Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 19.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 189 — Dirl'r Fragt« warm and sind nur immer Fragen der Zeit wd werdem in brr Gegenwart nicht rntschtrde». Erst eine patcrr Zeit wird da» Unheil fällen, wer r» ehrlich und gut l,,mkiut. da« Richtige erkannt und da» Heilsame gewollt t)at. Würde» die Gegner, weil aus dem Gebiete de» Gciligen, auch nur mit geistigen Waffen kämpfen, jo würde der tamps al» rin woblgemrinter auch rin l>ri>samrr sein, wir cd«- tC"CB ccv'? npSma k« von jeher war. Leider ist iler, wenn der Egoismu« vorherrschend ist, der FanatiSinu« «ie Triebfeder, dessen Prinzip in allen Eonsessionen der unglücklich« Wahn ist: .der Zweck heilige da» Mittel". | Ll>gleich im Judrnthum BtCCI HpTlE "jNN .der Weg ge» Tugend und de» Recht»" von Gott selbst den» Abral-am Us "7t bezeichnet wurde (l.B. M. iej, l!>), so lwttrn so«h die Propheten, die da« Volk diese» Weg führen wollten eicht nur schwer, sondern während ihre» Leben» in ihrer Zeit wch erfolglos zu kämpfen. Leiten, dag dir Masse dr» Volke« der lauteren und einen Wahrheit zugänglich ist. Der ENg der Tugend und Reell»» erfordert mehr Lelbslt>kherrschung und Anstrengung *» Geiste», al» der durch Mhsticisinu» i» den Lel>ren und i'hsiisch« Gebräuche in dem Eultu» verdunkelte Gehorsam, fiu» der Geschichte der Menschheit liehen sich tausende von Beispielen ansührrn. und auch dir iyeschichte Israel» ist berau» reich an Beispielen, wvuiit sich diese» auSweisr» »che. Wir brauche» ja nur a» die Proplietr» Israel» zu enlcn. Sie rvollteu wahr gegen d,r» Volk sei» und waren » auch, aber ihre Lehren wirkten erst in späterer Zeit, während e in der ihrigen verhallten. Der Demuthvollste der De- »ütl'igm sah sich zu dem Schmer,zrnsschrei veranlasit: .noch „Wenige» und sie steinigen mich". Und Mose« hatte doch l>r sein Volk grthan. wo« lein Mensch aus Erden jemals dr da« jcinige that. Auch Samuel, dieser sch»» vom Muiterleil>e a» Gott eil-rihetr Prophet, er wurde durch da» Benrhinrn de» Volke» v lies betrübt, dasi Gott ihn mit den Worten tröstete, .sie d>br» ja nicht Dich, sie hal>rn mich geschmäht, verworfen". Der für BLCC" |5TJf für Tugend und Recht begeisterte esaia» verunheilte schon inulhig dcn Wahn, dasi nicht die meusierlichkrit" da» wahre Judenthum seien, sondrrn dag d» Judenthum vor Allem Tugend und Rechtlichkeit >>eische; jedoch er ward ein Opfer seiiier W,hrl>astigkkit und isrichiigen Gotte«vrrrhru»g. Der Prophet Jcrcmia», der den falschen Propheten Ngrgrntrat und da» Volk zur Unterwerfung untrr die lhaldäer ermahnte, sich in Babylon den Gesetzen zu fügen, nd diese» wie sein Heimothland zu liebe», würde seinen od im Schlamme gesunden habe», l)ätte nicht rin Chuschitc » hrrauSgrzogrn. Und wie erging r» den« Propheten gck)arjah'? Gar mancher F«»iatikrr. der am CKC TTTCTl vielleicht Rtfr Thronen die Worte der di läget jeder reritiN: 21T CK! P51 |7D "7l snpCC. schenk sich doch lwutc nicht, kinrni irlidKn und ausrichtige» Rabbiner einen Stein auf da» »ab zu ivcrsr». weil drrsribe bei seiner Ehrlichkeit auch lirdlich und nicht fanatisch, dir Spaltung in der Irmeinde zu verhüten bestrebt war. Dr Meyer I Hannover und Dr. Herzfeld in Braunjchweig f. A. bleibe» I selbst von den Fanatikern im Tode nicht verschont. Nachdem wir durch da» Studium der Commentare deikender jüdischer Gelehrte», wir Jb» E»ra. Kimchi Abrrbanel, Sephorno und Andere veranlasit und befähigt wurden. da» Geistige de» Judenthum» zu erforschen und seinen Lichtglanz der Welt zu zeigen, geläutert und gereinigt von dem Heidnischen und diesem venvandtrn Kabbalistischen, wa>r auch aus da» praktisch-religiöse Lcbey der Juden einen sehr schädlichen Einflusi hatte, dürfen die aufrichtige» Männer der Wi scnschaft und die um da» fernere Bestehen de» Judenthu n» besorgte» ehrlichen Rabbiner sich durch Schmähungen und Brrunglimpsunge» von Seite» der Ignoranz und de» Fanatismus wahrlich nicht abschrecken lassen! Eine spätere Zeit hat »och immer den Bekämpfrr n der Du ikclmünnrr Recht gegeben. Sapienti sat! Wer e» verstehen will, der versieht eS." Gerichte und Correspondenren. Deutfcklaud. Magdeburg. ..Hazephira" bringt einen sehr sympathisch gelmltenrn Artikel über die in Berlin projektirtc Rabbinerversainmlung. E» ist rin Erwachen au» langem Schlafe, ein Breihcn mit dem Jiidiffercutisinus. der Beginn einer neuen Zeit, da die Rabbiner dr« Herzen» von Europa sich vereine», »ich! um neue Gebetrituale zu ersinurn oder sonstiger Ritualien weg« u, soudern um daS Gemeinsame zu festigen, zur Abwehr gegen innere und gegen ä» sie re Feinde. Den Kampf gegen Letztere »uterschätzt der „Ruudschauer" der Hazephira freilich durchaus. Er hat sich da» Bild de» Antisemitismus, nicht klar gemacht, falls derselbe keine Bekämpfung erfahren liättc. Will man aber die Wirksamkeit eine» Mittel» bestiinme», niusi man zürnt die Vorstellung geivinnc», wie wäre der Zustand ohne die Ainvrndnng diese» Mittel» geivordc». wie lfätte sich — die Krankheit entwickelt. Eine Radikalkur haben unsere Per» theidigrr nicht Imuirft. aber sic haben da» Uebel lokatisirt und 'S gezwungen, seine schlinnne» Säfte — Läge. Bornirtheit. Wut» re. — deutlich nach Ausirn hin zu bekunde». Freilich darir stinnnen wir der Hazephira z». ivichiiger, vielleicht auch angr irhmer und erfolgreicher ist der Kamps gegen die Zerrüttung i>» June r n, wenn man — wie da» Programm besagt — sich sofort an die Jugend ivendet. und ltlefserung durch Unterricht erstrebt. Er ruft begeistert: .Gebet dem Pvlkidie Thora tviedcr, macht ihm Israel» Wissen zu Eigen, lehrei e» seine Littrratur und seine Geschichte kenne», befähigt e». seine grosirn Männer zu sckfätzen und au» dem Quell feiner Weisheit zu schöpfe», dann wird da» Volk fest stellen inmitten aller Stürme und Versuchnngc»." Un» will'» be> dünkcn, dasi sich auf diesem Gebiete gar Viele» wird erreichen lasien. Hand in Hand musi damit gehe», Hebung de» Stande» nach innen und ausirn, den wer leisten soll, musi seine» Wcrthc» sich lnvusit sein. Araadeuburg a. d. K, l. Mai. (Or.-Eorr.) Sic Haber, verehrter Herr Redakteur, Ihrem zweiten Eorrespondrnteii au» Württemberg (Nr. l7 der J»r. Wochenschrist> .aä vuoem Restle" in dankcnsiverthrr Weise Ihre Ansicht z» erlrnnen gegeben. Indes; finde ich mich noch z» folgenden Bemerkungen veranlasit: l. Wenn Herr Dr. 4t. gegen die Blutbcschuldigung Rohl ng» anftrat, so ist c» einmal, wie -ie bereit» lfervorgehoben, kein besondere» Verdienst, im Kampfe der Wahrheit gegen die Lüge sich für die entere zu entscheiden; ferner war die» lfier »m so mehr »nabweisbarc Pflicht eine» jeden wirtlichen Ehristen, al» jene Lüge, wie ich i» meinem Offenen Send ichreibr» a» den Hofpr. Dr. Löber in Dresden (Nr. 42 der Jsr. Wochenschr. und Nr. 37 und 18 de» Süddeutsche» Soniitagsbl. für die Gebildeten aller Confcssivnen. Jahrg. 1883) erwiesen, die allergröhte Lästerung de» Ehristenthuoi» und seine« Stif ter» mit einschliesit; sodann