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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 20. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 20.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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147 — ochen, in brt ei gehänselt und gefoppt wird von keinen ameraden. maltraitirt und zurückgrsetzt von seinen Vorgesetzten ur weil er ein Jude ist? Etwa» anderekan» eine solche Lektüre nicht bewirken, enn auch vielleicht der .Fonds sittlicher Rohheit" doch nicht , dem Maße in unserer Armee vorhanden ist, wie bei dem alcnderschrriber, der auf ihn spekulirt. Aber noch eine andere Seite bietet die Propagirung craniger Ideen. Unsere Armee kennt Juden nicht nur als Uniergebenc". sondern auch als .Vorgesetzte" — wenn auch id)t in der Linie, so doch in der Reserve. Die meisterhafte Disziplin unserer Armee wird vielleicht verhindern, daß im egcl>e»en Falle der untergebene Christ dem Vorgesetzten Juden rgenübcr alle Konsequenzen dieser approbirten Lektüre zieht — irllcictjt auch nicht; vielleicht glaubt der Mann, das, er de» Itzig". der in der Lieutenants - Uniform vor ihm steht, so ckiandrl» dürfe, wie er es nach dem Buche, da» ihm ir Herren Vorgesetzten empfohlen haben, verdient. Und min? . . . Vielleicht gelangen diese Zeilen bis an dir Stelle, die cm Umsug der Verbreitung einer derartigen Schmutzschrift , »»seren Kasernen rin Ende mache» kan» und da»» sicher uch machen wird. Mag der Kalender nieinetwegcn — wa als .Teutscher Vvikskalender" — in private» Kreisen nie Hetzmission fortsrhen, wenn »ur unscre Armee nicht urch de»artige Schundlitlrlatur ve,giftet ivird. Die Aussorderung zu einer Rabbineriersammmlung ist gewiß zeitgrinäß und wird hoffentlich von dem rrchtschafsrnrn Israeliten »ach Gebühr begrüßt und csördert lverden. Ein Jeder lege Zeugniß ab vor Gott nd Menschen von der heilige» Lehre Israel», die von Unlssrnden und von den Feinden Israels fortivährrnd so sehr fichmährt wird. C» ist selbstverständlich und braucht nicht si besonder« hrrvorgehvben zu werde», dag r« sich hrntzu- >ge nicht um Synagogen- und Cullusstreitigkriten handelt, mder» um rinmüthiges Zurückweifen all' der feindseligen »griffe aus da« Iudenthum und zwar au» dem Wesen der icschichte unserer Religion selbst. Doch davon brauche ich >cr nicht weiter reden; die Angrlegrnhkit ist, wie ich sehr, > gute» Händen; wem die Ehre des Iudenthum» »och ivas gilt, wird nicht zurückblriben und alle andern Rückchten vor der Bedeutung der Einmüthigkeit schwinden lassen. Auf eine andere Angelegenl>eit wollte ich die Aufmrrkitnlnt der gesch. Leser diese« Blatte» lenken. Die meisten xmaligen mittelgroßen und kleinen Gemeinde», welche bi«, er sich der besten gottesdienstlichen Einrichtunge» zu erfreuen Ute», und in denen durch diese Institutionen rin wahrhaft ommer Sinn genährt wurde, schrumpfen leider so zusammen, >b sie jeden Tag mehr für ihren Bestand besorgt sein üsje». Gottesdienst, Schule und religiöse Vereine geralhrn imcr mehr in Verfall, die beste» Lehrer und CultuSbeamten isse» überhaupt nicht, wie lange ihre Gemeinde» noch im lande sind, so für sie zu sorgen, daß sie anständig lebe» »ne» re. Die leidige Sucht, »ach große» Städte» zu ziehe», in »och immer nicht auf, die Vrrwai«lheit in de» besseren eine,»den wächst »och immer. Die wohlhabenden Israeliten drnsklben schreien nicht mehr: »Wer beschafft uns »scher) Fleisch? oder wer lehrt unsrrc Kinder dir Religion >d ihre Vorschriften?" sondern: Wo finden wir vassend« chulen, worin sie für .Einjährig-Freiwilligen-Dienst" vor-! reitet werden? Man frägt nicht: Wo wird unsrrn Töchtern elrgenheit gegeben, sie z» tüchtigen, bescheidenen, frommen; raelitijchen Frauen zu erziehen? svndern: Wo werde» die! »stigtn Mütter »ur besten» für de» .Salon" und für de»! ötzendienst der .Mode" erzogen? Man schickt die jungen ahne »ach solchen Anstalten, wo dir andere Schulbildung "ugsam gehegt und gepflegt wird, aber das Herz für die väterliche rligion leider leer bleibt. Man feiert die bürgerltchen Feste solchen jüd. Anstalten in der besten Form, aber Sabbath d Jcsltage werden stiefmütterlich behandelt. Man hält chl Freitagabend einen viertelstündigen und Sabbathmorgen einen '/.stündigen Gottesdienst ab, man hält dann Schule bi« I Uhr, nach Tisch wird dann oft ein 2, 3 und «stündiger Spaz ergänz gemacht und wenn'« Nacht wird, dann geht der liebe EchabboS-Kaudesch dahin ohne jede besondere Weihe, wie alle anderen Abende. DaS ist da« Bild einer jüdischen Schulanstalt in Norddeutschland, die für jüdische Freischüler gestiftet war. um religiöse Bildung in die Gemeinden zu bringen. Man hat diese Frcischulc zu einer Realschule 2. Range» erhoben, worauf sie daü Prüfungsrecht zum Einjährig-Freiwilligen-Dienst erhalte» hat'. Run strömten viele größere und kleine Söhne wohll-abender Eltern hierher, um sch für jenen Dienst vorzubereiten, besonders solche, die sich zu Hause der elterlichen DiSeiplin nicht fügen wollen. Gern muß man zuaestehen, daß diese Schule gute DiSeiplin hält and die Schulbildung der Knaben sehr fördert, allein im Interesse des JudrnthumS wäre ganz vorzüglich zu wünschen, wenn die religiöse Bildung mehr gehoben wiird.°. Realschule» findet man jetzt fast i» den »leisten Mittelstädten. Dort befinden sich auch kleine Gemeinden, welch: aus Mangel an Geldmitteln den Lehrern nur ein dürftige« Dasein bieten können. Bei 4 oder S guten Pensionärrii fänden diese Lehrer ein respektables Auskomnien und de» Zöglingen würden Mittel und Gelegenheit genugsam geboten, nicht nur eine gute Rcalbildung, sondern auch eine vollständige religiöse Erziehung und Bildung zu erhaben. Da» bitten wir ernstlich zu überlegen. An« HIerschkeste« erhalten wir auf den Artikel ,auS Schlesir»" in Nr. 15—10 dies. Blatte», welcher diverse 2chä)rn bei Rabbinrrwahlrn bloßlegte, von .einem Gcmeindevrrin ter, der gleichfalls vor einer Rabbinerwahl steht". eine Entgegnung, die wir au» Achtung vor der Person de« Einsenders mit Hinweglaffung der einleitenden Sätze") und des Schlußes hier folge» lassen: .. . . Doch nun auch »och ei» ernstes Wort zur Hantiiabung der Rabbinerwahlen. So lange da» Iudenthum, wir meinen glücklichenveise, keine fcstgeschlosscnc Hierarchie, keine gegliederte Kirchenverfassung hat, so lange wird der Modus der Rabbinerwahl. und wir nieinen wiederum glücklicherweise, in tun Händen der Gemeinden oder deren Vertreter bleiben. Es wird sich zwar l-äufig, leider vielleicht allzu häufig, der Fall wiederholen, daß dir Wähler, glcichgiltig ob sie auf ältere, bereit« in Schrift und Wort erfahrene, hon glaubwürdiger Seite empfohlene Kandidaten, oder aus einen .obskuren Neuling" ihre Wahl lenken, sich in ihrer Hoffnung und Erwartung getäuscht sehen. Da» menschliche Fehlen liegt nicht allein an den Wähler», auch an den zu Wählenden, darüber könnte Schreiber dieser Zeilen intcreffante Fäll, mitthcilen. Leider wird bei Empfehlungen, seitens hochgestellter Rabbiner nicht nur eine eigcnthümlichc, milde"") Präzis geübt, svndern r« ist auch bedauerlicher Weise der .gelehrte" nicht immer ein .braver" Mensch. Da »un das Fehlen auf beiden Seiten liegen kann, so fi iden wir einige ganz unqualifizierbare Bemerkungen in dem anaezogenrn Artikel ganz unstatthaft, z. B. den altjüng'rrlichen Hinweis der Rücksichtnahme auf einen Schwieger- »> Wir demerten, das, dldarln uorfommniDcn Bermuthungen über die Person unsere« tlorrespondenien keineswegs zutressen, und sind e« Letzterem Ichutdtg, au« da« «Herbes,«mmtesle zu erklären, dag derselbe sich nlemal« um da» betr. Rabbinai beworben bat. auch zu dein Wunsche, e« zu erlangen, kelnerlei «nlali habe» kan», ja bah srlne» Wlssen» unier 'den tlanbidate» nicht elnmal ein lhm b-sreundeier Rabbiner sich befindet. iiffed.) —) La» ist doch teichi begreiflich. Wir haben einmal einer Gemeinde, die un« ivegen eine« anzustellende» Beamten besragte, eine» Iheil der Wahl heil über de» Betreff,»den unter stiengsier Diseretio» milgcthellt: nach einiger Zeit besand sich der Beamte in, Besitz «nsere» Schreiben» und ^gründete daraus eine Klage gegen »»». von der wir allerdings — nichdem wir den Beweis der Wahriten angelreten — in zioeiter Insnnz sreigesprochen wurden. D«'r Beamte sungiri jetzt a»stand«Io» t» einer grosien Äemetnde. Soll inan flch nun vielleicht die stereothpe «ntwor, jene« «aufmanne« anetgnen: .Wir bedauern, Ihnen über R. A. feine «u«tunst ertheilen zu wnneu, da wir nur gute Autkünste erthetle»". tRed.j

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