholische Kirche thätig.)

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