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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 19. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 19.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Wir wollt» Andtrrn da» Wort geben und einige der Stimmen der Entrüstung, die uns in den letzten Tagt« zugekommen. hier abdrucken. I. Au» Berlin. „Wenn der Grad der Entrüstung und Abneigung gegen unserr modernen Schrinfrommrn, d?h. gegen alle jene lärmschlagcnden Eiferer, dir ihre Frömmigkeit überall scheinen lassen und zur Schau trugen, wo sie nur eine stupid | gläubige Seele oder in der Bildung und Gesittung zurückgebliebene Dorfgemeinde aufstöbern können, noch einer Steigerung fähig wäre, so würde jenes ekelhafte unlogische Machwerk der bekannten Sippe in Sachen der Landrabbinerwahl in \ Cassel diese» bewirkt haben. Wirklich, e» erpreßt uns ein j Gefühl tiefster Indignation und Scham, ein solches verleumj derischc» Schriftstück wie diese Petition in den Händen christlicher j Behörden zu wissen, die nicht so genau wie wir wissen, welchen - kläglichen Theil der jüdischen Bevölkerung diese Dunkeli männe.- vertreten. von jenrr grenzenlosen Frechheit ganz zu geschweige», mit ivelcher diese „Frommen" die Vertreter der geachtete» Casseler Großgemeinde zu besudeln versuche». Freilich prallt ihr unsauberes CKschütz zurück und trifft die Schützen. Aber beschämend, tief beschämend ist e» doch, rin solche» Schauspiel vor de» Augen aller Welt aufführen zu sehen. Um den Charakter dieser „Hochwürden" i»> Geiste vollständig vor sich zu hal»en. muß man sich nur vergegenwärtige», mit welchen Lchmricheltönrn sie bei Beginn der Rabdiuerwahl in dem Leidorgan dieser Partei dieselben Vertreter der Caffeler (Gemeinde umworben haben, ehe sie wußten, daß alle» da» verlorene Liebesmüh und die Trauten ihnen zu sauer seien. Die Vertreter nutz die Interessenten de» Casseler Lande». rabdinatS niögen sich diesen widerwärtigen Unkenruf wohl zur Warnung dienen lassen und zur Ehre de« Judenthnm» verhindern, daß Menschen, die eine» solchen Chiliul huchem fähig sind, auch nur den kleinsten Scheinerfolg zn verzeichnen hätten. Da» einzige Gute, da» die Sache hat. ist, daß r» vielen Gemeinden endlich die Augen darüber öffnet, was sic von dieser Zeloten Partei zu envarte» habe». W. -g.“ II Au« dem Cassel'schen geht un« Folgende» zur thatsächlichen Bcrichtung bez. der Petition zu: 1. Unter allen Unterzeichnern der Bitffchrift ist wohl kaum ein Einziger, der de» Unterschied zwischen dem Standpunkt der verschiedenen Rabbiner-Seminare oder überhaupt w»iß, wa« unter „Tradition" verstanden wird. 2. Die Breslauer Anstalt, welche Rabbinen heranbildet, dir nach Hunderte» zählen und in alle» großen Gemeinden von ganz Deutschland fungiren, in dieser Weise bei einer König!. Behörde zu verdächtigen. ist nicht nur ein OOTl *71-777, sondern Verunglimpfung de» ganzen deutschen Judrnthum«. 3. Während der 32jährigen AmtSthätigkeit de» Herrn vr. Adler in Hcsien ist »veder von einer Gemeinde, noch von einem Einzelnen, tveder bei dem Vorsteheramte, noch bei einer Lömgl. Behörde eine Beschwerde vorgekommen gegen die AintSthätigkeit oder gegen den religiösen Lebenswandel, oder gegen rituelle Entscheidungen desselben; vielmehr haben ihm die Gemeinden gerade der Kreise.Fritzlar. Melsungen Witzenhausen, gleich allen übrigen, unzählige Beweise chre« Bertraueu» gegeben, nnd noch holen sich die jüdische» Bewohner der Landkreis Rath bei demselben und legen ihm ihre ritudla Fragen zur Entscheidung vor. Selbst der scel. Lreisrabbiner vr. Wetzlar, a, de» die Orthodoxen in ihrem Bittgesuch sich so fiad berufen, richtete von Frankfurt, woselbst er sich nis seiner Pensionirung niedergelassen hatte, an vr. Adln folgende» Gratulationsschreiben: „Frankfurt a. M.. 17. Mai 1877. Hochwürdigcr Herr Landradbiner vr. Adler zu Casscl Echr verehrter Herr College, Theurer Freund, gefeierter Herr Jubilar? .12 rp n02 K*7K pjj52 *7271071 *7K tNeftützl auf diesen Ausspruch des großen gelehrig “TKO "1. auf Ihr mir stets geneigtes Zsohlwollcn, wie au auf Ihre mir oft kundgcgcbenc Frenndfchaft und Ihr gialische» Vertrauen ermuthigcn mich, meine herzliche mt innige Gratulation zu Ihrem Jubiläum. Ihrer 25 jährige eifrigen Thätigkeit in Kurl-effen, besonders in der vonnaliga Provinz Riederhefst», darzubringrn. Meine Feder ist viel schwach und durch mein hohes Alter zu abgestumpft, um I Fülle meiner innige» Wünsche in Worte zu kleiden, memo Gefühlen und meinen Gedanken Ausdruck zu verleihen, nur zu bezeichnen und sic kund z» geben, noch »veniger bd ich im Stande, bei Ihrer Iut»la»Feier t>crsönlich nnd Zeug der Verehrung, dir Ihnen von Allen daigr-bracht werden wie zu sein, deshalb genehmigen Sie, Hochverehrter Herr Jubila 210 OV 1712 ,1115 3"5 ICK 721712 ,15152 17121071 folgendem Pfalm-Ausdruck k2'33511 0'3t51 712152 P2V 11*777,2 13,71*7np*7 71121 BW 15121*7 1*1713151 12' *72 ’lj »121 ** 151 *7113 '2 2j75* die herzlichsten und gemüthlichm Wünsche Ihre« Sie hvchschätzenden Freundes und Colle, Der Krrisrabbiner Wetzlar." III. Von dritter, ehrlich konservativer Seite schreibt ma un«: „Mit einem aus dem Gebiete der jüdischen, wie der gemeinen Wissenschaft in der Gelehrtenivelt wohlbckanntt Manne hatte ich Gelegenheit, mich dieser Tage über die Fry der Landrabbinerwahl zu unterhalten Ganz besonderab über die Art, wie die sich „grsetzestreu" Rennenden e» wag« Männer, die im besten Rufe stehen, ungrscheut in unqual^ fizirbarer Weife zu beschimpfen und in den Staub zu ziel Die Ansichten und Aeußrrungcn diese» Manne» üb diese Frage waren ungefähr folgende: Männer der Wiss schuft, die offen und ehrlich die Wahrheit lehren, sei e« duä da» Wort oder durch ihre Schriften, können selbsiverständ sich nicht stet» einer allgemeinen Zustimmung zu erfrci habe», denn dazu sind die Ansichten der Menschen und ' Bildungsgrade viel zu verschieden. Entsteht nun über schirdene Ansichten, gleichviel aus welchem Gebiete, ein St> so muß derselbe nur mit ehrlichen Waffen geführt wer! Glaubt man jedoch, »vie r» die „Reuorthodoxic" jetzt Vorliebe thut, Schmähungen und Berunglimpsungen Gegner seien unbedingt erforderlich, dann muß e» der diese Weise Angegriffene unter seiner Würde halten, sich i vertheidigen oder auch nur zu rechtfertige«. Was ist e» denn, was die „Orthodoxen" so sehr erhitz E» sind die großen Fragen, die da- Judenthum

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