Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 18.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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134 — Die Feier selbst, welch« in den durch Pflanzen und Decorationen auf» Reichste geschmückten Sälen statifand, war eine sehr würdige, wenngleich man von vornherein auf eine Mitwirkung der Geistlichkeit verzichtet hatte, um weder nach der einen noch der andern Seite hin Anstoß zu erregen, wie e» in Hamburg bei solchen Gelegenheiten fast immer von der einen oder andern Partei empfunden wird. (Traurig!) Von den Grladenrn war die Oberschulbehörde nebst ihrem Präses, Herrn Bürgermeister Dr. Kirchenpauer, säst vollständig ^schienen; die jüdische Geistlichkeit war nur schwach vertreten. Außerdem waren die Vorstände und Repräsentanten der Gemeinde, der Synagogm- und Tempelverbände, die Direktionen beider Schulen mit ihren Frauen, sowie da» Lehrerpersonal anwesend; im Ganzen etwa zweihundert Personen. Ein Ehorgrsang leitete die Feier ein; darauf ergriff Herr N. da» Wort und gab seiner Freude über die glückliche Vollendung de« wohlgelungenen Baue« Ausdruck, indem er allen bei dein Baue beschäftigt gewesenen dankte und da« Gebäude der Gemeinde al« Eigrnthum übergab. Der Präses des Gemeinde-Vorstandes dankte Herrn N. für das der Gemeinde in so hochherziger Weise dargebrachte Geschenk und den Staatsbehörden für da» Wohlwollen und die Huld, welche sie der Gemeinde stets erwiesen und durch die Schenkung de« Platze» von Neuem zum Ausdruck gebracht. Ehmgesang folgte der Ansprache und nahm alsdann der al« Präses der Schule fungirende Gemeindevorsteher zu einer längeren Rede das Wort. Er lieferte ein Bild von dem bisherigen Wirken der beiden Schulen, von dem Bestreben, welches Beide stet« geleitet, von den Zielen, welche sie sich gefleckt und von der Hoffnung, welche ihn und auch wohl die Anwesende» alle für die Zukunft beseele. Nachdem er noch den göttlichen Segen für da» Gedeihen der Schule erfleht und sie dem Schutze de» Ewigen empfohlen, dankte er allen Lehrern und Lehrerinen für ihre Pflichttreue und knüpfte den Wunsch daran, daß ein gleich collegialische» Zusammenenhalte» auch unter der vereinigten Leitung der Schule fortdaurrn möge. Der Rede folgte der Schlußgesang; und hielt ein Frühstück. dem rin Tanz sich anschloß. einen Thril der Erschienenen noch lange in größter Fröhlichkeit vereint. M»»che», 18. April. (Or.-Eorr.) Einen fast unersetzlichen Verlust erlitt die hiesige israelitische Gemeinde durch da» am 29. v. M. erfolgte Ableben ihre» Oberlehrer», de» Herrn Lazaru« Baum. Rach nur dreitägigem Krankenlager hauchte der Dahingeschiedrne im rüstigen Alter von kaum VS Jahren seinen Geist au», nachdem er während eine» Zeiträume« von 34 Jahren der hiesigen israelitischen Schuljugend ein wohlwollender, gewissenhafter, überaus tüchtiger Lehrer und Berather gewesen war. Seine glänzenden fachmännischen Eigenschaften, im Bunde mit seinem vortrefflichen Eharakter, erwarben ihm die unbegrenzte Liebe und Hochachtung aller derer, die Gelegenheit gesunden, zu chm in Beziehung zu treten. So gestaltete sich denn auch sein Leichenbegängniß zu einer wahrhaft erhebenden, imposanten Feier. Nahezu die ganze Gemeinde, deren Mitglieder zu einem großen Theile in dem Verstorbenen ihren Lehrer verehrten, sowie die Leiter, Lehrer und die nach Hunderten zählenden israelitischen Schüler verschiedener hiesiger Mittel¬ und Volksschulen hatten auf dem Friedhofe sich zusammen» grfunden, um den Verblichenen zu seiner letzten Ruhestätte zu geleiten. Am Grabe enttollte Herr vr. Perle» in meisterhafter Rede ein Bild de» Heimgegangenen und verlieh thränenumflorten Auge« den Gefühlen der trauernden Zuhörer einen ergreifenden Ausdruck. Hierauf zollte Herr Rechtsanwalt vr. Rau, al» Vertreter der israelifischen Kultu»- verwaltung, deren sämmtliche Mitglieder da« Andenken de» Verklärten durch ihre Anwesenheit ehrten, in herzlicher Weise dem musterhaften Beamten Dank und Anerkennung über da» Grab hinau». Schließlich widmete noch Herr Schulrath vr. Rohmeder dem „Lchrer von Gotte« Gnaden" — wie er den Hingeschiedenen nannte '— in vollendeter, innerstem Herzen kommender Rede, Worte der Liebe, barkrtt und Verehrung und legte Namen» de» Lehrerkolleg der städtischen Handelsschule einen Kranz am Grabe nn — Erhebender Gesang de» Synagogenchores eröffnete schloß die Trauerfeier. Um auch etwa» Erfreuliche« au» der hiesigen Gern, zu berichten, sei hieran die Mittheilung gereiht, daß mit seit Drrennien angesttebtm Neubau nunmehr begonnen ivl ist. Au» verschiedenen triftigen Gründen sah man von sonst auf dem Bauplätze üblichen officiellen Akt der fti stcinlegung ab und beschränke sich darauf, diese« bedeui Ereigniß durch einen am Sabbath Terumah in der S goge stattgefundenrn Festgottesdienst in entsprechender zu feiern. — Bei der am 15. d. M. vollzogenen Rcui der Verwaltung der hiesigen israelitischen EultuSgemi hatte sich eine lebhafte Wahlbewegung kundgegeben. .Augsburger Abendzeitung" berichtet darüber: .Es >, nicht weniger als vier verschiedene Wahlvorschläge i» lauf gesetzt, die indeffe» bezüglich der in Vorschlag gebra, Wahlkandidaten mehrfach übereinslimmten. Bon dens ist jedoch nur der Vorschlag und zwar vollständig und sehr groben Majoritäten durchgedrungcn. nach welchen den 18 bisherigen Mitgliedern des AuSschuffe« 16 toii und nur 2 neugrwählt wurde», so daß die Wahl als vollständiges VertrauenS-Botum für den bisherigen Auss erscheint. ES ist die» auch insofern von Bedeutung, dieser Ausschuß den Neubau einer großen Synagoge schloffen und mit den Bauarbeiten auch schon begonnen Unter den Wirdergewählten befinden sich zudem med Herren, die bereit» über zwanzig Jahre »nuntkrbrochr» VerwaltungSausschuffe angehören". 4)esterr-ick»-Unaarn. Krakau, 21. April. (Or.-Eorr.) Die Wiederkehr de« j verflossenen PessachfestrS hat sich Heuer bei unS durch ei! hartnäckig geführten Streit zwischen den religiösen Pari! angekündigt. Da» Streitobjekt war da» Mazzotmehl. hiesigen Dunkelmänner weigerten sich nämlich von uns fortschrittlich gefärbten EultuSvorstande da« Mazzotmehl bezieheit und fabrizirten sich die Mazzot auS ihrem eige unter Aufsicht de« Herrn Akiba Kormtzer, Schwiegersohns verstorbenen Rabbi Schreiber, gemahlenen Mehle. Jntrress, und für die hiesigen Verhältnisse charakteristisch ist nun Intervention zweier auswärtiger Rabbiner, die da von bcii Seiten um ihre Wohlmeinung angegangen wurden. )> Aeußerungen wurden während der Feiertage auf gedruck! Eirculären verbreitet. Da verbietet einmal der Rabbi! von Lublin strengsten« den Bezug des PeffachmehleS der separatistischen Partei, nachdem der Borstand den gewinn aus dem Erlöse wohlthätigen Anstalten der Gemen »uwende - offenbar die Antwort auf eine von der B standSpartei an ihn geftelltm Anfrage. Ein zweite« Schul stück bringt wiederum die Antwort desselben Rabbiner» die von Seite der Ehaffidim gestellte Anfrage, ob denn da von ihnen fabricirte Mehl wirklich nicht gebraucht werdi dürfe und er — erlaubte die« — mit der Bemerkung, d Sache sei ihm von der Gegenseite schlecht dargestellt wordo Unter den Umständen, die er jetzt erfahren habe, 1S2» TO3VTU Bei solchen Gutachten gewinnt da« Ansehen d« religiösen Satzungen tvahrlich nicht! Auch vom Wischnitzer Rabbiner cirkulirte «in in ein« nicht schr achtungsvollen Tone gegenüber dem Borstande » haltene« Schreiben, in welchem er die Ansicht ausspricht, da dasjenige Mehl, welche« nicht unter der Aufficht Kornitzerl al» de«, wie er meint, von der Majorität der Krakauer & meinde erwählten Rabbiner«, bereitet wurde, nicht auf en Tekana der Gemeinde behuf« de« Verbote« zurückzefühi werden könne, da» gehöre nicht zu den Tekanot, sondern » den rrnpn und Snpn rn»D. Dem Vorstand« der G meinde ruft er zu, daß sie wohl in der Arznei, aber nich in der Religion bewanden seien. (Der Vorstand beslck